Update: 03.11.2015

Bismarckturm mit Kriegerdenkmal
Der Bismarckturm in Ratzebuhr

Bauplanung

Der "Gemeinnützige Verein für Ratzebuhr in Pommern" unter Vorsitz des Postvorstehers Ernst Nitschke regte am 13. April 1907 den Bau dieses Bismarckturmes an.

Als Standort wählte der Gemeinnützige Verein den nördlich der Stadt liegenden Tetzlaffberg (191 m über NN) aus. Die Stadtverordneten bewilligten den Bauplatz sowie einen Zuschuss von 300 Mark.

Finanziert wurde der Turmbau durch freiwillige Spenden, die durch Sammlungen, Lotterie und Werbung eingenommen wurden. Die Bauern lieferten kostenlos Baumaterial zur Baustelle.

Die Gesamtkosten für den Turmbau betrugen 12.800 Mark.

Bereits Anfang 1908 waren 3.000 Mark an Spenden gesammelt worden, sodass der Grundstein bereits am 01.04.1908 gelegt werden konnte.


Bauarbeiten

Ausführender Baumeister und Architekt des Bauwerkes war Baumeister Stelter aus Ratzebuhr.

Vor dem aus Betonstein-Sichtmauerwerk (Kreuzverband) und Granitsteinen (Zyklopenmauerwerk) gebauten Turm wurde auf der Westseite ein ca. 4,50 m großes Kriegerdenkmal (als Obelisk mit aufgesetztem Adler) und einer Tafel mit Namen der für „König und Vaterland“ verstorbenen  Bürger Ratzebuhrs platziert.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der ca. 22 m (nach anderen Angaben 24 m) hohe Aussichtsturm mit Feuerschale lässt sich in drei Elemente, Sockel, Turmschaft und Turmkopf gliedern.

Alle vier Seiten des schlanken Turmes sind verschieden gestaltet, Rundbögen wechseln sich mit Spitzbögen ab. Neben treppenartigen Verzierungen, Nischen, verschiedenen Verzierungen durch Ziegelmauerwerk, Felsgestein in verschiedenen Farben sind auch die Fenster unterschiedlich gestaltet.

Auf einem 1,50 m hohen quadratischen Unterbau von 5,00 m x 5,00 m erhebt sich, leicht zurückgesetzt (4,84 m x 4,84 m), der sich nach oben hin verjüngende Sockelbau bis zu einer Höhe von 4,85 m.

Auf der Westseite ist eine 4,35 m hohe und unten 2,00 m breite Nische eingelassen, die nach oben zum halbkreisförmigen Abschluss hin etwas schmaler wird. Vor dieser Nische wurde ein ca. 4,50 m hohes Kriegerdenkmal in Form eines Obelisken aufgestellt.

Der Eingangstür auf der Ostseite ist eine 1,30 m lange Treppe mit zwei Stufen vorgelagert. Die untere halbkreisförmige Stufe ist 0,32 m hoch, 1,75 m breit und am Scheitelpunkt 0,75 m lang. Die 2. Stufe ist 0,20 m hoch, 1,80 m breit und 0,55 m lang.

Über die Treppenanlage erreicht man die 0,52 m über dem Plateaubereich liegende 1,27 m breite Eingangstür mit halbbogenförmigen Abschluss (Höhe mittig 2,07 m, an den Seiten 1,90 m).

Über eine rechtsdrehende Holztreppe auf der linken Seite mit insgesamt 86 Stufen über mehrere Absätze hinweg erreicht man die Aussichtsplattform.

Der Sockel ist optisch mittels eines nicht durchlaufenden Zinnenfrieses in Höhe von 4,85 m vom eigentlichen Turmschaft getrennt.

Der Turmschaft schließt in ca. 16 m Höhe seitlich mit schmalen bedachten Eckpfeilern ab, die Mittelflächen gehen ohne optische Trennung in den etwas schmalen Turmkopf über.

Auf der Zinnenaussichtsplattform wurde eine Feuerpfanne installiert.

Am Turm (genaue Stelle unbekannt) wurde ein Bronzerelief von Bismarck, welches in der Aktien-Gesellschaft für Eisen und Bronzegießerei in Mannheim hergestellt worden war, angebracht. Zudem wurde ein Fenster aus farbigem Glas eingelassen.


Turmgeschichte

An der Einweihungsfeier am 16.08.1908 (nach anderen Quellen am 23.08.1908 bzw. erst 1912, siehe unten), bei der gleichzeitig auch das am Turm befindliche Kriegerdenkmal eingeweiht wurde, nahmen zahlreiche Bürger und Vereine teil. Die Festrede hielt Landrat Eckart von Bonin (1854 – 1912), der in der Rede auf den zehnten Todestag von Otto von Bismarck Bezug nahm.

Ernst Nitschke schilderte in einer Rede die Entwicklung seines Planes, einen Bismarckturm in Ratzebuhr errichten zu lassen, von seiner Entstehung bis zur Ausführung innerhalb von 16 Monaten, und übergab den Turm sowie das Kriegerdenkmal an die Stadt Ratzebuhr.

Am Abend wurde erstmals das "Gedächtnisfeuer" in der Feuerpfanne auf dem Turmkopf entzündet.

Im Juli 1992 wurde das Bauwerk, auf dem Turmkopf versehen mit einem hölzernen, rundum verglasten Aufbau mit drei verglasten Fenstern, als Feuerwachtturm genutzt. Vom Kriegerdenkmal war nur noch ein Teil des Sockels vorhanden. Das Bismarck-Relief und das farbige Fenster waren entfernt worden.

Im Juni 2011 wurde das Bauwerk verschlossen vorgefunden. Auf den Turmkopf war ein Aufbau mit zahlreichen Fenstern vorhanden, seitlich davon und über dem Aufbau waren mehrere Antennenanlagen installiert.

Im Oktober 2015 war der Zustand des Turmes fast unverändert. Das Bauwerk war stärker mit Bäumen und Sträuchern zugewachsen.

Das Bauwerk wird in Polen auch Tecław-Turm genannt.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM (-WARTE) von RATZEBUHR/Pommern
- Seele, Sieglinde:
Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 325/326
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 5. Jahrgang 1907 (Nr. 7/8, S. 103), 6. Jahrgang 1908 (Nr. 4, S. 58; Nr. 9, S. 148) [Datum der Einweihung: 23.08.1908].
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 151 "Bismarck-Feuersäule bei Ratzebuhr i. Pom.", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn) [Datum der Einweihung: 16.08.1908].
- Thiel, Erwin: „Ratzebuhr Pommern von 1553-1938“, S. 45-47, S. 82-83; herausgegeben von Erwin Thiel, Nörvenich [Datum der Einweihung: 1912].
- Neustettiner Heimatkalender 1909 mit Kreis Chronik, Verlag der Hertzbergschen Buchdruckerei Neustettin: „Die Einweihung des Bismarckturmes in Ratzebuhr“ [Datum der Einweihung: 16.08.1908]
- Bielefeld, Jörg: Turmmaße (Juni 2011, ohne Gewähr)


Bildmaterial

- Krzysztof Kierek (Fotos Mai 2007)
- Marek Moson, Wroclaw (Fotos Juni 2011)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Fotos Juni 2011 und historische Ansichtskartenmotive)
- Ralph Männchen, Dresden (Oktober 2015)


Polnische Übersetzung von Marek Moson, Wroclaw