Update: 03.11.2015

Umbau nach zwanzig Jahren
Der Bismarckturm in Osterode

Bauplanung

Der Kriegervereinsvorstand regte im Jahr 1899 den Bau dieses Bismarckturmes in Osterode (Ostpreußen) an.

Der Kreislandrat und der Bürgermeister von Osterode schlossen sich dieser Anregung an. Als Standort wählte man den Osteroder Stadtpark, direkt am nördlichen Ufer des Drewenz-Sees.

Der Entwurf wurde von Baurat Gruhl aus Osterode gefertigt.

Die Kosten von rund 18.000 Mark (ohne die teilweise unentgeltlich angelieferten Baumaterialien) wurden durch Spenden aufgebracht.


Bauarbeiten

Die Bauarbeiten für den Bismarckturm Osterode begannen im Jahr 1901. Der Grundstein wurde am 01.04.1901 gelegt.

Baurat Gruhl aus Osterode übernahm die Bauleitung. Ausführender Baumeister war Carl Podoll.

Als Baumaterial wurden unbehauene Granitblöcke verwendet. Die anschließende Eingangshalle wurde als Rohziegelbau errichtet.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der 21 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit hat einen pyramidenstumpfartigen Sockel, auf dem sich ein Rundturm erhebt. Seitlich schließt sich eine aus Ziegeln gefertigte Eingangshalle an.

Der 4 m hohe, sich nach oben hin leicht verjüngende Sockelbau hat unten eine Grundfläche von 6,50 m x 6,50. Die vier Ecken des Unterbaus sind durch kleine, mit kupfernem Spitzdach und Kugel versehene Türmchen betont.

Hierauf erhebt sich der Rundturm (Innendurchmesser 4,00 m) mit aufgesetzter Befeuerungsvorrichtung.

Über die an der Ostseite anschließende arkadenartige Eingangshalle (6,00 m x 5,50 m x 4,00 m) mit breiten Rundbogenöffnungen gelangt man zur hölzernen Innentreppe des Turmes. Über diese Treppe erreichte man über drei Geschosse die Aussichtsplattform.

Im ersten Geschoss gelangt man durch einen Austritt auf das von einer steinernen Brüstung umgrenzte flache Dach der Eingangshalle des Anbaus. Im zweiten Geschoss ist das Betreten der Balkone auf der Süd- und Westseite möglich. Die 3. Etage fungiert als eigentliche Aussichtsplattform mit einem 0,80 m breiten Umgang. Über eine eiserne Leiter auf der Westseite ist vom Umgang aus der Aufstieg zur Feuerschale der Feuervorrichtung (aus Beton gefertigt) möglich.

Befeuert wurde die Vorrichtung mit Scheitholz, welches mit flüssigem Teer und Petroleum versetzt war.

Auf der Südseite des Unterbaus (Seeseite) befindet sich auf Sandstein ein bronzenes, 1 m hohes Bismarck-Relief. An den Balkonen und über dem Türmchengiebel sowie dem Ausgang auf die Plattform sind verschiedene Formen von Kleeblättern angebracht.


Änderungen nach dem Umbau 1923 oder 1925

Die Eingangshalle des Turmes wurde komplett entfernt, dafür wurde auf den Grundmauern der Halle eine Pergola errichtet. Die großen Balkone am Rundturm wurden abgerissen, auf der Westseite wurde auch der Austritt entfernt. Der rundbogige Austritt auf der Südseite wurde verkleinert und erhielt eine rechteckige Form. Die neuen Balkone waren nicht mehr so tief, sodass ein Betreten nicht mehr möglich war (nur Ausblick). Die Plattform erhielt eine Metallbrüstung.

Die kupfernen Spitzdächer an den Ecken des Sockels wurden entfernt und durch Felsbrocken ersetzt.

Der Austritt des Rundturmes wurde komplett neu gestaltet. Der Turmkopf schloss nun mit einer gleichmäßig runden Aufmauerung mit großer, runder Feuerschale ab. Die baufällige Holz-Treppe wurde erneuert.


Turmgeschichte

Die feierliche Einweihung des ersten Bismarckturmes in Ostpreußen wurde am 01.04.1902 durchgeführt. Die Weiherede hielt Landrat Gustav Adametz.

Der Bismarckturm wurde Eigentum der Stadt Osterode.

Die Befeuerung erfolgte jeweils zum 01. April und zur Sommersonnenwende, hier jeweils abends gegen 23:00 Uhr. Bis (mindestens) 1905 wurde die Feuerschale jeweils am 01. April befeuert.

Mit dem Ergebnis der ersten Befeuerungen war man unzufrieden, daher verwendete man später auch Hobelspäne und Reisig als Befeuerungsmaterial.

Am 09.08.1903 und am 21.08.1904 veranstaltete der Ostmarkenverein Volksfeste am Bismarckturm.

Im Jahr 1906 wurde die Umgebung des Turms durch Vandalismus beschädigt, rund 30 Birken und andere Bäume wurden gefällt oder beschädigt.

Um das Jahr 1923 wurde der Turm umgebaut (Anbau beseitigt, Treppen erneuert, Zinnen und Balkone abgebrochen u.a.). Die Umbaupläne stammten von Stadtbaumeister Otto Fesser. Die Feuerschale wurde erneuert.

Neben dem Bismarckturm wurde eine Gaststätte betrieben, die von Kurt Dombrowski umgebaut worden war. Die Gaststätte wurde ab 1937 von Herrn Matzko geführt.

Vor 1975 wurden die Feuerschale und das Bismarck-Relief entfernt. Eine Holz-Takelage für Efeu-Pflanzen war am Turm angebracht worden.

Im Jahr 1989 war das Bauwerk für Besucher geöffnet.

Der Turm wurde im Jahr 1993 saniert. Die Feuerschale und das Bismarckmedaillon waren im Mai 1993 nicht mehr vorhanden [Seele].

Die Pergola fehlte, auf der Ostseite war eine 5 m x 6 m große Terrasse angelegt worden, die über drei Stufen betreten werden konnte. Auf der Südostecke war in einen Granitblock eingemeißelt:

Erbaut
1902
C. Podoll

Im Oktober 2015 war das Gelände um den Turm eingezäunt. Die angrenzende Gaststätte ist zwischen Juni 2010 und Oktober 2015 abgerissen worden.

Das Bauwerk war in einem guten äußerlichen Zustand.


Links (Standort)

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 304
- Seele, Sieglinde; Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von OSTERODE / Ostpreußen
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 61 "Bismarck-Feuersäule zu Osterode-Ostpr.", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 5, S. 9); 2. Jahrgang 1904 (Nr. 11/12, S. 10); 4. Jahrgang 1906 (Nr. 4, S. 61)

- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, Nr. 80a "Der Bismarck-Turm zu Osterode i. Ostpr.“


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid (historische Bildmotive)
- Joachim Schulz (Fotos Mai 1999)
- Ralph Männchen, Dresden (Oktober 2015)


Polnische Version dieser Seite (Dank an Marek Moson aus Wroclaw/PL für Übersetzung)