Update: 16.11.2015

Grundstück vom Rittergutsbesitzer
Der Bismarckturm in Neustettin

Bauplanung

Angeregt wurde der Bau dieses Bismarckturmes im Jahr 1906 vom Konservativen Verein und Tischlermeister Renchel aus Neustettin.

Als Standort wählte man Burgwerder am Streitzigsee, südwestlich der Stadt Neustettin. Rittergutsbesitzer Dennig bot das 900 m² große Grundstück auf dem Burgwerder am Streitzigsee der Stadtverordnetenversammlung kostenlos an, welche das Angebot annahm.

Die Stadtverordnetenversammlung schätzte die Kosten des Turmbaus auf 8.500 Mark.

Etwa 5.000 Mark der Gesamtkosten des Turmes wurden durch Spenden aufgebracht.

Der Bismarckturm wurde von Regierungsbaumeister Schäfer aus Neustettin entworfen.

Die Grundsteinlegung erfolgte am 01.04.1910, Superintendent Herrmann hielt die Festrede.


Bauarbeiten

Die Bauausführung erfolgte durch Baugewerksmeister Gert Duske aus Neustettin. Als Baumaterial wurden Felssteine verwendet.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Auf einem flachen, das Niveau des Terrains ausgleichenden Unterbau mit quadratischem Grundriss von 8,00 m x 8,00 m, wurde der 19,30 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit errichtet. Die Höhe des Unterbaus beträgt aufgrund des Ausgleichs der leichten Hanglage zwischen 0 und 10 cm.

Der Turm gliedert sich in drei Elemente, den Sockel, den Turmschaft und den Turmkopf.

Turm-Sockel

Der 7,63 m x 7,63 m breite und 4,80 m hohe Sockel des Turmes erhebt sich auf dem flachen Unterbau. Der Sockel verjüngt sich auf allen Seiten bis auf 4,80 m Höhe auf eine Seitenlänge von 6,83 m x 6,83 m.

Der Eingangstür ist eine 1,40 m breite Treppenanlage vorgelagert, welche auf beiden Seiten mit jeweils 0,80 hohen und 0,16 m breiten Stützmauern eingefasst ist. Über fünf 1,20 m breite Stufen erreicht man die 0,80 m über dem Plateaubereich liegende 2,07 m x 1,04 m große Eingangstür.

Oberhalb der Eingangstür wurde auf einer 1,80 m x 0,65 m großen Sandsteinplatte die  Inschrift "BISMARCK" angebracht.

Über eine linksdrehende Spindeltreppe mit 73 Stufen in einem eigenen runden und innenliegenden Treppenhaus ist die Aussichtsplattform erreichbar. Das Treppenhaus (Mauerbreite 0,26 m) ist im Erdgeschoss durch eine 1,87 m x 1,00 m große Öffnung zu betreten.

Auf allen vier Innenseiten des Turmsockels sind große gemauerte Bögen eingelassen, auf jeder Seite 2,80 m hoch, 3,10 m breit und 0,60 m tief.

Turmschaft

Auf dem Sockel erhebt sich, leicht zurückgesetzt, der eigentliche Turmschaft, der sich von 6,03 m x 6,03 m nach oben hin auf 4,30 m x 4,30 m verjüngt. Der Turmschaft ist an den Ecken betont und fasst auf jeder Seite eine schmale Mittelfläche ein.

In den Mittelflächen sind auf drei Seiten unten und oben zwei Lichtschlitze eingelassen, auf der Ostseite etwas tiefer liegend als die im Norden, auf der Westseite eng übereinander. Auf der Südseite ist mittig nur ein Lichtschlitz vorhanden.

Turmkopf

Auf einer Höhe von 15,30 m kragt die zwei Meter hohe Plattform auf 4,70 m x 4,70 m leicht aus. Auf der Mitte der Plattform befindet sich ein 3 m hoher runder Aufbau mit seitlichem Austritt und aufgesetzter kupferner Feuerschale. Die Plattform ist rundum mit einem Geländer versehen.

Über eine Eisenleiter war der Feuerschalenaufbau zu erreichen.


Turmgeschichte

Am Tage der Einweihung (31.03.1911) wurde der Turm unter großer Beteiligung der Bürger aus Neustettin und Umgebung der Stadt übergeben.

Das Bauwerk wird in Polen auch Przemysław-Turm genannt.

Das Bauwerk wurde vor 1992 saniert. Die Inschrift war herausgeschlagen und weiß übertüncht. Auf der Plattform war ein neues Geländer installiert, die Eisenleiter nicht mehr vorhanden.

Zwischen Juli 1992 und September 2004 wurde das Geländer durch eine hohe metallene Plattformabsicherung (blau) ersetzt.

Die Aussicht auf den See war im Jahr 2011 durch Baumbewuchs eingeschränkt.

Aufgrund des schlechten technischen Zustandes wurde der Turm im Jahr 2012 für Besucher geschlossen.

Im Jahr 2013 wurden kleinere Sanierungsarbeiten durchgeführt. Hierbei wurde neuer Estrich auf der Terrasse des Aussichtsplatforms aufgebracht. Der Turm erhielt einen neuen Innenputz bis zur Höhe von 3 Metern, darüber wurde der Innenraum gestrichen. Beschädigte Treppenstufen wurden repariert, an den Mauern wurden fehlende Steine ergänzt. Das Geländer auf der Plattform wurde verstärkt und neu gestrichen. Für die Kletterei wurde der Turm mit Seil-Befestigungen ausgerüstet. Der ehemalige Feuerschalenaufbau wurde mit Dachpappe gegen Regen gesichert. Eine geplante Treppenhausbeleuchtung und ein neues Treppengeländer wurden nicht realisiert.

Die Wiedereröffnung des Bauwerks erfolgte im August 2013.

Im Oktober 2015 war das Bauwerk zum Klettern (Außenmauern) freigegeben.

Der Bismarckturm ist ganzjährig, aber nur tagsüber geöffnet (Stand: 2015).


Links

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Externe Foto-Galerie


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 291
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM (-WARTE) von NEUSTETTIN /Pommern
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 173 "Bismarck-Feuersäule bei Neustettin", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
Zeitschriften des Bismarck-Bundes: 5. Jahrgang 1907 (Nr. 12, S. 216), 8. Jahrgang 1910 (Nr. 5, S. 79), 9. Jahrgang 1911 (Nr. 5, S. 92)
- Bielefeld, Jörg: Turmmaße (Juni 2011, ohne Gewähr)


Fotografen

- Dr. Wolfgang Seele, Mannheim (September 1992)
- Marek Moson, Wroclaw (Juni 2011)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Juni 2011 und historische Ansichtskartenmotive)


Polnische Übersetzung von Marek Moson, Wroclaw