Update: 07.04.2013

Bismarckturm an der Dreikaiserreichsecke
Die Bismarcksäule in Myslowitz

Vorbemerkungen

Der Bismarckturm in Myslowitz gehört zu den 47 klassischen Bismarcksäulen nach dem Entwurf „Götterdämmerung“ des Architekten Wilhelm Kreis. Ungewöhnlich an der Baugeschichte dieses Turmes ist, dass der Bau nicht in Privatinitiative durch Spenden, sondern vom Kreistag (Landkreis Kattowitz) angeregt, geplant, finanziert und erbaut worden ist.


Bauplanung

Der Landkreis Kattowitz regte bereits im Oktober 1902 den Bau einer Bismarck-Säule auf der Drei-Kaiserreichs-Ecke (Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland) in Myslowitz an.

Doch erst am 19.03.1904 wurde vom Kreistag des Landkreises Kattowitz beschlossen, ein Bismarckdenkmal zu errichten. Es war zu dieser Zeit aber noch unklar, ob das Bismarckdenkmal in Form eines Standbildes oder als Bismarcksäule gebaut werden sollte. Letztendlich entschied man sich für die Ausführung eines Bismarckturmes.

Der Landkreis Kattowitz wählte den von der deutschen Studentenschaft mit dem 1. Preis ausgezeichneten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis zur Ausführung aus. Ende 1906 war der Bauplan fertig und wurde vom Kreistag genehmigt. Der klassische Entwurf wurde vom Architekten Zillmann aus Charlottenburg bei Berlin leicht abgeändert.

Als Standort wählte man eine 35 m hohe Anhöhe an der Dreikaiserreichsecke bei Stupna, ca. 2 km südöstlich von Myslowitz, am rechten Ufer des Grenzflusses Przemsza aus.

Die Baukosten von rund 70.000 Mark trug die Kreiskommunalkasse.


Bauarbeiten

Die Grundsteinlegung wurde am 08.05.1907 ohne besondere Feier durchgeführt.

Als Baumaterial verwendete man für den Sockel und die Terrasse Striegauer Granit (mit Mauersteinhintermauerung) und für den Oberbau Neuroder Sandstein.

Ausführende Baumeister waren Baumeister Louis Dame aus Kattowitz sowie A. Krafczeck aus Myslowitz.

Die bildhauerischen Arbeiten wurden von Gustav Lind aus Berlin ausgeführt.


Turmbeschreibung

Der 22 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsvorrichtung hatte einen quadratischen Grundriss.

Als Basis des Turmes diente ein dreistufiges quadratisches Podest.

Auf dem Podest erhob sich mittig der quadratische Turmsockel mit einer Kantenlänge von 9,40 m.

Auf der Nordostseite führte eine eingefasste Treppe mit 15 Stufen durch die Podeststufen zum erhöht liegenden Eingang des Turmes.

Von hier aus gelangte man in die Eingangshalle des Turmes, die mit einem 0,75 m hohen Bismarck-Medaillon aus Bronze geschmückt war.

Die vier Kanten des Schaftes bestanden - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit dreistufigem Oberbau zusammengehalten werden.

Auf der Eingangsseite war mittig auf halber Höhe des Turmes als einziger Schmuck ein Reichsadlerrelief, gefertigt von Gustav Lind aus Berlin, angebracht.

Über eine Innentreppe war die Aussichtsplattform erreichbar. Auf der Plattform waren 12 Feuerkessel angebracht.


Turmgeschichte

Die feierliche Einweihung des Turmes erfolgte am 20.10.1907. Die Einweihung fand unter zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung Oberschlesiens, aber auch vieler Österreicher und Russen aus der Grenzregion statt. Die Festansprachen hielten Landrat Gerlach sowie Geheimrat Uthmann. Um 18:00 Uhr wurde erstmals das Feuer auf dem Turmkopf entzündet.

Das Bauwerk war Eigentum des Landkreises Kattowitz.

Die Bismarcksäule wurde als Aussichtsmöglichkeit von der Bevölkerung sehr gut angenommen. Allein im Zeitraum von 01.01.1909 bis zum 31.01.1910 stiegen 10.020 Personen auf den Turm.

Nach dem 3. Schlesienaufstand und einer Volksbefragung befand sich der Turm ab 1922 auf polnischem Gebiet. Der Bismarckturm wurde in Freiheitsturm umbenannt. Am Turm wurde ein Relief von Kosciuszko angebracht und eine Büste von Marschall Josef Pilsudski aufgestellt.

Danach verfiel der Turm und wurde durch Vandalismus beschädigt.

Die Abtragungsarbeiten des Turmes auf Initiative des Woiwoden Michal Grazynski begannen am 21.08.1933 und dauerten mindestens bis 1938 an. Die Steine wurden für den Bau einer Kathedrale in Kattowitz verwendet.

Kurz nach dem 2. Weltkrieg waren noch mehrere Steine des Bauwerks zu finden. Im Jahr 2006 war die Form des Grundrisses noch zu erkennen, ein einzelner großer Stein erinnerte an den ehemaligen Bismarckturm.


Links (ehemaliger Standort)

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 282
- Seele, Sieglinde; Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von MYSLOWITZ / Schlesien
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 145 "Bismarck-Feuersäule an der Dreikaiserreichs-Ecke bei Myslowitz", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 2, S. 2/3); 2. Jahrgang 1904 (Nr. 6, S. 2), 5. Jahrgang 1907 (Nr. 3, S. 43; Nr. 7/8, S. 102; Nr. 12, S. 214); 7. Jahrgang 1909 (Nr. 11/12, S. 184-187); 8. Jahrgang 1910 (Nr. 4, S. 62), 11. Jahrgang 1913 (Nr. 1, S. 12)
- Hofmann, Andreas R. / Wendland, Anna Veronika: Stadt und Öffentlichkeit in Ostmitteleuropa 1900-1939, Franz-Steiner Verlag Stuttgart, 2002, S. 59


Bildmaterial

Maciej Tylec, Myslowitz (historisches Foto)
Jörg Bielefeld, Remscheid (historische Ansichten)


Polnische Version dieser Seite (Dank an Marek Moson aus Wroclaw/PL für Übersetzung)