Update: 05.03.2013

Findlingssteine von vielen Gemeinden
Der Bismarckturm in Meseritz

Bauplanung

Der Landrat des Kreises Meseritz, Dr. Max Kley, regte den Bau dieses Bismarckturmes am 01.04.1905 auf einer Bismarck-Gedenkfeier an, auf welcher eine erste Spendensammlung für das geplante Bauwerk durchgeführt wurde.

Kurz darauf bildete sich ein Ausschuss zum Bau eines Bismarckturmes in Meseritz.

Ende Februar 1906 gestaltete das Meseritzer Gymnasium zum Besten des Bismarckturm-Fonds eine Abendveranstaltung. Im Jahr 1907 bewilligte der Kreistag 2.000 Mark für den Baufonds.

Der Oberpräsident der Provinz Posen genehmigte im November 1911 die Durchführung einer Baukollekte für die Errichtung des Bismarckturmes bei den Bewohnern der Städte Bentschen, Petsche, Brätz, Meseritz und Tirschtiegel.

Im Jahr 1913, acht Jahre nach Beginn der Spendensammlungen, waren 12.000 Mark angespart, die die Kosten für den Bau des Turmes decken sollten.

Als Bauplatz wurde eine Anhöhe, ca. 4 km südwestlich von Meseritz, ausgewählt.

Am 01.06.1913 wurde die feierliche Grundsteinlegung durchgeführt. Der Vorsitzende des Ausschusses, Landrat Kley, ließ eine kupferne Kapsel (Inhalt: Urkunde, drei Blätter der Meseritzer Kreiszeitung mit der Geschichte des Bismarckturmes) in den Grundstein einmauern.

Die Gesamtkosten für den Turmbau betrugen 14.000 Mark.


Bauarbeiten

Entworfen wurde der Aussichtsturm mit Feuerschale von Architekt Otto Rüger aus Berlin. Die Bauausführung erfolgte durch Baumeister Nuske (Maurerei, Zimmerei und Sägewerk) aus Meseritz.

Als Baumaterial wurden rheinische Basalt-Hausteine und Klinkersteine verwendet.


Turmbeschreibung

Der 15,50 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit wurde auf einem aufgeschütteten runden Erdhügel (77 m über NN) nahe des Nipterschen Badesees gegenüber der Siedlung Seiffertshof errichtet.

Der Rundbau bestand aus einem Sockel mit einem Durchmesser von ca. 7 m, der mit Klinkermauerwerk verblendet worden war.

Nach etwa 1 m Höhe wich der Sockel um ca. 0,50 m zurück. Der eckige, ca. 2,50 m hohe Eingangsbereich wurde damit einbezogen und wie mit einem Band umrahmt.

In einer Höhe von ca. 4 m wich der Sockel mit einer Abrundung stark zurück (Durchmesser ca. 5 m). Darauf erhob sich der ca. 7 m hohe und 4,50 m breite Turmschaft mit vier ausgeprägten ¾-Ecksäulen aus Basalt. Die Säulen mündeten in einem kapitellartigen und runden Aufbau (Natursteinkranz). Auf dem Turmkopf wurde eine ca. 2 m hohe, herausragende runde Feuerschale angebracht, die von vier steinernen Stützen getragen wurde.

Über eine Stahl-Wendeltreppe, hergestellt von der Firma Wandel aus Meseritz, war die Aussichtsplattform erreichbar. Die Feuerschale auf dem Turmkopf wurde mit Teer befeuert.

Auf dem Erdhügel am Turm herum wurden zahlreiche Findlingssteine aufgestellte. Diese waren anlässlich der Einweihung von den umliegenden Gemeinden und örtlichen Vereinen gespendet und teilweise mit Spenderinschriften versehen worden. Auf dem gespendeten Findlingsstein des Ostmarkenvereins war eine Bismarck-Plakette angebracht.


Turmgeschichte

Die Einweihungsfeier am 10.05.1914 wurde zu einem Festtag für den gesamten Kreis Meseritz. Tausende Bewohner aus Meseritz sowie umliegenden Ortschaften nahmen an der Einweihung teil. Die Einweihungsrede hielt Landrat Dr. Max Kley von den Stufen des Bismarckturmes, anschließend fand in Meseritz ein allgemeiner Kommers statt.

Der Bismarckturm wurde, obwohl er äußerlich gut erhalten war, gegen Ende der 1950er / Anfang der 1960er Jahre gesprengt. Bis in die 1970er Jahre waren der untere Teil des Sockels mit dem Bogen über dem Turmeingang sowie die Treppenanlage zum Turm noch erhalten.

Im Jahr 1962 wurde neben dem Turm ein hölzerner Feuerschutzturm errichtet, der aufgrund eines Sturmes um 1985 zerstört worden ist.

42 Findlinge (Natursteine mit Spenderinschriften, die oberhalb der Sandanschüttung des Fundaments aufgestellt waren) sowie Reste des Bismarckturmes wurden auf Anregung des Schultheißes, Herrn Nycz, von Bewohnern des Dorfes Nipter zwischen dem 27.06.2003 und 04.07.2003 abtransportiert und in der Nähe des Dorfteiches aufgestellt.


Links

Google Maps (ehemaliger Standort)

Google Earth (ehemaliger Standort)

Heimatkreis Meseritz

Findlingsgalerie


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 270
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von MESERITZ/Posen
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 191 "Bismarck-Feuersäule bei Meseritz ", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes; 3. Jahrgang 1905 (Nr. 8, S. 10; Nr. 11, S. 11), 4. Jahrgang 1906 (Nr. 4, S. 66), 5. Jahrgang 1907 (Nr. 5, S. 71), 9. Jahrgang 1911 (Nr. 11, S. 202), 11. Jahrgang 1913 (Nr. 6/7, S. 66), 12. Jahrgang 1914 (Nr. 6/7, S. 72)
- Bartelt, Eberhard: „Geschichte unserer Heimat“ in Heimatgruß Nr. 169 (Juni 2004), S. 22-24


Bildmaterial (ehemaliger Standort und Findlingsgalerie)

- Marek Moson, Wroclaw (Fotos Juni 2011)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Fotos Juni 2011 und historische Ansichtskartenmotive)