Update: 07.04.2013

Die private Bismarcksäule
Der Bismarckturm in Melno

Bauplanung

Reichstagsabgeordneter Hugo von Bieler (1843-1912) vom Majorat Melno plante und finanzierte diese Bismarck-Feuersäule aus eigenen Mitteln.

Als Standort des Turmes wählte er den Mühlberg (Bismarckberg) in Melno aus, auf dem früher eine Windmühle gestanden hatte.

Für den Entwurf beauftragte er den Landesbaurat der Provinz Westpreußen, Fritz Tiburtius aus Danzig.


Bauarbeiten

Die Bauausführung erfolgte durch Maurermeister Wilke aus Rehden.

Als Baumaterial wurden Melnoer Feldsteine für den Sockel und Überbau sowie dunkelrote Ziegelsteine für das Mittelstück verwendet. Die Ziegel wurden in der Ziegelei Meissner und Wüst in Graudenz gebrannt.


Turmbeschreibung

Die 8 m hohe Feuersäule ohne Aussichtsfunktion hatte einen quadratischen Grundriss.

Der Sockel des Turmes war auf allen Seiten durch gemauerte Bögen durchbrochen.
Oberhalb des Sockelschaftes verjüngte sich der eigentliche Turmschaft (Mittelstück) bis zum Turmkopf.

Am oberen Abschluss des Turmschaftes kragte der Turm aus, der Oberbau war zweistufig und schloss mit einer quadratischen Feuerwanne (0,75 m x 0,75 m, Tiefe 0,50 m) aus Feldsteinen ab. Die Feuerwanne hatte eine Rosteinlage, auf die das Feuermaterial (Holz) gelegt wurde. Zur Befeuerung musste ein Feuerkorb aufgesetzt werden, der die Säule 1 m über die Turmspitze hinaus überragte. Befeuert wurde die Säule mit Holz, welches mit Petroleum getränkt wurde.

Am Säulenschaft wurden ein in Sandstein gehauenes Bismarck-Wappen und die Jahreszahl "1901", beide gefertigt  von Steinmetzmeister Sally Graupe aus Graudenz, angebracht.


Turmgeschichte

An der feierlichen Einweihung am 30.07.1901 (nach anderer Quelle am 18.07.1901) nahmen der Landrat des Kreises Graudenz sowie weitere Landräte aus der Umgebung, Landesbaurat Tiburtius und eine größere geladene Gesellschaft teil.

Bezüglich des Turm-Abrisses gibt es zwei verschiedene Versionen:

1. Der Turm wurde im Jahr 1947 abgetragen.

2. Der Turm wurde zwischen 1955 - 1960 abgerissen. Dies soll von einem polnischen Würdenträger veranlasst worden sein, der gegen ein preußisches Symbol in Melno war.

Der ehemalige Standort des Turmes befindet sich dicht neben der südlichen Kriegerfriedhofsmauer. Der Friedhof wurde erst im Jahr 1939 angelegt. Einige Steine des ehemaligen Turmes waren im Mai 2005 noch am ehemaligen Standort verstreut zu finden.


Links (ehemaliger Standort)

Google Maps

Google Earth


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 268/269
- Seele, Sieglinde; Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von MELNO (Westpreußen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 47 "Bismarck-Feuersäule zu Melno – Kreis Graudenz", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, Nachtrag "Der Bismarck-Turm auf Majorat Melno“


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid (historische Bilder)
- Piotr Wisniewski, Polen (Fotos Mai 2005)


Polnische Version dieser Seite (Dank an Marek Moson aus Wroclaw/PL für Übersetzung)


Foto ehemaliger Standort Bismarckturm Melno Mai 2005, Foto Piotr Wisniewski
Foto ehemaliger Standort Bismarckturm Melno Mai 2005, Foto Piotr Wisniewski