Update: 03.11.2015

Turm an der Hartwichsbuche
Der Bismarckturm in Lichtfelde

Bauplanung

Im Jahr 1903 regte Gutsbesitzer Albert Tornier zu Reichfelde bei Altfelde den Bau einer Bismarck-Feuersäule an. 

Am 08.02.1904 wurde der "Bismarckturm-Verein Hartwichsbuche e.V." unter Vorsitz von Deichhauptmann Funk aus Elbing (nach anderer Quelle: Albert Tornier) gegründet. Ziel war die Errichtung eines monumentalen Turms in der Gemarkung Lichtfelde.

Als Standort suchte der Verein den 68 m hohen Waldberg bei der Hartwichsbuche aus.

Im Sommer/Herbst 1905 waren bereits 5.000 Mark an Spenden gesammelt worden. Der 1 Morgen große Bauplatz auf dem Waldberg war zu dieser Zeit bereits erworben worden. Die Spendenbereitschaft ließ kurz darauf stark nach, im Frühjahr 1907 war der Turmbaufonds lediglich auf 5.415 Mark angewachsen. Daraufhin wurde beschlossen, in größerem Umfang Werbung für das Turmprojekt durchzuführen. Daran beteiligten sich vor allem Deichhauptmann Funk aus Elbing, Rittergutsbesitzer von Flottwell aus Lautensee, der Landrat des Kreises Stuhm, Dr. Walter Gottfried von Auwers, und der Landrat des Kreises Marienburg, Gottfried Hagemann. Bis zum Frühjahr 1908 konnten 8.200 Mark, bis November 1910 insgesamt 12.500 Mark gesammelt werden.

Am 30.11.1910 veranstaltete der Verein einen Unterhaltungsabend zur Förderung des Baus. Ziel war nun die Einweihung des Turmes zum 100. Geburtstag Bismarcks am 01.04.1915.

Ende 1911 lag die Höhe des Baufonds bei 13.500 Mark, Anfang 1912 bei 15.300 Mark.

Bei einer Sitzung des Vereinsvorstands Anfang 1912 wurde aus mehreren bereits vorliegenden Entwurfszeichnungen zunächst ein im Ordensstil eingegangener Entwurf als geeignet erachtet. Im gleichen Jahr wurde ein engerer Wettbewerb zwecks Entwurfswahl durchgeführt. Das Preisgericht entschied sich für den Entwurf „Siegfried“ des Architekten Ernst Rang aus Rangsdorf bei Berlin.

Bis 1913 konnten vom Verein 20.000 Mark an Spenden eingesammelt werden. Zwecks Deckung der Gesamtkosten von 30.000 Mark für den Turm bezuschussten der Kreis Marienburg (6.000 Mark) und der Kreis Stuhm (4.000 Mark) den Turmbau.


Bauarbeiten

Am 03.08.1913 wurde der Grundstein des Bismarckturmes gelegt.

Architekt Ernst Rang aus Rangsdorf bei Berlin übernahm die Bauleitung. Ausführender Bau- und Zimmermeister war E. Goldmann aus Thiergartsfelde.

Als Baumaterial wurden Backsteine verwendet.


Turmbeschreibung

Der 29 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit besaß einen rechteckigen Sockel.

Das Bauwerk besaß im Sockelbereich auf der Vorderseite drei Eingänge. Über die beiden seitlichen Eingänge gelangte man über Granittreppen direkt in die weißgetünchte Halle des Turmes.

Auf dem 4 m hohen Sockel erhob der 15 m hohe Mittelschaft des Turmes, der auf der Frontseite mit einem staffelgiebelartigen Vorbau geschmückt war.

Nach einer Abstufung ging der Mittelschaft in das 7 m hohe achteckige Aussichtsgeschoss über. Auf dem Aussichtsbereich erhob sich mittig der achteckige Feuerschalenaufbau. Die eiserne Feuerschale hatte einen Durchmesser von 3 m und war mit Schamottesteinen ausgemauert.

Durch die Eingänge gelangte man in die 10 m x 10 m große Halle, von der man über eine Holztreppe mit 13 Absätzen die obere Aussichtsplattform erreichen konnte.

Über dem Eingang wurden im Türbogen ein Bismarck-Medaillon von Bildhauer B. Klatt aus Danzig (gestiftet von Dr. Schmidt aus Stuhm) sowie die Inschrift

"UNSEREM BISMARCK"

angebracht.


Turmgeschichte

Die feierliche Einweihung des Bismarckturms wurde am 01.04.1915 durchgeführt. Das Bauwerk wurde von den Kreisen Marienburg und Stuhm unterhalten.

Bis etwa 1929 wurde jährlich im Feuerbecken das Johannisfeuer zur Sommersonnenwende entzündet.

Im Jahr 1929 war der Turm bereits sanierungsbedürftig, da an verschiedenen Stellen Regenwasser in das Bauwerk eindrang und einige Ziegel herausgefallen waren.

Der Turm wurde im April 1951 (nach anderen Informationen im Jahr 1945 durch die Rote Armee) gesprengt.

Im Mai 1993 waren noch Fundamentreste des Turmes vorhanden [Seele]. Von der ehemaligen Hartwichsbuche, die 90 m südlich vom Turm entfernt stand, waren nur noch verkohlte Reste vorhanden (vermutlich Blitzschlag).

Einzelne Teile des Bismarckturmes (original Metall-Fenster und ein original Backstein) sowie ein Modell des Bauwerkes befinden sich heute im Heimatmuseum Stuhm in Bremervörde.


Links (ehemaliger Standort)

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Heimatmuseum Stuhm in Bremervörde


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 252/253
- Seele, Sieglinde; Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von LICHTFELDE / Westpreußen
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 197 "Bismarck-Feuersäule u. Aussichtsturm zu Lichtfelde, Kreis Stuhm (Westpreußen)", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 2. Jahrgang 1904 (Nr. 6, S. 3), 3. Jahrgang 1905 (Nr. 5, S. 7; Nr. 8, S. 10; Nr. 11, S. 11); 5. Jahrgang 1907 (Nr. 5, S. 71); 6. Jahrgang 1908 (Nr. 5, S. 80), 7. Jahrgang 1909 (Nr. 1, S. 16); 9. Jahrgang 1911 (Nr. 1, S. 11; Nr. 6, S. 119); 10. Jahrgang 1912 (Nr. 2-3, S. 34/35), 11. Jahrgang 1913 (Nr. 1, S. 12; Nr. 4, S. 59; Nr. 11/12, S. 170)
- Klosinksi, Johannes: "Der Bismarckturm und die Hartwichsbuche in Lichtfelde" in: Heimatkalender des Kreises Stuhm 1932, S. 61-63


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid und Jürgen Hammer (historische Ansichtskartenmotive)
- Heimatkreis Stuhm, Westpreußen (Foto Bismarckturm-Modell aus Heimatmuseum Stuhm in Bremervörde, März 2014)
- Ralph Männchen, Dresden (Oktober 2015)


Polnische Version dieser Seite (Dank an Marek Moson aus Wroclaw/PL für Übersetzung)


Foto ehemaliger Standort Bismarckturm Lichtfelde Oktober 2015 (Ralph Männchen)