Update: 07.04.2013

Vom Bismarck- zum Kosciuszkoturm
Der Bismarckturm in Kempen

Bauplanung

Die erste Anregung zum Bau eines Bismarckturmes mit Befeuerungseinrichtung in Kempen erfolgte bei der Kaiser-Geburtstagsfeier am 27.01.1901 von Festteilnehmern.

Der Verschönerungsverein in Kempen sowie der Kreis Kempen griffen diese Idee im Jahr 1910 erneut auf.

Es wurde ein Bismarckturm-Ausschuss unter Vorsitz des Landrates Gustav von Scheele und Bürgermeister Wischanowsky gegründet.

Zur Finanzierung wurde vom Verschönerungsverein eine Turm-Lotterie durchgeführt, die zuvor von den zuständigen Behörden genehmigt wurde. Die Ziehung der Lotterie fand am 01.02.1911 statt.

Als Bauplatz des Turmes wurde eine Anhöhe im Südwesten der Stadt (183 m über NN) ausgesucht.

Entworfen wurde das Bauwerk von Baurat Richard Konwiarz aus Breslau, der diesen Entwurf unentgeltlich fertigte.

Am 01.04.1911 wurde der Grundstein des Turmes gelegt.

Die Kosten für den Turmbau betrugen 9776,98 Mark, die durch die Turmlotterie und durch Spendensammlungen in Kempen erzielt wurden.


Bauarbeiten

Die Bauleitung und die Ausführung übernahm Baumeister Karl Weber aus Kempen.

Als Baumaterial wurden Granit aus dem Riesengebirge, Feldsteine aus den Kreisen Kempen und Groß Wartenberg sowie Ziegel und Beton verwendet.


Turmbeschreibung

Der Bismarckturm in Kempen wurde auf einem etwa 1 m hohen Erdplateau errichtet. Das Plateau war auf der Eingangsseite des Turmes über eine Treppe mit fünf Stufen erreichbar.

Der 15 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsvorrichtung hatte einen quadratischen Grundriss.

Auf einem etwa 3 m hohen Sockel erhob sich der quadratische Turmschaft bis zu einer Höhe von ca. 12 m. Oberhalb des Turmschaftes lag die rundum mit einem Metallgeländer versehene Aussichtsplattform. Auf dieser stand mittig eine etwa 3 m hohe turmähnliche Feuervorrichtung, auf die oben eine quadratische Feuerwanne aus Metall aufgesetzt war.

Die Befeuerung erfolgte durch 1 m³ Birkenholz, 1 Tonne Teer und zwanzig Liter Petroleum.

Auf dem Giebel oberhalb der Eingangstür wurde die Inschrift

"DEM GROSSEN KANZLER / 
DER DANKBARE KREIS KEMPEN"

in Granit eingehauen. Darüber wurde am Turmschaft ein Bismarck-Medaillon aus Bronze (Hohlgalvano) angebracht. Das 350 Mark teure Relief  wurde in der Kunstanstalt August Gerber in Köln hergestellt.

Über eine Innentreppe gelangte man zur Aussichtsplattform.


Turmgeschichte

Am 02.09.1911 (Sedantag) wurde die Einweihung des Bismarckturmes feierlich begangen. Anwesend waren u.a. der Oberpräsident der Provinz Pommern, Wilhelm von Waldow, die Spitzen der Behörden sowie einheimische und auswärtige Vereine. Die Festrede hielt Geh. Regierungsrat Landrat Gustav von Scheele aus Kempen. Bürgermeister Wischanowsky übernahm den Bismarckturm in den Besitz der Stadt Kempen. Nach der Einweihungsfeier fand ein Festzug zum Schützenhaus statt.

Jeweils am 01.04. eines jeden Jahres wurde das Bauwerk befeuert.

Am 17.01.1920 wurde Kempen an Polen abgegeben.

Aus ideologischen Gründen wurde der Turm nach 1920 in Kosciuszko-Turm umbenannt. Die Inschrift wurde herausgeschlagen und das Bismarck-Wappen entfernt.

Der Turm wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt gesprengt und abgetragen (vermutlich vor 1945).


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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 222
- Seele, Sieglinde; Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von KEMPEN / Polen
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 176 "Bismarck-Feuersäule bei Kempen (Posen)", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 8. Jahrgang 1910 (Nr. 4, S. 62); 9. Jahrgang 1911 (Nr. 9, S. 167; Nr. 10, S. 183)


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid (historische Bilder)


Polnische Version dieser Seite (Dank an Marek Moson aus Wroclaw/PL für Übersetzung)