Update: 17.04.2013

Bismarckturm von altem Turnverein
Der Bismarckturm in Kattowitz

Bauplanung

Der Vorsitzende des "Alten Turnverein Kattowitz", Dr. med. Stiller aus Kattowitz, regte den Bau dieses Bismarckturmes im Jahr 1900 an. Da die Spendenmittel für den geplanten Turmbau nur spärlich flossen, wurde ein Denkmal-Komitee unter Vorsitz des Baurates Pilger gebildet.

Dieses Komitee hatte die Aufgabe, Geldmittel durch Sammlungen freiwilliger Beträge zu beschaffen, über den Bauplatz und den Turmentwurf zu beschließen und den Turm zeitnah errichten zu lassen.

Im Sommer 1901 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, den Bismarckturm auf der Beatenhöhe (334,50 m über NN)  im Südpark zu errichten. Graf Thiele-Winkler überließ dem Komitee den Bauplatz kostenlos.

Entworfen wurde das Bauwerk unentgeltlich vom Direktor der Baugewerkschule G. Meyer aus Kattowitz, der auch Mitglied des Komitees war.

Finanziert wurde der ca. 20.000 Mark teure Turm zu 90 % aus Spendenmitteln, insbesondere „oberschlesische Magnaten und Großindustrielle“ hatten für den Bau gespendet. Auch die Stadt Kattowitz stiftete einen Beitrag. Die bei Fertigstellung des Turmes noch fehlende Summe wurde über Eintrittsgelder finanziert.


Bauarbeiten

Die Grundsteinlegung erfolgte am 10.05.1903 (Jahrestag des Frankfurter Friedensschlusses).

Ausführender Baumeister war Fedor Rudzinski aus Kattowitz, die Bauleitung übernahm Direktor G. Meyer.

Als Baumaterial wurde Kattowitzer Sandstein (mit Ziegelhintermauerung) verwendet.

Bereits im August 1903 konnten die Arbeiten abgeschlossen werden.


Turmbeschreibung

Der 19,36 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit hatte einen quadratischen Grundriss von 7,50 m x 7,50 m (Innenmaße: 3,50 m x 3,50 m).

Die Gestaltung des Kattowitzer Bismarckturmes war dem Standard-Entwurf „Götterdämmerung“ des Architekten Wilhelm Kreis sehr ähnlich. Im Unterschied zum Kreis’schen Entwurf waren am Turmschaft die Ecken kantig ausgebildet (statt der runden ¾-Säulen), ähnlich wie beim Bismarckturm in Ansbach in Bayern.

Auf dem ca. 4 m hohen Sockel erhob sich der Mittelschaft des Turmes, der sich zum oberen Gesims hin verjüngte. Im Überbau mit Aussichtsplattform wurde eine Feuerschale eingelassen. Über eine Steintreppe war die Aussichtsplattform mit Feuerschale erreichbar.

Diese quadratische Feuerschale hatte eine Seitenlänge von 1,12 m und war fest eingemauert. Durch eine kleine Druckpumpe wurde durch ein Röhrensystem Rohbenzol (aus der Fabrik für Erdöl und Teerprodukte in Schwientochlowitz) in die schmiedeeiserne Feuerschale geleitet und entzündet. Dadurch wurde eine Flammenhöhe von über 5 m erreicht.

Auf dem Mittelschaft der Eingangsseite (Ostseite) war mittig ein Bismarck-Medaillon in Bronze von Bildhauer Danz, auf der Westseite ein Bismarck-Wappen angebracht. Über dem Wappen war ein 2,50 m hohes Reichsadlerrelief in Bronze mit Bismarck-Wappen, gefertigt in der Bronzegießerei Gerdes aus Kattowitz, angebracht.

Über eine Innentreppe aus Eisen war die Aussichtsplattform erreichbar.


Turmgeschichte

Die feierliche Einweihung des Bismarckturmes fand am 30.08.1903 statt. An der Feier nahmen die Spitzen der Provinzial- und anderer Behörden, Mitglieder des Ostmarkenvereins und Mitglieder vieler nationaler Vereine teil. Die Begrüßungs-Ansprache für die Festteilnehmer auf dem Friedrichsplatz hielt der 1. Bürgermeister Pohlmann, danach marschierte der Festzug zum Turm.

Baugewerksschuldirektor Meyer übergab den Schlüssel an den Vorsitzenden des Komitees, der den Schlüssel an Bürgermeister Pohlmann als Vertreter der Stadt Kattowitz weiterreichte. Darauf wurde das Bismarck-Medaillon am Turm enthüllt. Die anschließende Festrede hielt Baugewerksschuldirektor Meyer, danach fand ein Volksfest am Turm statt. Bei eintretender Dunkelheit wurde das Feuer auf dem Turmkopf entzündet, ab 21:00 Uhr wurde ein Festkommers durchgeführt.

Nach der Einweihung wurde die Stadt Kattowitz offiziell Eigentümer des Grundstücks und des Turmes und erklärte sich bereit, die Pflege und Erhaltung des Bauwerks zu übernehmen und für die Befeuerung an vaterländischen Gedenktagen zu sorgen.

Nach dem 1. Weltkrieg demontierte Stadtrat Anton Zimmermann das runde Bismarck-Medaillon und nahm dieses in Gewahrsahm.

Am 20.09.1925 wurde der Turm von den Polen in Kosciuszko-Turm umbenannt.

Am Turm wurde eine Gedächtnistafel mit polnischem Adler und der Inschrift (übersetzt):

"Dem Tadeusz Kosciuszko Stadt /
und Kreis Katowice /
1925"

nach einem Entwurf von Wincenty Chorembalski angebracht. Der Turm wurde aufgrund einer Initiative des Woiwoden Michal Grazynski, wie auch die beiden anderen oberschlesischen Bismarcktürme in Myslowitz und Ratibor, abgerissen. Die Abtragungsarbeiten in Kattowitz begannen am 22.08.1933.

Am ehemaligen Turmstandort auf einem kleinen Hügel wurde eine Rodelbahn errichtet. Im Mai 1992 wurden keine Überreste des Bauwerkes gefunden [Seele].


Links (ehemaliger Standort)

Google Maps

Google Earth


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 221
- Seele, Sieglinde; Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von KATTOWITZ / Schlesien
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 93 "Bismarck-Feuersäule zu Kattowitz – Ober Schlesien", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 3, S. 5; Nr. 4, S. 4; Nr. 5, S. 9); 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“); 7. Jahrgang 1909 (Nr. 11/12, S. 184-187)


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid (historische Bilder)


Polnische Version dieser Seite (Dank an Marek Moson aus Wroclaw/PL für Übersetzung)