Update: 15.07.2013

Turm aus schlesischem Granit
Die Bismarcksäule in Glogau

Bauplanung

Pfarrer Weferling aus Gramschütz regte den Bau dieses Bismarckturmes am 15.10.1901 an. Nachdem sich weitere Männer dieser Idee anschlossen, gründeten die Bismarckverehrer ein Denkmal-Komitee unter Vorsitz von Generalleutnant von Eichhorn aus Glogau.

Aus diesem Komitee ging später der Bismarck-Säulen-Verein unter Vorsitz des Direktors Heinrich Steffens aus Zarkau hervor. Der Bismarck-Säulen-Verein sammelte Spendengelder für den Turmbau.

Der Verein entschied sich wie in anderen Städten auch für den von der deutschen Studentenschaft mit dem 1. Preis ausgezeichneten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis.

Als Bauplatz wurde der Gipfel des Gurkauer Berges ausgesucht. Auf diesem Gipfel stand ein baufällig gewordener alter Holzturm, der für den Bau des massiven Bismarckturmes abgerissen wurde.

Die Fortifikation der Festung Glogau als Aufsichtsbehörde genehmigte diesen im Festungsbereich liegenden Turmbau. Der Bauplatz wurde dem Verein vom Grundstücksbesitzer kostenlos zur Verfügung gestellt.

Gefördert wurde der Turmbau insbesondere von Fabrikdirektor Steffens aus Zarkau und Baron von Hindersin aus Dalkau.

Im Jahr 1904 wurde eine Konkurrenzausschreibung für den Bau erlassen.

Ein Gartenfest zum Besten der Bismarcksäule brachte einen Netto-Überschuss von 4.500 Mark. Im Jahr 1905 überwies die Schützengilde dem Verein 50 Mark. In gleichem Jahr wuchs der Baufonds auf insgesamt 14.000 Mark. Da die Gesamtbaukosten auf ca. 24.000 Mark veranschlagt waren, wurden der Stadt und der Kreis zu finanziellen Beihilfen aufgefordert. Die Stadtverordnetenversammlung bewilligte aus Überschüssen der städtischen Sparkasse 5.000 Mark.

Die für den 02.09.1905 geplante Grundsteinlegung wurde auf dem 01.04.1906 verschoben.

Am 01.04.1906 war der Baufonds auf 23.500 Mark angewachsen.

Die Gesamtkosten für den Turmbau betrugen 28.000 Mark.


Bauarbeiten

Im Frühjahr 1906 wurde mit den Vorarbeiten zum Bau der Bismarcksäule begonnen. Der Grundstein des Turmes wurde am 01.04.1906 gelegt, die Festrede hielt Professor Muth. Abends wurde ein Festkommers abgehalten.

Der Bismarcksäulen-Entwurf von Wilhelm Kreis wurde von Architekt P. Michael aus Glogau nur leicht abgeändert.

Die Bauausführung erfolgte ebenfalls durch Architekt P. Michael aus Glogau.

Als Baumaterial für den Kern verwendete man Ziegelmauerwerk, der von außen mit Striegauer Granit (aus den Striegauer Steinbrüchen) und grauem schlesischem Granit verblendet wurde.


Turmbeschreibung

Die 15 m hohe Feuersäule mit Aussichtsfunktion hatte einen quadratischem Grundriss (9 m x 9 m).

Als Basis des Turmes diente ein einstufiges quadratisches Podest.

Auf dem quadratischen Turmsockel (ca. 6 m x 6 m) erhob der sich der eigentliche Turmschaft. Die vier Kanten des Schaftes bestanden - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit vierstufigem Oberbau zusammengehalten wurden.

Im Giebelfeld des Eingangs war ein Bismarck-Medaillon, gefertigt von der Fa. Gladenbeck und Sohn aus Berlin-Friedrichshagen, angebracht.

Die massive Innentreppe führte bis 2,50 m unter die Aussichtsplattform. Die Feuerpfanne aus Kupfer (Kosten: 600 Mark) auf der Turmspitze erreichte man über eine eiserne Wendeltreppe. Die Feuerschale wurde mit Scheitholz und Petroleum befeuert.


Turmgeschichte

Die feierliche Einweihung des Bismarckturmes erfolgte am 23.09.1906.

Im Jahr 1909 wurde die Bismarcksäule samt Grundstück dem Kreis Glogau vom Bismarck-Säulen-Verein übereignet. Die jährliche Befeuerung, jeweils am 01.04. zu Bismarcks Geburtstag, wurde vom Kapital des Grafen Schlabrendorf und Seppau auf Seppau (1.000 Mark + jährliche Zinsen) finanziert. Aus Sammlungsüberschüssen und Eintrittsgeldern (350 Mark) sowie einer Spende von Rittergutsbesitzer Josep aus Leutbach (108 Mark) sollte die Umgebung der Bismarcksäule gestaltet werden.

Im Jahr 1938 dienten der Turm und das angrenzende Restaurant als Zuflucht für verfolgte Juden. Ein Schweizer namens Zander, dessen Frau Jüdin war, gewährte jüdischen Bürgern Unterschlupf. Die Nazis konnten Schweizer Bürgern die Bedienung von jüdischen Gästen offiziell nicht verbieten.

Anfang 1945 wollte die deutsche Kommandobehörde der 72. Infanteriedivision ein eigenes Munitionsdepot in der Nähe des Turmes vernichten. Die sowjetischen Truppen gelangten bei ihrer Besetzung an die Munition und begannen am 18.02.1945 mit der deutschen Munition die Beschießung der Festung Glogau.

Nach der sowjetischen Besetzung wurde der Bismarckturm gesprengt.

Fundamentreste des Turmes waren im Jahr 2003 noch vorhanden.


Links (ehemaliger Standort)

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Fotos Fundamentreste im Jahr 2003

Externe Bild-Galerie Bismarckturm Glogau


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 163
- Seele, Sieglinde; Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von GLOGAU / Schlesien
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 131 "Bismarck-Feuersäule bei Glogau", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 2. Jahrgang 1904 (Nr. 2, S. 3-4; Nr. 6, S. 2), 3. Jahrgang 1905 (Nr. 5, S. 7; Nr. 8, S. 10); 4. Jahrgang 1906 (Nr. 1, S. 13; Nr. 4, S. 58; Nr. 7/8, S.111; Nr. 12, S. 189); 7. Jahrgang 1909 (Nr. 1, S. 15/16; Nr. 5, S. 81-82, Nr. 11/12, S. 184-187)


Bildmaterial

Jörg Bielefeld, Remscheid (historische Ansichtskartenmotive)


Polnische Version dieser Seite (Dank an Marek Moson aus Wroclaw/PL für Übersetzung)