Update: 07.04.2013

Polnisches Denkmal statt Bismarcksäule
Die Bismarcksäule in Fraustadt

Bauplanung

Im Juli 1899 regten der Landrat des Kreises Fraustadt, Bruno Alsen (Landrat 1898-1904), sowie Fabrikdirektor Mattenklott anlässlich des Aufrufes der deutschen Studentenschaft an, in Fraustadt einen Bismarckturm zu errichten.

Es wurde ein „Ausschuss zur Errichtung einer Bismarcksäule für Stadt und Kreis Fraustadt“ unter Vorsitz von Theodor von Heppe (Landrat des Kreises Fraustadt von 1904-1915) gebildet.

Als Turm-Standort wählte der Ausschuss eine Anhöhe auf der Rohrsdörfer Chaussee (Kreis-Chaussee nach Lissa) im Norden von Fraustadt aus. Der Bauplatz wurde dem Ausschuss vom Kreis Fraustadt kostenlos überlassen.

Der Ausschuss legte sich auf den von der deutschen Studentenschaft mit dem 1. Preis ausgezeichneten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis zwecks Ausführung fest.

Finanziert wurde der rund 11.000 Mark (nach anderer Quelle: 13.500 Mark) teure Bau durch Spenden sowie durch Zahlungen des Kreistages. Der Kreistag spendete erst 2.500 Mark, später weitere 3.300 Mark für den Bismarckturm. Das Bronzerelief wurde von Theodor von Heppe und drei Großgrundbesitzern gestiftet, die Montagekosten übernahm Oberstleutnant von Oppen.


Bauarbeiten

Anfang 1904 wurden die Bürger des Kreises aufgerufen, 400 m³ Steine für den Turmbau an den Bauplatz zu transportieren.

Am 10.04.1904 wurde der Grundstein des Turmes gelegt.

Als Baumaterial wurden Granitfindlinge aus dem Kreis Fraustadt verwendet.

Die Bauausführung erfolgte durch Bauunternehmer R. Michel aus Fraustadt. Das Relief wurde von Bildhauer Engelhard aus Charlottenburg gefertigt.


Turmbeschreibung

Die 12 m hohe Feuersäule ohne Aussichtsfunktion wurde auf einem aufgeschütteten Erdhügel errichtet.

Als Basis des Turmes diente ein zweistufiges quadratisches Podest.

Auf dem quadratischen Turmsockel erhob sich der sich der nach oben hin leicht verjüngende Turmschaft.

Die vier Kanten des Schaftes bestanden - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit dreistufigem Oberbau zusammengehalten wurden.

Die 2,60 m große Feuerschale aus Eisenblech auf dem Turmkopf (Kosten: 500 Mark) wurde mit Scheitholz und Petroleum befeuert. Die Flammenhöhe betrug 3-5 m bei einer Brenndauer von zwei Stunden.

An der Ostseite des Turmes wurde am Säulenschaft eine Sandsteinplatte mit Bismarck-Medaillon in Bronze (Durchmesser 1 m) angebracht. Das Reliefbild wurde einem Motiv auf einer Gedenkmünze von Prof. Hildebrand nachgebildet.


Turmgeschichte

Die Einweihung der Bismarcksäule fand am 25.06.1905 im Rahmen einer Feier statt. Die Festrede hielt Landrat von Heppe.

Nach ungesicherten Angaben wurde die Säule bei Kriegshandlungen am Ende des 2. Weltkrieges zerstört. Im Mai 1967 soll der Sockel des Turmes noch vorhanden gewesen sein.

Im Jahr 1992 war der Bismarckturm nicht mehr vorhanden. Auf dem nach wie vor vorhandenen Erdhügel war ein polnisches Denkmal errichtet worden.


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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 151
- Seele, Sieglinde; Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von FRAUSTADT / Posen
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 116 "Bismarck-Feuersäule bei Fraustadt i. Posen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 2. Jahrgang 1904 (Nr. 6, S. 2; Nr. 9, S. 2; Nr. 11/12, S. 9);  3. Jahrgang 1905 (Nr. 2, S. 5; Nr. 5, S. 5/6; Nr. 8, S. 9)


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid (historische Ansichten)


Polnische Version dieser Seite (Dank an Marek Moson aus Wroclaw/PL für Übersetzung)