Update: 05.03.2013

Der Turm des Ostmarkenvereins
Der Bismarckturm in Flatow

Bauplanung

Der Bau dieses Bismarckturmes wurde am 16. Dezember 1905 vom Schulrat Bennewitz aus Flatow auf einem Bismarck-Kommers angeregt. Auf diesem Kommers wurden spontan 600 Mark für den Turmbau gesammelt.

Die Ortsgruppe des Ostmarkenvereins Flatow unter Vorsitz des Kreisinspektors Meske führte diesen Plan weiter fort. Die Baumaterialien wurden von mehreren Gutsbesitzern gespendet.

Gutsbesitzer Barts aus Blankwitt stellte den in seinem Eigentum befindlichen Galgenberg (127 m ü. NN) als Bauplatz unentgeltlich zur Verfügung. Noch im Jahr 1906 wurde der Galgenberg in Bismarck-Höhe umbenannt.

Baurat Fust aus Konitz entwarf diesen Turm als Aussichtsturm ohne Feuerschale.

Im Jahr 1907 bewilligte der Kreistag 1.500 Mark für den Turmbau.

Der Baufond lag Anfang April 1908 bei 4.000 Mark. Etwa 90 m³ Granitsteine wurden vor Baubeginn am Bauplatz gelagert.

Die Baukosten betrugen insgesamt 5.450 Mark.


Bauarbeiten

Die Grundsteinlegung für den Turm wurde am 05.04.1908 unter großer Beteiligung der Bevölkerung vorgenommen. Forstmeister Rubach hielt die Ansprache.

Die Bauausführung übernahm Baumeister Max Radtke aus Flatow.

Als Außenmaterial wählte man Porphyr-Bruchsteine, für den Innenausbau wurden Ziegelsteine verwendet.


Turmbeschreibung

Der 15 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit hatte einen quadratischen Grundriss von 6,50 m x 6,50 m.

Das Bauwerk war von einer Umfassungsmauer aus Porphyrit-Bruchsteinmauerwerk umgeben. Auf der Ostseite des Turmes erreichte man über eine Treppe mit mehreren Stufen die 8 cm dicke Eichenholztür. Durch diese gelangte man in das Innere des Turmes. Eine Wendeltreppe aus Fertigbetonstufen, die auf Wangenmauerwerk auflag, führte zur ersten Aussichtsplattform in Höhe der auf allen Seiten vorhandenen Rechtecköffnungen (drei Fenster auf allen Seiten).

Über eine Leiter aus Rundstahl erreichte man durch eine Stahlfalltür in der Preußischen Kappendecke (Deckenkonstruktion aus sich wiederholenden flachen Rundtonnengewölben mit parallelen Stahlträgern als Widerlager) die obere Aussichtsplattform.

Die Plattform war mit einem Schutzgeländer aus Rundstahl und einem Blitzableiter versehen.

Als Befeuerungsmöglichkeit des Turmes diente ein Gitterkorb.


Turmgeschichte

Bei der Einweihung des Turmes am 21.06.1908 fand ein Festzug  statt, an dem u.a. 17 Krieger- und andere Vereine teilnahmen.

Am 01.04.1911 veranstaltete die Ortsgruppe Flatow des Ostmarkenvereins einen Fackelzug zum Bismarckturm, auf dem Turm wurde ein Feuer entzündet.

Bis einschließlich 1944 wurden jeweils am 21.06. Sonnenwendfeiern am Bismarckturm durchgeführt. Das Bauwerk war aber bereits vor 1945 nicht mehr öffentlich zugänglich.

Im Jahr 1945, nachdem die Polen und Russen Flatow in Besitz genommen hatten, wurde das Kastenschloss der Eingangstür zerschossen und die Tür herausgerissen. In den ersten Jahren nach dem Krieg wurde der Turm durch Vandalismus beschädigt, insbesondere die obere Plattform.

Im Jahr 1968 wurde der Turm von den Polen endgültig abgerissen.

Der Galgenberg wurde 1990 teilweise ausgesandet. Im Juli 1992 waren noch Steinreste des Turmes zu finden.

Der Berg wird heute „gora Wilhelma“ (Wilhelm-Berg) genannt.


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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 143
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von FLATOW/Westpreußen
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 149 "Bismarck-Feuersäule zu Flatow-Westpr.", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 2. Jahrgang 1904 (Nr. 9, S. 2); 3. Jahrgang 1905 (Nr. 2, S. 6); 4. Jahrgang 1906 (Nr. 7/8, S. 113); 5. Jahrgang 1907 (Nr. 5, S. 71), 6. Jahrgang 1908 (Nr. 5, S. 79/80, Nr. 7, S. 111)
- Goerke, Otto: Der Kreis Flatow, 1918, S. 24, 26, 433 (Nachdruck Gifhorn 1981)
- Moson, Marek: Mitteilung vom 13.09.2002 nach Rücksprache mit der Direktorin des Landmuseums in Zlotow, Frau Malgorzata Cholodowska


Polnische Übersetzung von Marek Moson, Wroclaw