Update: 03.11.2015

Anbau mit Aussichtsterrasse
Der Bismarckturm in Drengfurt

Als Vorbild für diesen runden Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit mit zinnenbekrönten Anbau diente der am 01.04.1899 eingeweihte Bismarckturm in Rudolstadt/Thüringen.


Bauplanung

Angeregt wurde der Bau dieses Bismarckturmes durch fünf Bismarckverehrer, die zwecks Baus eines Bismarckturmes im März 1899 in Drengfurt ein Bismarckturm-Komitee unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Nickien gründeten. Die weiteren Mitglieder des Komitees waren Beigeordneter Emil Bartel, Arzt und Ratsmann Dr. Gervais, Posthaltereibesitzer Doerk und Färbereibesitzer Salomon.

Nach Gründung des Komitees wurde ein Spendenaufruf erlassen. Über Ausstellungen und Feste wurden innerhalb kurzer Zeit 2.000 Mark eingenommen, der Kreis bewilligte zudem 500 Mark für den Turmbau. Eine Lotterie für das Bauwerk wurde vom Oberpräsident genehmigt.

Als Standort für den Turm wählte man den 157 m über NN liegenden Fürstenauer Berg (heute: "Diabla Gora", dt. "Teufelsberg") aus.

Für 2.400 Mark erwarb Kaufmann Maeckelburg 10 Morgen Land für das Turmgrundstück. Die Stadt Drengfurt selbst gab zusätzlich unentgeltlich 1,5 Morgen dazu.

Der ursprüngliche Entwurf des Turmes stammt von Baurat Bergmann aus Gumbinnen. Bauführer Fritz Becker aus Rastenburg änderte den Entwurf ab.

Am 19. Oktober 1901 konnte der Grundstein des Turmes gelegt werden.

Die Gesamtbaukosten betrugen 12.000 – 13.000 Mark inklusive der gespendeten Materialien und den Kosten für das Baugrundstück.


Bauarbeiten

Die Arbeiten wurden vom Baugeschäft Modricker aus Rastenburg ausgeführt.

Als Baumaterial wurden rohe Feldsteine im Wert von 3.000 Mark sowie 22.000 Ziegel im Wert von 660 Mark verwendet. Alle Steine wurden von der Stadt und von Bismarckverehrern unentgeltlich geliefert.

Während des Baus im Frühjahr 1902 wurde das Baugrundstück mit Tannen aufgeforstet.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der 12 m hohe, runde Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit mit zinnenbekrönter Plattform hat auf der Ostseite einen 5 m hohen zinnenbekrönten Anbau mit rechteckigem Grundriss.

Über eine Treppe mit zwei Stufen auf der Westseite des runden Turmes ist das  2,70 m x 1,20 m breite  spitzbogige Eingangsportal erreichbar. Der Eingangsbereich ist portalartig ausgebildet und leicht vorgebaut.

Über dem Eingang wurde ein polierter Granitstein mit der goldenen Inschrift "Unserm Bismarck" (Kosten: 85 Mark), darüber am Säulenschaft ein bronzenes Bismarck-Medaillon (Kosten: 405 Mark) angebracht.

Über eine rechtsdrehende eiserne Treppe ist die Aussichtsplattform des Turmes erreichbar. Den Anbau erreicht man durch einen ebenerdigen, rundbogigen Durchgang vom Turmeingang aus.

Der 4,50 m x 3,00 m große Anbau mit je zwei 1 m x 0,80 m großen Spitzbogenfenstern auf der Süd- und der Nordseite hat eine Höhe von 5 m und dient als Aussichtsterrasse mit Brüstung. Auf der Ostseite des Anbaus wurden kleine spitzbogige Fenster (0,40 m x 0,30 m) eingelassen. Der überwölbte Innenraum wurde als Bismarckzimmer konzipiert. Turm und Anbau sind mit roten Ziegeln hintermauert.

Der Austritt vom Turm auf die Plattform des Anbaus erfolgt durch einen spitzbogigen Durchgang, in welchem im Abschluss des Spitzbogens ein eingepasster Stein mit der Jahreszahl 1902 eingelassen ist.

Auf dem Turmkopf wurde ein Feuerkessel aus Eisenblech (Kosten 50 Mark) eingemauert, der zur Befeuerung des Turmes dient. Als Feuermaterial wurde pyramidenförmig aufgeschichteter Torf, der mit Petroleum getränkt war, verwendet. Bei den Befeuerungen betrug die Flammenhöhe 3-5 m bei einer Brenndauer von ca. zwei Stunden.


Turmgeschichte

Die Einweihung des Bauwerks erfolgte am 13.07.1902. Kurz nach der Einweihung beauftragte das Turmkomitee den Landschaftsgärtner Salewski, einen Entwurf (Zeichnung) für die gärtnerischen Anlagen des Platzes zu entwerfen. Er sollte zudem abklären, welche Ziersträucher und Bäume gepflanzt werden können.

Im Frühjahr 1904 wurden nach dem Entwurf des Landschaftsgärtners Wege und Rasenflächen hergerichtet sowie Pflanzen gesetzt.

Das Bismarckkomitee erwarb im Jahr 1905 von Kaufmann Maeckelburg neun weitere Morgen Land, von denen im Jahr 1906 zwei Morgen als Tannenschonung mit Büscheltannen angelegt wurden.

Da der Turm von Besuchern bis dahin gut frequentiert wurde, war geplant, im Turm eine Restauration zu errichten. Aus dem Komitee wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt ein Bismarck-Verein unter Vorsitz von Dr. Gervais gegründet.

Im Jahr 1907 stifteten die Herren C. Bartel  und Andörsch für das Bismarck-Zimmer einen Eichentisch und sechs eichene Stühle.

Am 01.04.1912 sowie am 01.04.1914 (weitere Befeuerungen wahrscheinlich, aber nicht bekannt) wurden auf dem Turm Feuer entzündet. Mitglieder des Bismarck-Vereins versammelten sich dazu am Turm.

In den Jahren 1913 und 1914 waren die Pflanzungen um den Turm trotz des rauen Klimas und Vandalismus soweit herangewachsen, dass sie Schatten spenden konnten.

Beim Russeneinfall Ende August / Anfang September 1914 wurden die Fürstenauer Höhen besetzt und Schützengräben gezogen. Der Bismarckturm diente den Russen als Beobachtungspunkt. Bereits am 08.09.1914 wurden die Russen durch die 37. Infanterie-Division vertrieben. Dabei schlugen deutsche Granaten in die Schonung und die gärtnerischen Anlagen ein. Der Turm wurde jedoch nicht getroffen, lediglich ein Granatsplitter beschädigte die Tür.

Während des 1. Weltkrieges wurden 7 Morgen Land als Weide verpachtet. Durch die Hyper-Inflation in den Jahren 1922/1923 wurde der Bismarck-Verein schuldenfrei. Im Frühjahr 1922 wurden 7 Morgen Land bepflanzt.

Im Juli 1924 beschloss der Verein in einer außerordentlichen Generalversammlung, in den kleinen Anlagen einen Heldengedenkstein zu Ehren der im Weltkrieg aus dem Kirchspiel Drengfurt Gefallenen zu errichten. Mit Hilfe von Spenden von Stadt und Land und einem von Bauunternehmer Klein gestifteten Findlingsstein (Gewicht: 10 Tonnen) wurde der Gedenkstein ab August 1924 80 m westlich des Turmes errichtet. Die Einweihung erfolgte am 07.09.1924. Fabrikbesitzer Schönauer aus Rastenburg stiftete die gusseiserne Tafel mit Inschrift.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Drengfurt zu 60 % zerstört. Im Jahr 1950 wurde Drengfurt (von den Polen Dryfort genannt) in Srokowo umbenannt.

Der Bismarckturm war im Mai 1993 nur noch eine Ruine. Der Turm war nach oben hin offen, die Plattform und die Zinnen fehlten. Vom Anbau des Turmes standen nur noch Fragmente. Die Inschrift sowie das Medaillon wurden vor 1993 entfernt. Der Heldengedenkstein war noch vorhanden, der Adler auf dem Stein sowie die gusseiserne Platte mit Inschrift fehlten.

Am 06.09.2004 wurde das Bauwerk aufgrund einer Initiative von Denkmalpfleger Piotr Milewski aus Srokowo unter Denkmalschutz gestellt. Die Gründung eines Vereins zur Sanierung des Turmes war im Jahre 2004 geplant (bis 2015 nicht erfolgt).

Der Bismarckturm ist (Stand: Oktober 2015) noch stark ruinös erhalten.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 107
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von DRENGFURT/Ostpreußen
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 65 "Bismarck-Feuersäule zu Drengfurt-Ostpr.", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes: 2. Jahrgang 1904 (Nr. 9, S. 3), 3. Jahrgang 1905 (Nr. 8, S. 11), 4. Jahrgang 1906 (Nr. 7/8, S. 114), 5. Jahrgang 1907 (Nr. 5, S. 71; Beilage „Die Bismarck-Feuersäule“), 10. Jahrgang 1912 (Nr. 4/5, S. 61), 12. Jahrgang 1914 (Nr. 4/5, S. 50)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903: 2. Teil, Nr. 19 „Die Bismarck-Säule zu Drengfurt (Ostpr.)“


Bildmaterial

- Piotr Milewski, Srokowo (Fotos November 2003)
- Ralph Männchen, Dresden (Fotos Oktober 2004 und Oktober 2015)
- Agata Salek, Swidwin (Fotos Juni 2011)
- Sebastian Sosnowski, Wroclaw (Fotos November 2011)


Polnische Übersetzung von Marek Moson aus Wroclaw