Update: 05.03.2013

Entwurf und Standort kurzfristig geändert
Der Bismarckturm in Culm

Bauplanung

Am 01.04.1900 wurde auf einer Bismarckfeier einer Tischgesellschaft im Hause des Rittergutsbesitzers Dr. Strübing der Gedanke angeregt, am Standort der alten Ordensburg Althausen eine Bismarck-Feuersäule zu errichten.

Freunde und Verehrer Bismarcks aus dem Culmer Kreis (insbesondere der Ostmarkenverein und der Alldeutsche Verband) unterstützten den Bau dieses Bismarckturmes.

Es wurde ein Bauausschuss gegründet, an dessen Spitze folgende Personen standen: Kgl. Landrat Hoene aus Culm, Kgl. Amtsrat Krech aus Althausen, Kgl. Kreisbauinspektor Rambeau aus Culm, Kgl. Gymnasialprofessor Dr. Serres aus Culm und Rittergutsbesitzer Dr. Strübing aus Storlus.

Der königliche Kreisbauinspektor Rambeau erhielt für seinen Entwurf einer zinnenbewehrten Feuersäule vom Oberpräsidenten in Westpreußen und dem Regierungsinspektor in Marienwerder die Zustimmung zur Ausführung. Rambeau entwarf einen Rundturm in Form der deutschen Ordensburg in Schwetz. Standort des Turmes sollte auf einer 70 m hohen Anhöhe in Culm-Althausen, 2 km vom Bahnhof Althausen entfernt, sein.

Die geplante Bauausführung im Jahr 1904 konnte nicht stattfinden, da noch nicht genügend Feldsteine angefahren worden waren und weitere Geldmittel fehlten. Bis 1907 wurde der geplante Bau weiter aufgeschoben. Durch einen Vermögensverlust des Bismarckturm-Förderers Amtsrat Krech in Althausen konnte der Turmbau auch 1907 nicht durchgeführt werden.

Im Jahr 1908 wurde der Entwurf des Kreisbauinspektors Rambeau verworfen und der Entwurf eines anderen (unbekannten) Architekten ausgewählt. Zudem wurde ein anderer Bauplatz in Culm (an der Nordseite der Möbelfirma direkt an der Landstraße 1 [E 75]) ausgewählt.

1909 bewilligte der Kreistag 1.000 Mark für den Turmbau, sodass die erforderlichen Mittel (12.000 Mark) vorhanden waren. Der erste Spatenstich erfolgte am 30.03.1909, von einer feierlichen Grundsteinlegung wurde aufgrund der schlechten Witterungsverhältnisse und der damit verbundenen zu kurzen Vorbereitungszeit abgesehen.

11.000 Mark der Turmbaukosten (Gesamt: 12.000 Mark) wurden von der Bevölkerung gespendet, darunter waren auch zahlreiche jüdische Spender.


Bauarbeiten

Als ausführender Baumeister fungierte der Maurer- und Zimmermeister Wilhelm Frucht aus Culm (nach anderer Quelle Oberstleutnant von Dewitz).

Als Baumaterial Turm wurden Granitfindlinge aus dem Kreis Culm verwendet. Die Feuerpfanne des Turmes, die auf einem runden Aufbau eingelassen wurde, wurde von der Eisengießerei Gustav Peters in Culm hergestellt.


Turmbeschreibung

Der 23 m hohe als Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit konzipierte Turm hatte einen quadratischen Grundriss.

Auf einem Fundament erhob sich der 2,50 m hohe aus Feldsteinen gebaute Turmsockel, über dem sich der nach oben hin verjüngende Turmschaft anschloss. Die Ober- und Seitenkanten waren aus Feldsteinen, die mittleren Flächen zum Teil verputzt.

Die viereckige Plattform kragte leicht aus. In der Mitte der Plattform stand ein runder Aufbau auf drei Säulen, der mit einer Feuerschale bekrönt war, die nach oben mit einem Gitter abschloss.

Über eine Innentreppe gelangte man zur Aussichtsplattform. Über dem Eingang wurde die Inschrift "BISMARCK" angebracht.


Turmgeschichte

Die erste Befeuerung wurde am Tag der Einweihung (Do., 19.08.1909) vorgenommen. Um 19:00 Uhr führte vom Markt aus ein Festzug zum Bismarckturm. Am Festzug nahmen Mitglieder aller deutschen Verbände und Organisationen, Schüler des Gymnasiums sowie Einwohner der Stadt und des Kreises Culm teil.

Nach dem Singen der Hymne übergab Oberstleutnant Dewitz dem Landrat Dr. Lohr den Turmschlüssel und die Feuerschale wurde erstmals entzündet.

Reichskanzler Theobald Bethmann-Hollweg erhielt anlässlich der Einweihung ein Telegramm aus Culm. Dieser beantwortete das Telegramm und gratulierte den Beteiligten.

Am 10.05.1912 wurde ein bronzenes Bismarck-Medaillon, gestiftet vom Rittergutsbesitzer Richard Bremer aus Segartowitz, angebracht. An diesem Tag wurde auch die Feuerschale befeuert.

Mitte Mai 1919 fanden auf dem Gelände des Bismarckturms Militärübungen statt.

Der Turm wurde bereits 1920/1921 abgetragen (Culm war seit dem 22.01.1920 wieder Teil von Polen).

Am ehemaligen Turmstandort wurde ein Freiheitshügel errichtet (nicht mehr vorhanden).
Seit November 1998 erinnert eine Gedenktafel an den 70. Jahrestag der von den Polen wiedergewonnenen Unabhängigkeit sowie an den 68. Jahrestag der Befreiung von Culm von der preußischen Okkupation. 


Links (ehemaliger Standort)

Google Maps

Google Earth


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 91/92
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von CULM/Westpreußen
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 161 "Bismarck-Feuersäule bei Althausen-Culm/Westpr.", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes; 2. Jahrgang 1904 (Nr. 6, S. 3); 3. Jahrgang 1905 (Nr. 5, S. 7); 5. Jahrgang 1907 (Nr. 5, S. 70), 7. Jahrgang 1909 (Nr. 5, S. 81; Nr. 9, S. 159), 10. Jahrgang 1912 (Nr. 6, S. 76/77).
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, "Der Bismarckturm an der Weichsel bei Culm-Althausen", Nr. 15
- Culmer Zeitung, 1909, Nr. 129
- Die Presse (Zweites Blatt), 1909, Nr. 198, Seite 1; Nr. 240, Seite 2
- Westpreußen Jahrbuch, 1997, Nr. 47, Seite 78


Bildmaterial

- Marek Moson, Wroclaw (Fotos Juni 2011)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Fotos Juni 2011)


Polnische Übersetzung von Marek Moson, Wroclaw