Update: 05.03.2013

Drei in Kleeblattform gekuppelte Säulen
Der Bismarckturm in Birnbaum

Bauplanung

Der Bau dieser Feuersäule wurde am 01.01.1899 vom Vorsitzenden des örtlichen Bismarckvereins, dem Königlichen Kreisbauinspektor Karl Rieck aus Birnbaum, angeregt.

Daraufhin wurde ein Bismarckkomitee gegründet.

Aufgrund der hohen Kosten für den Entwurf „Götterdämmerung“ des Architekten Wilhelm Kreis entwarf Kreisbauinspektor Rieck einen eigenen, für Birnbaum geeigneten Entwurf.

Als Standort wählte das Komitee einen steil zum Warthetal abfallenden Höhenzug oberhalb des Bahnhofes. Der Bauplatz war ein Morgen groß und sollte später mit gärtnerischen Anlagen versehen werden.

Finanziert wurde der 7.600 Mark Turm durch Spenden der Bürger aus Birnbaum (damals 3.000 Einwohner) und weiteren 15 Gemeinden und "größeren Gütern". Die Findlinge wurden unentgeltlich geliefert, die Maurerarbeiten wurden kostenlos ausgeführt.


Bauarbeiten

Am 17.09.1899 wurde der Grundstein des Turmes gelegt.

Als Baumaterial wurden Granitfindlinge aus Birnbaum und Umgebung verwendet. Die Bauausführung erfolgte durch Maurermeister Hoene aus Birnbaum.

Die Einweihungsfeier fand am 14.10.1900 statt.


Turmbeschreibung

Der 13,50 m hohe Bismarckturm wurde als Feuersäule ohne Aussichtsmöglichkeit errichtet. Der Durchmesser der Säule in Bodenhöhe betrug 5,50 m.

Die architektonische Form dieses Bauwerkes (drei in Kleeblattform gekuppelte Säulen) entspricht der dreidimensionalen Form des Bismarck-Wappens (Wappen Bismarcks im Grundriss).

An einer der drei Säulen wurde das Bismarck-Wappen in Bronze mit der Inschrift

"IN TRINITATE ROBUR"

angebracht. Das Wappen wurde von der Fa. Gebr. Schneider aus Birnbaum hergestellt.

Die Granitsteine für den Turm waren rechteckig bearbeitet und stießen mit glatten Stoß- und Lagerfugen scharf aneinander.

Die Säule wurde mit einem Feuerbecken bekrönt, welches man über eine massive Treppe in einem Schacht sowie Steigeisen erreichen konnte.

Das auf drei Träger aufgesetzte runde Feuerbecken war aus Kupfer mit einem Durchmesser von 3,20 m sowie einer Dicke von 4-5 mm. Die Kosten dafür betrugen 2.000 Mark. Das Becken war durchbrochen und oberhalb der Durchbrechung mit einem schornsteinähnlichen Aufsatz versehen, der zur Beschickung des Beckens sowie der Luftzuführung diente.

Die Feuersäule wurde mit Holz, Teer und Petroleum befeuert. Dabei wurde eine Flammenhöhe von 6-8 Metern erreicht.


Geschichte des Turmes

Am 19.03.1903 war die Säule noch Eigentum des Bismarckkomitees, sollte aber in das Eigentum der Stadt Birnbaum übergehen, sobald das Komitee soviel Eigenkapital zur Verfügung hatte, dass die Unterhaltung und das jährliche Entzünden des Feuers von den Zinsen bezahlt werden konnten.

Am 02.09.1904 wurde ein Feuer auf der Bismarcksäule entzündet.

Im 1. Weltkrieg wurde die Kupferschale der Metallspende zugeführt und durch einen eisernen Rost ersetzt, der durch einen breiten Rand an eisernen Kreuzen geschmückt war.

Der Turm in Birnbaum wurde 1937 nach Initiative des Direktors des örtlichen Gymnasiums, Wieslaw Sauter, abgetragen. Das Bismarck-Wappen wurde zuvor entfernt und eingeschmolzen.

Das Fundament des Turmes ist heute teilweise auf einem Privatgrundstück (ul. Cmentarna 2 / Friedhofstr. 2) sichtbar. Neben den Turmresten wurde nach Abriss des Turmes eine Eiche zum Andenken an die Bismarcksäule gepflanzt.


Links

Google Maps (ehemaliger Standort)

Google Earth (ehemaliger Standort)


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 66
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von BIRNBAUM/Posen
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 29 "Bismarck-Feuersäule zu Birnbaum", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 2. Jahrgang 1904 (Nr. 11/12, S. 11); 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, Nr. 9 "Die Bismarck-Säule in Birnbaum a.d. Warthe"
- Centralblatt der Bauverwaltung, Nr. 64 vom 10.08.1901, S. 393
- Dr. Dyroff, Stefan: Hinweise per E-Mail (2002)


Polnische Übersetzung von Marek Moson, Wroclaw
Fundamentreste Bismarcksäule Birnbaum ul. Cmentarna 2, Miedzychod, Foto Oktober 2007, Foto Marek Moson, Wroclaw
Foto Bahnhof Miedzychod, links Eiche am ehemaligen Standort der Säule, Foto Oktober 2007, Foto Marek Moson, Wroclaw