Update: 25.06.2017

Gemeinsames Turmprojekt Barmen und Elberfeld
Die Bismarcksäule in Wuppertal

Vorbemerkungen

Der Bau des Bismarckturmes an der Grenze Elberfeld/Barmen wurde Anfang des 20. Jahrhunderts ein Gemeinschaftsprojekt der benachbarten kreisfreien Großstädte Elberfeld und Barmen, die beide 1929 neben anderen Gemeinden zur Stadt Barmen-Elberfeld vereinigt wurden (nach einer Bürgerbefragung im Jahr 1930 in Wuppertal umbenannt).

Vor dem Bau des Turmes zu Ehren des ehemaligen Reichskanzlers wurden sowohl in Barmen als auch in Elberfeld Bismarck-Standbilder errichtet.

Am 31.03.1898 wurde auf dem Schlossbleicheplatz, Ecke „Am Mäuerchen“ in Elberfeld ein Bismarck-Standbild eingeweiht, welches im 2. Weltkrieg eingeschmolzen wurde. In Barmen wurde auf dem Platz vor dem Alten Rathaus am 18.01.1900 ebenfalls ein Bismarck-Standbild eingeweiht, das 1938 auf den Karlsplatz umgesetzt wurde. Das Denkmal ist heute noch erhalten.

Bei der Grundsteinlegung des Bismarckturmes am 01.04.1907 wurde betont, dass durch den gemeinsamen Turmbau die „Zwietracht der beiden Städte“ [Barmen und Elberfeld] beigelegt sei.


Bauplanung

Der Nationalliberale Verein Elberfeld regte den Bau dieser Bismarcksäule am 01.04.1904 als Aussichtsturm mit Feuerschale an. Zu diesem Zweck wurde ein Komitee, in dem Vertreter der Städte Barmen und Elberfeld saßen, unter Vorsitz von Consul Paul Boedinghaus jr. aus Elberfeld und Richard Bredt aus Barmen gebildet.

Am 05.07.1904 wurde ein Spenden-Aufruf zum Bau eines Bismarckturmes veröffentlicht. Das Komitee wählte den von der deutschen Studentenschaft mit dem 1. Preis ausgezeichneten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis zur Ausführung aus. Die veranschlagten Kosten für den Turmbau wurden auf 30.000 Mark geschätzt.

Aus dem Komitee heraus wurde ein Bismarck-Turm-Arbeitsausschuss gebildet.

Bereits im Herbst 1904 wurden allein in Elberfeld 10.000 Mark an Spenden für den Turmbau gesammelt. Ende des Jahres 1904 wurden die Gesamtbaukosten vom Arbeitsausschuss mit 40.000 Mark angegeben.

Anfang März 1905 wurde in einer Ausschuss-Sitzung berichtet, dass der Bauplatz dem Ausschuss kostenlos zur Verfügung wird. Wegen umfangreicher Planierungsarbeiten konnte eine für den 01.04.1905 geplante Grundsteinlegung nicht stattfinden. Die gesammelten Spenden betrugen zu dieser Zeit 25.000 Mark.

Die Grundsteinlegung konnte erst am 01.04.1907 durchgeführt werden. Mit den Eigentümern des Bauplatzes, den Erben Rübl und Meckel, wurde bis Anfang 1907 über die Stadtverwaltung ein Vertrag über die kostenlose Überlassung des Bauplatzes abgeschlossen.

Die städtischen Bürgervereine beteiligten sich an den Kosten für den Turmbau, der nordstädtische sowie der weststädtische Bürgerverein mit jeweils 150 Mark, der Verein Hochbarmen mit 50 Mark.

Der Landtagsabgeordnete Ferdinand Bartels spendete am 01.04.1907 insgesamt 1.000 Mark für das jährliche Feuerwerk auf dem Bismarckturm.

Bis zum 31.03.1907 wurden 31.000 Mark für den Turmbau gespendet, davon 20.000 Mark in Elberfeld und 11.000 Mark in Barmen. Die Gesamtkosten betrugen inkl. der Feiern zur Grundsteinlegung und Einweihung 40.500 Mark.


Bauarbeiten und Einweihung

Die feierliche Grundsteinlegung wurde am 01.04.1907 (Ostermontag) durchgeführt.

Mit der Bauleitung des Turmes wurde Stadtbaurat Schönfelder aus Elberfeld beauftragt.

Als Material für den Bau wurde Sandstein verwendet, der auf dem Barmer Gebiet des Hardtberges gebrochen wurde. An der Nordseite des Turmes wurde nachträglich ein Bismarck-Wappen in Stein (von Bildhauer Carl Mersch/Elberfeld ca. 1912/1913, Größe 1,60 m²) als einziger Schmuck angebracht.

Der Rohbau des Bismarckturmes wurde am 24.08.1907 vollendet. Die Planierung des Platzes rund um das Bauwerk begann Ende September 1907.

Die feierliche Einweihung unter großer Beteiligung der Bevölkerung (25.000 – 30.000 Besucher) erfolgte am 19.10.1907. Bereits am Vorabend wurde der Turm erstmals bengalisch beleuchtet.


Turmbeschreibung

Als Basis des 22 m hohen Aussichtsturmes ohne Befeuerungsmöglichkeit dient ein einstufiges quadratisches Podest mit einer Seitenlänge von 11,35 m x 11,35 m. Die Podeststufe hat eine Höhe von 1,35 m.

Darauf erhebt sich der 2,60 m hohe quadratische Turmsockel mit einer Kantenlänge von 8,30 m x 8,30 m.

Der Eingang liegt im Norden des Turmes und ist über eine teilweise dem Sockel vorgelagerte, teilweise in ihn hineingeschnittene Treppe mit acht Stufen erreichbar. Stufe 3 bis 8 sind jeweils 0,95 m breit, die beiden unteren Stufen sind der Podeststufe vorgelagert und 2,19 m und 1,55 m breit. Die metallene Eingangstür hat eine Größe von 1,00 m x 2,10 m.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit dreistufigem Oberbau zusammengehalten werden. Die Ecken der unteren Stufen sind etwas abgerundet.

Am Turmschaft sind auf der Süd- und der Westseite jeweils zwei hochrechteckige Fenster (0,60 m x 1,40 m) in unterschiedlicher Höhe eingelassen, auf der Ostseite ist hingegen nur ein Fenster (0,60 m x 1,40 m).

Auf der Nordseite ist als einziger Schmuck am Turmschaft ein Bismarckwappen angebracht.

Durch die Eingangstür gelangt man durch einen 2,20 m langen, 2,00 m hohen und 1 m breiten Gang zum Erdgeschoss des Turmes (4,00 m x 4,00 m).

Über eine steinerne Wendeltreppe (rechtsdrehend) im Innern mit 88 Stufen und 11 Absätzen gelangt man zum unteren Aussichtsbereich (4,00 m x 4,00 m) mit je einem Fenster (0,60 m x 0,90 m) auf jeder Seite. Von hier führt eine eiserne Spindelwendeltreppe mit 24 Stufen + 1 Austrittsstufe zur Aussichtsplattform. Die Gesamtstufenzahl (innen) beträgt 113 Stufen.

Die quadratische Aussichtsplattform hat eine Innenbreite von 3,84 m. Die 0,43 m starke Brüstung hat eine Höhe von 1,13 m. Der Ausstieg auf die Plattform erfolgt duch einen 2,00 m x 2,00 m großen mittigen Aufbau mit Schrägdach auf der Südseite. Die Höhe des mit Titanzinkblech verkleideten Aufbaus beträgt auf der Südseite 2,62 m, auf der Nordseite 1,03 m.

Die für den Turmkopf geplante Feuerschale wurde nie angebracht. Das Bauwerk wurde bengalisch beleuchtet.


Turmgeschichte

Nur 16 Tage nach der Grundsteinlegung (17.04.1907) wurde der Grundstein aufgebrochen und die inliegenden Dokumente sowie ca. 18 Mark Bargeld wurden entwendet. Der Täter konnte - trotz ausgesetzter Belohnung von 100 Mark - nie ermittelt werden.

Ab dem 17.04.1908, ein halbes Jahr nach der Einweihung, wurde der Turm für den Besucherverkehr freigegeben.

Nach der Fertigstellung wurde der Bismarckturm-Ausschuss aufgelöst, gleichzeitig wurde der Bismarck-Bund für die Städte Barmen-Elberfeld unter Vorsitz von Paul Boeddinghaus jr. aus Elberfeld und Richard Bredt aus Barmen gegründet. Dieser Bund hatte die Aufgabe, für die Beleuchtung des Turmes zu sorgen und allgemeine volkstümliche Bismarckfeiern zu veranstalten.

Das erste vom Bismarck-Bund geplante Bismarckfest fand am 24.06.1909 (Johannistag) im Bergischen Haus auf der neuen Hardt statt (1.000 Teilnehmer). Der Bismarckturm wurde im Jahr 1909 mittwochs und samstags am Nachmittag sowie sonntags (ganztägig) geöffnet.
Die Feste fanden in den Folgejahren ebenfalls am Johannistag statt. Zu diesem Anlass wurde der Bismarckturm in den Abendstunden bengalisch beleuchtet.

Von 1983 bis 2005 wurde der Turm ehrenamtlich von Harald Müller / Wuppertal, seit 1997 im Wechsel mit einem weiteren Türmer, zu den u.a. Zeiten geöffnet.

Seit dem 21. März 1991 steht der Turm unter Denkmalschutz.

In den Jahren 1999/2000 wurde der Turm von außen saniert. Von Oktober 2002 bis zum Januar 2003 wurden folgende Arbeiten auf der Plattform durchgeführt: Erhöhung und Verbreiterung der Brüstung (Verkleidung mit Titanzinkblech) und Verlegung von Waschbetonplatten (statt Teerdecke), Einbau einer Tür am oberen Ausstieg (statt Klappe), neuer Wasserspeier auf der Südseite. Die Turmhöhe (inkl. neuem Aufbau) beträgt seit 2002 insgesamt 23,50 m.

Eine Teil-Innensanierung (u.a. Auswechselung der korrodierten Träger der Plattform, neuer Innenanstrich) schloss sich an.

Von Juli 2005 bis 2015 wurde der Turm wieder regelmäßig geöffnet.

Im Sommer 2012 wies das Bauwerk innen zahlreiche Feuchtigkeitsschäden auf.


Von 1990 bis Ende 2007 wurde der Turm von über 100.000 Personen bestiegen. Die jährliche Besucherzahl lag in den letzten Jahren zwischen 5.800 und 8.000 Personen.


Öffnungszeiten (Stand: 2017)

Derzeit nicht bekannt.


Links

Google Maps (hier wird noch die alte Straßenbezeichnung Missionsstraße angezeigt)

Google Earth


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 414
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von ELBERFELD-BARMEN
- Kleinmanns, Joachim: Rheinische Aussichtstürme des 19. und 20. Jahrhunderts, Dissertation Aachen 1986, S. 274, Nr. 81
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 144 "Bismarck-Feuersäule zu Elberfeld-Barmen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes; 2. Jahrgang 1904 (Nr. 9, S. 2; Nr. 11/12, S. 10); 3. Jahrgang 1905 (Nr. 2, S. 5; Nr. 5, S. 7); 5. Jahrgang 1907 (Nr. 3, S. 44; Nr. 5, S. 70; Nr. 7/8, S. 102; Nr. 12, S. 214); 6. Jahrgang 1908 (Nr. 4, S. 57), 7. Jahrgang 1909 (Nr. 6, S. 95), 8. Jahrgang 1910 (Nr. 4, S. 65/66), 11. Jahrgang 1913 (Nr. 6/7, S. 92-94)
- Meyer-Kahrweg, Ruth: „Denkmäler, Brunnen und Plastiken in Wuppertal. Beiträge zur Denkmal- und Stadtbildpflege des Wuppertals, Bd. 10, Wuppertal 1991, S. 147/148


Bildmaterial

- Lars Lenzner, Hückeswagen (Fotos Juni 2003 und Juni 2005)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Fotos 1999, 2003, April 2008, Mai 2011 und historische AK-Motive)


Herr Glöckner, Türmer am Bismarckturm Wuppertal April 2008 [Fotograf: Jörg Bielefeld, Menden]
Motiv Plakette Einweihung des Bismarckturms Barmen und Elberfeld 1907 ("Gemeinsamer Arbeit eingedenk")