Update: 23.04.2017

Der Turm von Bruno Schmitz
Der Bismarckturm Unna in Fröndenberg

Vorbemerkung

In Unna wurde der Bismarckturm-Entwurf des zu diesem Zeitpunkt schon sehr berühmten, aus Düsseldorf stammenden Architekten Bruno Schmitz ausgewählt, der u.a. das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig und das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica entworfen hatte.

Prof. Bruno Schmitz hatte sich 1898/1899 am Bismarcksäulen-Wettbewerb der deutschen Studentenschaft beteiligt. Sein Säulen-Entwurf war unter die besten dreißig Entwürfe gewählt und in Zeitschriften publiziert worden. Ein eigener Wettbewerb oder eine Ausschreibung fand in Unna nicht statt. Der Bismarckturm in Unna blieb der einzige Bismarckturm-Entwurf von Prof. Bruno Schmitz.


Bauplanung

Aufgrund eines Rundschreibens des Unnaer Gerichtsreferendars Dr. jur. Nuss versammelten sich am 21.02.1899 Unnaer Bürger im Hotel Niemeyer. Dr. Nuss hatte die Idee, dem Aufruf der Studentenschaft, Bismarcksäulen zu errichten, zu folgen und auch in Unna ein solches Bauwerk errichten zu lassen.

Dieser Idee wurde zugestimmt und man beschloss, auf einem der höchsten Punkte des Kreises Unna, der Friedrich-Wilhelms-Höhe (214 m über NN) eine Bismarcksäule als Aussichtsturm mit Feuerkorb zu errichten.

Einige angesehene Bürger der Stadt hatten bereits in der o.g. Versammlung ein provisorisches Komitee gebildet, welches schon am 19.03.1899 durch das "Comitee für die Errichtung einer Bismarck-Flammensäule auf der Friedrich-Wilhelms-Höhe" (überwiegend aus den gleichen Mitgliedern des provisorischen Komitees) unter Führung von Amtsgerichtsrat Seidenstücker und Oberlehrer Dr. Friedrich Wilshaus ersetzt wurde.

Neben diesem Zentralkomitee wurden Zweigkomitees in Kamen, Strickherdicke, Fröndenberg und Massen und Agitationskomitees (mit 44 Sammelbezirken) in allen Städten in Sichtweite der Friedrich-Wilhelmshöhe gegründet.

Nachdem das Komitee zuerst den von der deutschen Studentenschaft preisgekrönten Entwurf „Götterdämmerung“ von Architekt Wilhelm Kreis favorisierte, fand man in der Publikation der dreißig besten Entwürfe des Wettbewerbs den Entwurf (Nr. 12) von Bruno Schmitz und einigte sich auf diesen Aussichtsturm-Entwurf für die Bismarcksäule Unna. Architekt Bruno Schmitz verzichtete auf ein Honorar.

Nachdem man sich bereits frühzeitig auf den Standort des Turmes geeinigt hatte, erwarb das Komitee am 19.07.1899 ein 2.544 m² großes Grundstück der Friedrich-Wilhelms-Höhe vom Eigentümer Heinrich Dellwig aus Strickherdicke für insgesamt 1.650 Mark. Mit einer zehn Meter hohen Stange hatte man zuvor die Sicht der umliegenden Gemeinden auf den noch zu bauenden Turm erfolgreich getestet.

Zur Finanzierung dieses Projektes plante man Geldsammlungen und Veranstaltungen in Unna und den umliegenden Ortschaften. Neben Bittschreiben an Industrielle und der Aufstellung von Sammelbüchsen wurden Spendenaufrufe in den Lokalzeitungen veröffentlicht. Zwei Konzerte durch heimische Gesangsvereine, am 11.06.1899 in der Gaststätte Dröge (600 Mark) und am 10.09.1899 brachten zusätzliche Einnahmen in den Baufonds.

Durch einen dreitägigen Basar im Februar 1900 konnte weitere 4.400 Mark gesammelt werden. Industrielle, Firmen und Magistrate, aber auch heimische Vereine wie der Kriegerverein spendeten für den Bau der Säule.

Die Gesamtkosten von 33.000 Mark konnten relativ niedrig gehalten werden, da mehrere Beteiligte kostenlos (Prof. Schmitz, Bildhauer des Bismarck-Wappens) arbeiteten oder preiswert ihre Dienste (Feuerkorb, Steinbearbeitung) anboten.


Bauarbeiten

Bereits im November 1899 trafen die von Prof. Bruno Schmitz bestellten Entwürfe für die Säule ein, sodass noch im gleichen Monat mit den Fundamentarbeiten begonnen wurde.

Als Baumaterial wählte man Steine der mittelalterlichen Stadtmauer vom Hertinger Tor in Unna für das Fundament sowie Sandstein aus dem A. Linnhoffschen Steinbruch in Fröndenberg-Frömern.

Am 15.05.1900 wurde der Grundstein im engen Kreis (Komitee) gelegt. Im Juli 1900 war der Bau schon auf 16 m Höhe gewachsen.

Die Bauarbeiten führte die Firma Thomas aus Hörde durch. Durch einen Konkurs der Baufirma verzögerten sich die Bauarbeiten. Die für den 02.09.1900 (Sedantag) geplante Einweihung musste auf den 18.10.1900 verschoben werden.

Am 13.09.1900 wurde beschlossen, den Vorplatz der Säule umzugestalten. Der Vorplatz sollte einerseits mehr Besucher fassen können, andererseits sollte es so aussehen, dass „Säule und Felsen, mit teilweisem Grün bedeckt, hervor wachse“.

Am 10.10.1900 wurde der Schlussstein im Kreis von zwanzig Männern (mit ihren Frauen) des Errichtungskomitees gelegt.


Turmbeschreibung

Der 19,40 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungseinrichtung hat einen quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von 9,60 m.

Der Turmschaft ist ein sich nach oben verjüngendes Polygon, welches oberhalb der Auskragung (Aussichtsplattform) in einen kreisrunden Turmkopf übergeht.

Den Eingang erreicht man über eine Trittstufe. Über dem 2,10 m hohen Eingang wurde ein Bismarck-Wappen von Bildhauer G. Heufer aus Westhofen angebracht.

Eine Wendeltreppe mit sechzig Steinstufen führt zur Aussichtsplattform in ca. 16 m Höhe. Von dort aus konnte man über eine eiserne Leiter den achteckigen Feuerkorb, gefertigt aus Schmiedeeisen von der Firma Reinecken & Lohrmann aus Königsborn, erreichen. Der Feuerkorb hatte einen Durchmesser von 5 m.

Im Innern führt eine 1 m breite Wendeltreppe ohne Absätze zur Aussichtsplattform.


Denkmal am Turm

Vor dem Bauwerk wurde ein Bismarck-Gedenkstein (in halbrunder Aufstellung mit anderen Steinen), versehen mit einem bronzenen Bismarck-Medaillon, aufgestellt. Das Bismarck-Medaillon wurde Anfang der 1920er Jahre entwendet. Im Mai 2016 wurde ein neues Relief (Material: Sandstein) am Gedenkstein angebracht.


Turmgeschichte

Die Einweihungsfeier konnte am 18.10.1900 wie geplant unter großer Anteilnahme der Bevölkerung (Bürger, Vereine, Schulen, Musikchöre) stattfinden. Zwei Festzüge, einer aus Unna, der andere aus Langschede begaben sich zum Festplatz am Bismarckturm. Die Weiherede hielt Dr. Friedrich Wilshaus aus Unna und übergab den Turm an Bürgermeister Friedrich Koch, der den Turm in Obhut der Stadt Unna nahm. Am Einweihungstag wurde der Feuerkorb erstmals entzündet.

Der Bismarckturm auf der Wilhelmshöhe wurde, wie zuvor mit der Stadt Unna abgesprochen, nach der Einweihung an die Stadt Unna übergeben (die offizielle Übernahme wurde im Mai 1901 von der Stadt nachträglich beschlossen).

Das Turmkomitee wurde kurz nach der Einweihung aufgelöst.

Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs wurde der Feuerkorb an den damaligen patriotischen Feiertagen wie Bismarcks Geburtstag (01.04.), Sedantag (02.09.) und dem Reichsgründungstag (18.01.) entzündet. Die anfängliche Befeuerung mit Holz, welches in Petroleum getränkt war, incl. Teerzusatz, bewährte sich jedoch nicht.

1919 wurde der Unnaer Bismarckturm trigonometrischer Messpunkt erster Ordnung.

Am 01.04.1925 (110. Geburtstag Bismarcks) versammelten sich mehrere national gesinnte Vereine, z.B. Militärvereine, Treubund, der Jungdeutsche Orden u.a., am Bismarckturm und ersetzten das entwendete Bismarck-Medaillon des Gedenksteines durch eine eiserne Bismarck-Plakette. In den 1920er Jahren wurden an Bismarcks Geburtstag am oder auf dem Turm Feuer entzündet.

Am 21.03.1933 (Nationalfeiertag) und am 01.04.1933 wurde die Bismarcksäule laut Zeitungsberichten befeuert, ohne im Vordergrund der Festzüge und Aufmärsche durch Unna zu sein.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bauwerk zeitweise als Flakbeobachtungsstation genutzt. In den 1950er Jahren nutzten Heimatvertriebene, insbesondere Schlesier, den Turm und entzündeten am Johannistag Ende Juni Feuer auf dem Turm.

Mitte der 1960er Jahre musste der mittlerweile sanierungsbedürftige Turm geschlossen werden. Die Finanzierung einer Sanierung stieß auf strukturelle Probleme. Das 2.544 m² große Grundstück mit Turm war eine Exklave auf Fröndenberger Stadtgebiet geworden, sodass die Stadt Unna kein Interesse an einer kostenintensiven Sanierung der Säule hatte (dies führte auch in den Folgejahren zu Kompetenzproblemen zwischen Unna und Fröndenberg).

Eine mögliche Veräußerung des Turmes samt Grundstück in den Jahren 1972 und 1974 scheiterte am Widerstand Fröndenbergs, da die Ruhrstadt ebenfalls keine laufenden Kosten für die Instandhaltung des Turmes übernehmen wollte. Im Jahr 1978 konnte durch die Aktion „Rettet den Bismarckturm“ durch SPD-Ratsmitglied Christine Urban zumindest die Aufwertung des Außengeländes durch Auslichtung des Gestrüpps durchgeführt werden.

Eine Veräußerung des Bismarckturmes an private Interessenten (Umbau in Sternwarte durch astronomischen Verein / Umbau in Wohnung) im Jahr 1983 war in greifbarer Nähe, doch die Interessenten zogen sich aus Kostengründen wieder zurück.

Im Jahr 1986 forderte der Sauerländische Gebirgsverein (SGV) die Erhaltung des baufällig gewordenen Turmes.

Am 15.01.1987 wurde der Turm als Baudenkmal in die Denkmalliste der Stadt Fröndenberg eingetragen. Durch eine AB-Maßnahme konnte der Turm zwischen Mai und November 1987 für 180.000 DM saniert werden. Der Turm blieb aber weiterhin verschlossen.

Der Feuerkorb wurde 1989 von der Turmspitze entfernt und durch ein Stahlrohrgerüst mit Tafelkreuz (trigonometrischer Messpunkt) ersetzt. Im Jahr 2000 wurde der Turm zum Tag des offenen Denkmals und zur Geburtstagsfeier im Oktober zweimal geöffnet. Über 1.500 Besucher bestiegen das Bauwerk.

Die Aussicht vom Turm konnte durch Baumschnitt nach Süden hin im Herbst 2000 nur geringfügig verbessert werden. Die Sicht nach Norden (Unna, Hamm, Münsterland) war durch Bäume total versperrt.

Eine Diskussion in der Lokalpresse über den beabsichtigten Baumschnitt führte dazu, dass die Agenda-Gruppe Umwelt- und Naturschutz/Landwirtschaft erfolgreich einen Antrag an den Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt einbrachte, damit „diese Laubbäume nicht dem touristischen Ausbau zum Opfer fallen“. Als Begründung wurde [unrichtig] angeführt, dass die Eichen aus der Zeit des Turmbaus stammen und somit „historisch mit ihm verwachsen sind.“ Vertreter des Kreises Unna (Grüne / SPD) hatten zudem darauf hingewiesen, dass der Bereich unterhalb des Bismarckturmes als wertvolles Landschaftsgebiet eingestuft ist. Die Bepflanzung des Grundstückes mit Bäumen war vom Bismarckturm-Komitee (Protokolle liegen vor) nicht geplant und wurde erst wenige Jahre später von der Stadt Unna vorgenommen.

Aufgrund eines Schreibens des zuständigen Hochbauamtes vom 25.03.2002 konnte der Turm nicht mehr für Besucher geöffnet werden, da “die Verkehrssicherheit durch ein mangelhaftes Treppengeländer nicht gewährleistet ist“. Das Bauamt bemängelte z.B. die nach den aktuellen Sicherheitsbestimmungen nicht ausreichende Höhe des Treppengeländers.

Im Jahr 2005 wurde die marode Eingangstür durch eine Holztür mit Eisenbeschlägen ersetzt. Der Bismarckturm blieb weiterhin verschlossen.

Am 11.12.2006 wurde der "Bismarckturm-Verein Unna in Fröndenberg e.V." gegründet.

Anfang Juli 2007 wurde ein Förderantrag vom Bismarckturm-Verein bei der NRW-Stiftung positiv beschieden. Im September 2007 wurde entschieden, dass die drei sichtbehindernden Bäume in Norden des Turmes gefällt werden dürfen.

Ende Januar 2008 begannen die Sanierungsarbeiten am Turm. Am 15.02.2008 wurden die drei Bäume gefällt. Im Mai 2008 begannen die Sanierungsarbeiten, die Anfang 2009 abgeschlossen waren. Die Eröffnungsfeier des sanierten Turmes wurde am 28. März 2009 durchgeführt.

In der ersten Saison 2009 wurde das Bauwerk von 4.147 Besuchern bestiegen, im Jahr 2010 von 2.985, im Jahr 2011 von 1.731, im Jahr 2012 von 1.548, im Jahr 2013 von 1.868 und im Jahr 2014 von 1.367 Besuchern (ohne Sonderöffnungen).


Öffnungszeiten (Stand: 2017)

Von April bis Ende September jeden Sonntag von 11:00 - 15:00 Uhr, im Winter Öffnungen am 1. Sonntag eines Monats von 13:00 -15:00 Uhr


Links

Google Maps

Google Earth

Galerieseite mit vielen Fotos und Ansichten des Bismarckturms Unna in Fröndenberg

Bismarckturm-Verein Unna in Fröndenberg e.V.

3-D-Film (Kreis Unna) über den Bismarckturm auf youtube

NRW-Stiftung


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 390/391
- Seele, Sieglinde; Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von UNNA (Nordrhein-Westfalen)
- Burgemeister, Katja: „Die Bismarcksäule in Unna - Ein Nationaldenkmal für die Region?“, Bachelor-Arbeit (zur Erlangung des Grades eines Bachelor of Arts der Fakultät für Geschichtswissenschaft an der Ruhruniversität Bochum), 2005 (PDF-Datei), enthält: - Auszüge der Protokolle über die Sitzungen des „Comitee zur Errichtung einer Bismarck-Flammensäule auf der Friedrich-Wilhelmshöhe 1899-1901
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 31 "Bismarck-Feuersäule zu Unna i. Westfalen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903: 2. Teil, Nr. 107 „Die Bismarck-Säule zu Unna (Westf.)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)
- Timm, Willy: „Ihre Flammen lodern nicht mehr“ in: Der Märker, 25. Jahrgang, 1976, Heft 2


Bildmaterial

-
Jörg Bielefeld, Remscheid (Fotos 1998, 2000, 2002 bis 2011)
- Marek Moson, Wroclaw (Fotos April 2008)
- Lars Lenzner, Hückeswagen (Fotos Mai 2009)
- Christian Gerloff, Jena (Fotos September 2011)


AK-Motiv Bismarckturm Unna in Fröndenberg
AK-Motiv Bismarckturm Unna in Fröndenberg
Entwurf Bismarckturm Unna von Bruno Schmitz
Foto Bismarckturm Unna in Fröndenberg 1900
Foto Bismarckturm Unna in Fröndenberg Einweihung 1900
Broschüre Bismarckturm Unna in Fröndenberg 2000
Foto Bismarckturm Unna 2006 [Fotograf: J. Bielefeld]
Foto Turmkopf Bismarckturm Unna
AK-Motiv Bismarckturm Unna in Fröndenberg
Einweihungskarte Bismarckturm Unna in Fröndenberg 1900