Update: 18.08.2016

Bismarckturm auf Windmühlenruine
Der Bismarckturm in Tecklenburg

Vorbemerkung

Im Jahr 1851 wurde eine Windmühle auf dem Windmühlenberg errichtet, die um 1906 aufgrund mehrfachen Blitzeinschlags ausbrannte. Der Unterbau der Windmühle wurde im Jahr 1908 für den Bismarckturm verwendet.


Bauplanung

Die Idee zum Bau eines Bismarckturmes in Tecklenburg entstand bereits am 26.02.1902 bei der Einweihung des Hotels Burggraf in Tecklenburg durch Schuldirektor Adolf Bausenbach und Justizrat W. Fisch.

Zwecks Verwirklichung dieser Idee wurde der Verein Bismarck e.V. unter Vorsitz von A. Bausenbach gegründet. Weitere Gründungsmitglieder waren u.a. Justizrat W. Fisch, Katasterkontrolleur Lex und Rentner Hermann Steinert, die zusammen als finanziellen Grundstock des Vereins 509 Mark stifteten.

Kurz darauf wurden vom Bismarck-Verein aktiv Spenden für den Turmbau gesammelt. Bereits Ende März 1903, bei der 3. Hauptversammlung des Bismarckvereins, war der Turm-Baufonds auf 1.250 Mark angestiegen. Es wurde vereinbart, dass über den endgültigen Standort des Turmes erst entschieden werden sollte, wenn der Baufonds auf 8.000 Mark angestiegen sein würde. Zur Gewinnung weiterer Spenden sollten Sammelbüchsen aufgestellt werden.

Bis zum Sommer 1904 waren gut 2.000 Mark gesammelt worden.

Im Jahr 1905 überwies der Bismarckbund Porta Westfalica 152 Mark für den Bau des Tecklenburger Bismarckturmes.

Als Bauplatz legte der Bismarckverein den Windmühlenberg in Tecklenburg fest. Auf dem Ruinenstumpf der im Jahr 1906 abgebrannten Windmühle sollte ein Bismarckturm errichtet werden. Der Maler, Radierer und Bildhauer Hans am Ende (1864-1918) in Worpswede entwarf einen Bismarckturm für Tecklenburg. Dieser Entwurf wurde jedoch nicht umgesetzt.

Das Bauwerk wurde letztendlich nach einem Turm-Entwurf von Architekt H. Schierbaum aus Gütersloh errichtet.

Im Jahr 1908 wurde der kegelförmige Mühlenstumpf vom Bismarckverein des Kreises Tecklenburg erworben. Die Grundsteinlegung erfolgte am 30.06.1908.

Die Gesamtkosten für den Turm betrugen 12.000 Mark (Turm: 10.000 Mark, Grunderwerb: 1.300 Mark, dazu Kosten für das Relief, Bauleitung und Blitzableiter), von denen 75% vom Bismarck-Verein angespart worden waren. Die restlichen 4.000 Mark mussten vom Verein "angeliehen" werden.


Bauarbeiten

Die Bauausführung erfolgte durch den Maurermeister Lutterberg aus Tecklenburg.

Als Baumaterial wurden Bruchsteine verwendet.


Turmbeschreibung

Die untere Hälfte des 18 m hohen Aussichtsturmes mit Befeuerungsvorrichtung ist kegelförmig angelegt. Auf etwa 9 m Höhe geht der kegelförmige Rumpf in einen mit acht angedeuteten Pfeilern und Mauerkrone geschmückten Rundturm mit einem Innendurchmesser von 4,50 m über, der sich oberhalb des Aussichtsbereichs nach oben verjüngt. Auf dem Turmkopf wurde eine runde Feuerschale angebracht.

Der 2,25 m vorgelagerte Eingangsbereich mit zwei seitlichen Säulen und Giebeldach ist über drei 2,06 m breite Stufen (Stufenhöhen: 4/20/20 cm) erreichbar. Das doppelflügige hölzerne Eingagsportal ist 2,20 m beit und 2 m hoch.

Im Giebel des Eingangsportals wurde ein Bismarck-Relief aus Bronze (gestiftet von der liberalen Studentenschaft Münster, gefertigt von der Gießerei Gladenbeck) angebracht, an der Nordseite ein Sandstein mit Bismarck-Wappen. Darunter ist eine Sonne mit ausgehenden Sonnenstrahlen, in den Ecken die Inschrift 21/VI/AD/08 zu lesen [vermutlicher Baubeginn am 21.06.1908].

Über eine Innentreppe mit 53 Stufen (Stufenbreite 1,10 m) ist der Aussichtsbereich mit acht Fensteröffnungen mit nicht einheitlichen Größen (Breite: 0,90 m bis 1,00 m, Höhe: 1,00 m - 1,05 m) erreichbar. Nach 15 Stufen erreicht man den ersten, nach insgesamt 27 Stufen den zweiten schmalen Innenumgang.

Der lichte Durchmesser der Aussichtsplattform beträgt 4,70 m. Oberhalb des Aussichtsplattform in 2,85 m Höhe ist eine Decke mit einem großen runden Loch in der Mitte eingezogen. In dem 2 m hohen Raum ist eine eiserne Leiter befestigt, über die man die Feuerschale erreichen konnte.


Turmgeschichte

Am 01.08.1909 fand die feierliche Einweihung des Bismarckturmes, der ersten Feuersäule im Münsterland, statt.

Ein großer Festzug stellte sich vor der Bismarck-Eiche am Burggraf auf. Am Festzug nahmen u.a. Abgesandte von neun Korporationen von der Hochschule zu Münster sowie Mitglieder der Krieger-, Turn- und Schützenvereine teil. Die Begrüßung der zahlreichen Festteilnehmer erfolgte durch den Landrat des Landkreises Tecklenburg, August Belli. Die Weiherede hielt Direktor A. Bausenbach. Nach einem anschließenden Kommers im Hotel „Burggraf“ begaben sich die Festteilnehmer zurück zum Bismarckturm, der an diesem Abend erstmals zu Ehren Bismarcks beflammt wurde. Bei der Befeuerung wurden 100 Liter Petroleum und 150 kg amerikanisches Harz verbrannt.

Im Jahr 1912 wurde neben dem Turm eine "Bismarckhalle" gebaut, die später in das Hotel "Bismarckhöhe" umgebaut wurde.

Bis in die 1970er Jahre versammelten sich die studentischen Korporationen aus Münster und Umgebung zur Sommersonnenwende am Turm. Alljährlich wurden Feuer auf dem Turm entzündet.

Der Turmschlüssel ist an der Rezeption des Hotels (und Gaststätte) Bismarckhöhe entleihbar.

In den Jahren 2009 und 2010 wurde der Bismarckturm außen saniert.

Für die Sanierung des Bauwerkes stellte die Bezirksregierung Münster im August 2009 insgesamt 50.000 EURO zur Verfügung. Die Kosten wurden auf 124.300 EURO veranschlagt. Für die Sanierung wurde der gesamte Turmkopf abgetragen und wieder zusammengesetzt. An der Turmspitze wurden neue Kupferplatten befestigt.

Im April 2010 wurde der sanierte Bismarckturm wiedereröffnet.

Im Juli 2015 war das Bauwerk mit Taubenkot stark verdreckt.


Projekt am Bismarckturm

Herr Wagner aus Lengerich installierte ein maßstäbliches, großräumiges Sonnensystem im östlichen Teil des Altkreises Tecklenburg. Hierbei ist der Bismarckturm in Tecklenburg der zentrale Punkt.

www.sonnensystemtecklenburgerland.de [Stand: Januar 2013]


Links

Google Maps

Google Earth

Hotel Bismarckhöhe (Am Weingarten 45, 49545 Tecklenburg, Tel.: 05482/233)

360°-Panorama am Bismarckturm


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 380-381
- Seele, Sieglinde; Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von TECKLENBURG (Nordrhein-Westfalen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 160 "Bismarck-Feuersäule bei Tecklenburg-Westf.", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 2, S. 2); 2. Jahrgang 1904 (Nr. 9, S. 2; Nr. 11/12, S. 10); 6. Jahrgang 1908 (Nr. 7, S. 112); 7. Jahrgang 1909 (Nr. 9/10, S. 161 und 167)


Bildmaterial

- Albrecht Behrends, Bochum (Fotos August 2005)
- Lars Lenzner, Hückeswagen (Fotos Juni 2007)
- Ralph Männchen, Dresden (Fotos Oktober 2012)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (historische Ansichten und Fotos August 2010 + Juli 2012)


AK Einweihung Bismarckturm Tecklenburg
Foto Eingangsbereich Bismarckturm Tecklenburg 2004
Zeichnung Bismarckturm Tecklenburg