Update: 31.03.2015

Bismarckturm als Volkssternwarte
Der Bismarckturm in Remscheid

Bauplanung und Finanzierung

Bereits im Jahr 1893 plante der Verschönerungsverein Remscheid den Bau eines Aussichtsturmes, der auch als Steigerturm der Feuerwehr gedacht war, in den eigenen Anlagen. Nach ersten Ideen sollte der Turm aus Eisen erbaut werden, ab Juni 1895 sollte dann ein massiver steinerner Turm errichtet werden.

Am 02. Dezember 1896, noch zu Lebzeiten Bismarcks, regte Walther Cleff vom Vorstand des Remscheider Verschönerungsvereins an, das Bauwerk als Bismarckturm zu errichten und auf einen Steigerturm der Feuerwehr zu verzichten. Otto von Bismarck war im Jahre 1895 zum Ehrenbürger der Stadt Remscheid ernannt worden.

Noch im Jahr 1896 wurde ein Baukomitee unter Vorsitz des Bürgermeisters Otto Nollau gebildet, welches Anfang 1897 einen Wettbewerb unter den deutschen Architekten ausrief (erster Preis 300,- Mark). Die Kosten für das Bauwerk sollten maximal 15.000 Mark betragen.

Aus 195 eingereichten Entwürfen wurden nach erster Sichtung 85 Entwürfe näher untersucht. 19 Entwürfe kamen in die engere Wahl. Aus diesen Entwürfen wählte das Preisgericht im Jahre 1897 den Entwurf "Dem Reichsschmied" von Architekt Professor Friedrich Pützer und Hermann Jansen (beide Aachen) wegen seiner laut Preisgericht "in jeder Beziehung anerkennenswerten Lösung" als 1. Preis aus. Das Preisgericht bestand aus Direktor und Ingenieur Moritz Böker, Stadtbaurat a.D. Bües, Architekt Wilhelm Fischer, Geh. Kommerzienrat Karl Friedrichs sowie Kommerzienrat B. Hasenclever (alle Remscheid).
Weitere vier Entwürfe wurden angekauft.

Der mit dem 1. Preis ausgezeichnete Entwurf musste von Prof. Pützer noch vereinfacht werden, da die zu erwartenden Baukosten für diesen Entwurf ca. 20.000 Mark betrugen.

Als Standort kam für das Baukomitee nur der höchste Punkt der städtischen Anlagen (heute: Stadtpark) in Frage, da dieses Grundstück Eigentum des Vereines war.

Am 02.08.1898 gewährte die Stadt Remscheid einen Bauzuschuss von 10.000 Mark, welcher mit der Auflage verbunden war, dass der Turm nach Fertigstellung in das städtische Eigentum übergehen sollte.

Im Jahre 1899 wurde der Verschönerungsverein Remscheid aufgelöst, das Baukomitee wurde als Turmkomitee weitergeführt.

Die weiteren Baukosten wurden durch Spenden der Bevölkerung aufgebracht, am 22.12.1900 waren insgesamt 30.667 Mark gesammelt. Kurz darauf schoss die Stadt Remscheid weitere 2.000 Mark an Spenden zu. Am 25.04.1901 waren insgesamt 38.358 Mark an Spenden für den letztendlich 43.219 Mark teuren Bismarckturm gesammelt worden. Die Restfinanzierung ist unklar.


Bauarbeiten

Die Bauausführung erfolgte durch die Firma Gustav Brüning aus Remscheid. Aus Kostengründen wurde der Entwurf vor der Verwirklichung vereinfacht.

Gebaut wurde der Turm aus Ruhrkohle-Sandstein (Erker, Gesimse, Wappen, Galerien und Fenstereinfassungen), Backsteinen (Hintermauerung) sowie Grauwacke (Verblendung), welche aus einem benachbarten Steinbruch gewonnen wurde.


Grundsteinlegung und Einweihung

Die Grundsteinlegung des Bismarckturmes fand bei gutem Wetter unter großer Beteiligung der Bevölkerung am 01.04.1900 um 15:00 Uhr statt.

Am 10.05.1901 wurde die Einweihung des Turmes unter großer Beteiligung der Bürgerschaft direkt am Turm gefeiert. Die Festrede hielt David Hasenclever, an der Veranstaltung nahmen u.a. Vertreter der Behörden, das Stadtverordnetenkollegium, der Architekt Pützer sowie Vertreter der bauausführenden Firma Gustav Brüning teil. Der Turm wurde offiziell an die Stadt Remscheid übergeben.

Anschließend wurde in der Stadtparkhalle gefeiert. In den Abendstunden wurde erstmals das Feuer in den Feuerbecken entzündet.


Baubeschreibung

Der 30 m hohe, aufwändig gestaltete Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit besticht auf der Vorderseite (NO) durch die Vorhalle mit großem Rundbogenportal im romanischen Stil und Pultdach. Das Portal wird von halbrunden Türmen mit Kegeldächern flankiert.

Der Turm aus Grauwackebossenmauerwerk mit quadratischem Grundriss hat im Erdgeschoss (Halle) eine Seitenlänge von 9,80 m x 8,80 m. An den Seiten hat der Turm Anbauten mit spitzen Giebeln. Oberhalb des Gurtgesimses in 6 m Höhe beginnt der Turmschaft, der sich von 6,50 m x 6,50 m oberhalb der Halle im Erdgeschoss auf eine Seitenlänge von 5,30 m x 5,30 m in 18,50 m Höhe verjüngt.

Über einem Rundbogenfries in 20 m Höhe kragt das Aussichtsgeschoss aus. Die Ecken des Aussichtsgeschosses sind durch Pfeiler, die oben mit Halbkugeln bekrönt sind, optisch hervorgehoben. Jede Seite des Aussichtsgeschosses hat drei nebeneinander liegende quadratische Fensteröffnungen.

Als Turmabschluss wurde ursprünglich ein mit Ziegeln gedecktes Pyramidendach aufgesetzt, welches an der Spitze mit einem bronzenen Reichsadler versehen war.

Die Befeuerung mittels Pech erfolgte unten durch zwei große eiserne Feuerbecken, die an den Türen der zu beiden Seiten flankierenden halbkreisförmigen Mauer (Pergola) aufgestellt waren.

Über dem Eingang wurde ein Bismarck-Relief in Bronze (heute nicht mehr vorhanden), rechts daneben das Wappen der Stadt Remscheid, beide gefertigt von Bildhauer Johann Müller aus Aachen, angebracht.

Durch das im romanischen Stil gebaute Eingangsportal gelangt man in die Vorhalle des Turmes. Von der nachfolgenden Haupthalle geht links die linksdrehende Innentreppe ab, über die man über 102 Stufen die Aussichtsebene erreichen kann.

Änderungen ab 1966

Das Pyramidendach wurde im Zuge der Umbaumaßnahmen komplett entfernt und durch einen zylindrischen Aufbau mit Kuppel ersetzt. Das Aussichtsgeschoss wurde komplett als Sternwarte umgebaut.

Die Fensteröffnungen wurden alle mit Glasfenstern versehen.

Über 26 Stufen (12 + 14 Stufen) einer linksdrehenden Wendeltreppe ist die Kuppelplattform mit Fernrohr von der Aussichtsetage aus erreichbar. Die Gesamtstufenzahl bis zur Kuppel beträgt 128 Stufen.

Änderungen ab 1989

Die Dächer der Anbauten, der Vorhalle, die Kegeldächer der halbrunden Türme sowie die seitlichen Vorsprünge (Übergang in Pergola) wurden mit Kupferblech bedeckt. Im Jahre 1989 waren die Feuerbecken (aber ohne Feuerschalen) an den Enden der Pergola noch vorhanden (die Feuerbecken wurden nach 1989 entfernt).


Turmgeschichte

Im Jahr 1922 wurde das Bauwerk von den mehrheitsfähigen Mitgliedern der 1919 gewählten sozialistischen Parteien in Parkturm umbenannt. Doch bereits im Jahr 1924 kehrte man wieder zum alten Namen Bismarckturm zurück.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Turm als Luftbeobachtungsstation genutzt. Das Turmdach wurde gegen Kriegsende stark beschädigt; Pyramidendach und bronzener Adler fehlten seitdem.

Nach 1945 beschloss der Rat der Stadt Remscheid, den beschädigten Turm zu erhalten.

Am 24.11.1961 gab der Bau- und Kulturausschuss den Turm als Beobachtungsstelle für die astronomische Arbeitsgemeinschaft der Volkshochschule unter Leitung von Dr. Hans Schäfer frei. Dr. Schäfer hatte bereits seit Mitte der 1950er Jahre für den Bau einer Volkssternwarte in Remscheid aufgerufen.

Der Architekt Werner Geh aus Remscheid erklärte sich bereit, einen Entwurf für den Umbau des Turmkopfes als Volkssternwarte zu fertigen. Am 05.10.1962 lagen die Bauunterlagen und der Kostenvoranschlag vor. Die Bauarbeiten begannen Ende Februar 1962.

Bei Sanierungs- und Umbauarbeiten zur Volkssternwarte in den Jahren 1963-66 wurde u.a. das Dachfragment durch einen Aufbau mit Kuppel ersetzt. Dr. Schäfer hatte für die Umbauarbeiten insgesamt 40.000 DM an Geld- und Sachspenden gesammelt und den Umbau ermöglicht. Am 16.12.1966 wurde der sanierte Turm als Volkssternwarte an den Beigeordneten Peter Kürten und Dr. Hans Schäfer übergeben.

Die Volkssternwarte (Dr.-Hans-Schäfer-Sternwarte) wurde am 03.10.1968 eröffnet.

Im Jahr 1983 bildete sich eine Initiative, um den sanierungsbedürftigen Turm renovieren zu lassen. Das städtische Hochbauamt hatte die Sanierungskosten auf 200.000 DM geschätzt. Da sich die Sanierungskosten jährlich erhöhten, konnten erst ab 1986 Sanierungsarbeiten durchgeführt werden.

Am 20.11.1984 wurde der Bismarckturm in die Denkmalliste der Stadt Remscheid eingetragen.

Das Bauwerk konnte erst in den Jahren 1986-89 aufwändig innen und außen saniert werden.

Im Jahr 2000 fand die 100-Jahr-Feier des Turmes statt (hier wurde ausnahmsweise nicht auf die Turm-Einweihung, sondern auf die 100-jährige Grundsteinlegung Bezug genommen).

Der Bismarckturm wurde in den Jahren 2005 - 2007 erneut umfassend saniert.

Der Putz im gesamten Treppenhaus wurde abgeschlagen, um das überwiegend aus Bruchsteinen bestehende Mauerwerk als Sichtmauerwerk zu belassen. Ein Gewölbegang sowie zwei Nischen wurden freigelegt, die offenbar beim Umbau des Turmes zur Sternwarte zwischen 1963-1966 zugemauert worden waren. Im oberen Teil des Treppenhauses wurden Glasbausteine durch Lüftungsgitter ersetzt.

Insgesamt wurde das zuvor von Feuchtigkeit geplagte Treppenhaus nun besser durchlüftet und blieb deutlich trockener.


Öffnungszeiten der Dr.-Hans-Schäfer-Sternwarte

Mi. von 19:30 - 21:00 Uhr (bei jedem Wetter) und So. von 15:00 - 16:30 Uhr (bei gutem Wetter). Die Öffnungszeiten können sind teilweise im Sommer- und Winterhalbjahr unterschiedlich, aktuelle Zeiten sind unter sternwarte-remscheid.de einsehbar.


Links

Google Maps

Google Earth (3D-Darstellung von Detlev Stahl, 2 MB)

www.sternwarte-remscheid.de


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 328-329
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von REMSCHEID
- Kleinmanns, Joachim: Rheinische Aussichtstürme des 19. und 20. Jahrhunderts, Dissertation Aachen 1986, S. 260-261, 361 (Schnitt des Bismarckturms)
- Deutsche Konkurrenzen, Band VII, Heft 8, No. 80, Leipzig 1897, S. 10-29.
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 38 "Bismarck-Turm zu Remscheid", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, Nr. 84: "Der Bismarck-Turm zu Remscheid“
- Roth, Hans-Jürgen: "Geschichte unserer Stadt - Remscheid mit Lennep und Lüttringhausen", rga Buchverlag, 1 Aufl. 2008, S. 90


Alter Turmkopf (AK-Detail) Bismarckturm Remscheid
Neuer Turmkopf April 2008 (Foto: Jörg Bielefeld, Menden)
AK-Motiv um 1912 Bismarckturm Remscheid
Foto Detail Bismarckturm April 2008 (Foto: Jörg Bielefeld, Menden)
AK Zeichnung Bismarckturm Remscheid 1900
Foto Turmeingang April 2008 (Foto: Jörg Bielefeld, Menden)
AK Motiv um 1920 Bismarckturm Remscheid