Update: 20.02.2015

Fernsehturm statt Bismarcksäule
Der Bismarckturm in Porta Westfalica

Bauplanung

Bereits vor 1898 planten die „Deutschbund-Gemeinden“ Herford und Minden [Organisation der völkischen Bewegung], auf dem Jakobsberg in Porta Westfalica ein Bismarckdenkmal zu errichten.

Nachdem Ende 1898 die deutsche Studentenschaft den Bau von Bismarcksäulen initiierte, wurde Katastersekretär Benday in Minden beauftragt, mit dem für die deutsche Studentenschaft federführenden studentischen Ausschuss in Bonn Kontakt aufzunehmen. Die „Deutschbund-Gemeinde“ Minden beauftragte Betriebsführer Küsgen und Postverwalter Bergmann, beide aus Porta, sich mit den Behörden im Amt Hausberge in Verbindung zu setzen und eine Vorbesprechung bezüglich des Baus einer Bismarcksäule zu vereinbaren.

Bei dieser Vorbesprechung, die am 03.06.1899 stattfand, wurde Amtmann Coesfeld beauftragt, eine öffentliche Versammlung für alle Interessenten für den 29.07.1899 einzuberufen.

Am 29.07.1899 beschlossen die 37 bei der Versammlung anwesenden Bismarckverehrer aus Porta und Umgebung den Bau eines Bismarckturmes auf dem Jakobsberg und gründeten den "Ausschuss zur Errichtung einer Bismarcksäule auf dem Jakobsberg in Hausberge". Vorsitzender dieses Ausschusses wurde Amtmann Coesfeld, stellvertretender Vorsitzender und Schriftführer der praktische Arzt Dr. Eduard Braun. Dieser Ausschuss hatte die Aufgabe, alle notwendigen Vorarbeiten zur Errichtung der Säule durchzuführen.

Für das geplante Bauwerk wurde von Regierungspräsident Alexander von Bischofshausen aus Minden, von Landrat Christoph Bosse aus Minden und vom Vorsitzenden des Provinziallandtages Alexander von Oheimb aus Holzhausen a.d. Porta mündlich Unterstützung bei dem Vorhaben zugesichert.

Der Ausschuss veröffentlichte im September 1899 einen Aufruf mit 407 Namen bekannter Persönlichkeiten aus dem Kreis Minden, den Gebieten Minden-Ravensberg, Schaumburg-Lippe und der Grafschaft Schaumburg sowie aus weiteren Kreisen Westfalens und Hannovers, in dem um Spendenbeiträge für die Bismarcksäule gebeten wurde.

Am 04.11.1899 waren bereits 6020 Mark an Spenden gesammelt worden.

Als Bauplatz wählte man den Jakobsberg (235,20 m über NN) wegen seiner guten Fernsicht aus, auf dem zu dieser Zeit noch ein 1889 errichteter hölzerner, aber bereits baufälliger Aussichtsturm stand. Der Kaufmann Ernst Krüger stellte einen halben Morgen Land auf dem Jakobsberg unentgeltlich zur Verfügung. Amtmann Coesfeld erwarb im Auftrag des nichts rechtsfähigen Ausschusses auf seinen Namen auch noch weitere angrenzende Grundstücke im Wert von 1.048 Mark.

Ein angehender Akademiker aus Lahde machte im Dezember 1899 auch die „akademischen Kreise“ auf die geplante Bismarcksäule aufmerksam und wies dabei besonders auf das direkt gegenüberliegende Provinzialdenkmal Kaiser Wilhelms I. hin.

Zunächst war der Bau einer 20 m hohen Feuersäule nach dem Entwurf „Götterdämmerung“ des Architekten Wilhelm Kreis geplant. Architekt Kreis besichtigte den Bauplatz und gab an, dass für eine reine Feuersäule ohne Aussichtsmöglichkeit mit 20 Meter Höhe ca. 35.000 Mark an Kosten anfallen würden.

Da dem Ausschuss diese Kosten als zu hoch erschienen, wurde Architekt Heinrich Hutze aus Barkhausen beauftragt, einen neuen Entwurf für eine besteigbare Feuersäule zu entwerfen, die maximal 24.000 Mark kosten sollte.

Nach Fertigstellung des Entwurfs wurde die äußere Gestaltung vom stellvertretenden Vorsitzenden des Ausschusses, Dr. Braun, favorisiert. Der Ausschuss wählte diesen Entwurf zur Ausführung aus.

Im Spätsommer 1901 wurden die Bauarbeiten öffentlich ausgeschrieben. Mindener Pioniere demontierten im Herbst 1901 den baufälligen hölzernen Aussichtsturm auf dem Baugrundstück. Zudem fällten sie Bäume und planierten den Bauplatz. Noch im Jahr 1901 wurde ein Vertrag mit dem ausführenden Maurermeister Meier abgeschlossen.

Das gesamte Sandsteinmaterial für den Bau der Säule wurde den Steinbrüchen der Eisenbahn auf dem Jakobsberg entnommen. Die Eisenbahn überließ dem Ausschuss die Sandsteine für 20 Mark. Der Transport der Steine musste mittels einer Feldbahn erfolgen. Hierfür musste extra ein Gleis zum Bauplatz gelegt werden.

Die Gesamtkosten für die Säule betrugen 27.940 Mark, die eigentlichen Baukosten lagen bei 22.853 Mark. Sachspenden in Form von Baumaterial spendeten die Zementwerke Porta und die Klinkerwerke in Dehme. Die Geldmittel wurden durch Spenden von Bürgern und Vereinen, Beiträgen von Gemeinden und Ämtern, der Provinz und der Fürstenhäuser in Lippe aufgebracht. Die Stadt Minden stellte insgesamt 2.000 Mark unter der Bedingung zur Verfügung, dass der Bestand der Säule durch einen Verband für alle Zeiten gewährleistet ist.

Daher wurde am 01.04.1902 der Verein „Bismarckbund“ gegründet, der am 08.05.1902 rechtsfähig wurde. Der Verein hatte es sich satzungsgemäß zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an Bismarck wachzuhalten, die Bismarcksäule in Obhut zu nehmen und alljährlich eine Gedenkfeier durchzuführen.


Bauarbeiten

Am 01.04.1902 erfolgte die Grundsteinlegung.

Als Material wurde brauner Porta-Sandstein aus den (Eisenbahn-)Brüchen des Jakobsbergs verwendet. Die Flächen des Turmschaftes und die Hintermauerung erfolgten mittels Bruchsteinen.

Bauleiter war Heinrich Hutzke aus Barkhausen, ausführender Maurermeister waren Meier aus Lerbeck und Steinhaumeister Reinecke aus Neesen.


Turmbeschreibung

Der 22,50 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsvorrichtung wurde auf einer ca. 2 m hohen terrassenförmigen Anlage errichtet.

Über eine Außentreppe mit 12 Stufen erreichte man das Eingangsportal der Säule.

Der Sockel der Säule hatte eine Grundfläche von ca. 52 m². Die Seitenlänge des Sockels betrug auf jeder Seite 7,20 m.

Oberhalb des ca. 2,50 m hohen Sockels erhob sich der eigentliche Turmschaft, der sich nach oben hin verjüngte. In Höhe von 16 m (geschlossener Aussichtsbereich) kragte das Bauwerk leicht aus.

Auf der Plattform erhob sich der eigentliche Turmkopf als Kreuzgewölbe mit einer Innenhöhe von bis zu 3,50 m, welcher auf jeder Seite eine 2,50 m breite Bogenöffnung aufwies. Auf dem Gewölbe ruhte in ca. 21 m Höhe das verdickte Feuerbecken mit einem Durchmesser von 3 m aus Asbestzement. Zwecks Transports des Feuermaterials nach oben wiesen der Gewölbeabschluss und das Feuerbecken mittig ein Loch auf.

Der Zementbeton des Feuerbeckens wurde aus reinem Kies, Portlandzement und Asbestik [Abfallprodukt bei Asbestherstellung] im Verhältnis von 3:1:2 hergestellt. Die äußeren Flächen erhielten einen 2,50 cm starken Verputz. Zwecks ausreichender Belüftung wurde das Feuerbecken mit 28 Löchern (je 3 cm Durchmesser) versehen. Die eigentliche Feuerpfanne ruhte auf acht Betonklötzen mit einem Abstand von 0,30 bis 0,50 m von der Abdeckung.

Die Befeuerung der Säule erfolgte durch Pech.

Innen hatte die Säule eine Grundfläche von 4 m x 4 m, der Fußboden war mit gemusterten Tonfliesen belegt. Über eine freitragende Treppe mit insgesamt 82 Zementstufen erreichte man die Aussichtsplattform in 16,30 m Höhe. Die Treppenwände waren mit glasierten Verblendplatten verkleidet. Der Fußboden der Plattform war in Terrazzo ausgeführt.

Über dem Eingang war ein 1 m hohes Bismarckwappen aus Kupfer mit Spruchband „In trinitate robur“, darüber ein 1,30 m hohes Bismarck-Relief in Bronze (Kosten: 1.100 Mark) von Bildhauer Heinrich Wefing aus Berlin angebracht.


Turmgeschichte

Die Einweihung der Bismarcksäule wurde am 18.10.1902 mit zahlreichen Besuchern feierlich begangen. Anwesend waren u.a. Vertreter des Amtes und der Gemeinde Hausberge, der Stadt und des Kreises Minden und der umliegenden Ortschaften, das Mindener Offizierkorps und 40 Fahnenabordnungen von Vereinen und studentischen Verbindungen. Die Begrüßungsansprache hielt Amtmann Coesfeld, die Festrede Pastor Graeve aus Minden. Anschließend wurde das Feuer auf dem Turmkopf erstmals entzündet.

Ab dem 19.10.1902 war die Säule zunächst jeden Tag ab 14:00 Uhr geöffnet.

Am 12.06.1903 übertrug der Ausschuss zur Errichtung einer Bismarcksäule das Eigentum (Bismarcksäule inkl. Einrichtung sowie das Grundstück) dem am 01.04.1902 neugegründeten "Bismarck-Bund an der Porta Westfalica". Bereits am 18.12.1902 wurde in einer Amtsversammlung in Hausberge beschlossen, im Falle einer Auflösung des Vereins die Unterhaltung der Säule zu übernehmen.

Im Jahr 1904 wurde das Bauwerk von 10.000 Besuchern bestiegen. Im gleichen Jahr erstattete der Finanzminister von Rheinbaben aufgrund einer Verfügung 152 Mark an den Bismarckbund zurück. Der Betrag wurde vom Bismarckbund an den Verein zur Errichtung einer Bismarcksäule im Kreis Tecklenburg überwiesen.

Am 01.04.1906 wurde nach der Hauptversammlung des Bismarckbundes ein Feuer auf der Bismarcksäule (Kosten pro Feuer rund 50 Mark) entzündet, welches zusätzlich durch bengalisches Rotfeuer verstärkt wurde.

Am 01.04.1909 wurde, ebenfalls nach der Hauptversammlung, ein Eichenkranz am Fuße der Säule niedergelegt. In der Versammlung wurde mitgeteilt, dass die Einnahmen durch Eintrittsgelder im Geschäftsjahr 580 Mark betrugen. Zusätzlich waren Einnahmen in Höhe von 265 Mark durch den Verkauf von Ansichtskarten erzielt worden.

Eine Gedenkfeier an der Säule wurde am 25.06.1911 durchgeführt.

Im Jahr 1913 wurde beschlossen, für das Bismarckdenkmal in Lahde einen Findling-Baustein zu stiften.

Beflammt wurde die Bismarcksäule bis 1939 regelmäßig am 01.04. (Bismarcks Geburtstag) sowie zur Sommer-Sonnenwende.

Im Jahr 1939 wurde eine Flugwache der deutschen Luftwaffe untergebracht. Unterhalb der Säule wurde ein bunkerähnlicher Bau für die Unterbringung des militärischen Wachpersonals errichtet. Die Aussichtsplattform wurde für Besucher gesperrt.

Der Bismarckturm überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschädigt.

Die Bundespost trat 1950 an den Bismarckbund heran, um die Säule für die Zwecke der Fernmeldetechnik mitbenutzen zu dürfen. Nach kurzer Zeit wurde festgestellt, dass eine Mitbenutzung der Bundespost aufgrund der technischen Erfordernisse nicht ausreichte. Eine Erhöhung des Turmes war wegen der nicht ausreichenden Fundamenttiefe nicht möglich. Darum wurden von der Bundespost Verhandlungen geführt, um einen neuen Fernsehturm bauen zu lassen und die Bismarcksäule abzureißen.

Am 17.07.1952 verkaufte der Bismarck-Bund die Bismarcksäule für 50.000 DM an die Bundespost. Doch er setzte vertraglich durch, dass die Bundespost eine Aussichtskanzel und einen Bismarckgedenkraum im Fernmeldeturm, in Höhe der Bismarcksäule, anlegen musste.

Die Bismarcksäule wurde zwischen Juli und Dezember 1952 abgetragen.

Der Bismarckgedenkraum wurde am 01.04.1953 im neugebauten 40 m hohen Fernmeldeturm eröffnet. Da die Bundespost den Turm in den folgenden Jahren zeitweise für Besucher sperrte, kam es zum Rechtsstreit zwischen Bundespost und Bismarckbund und am 28.09.1970 zu einem Urteil des OLG Hamm zugunsten des Bismarckbundes.

Im Jahr 1975 wurde dieser Fernmeldeturm zugunsten eines neuen und größeren Fernmeldeturms (Fernsehturmes) abgerissen. Trotz Protesten seitens der Bundespost veranlasste der Bismarck-Bund wieder eine jedermann zugängliche Aussichtskanzel und einen Bismarck-Gedenkraum im Turm. Den Betrag von 25.000 DM, den der Bismarck-Bund durch den Grundstücksverkauf erwirtschaftete, steckte er in den Bau von Wanderwegen inkl. Beschilderung und Ruhebänken.

Der neue Fernmeldeturm, der im Volksmund "Langer Jakob" genannt wird und 1979 eröffnet wurde, hat eine Höhe von 142 m. Die Aussichtskanzel mit Bismarckgedenkraum befindet sich auf einer Höhe von 23 m. Im Gedenkraum werden u.a. das Bismarck-Relief der abgebrochen Bismarcksäule und andere Bismarck-Ehrungen aufbewahrt und ausgestellt.

Anlässlich des 100. Geburtstags des Bismarck-Bundes und der Einweihung der ehemaligen Bismarcksäule wurde vom Bismarck-Bund am 18. Oktober 2002 eine Jubiläumsfeier ausgerichtet.


Öffnungszeiten Bismarckgedenkraum im neuen Fernmeldeturm

Der Turm ist jedes Jahr von Karfreitag bis zum 01. November geöffnet. Die Aussichtskanzel kann an Samstagen sowie an Sonn- und Feiertagen bei guter Wetterlage zwischen 10:00 und 18:00 Uhr bestiegen werden.

Weitere Informationen und Führungen über Uwe Jahnz (Tel.: 0571/710351 , E-Mail: bismarck (at) jahnz.de). Sonderführungen für Gruppen ab zehn Personen sind nach vorheriger Anmeldung möglich.


Links

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Infos zum Jakobsberg


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 313-314
- Seele, Sieglinde; Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM a. d. PORTA WESTFALICA (Nordrhein-Westfalen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 79 "Bismarck-Feuersäule an der Porta-Westfalica", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903: 2. Teil, Nr. 82 „Die Bismarck-Säule an der Porta Westfalica“
- BISMARCKBUND PORTA WESTFALICA: „Von der Bismarcksäule zum Fernsehturm“, Heimatkundliche Schrift (Broschüre) vom 01.04.1998
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1902/03 (Nr. 1, S. 15/16; Nr. 2, S. 2); 3. Jahrgang 1905 (Nr. 3, S. 3/4; Nr. 11, S. 11); 4. Jahrgang 1906 (Nr. 4, S. 62; Nr. 5, S. 79); 7. Jahrgang 1909 (Nr. 5, S. 78-79); 9. Jahrgang 1911 (Nr. 7, S. 133); 10. Jahrgang 1912 (Nr. 4/5, S. 59-60); 11. Jahrgang 1913 (Nr. 3, S. 38; Nr. 4, S. 54-55; Nr. 6/7, S. 93), 12. Jahrgang 1914 (Nr. 4/5, S. 48-49)


Bildmaterial

- Ralph Männchen, Dresden (Fotos Oktober 2012)