Update: 18.08.2016

Die Wacht am Rhein
Die Bismarcksäule in Köln

Vorbemerkung (Bedeutung der Bismarcksäule)

In dem zur Bismarck-Zeit sehr bekannten Lied "Die Wacht am Rhein", welches zur Einweihung der Bismarcksäule gesungen wurde, wird die Frage aufgeworfen: "Wer will des Stromes Hüter sein?" Da in dem Lied die Deutschen aufgerufen werden, die Grenze zum damaligen "Erzfeind Frankreich" zu sichern, lautet die Antwort auf die Frage: Die Bismarcksäule (als Wacht am Rhein) selbst. Die Säule steht für das gesamte deutsche Volk, ist also Hüter der Grenze zu Frankreich, welche durch den Rhein symbolisiert wird.

Viele Nationaldenkmäler wurden von den Deutschen direkt am Rhein gebaut, der als "deutsches Eigentum" gilt und symbolhaft den Feind (zu dieser Zeit die Franzosen) abwehren sollte.

Architekt Arnold Hartmann steuerte auch beim Wettbewerb zum Bismarck-Denkmal in Hamburg (1901) einen Entwurf mit Bismarck als Roland bei, mit dem er den 4. Platz errang (ausgeführt wurde der Bismarck-Roland-Entwurf des Bildhauers Hugo Lederer und des Architekten Emil Schaudt). Architekt Arnold Hartmann behauptete gegenüber dem Hamburger-Denkmal-Komitee, dass er 1899 in Köln "die Rolandsidee zuerst wieder aufgenommen" habe.


Bauplanung

Angeregt wurde der Turmbau eines der ungewöhnlichsten Bismarcktürme, der am Oberländer Rheinufer, nur 50 m vom Rhein entfernt, errichtet wurde, Ende 1898 vom Ingenieur Franz Schultz aus Köln.

Am 28.12.1898 trafen sich mehrere Bismarck-Freunde in der Wohnung von Franz Schultz (Gereonsdriesch 17, Köln) und gründeten ein Lokal-Komitee, welches sich aus Oberlandesgerichts-Präsident Dr. jur v. Mallinckrodt, Prof. Hansen, Kommerzienrat Heidemann, Generaldirektor Lechner, Beigeordneter Piltz, Stadtrat Schmalbein, Geh. Baurat Stübben, Ingenieur Franz Schultz und weiteren Personen zusammensetzte.

Nach Anregung von Franz Schultz, der Kontakt mit A. Pflügler von der Burschenschaft Alemannia zu Bonn hatte, bildete sich ein Bismarck-Ausschuss, der sich auf die Suche nach einem geeigneten Entwurf für Köln machte. Mitglieder dieses Ausschusses fuhren nach Bonn, da dort alle Entwürfe des von der Deutschen Studentenschaft ausgelobten Bismarcksäulen-Wettbewerbes ausgestellt waren. Der Entwurf "Bismarcksäule" von Architekt Arnold Hartmann aus Berlin-Grunewald war unter die besten dreißig Entwürfe gewählt worden und fand das Interesse des Kölner Denkmal-Ausschusses.

Der Ausschuss beauftragte den Architekten Arnold Hartmann, einen eigenen individuellen Entwurf für Köln zu erarbeiten. Noch im Jahr 1899 entwarf der Architekt einen Turm mit der Bismarckgestalt als Roland. Der Bismarck-Ausschuss in Köln entschied sich für den neuen Entwurf des Berliner Architekten.

Der Bauplatz des Turmes, der von der Stadt Köln kostenlos zur Verfügung gestellt wurde, markiert den südlichen Endpunkt der linksrheinisch um die Stadt herumführenden Gürtelstraße.

Der Bayenthalgürtel (Baubeginn um 1900) bildet die Grenze zwischen den Kölner Stadtteilen Bayenthal im Norden und Marienburg im Süden.

Bereits im April 1900 sammelten die Kölner Spendenmittel für den Turm. Obwohl der Kölner Schokoladenfabrikant Stollwerck eine große Summe stiftete, reichten die Spendengelder für die Realisierung des Entwurfes nicht aus. Aus diesem Grund wurde auf den im Entwurf vorgesehenen breiten Unterbau ("künstlicher Felsenhügel") verzichtet und auch die Gesamtgröße des Bauwerks von 36 m auf 27 m reduziert. Da ohne den Unterbau, der den organischen Anschluss an den Platz bewirkt hätte, die Wirkung der Säule verloren gegangen wäre, plante man eine niedrige Pfeilergalerie mit vorgesetzten Postamenten.

Doch auch für diese Idee reichten die Geldmittel nicht, sodass man sich auf eine Idee von Fritz Encke zur Gartengestaltung des Unterbaus einigte. Die massige Säule sollte durch buschige Bepflanzung (u.a. Efeu) zu Füßen Bismarcks betont werden. Man legte Wert darauf, dass die übrige Bepflanzung beschnitten werden sollte, damit die klaren Linien der Bismarcksäule erkennbar waren.

Die Gesamtkosten für den Turmbau betrugen 48.000 Mark. Die Kosten für die Bauausführung durch W. Asbach betrugen 44.700 Mark, Architekt Hartmann erhielt 1.500 Mark für seinen Entwurf. Die Kosten für die Feuerschale betrugen 210 Mark.


Bauarbeiten

Am 20.06.1902 wurde mit dem Bau der Bismarcksäule begonnen.

Als Bauleiter fungierte Baurat Heimann aus Köln, die Bauausführung erfolgte durch Architekt und Maurermeister Wilhelm Asbach aus Köln.

Für das Mauerwerk der Säule wurde Grauwacke, für die Bildhauerarbeiten und die Gliederungen Basaltlava (dunkler Niedermendiger Stein) verwendet.

Die Figur wurde aus rohen Basaltquadern gemauert und nachträglich von Bildhauer Adolf Berchem aus Köln bearbeitet. Die Gesichtsmaske des Roland wurde aus einem Steinblock gemeißelt und nach Fertigstellung der Rolandfigur hinzugefügt.

Im Mai 1903 beteiligten sich 200 Kölner Vereine an der Stiftung von zwei Bronzekränzen mit jeweils 1,50 m Durchmesser für die Bismarcksäule. Der erste Kranz wurde von den Kriegervereinen des Kreisverbandes Köln, der zweite Kranz von ca. 200 Kölner Vereinen finanziert. Die Kränze wurden in der Kunstgießerei und Ziselieranstalt Vorwärts in Köln hergestellt.


Turmbeschreibung

Der 27 m hohe Bismarckturm wurde als Feuersäule ohne Aussichtsfunktion errichtet.

Der Vorbau des Bismarckturmes zeigt eine 15 m hohe Rolandfigur, die im oberen Bereich plastisch aus dem Turm herausragt. Im unteren Teil geht die Figur in die massive Architektur des Turmes über. Der Kopf mit den Gesichtszügen Otto von Bismarcks ist mit einem Helm bedeckt. Der wie ein Ritter gepanzerte Bismarck (Schulterbreite 5 m) hält einen großen Schild des Deutschen Reiches, auf dem sich ein als Relief erkennbarer stilisierter Reichsadler mit Krone befindet.

Die Figur wird links und rechts von jeweils zwei großen Strebepfeilern flankiert, aus denen seitlich das Eiserne Kreuz in Stein zu erkennen ist. Die Pfeiler sind mit einem Fries abgeschlossen, an denen jeweils ein bronzener Eichenkranz befestigt wurde. Angelehnt an die Roland-Figur erhebt sich der Turm mit rechteckigem Grundriss.

Am Kopf des Turms befindet sich ein Aufbau mit vier rundbogenartigen Öffnungen. Über der östlichen Öffnung (Vorderseite) ist das Wappenemblem Bismarcks angebracht.

Durch die Darstellung als Roland ist Otto von Bismarck stark entindividualisiert dargestellt.

Eine geometrisch angelegte Grünanlage übernahm die Sockelfunktion. Auf dem Turmkopf wurde ein Feuerbecken mit einem Durchmesser von 1,25 m und einer Dicke von 0,15 m angebracht, welches man durch eine eiserne Leiter im Innern des Turmes erreichen kann.


Turmgeschichte

Die Bismarcksäule wurde am 21.06.1903 ab 16:00 Uhr feierlich eingeweiht. 3.000 Bürger sowie zahlreiche Ehrengäste nahmen an der Einweihung teil und leiteten die Einweihung durch Singen des von Max Schneckenburger (1819 - 1849) im Jahr 1840 gedichteten Liedes "Die Wacht am Rhein" ein. Der Denkmalsplatz war mit Flaggenmasten und Girlanden geschmückt. Die Festrede hielt der Stadtverordnete G. von Mallinckrodt. Oberlandesgerichtspräsident Dr. Hamm übergab die Säule an Bürgermeister Becker, der diese in Namen der Stadt Köln entgegennahm. In den Abendstunden wurde das Bauwerk erstmals befeuert.

Die Befeuerung erfolgte zunächst durch Erdöl.

Wegen Rauchbelästigung der Anwohner und ungenügender Flammenentwicklung auf der Feuerschale wurde die Bismarcksäule vor 1907 von den städtischen Gaswerken an die Gasleitung angeschlossen.

Das Gas wurde durch ein Rohrsystem in die Feuerschale geleitet und dort entzündet. Auch mit den Ergebnissen der Gasbefeuerung war man nicht zufrieden, sodass letztendlich wieder Erdöl verwendet wurde.
Letztmalig wurde das Feuer im Jahre 1939 entfacht.

Im Frühjahr 1999 wurde das Bauwerk für 307.000 DM umfassend saniert.

Der Bismarckturm wurde erneut von März bis Juli 2001 saniert (Reinigung, Beseitigung von Einschusslöchern aus dem 2. Weltkrieg, Rekonstruktion des Metallaufsatzes und der Lorbeerkränze aus Kupfer an der Rheinseite, statische Sicherung im Inneren).

Im Frühjahr / Sommer 2008 erfolgte eine weitere kleine Außensanierung des Turmes. Das Bauwerk blieb nach wie vor durch Baumbewuchs rundum stark verdeckt.

Der Bismarckturm ist Teil des Kulturpfades Rodenkirchen (Tour 3, Station 1).

Im September 2013 wurden kleinere Sanierungsmaßnahmen am Bauwerk durchgeführt (Reparatur der Fugen, Entfernung des Grünbewuchses).

Im Juli 2015 präsentierten Architektur-Studenten der Kölner Fachhochschule in der Ausstellung "Achtung Preußen" des Kölner Stadtmuseums mehrere Entwürfe für eine zukünftige Nutzung der Bismarcksäule (u.a. ein gläserner Aufzug).

Seit Herbst 2015 wird geplant, die Grünfläche um die Bismarcksäule wieder nach historischem Vorbild zu gestalten. Die Kölner Grün-Stiftung stellte dafür einen Betrag von 60.000 € zur Verfügung.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 229-230
- Seele, Sieglinde; Mannheim (Archiv Seele): BISMARCKTURM von KÖLN-BAYENTHAL
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 89 "Bismarck-Roland-Feuersäule zu Köln", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903: 2. Teil, Nr. 58 „Die Bismarck-Säule (Rolandsäule) zu Köln
- Zentralblatt der Bauverwaltung vom 10. Oktober 1903, S. 506-507
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 4, S. 4); 2. Jahrgang 1904 (Nr. 11/12, S. 5,6), 3. Jahrgang 1905 (Nr. 6, S. 9)
- Esters, Leonie: Facharbeit Geschichte "Bismarckverehrung und Nationalgedanke am Beispiel der Kölner Bismarck-Säule", Kaiserin-Augusta-Schule, Köln vom 07.03.2007
- Rieger, Wolfgang: "Der weite Blick aufs einig Reich", Praxis Geschichte, Heft 5, 1995, S. 54-57
- Schilling, Jörg: "Distanz halten - Das Hamburger Bismarckdenkmal und die Monumentalität der Moderne", Wallstein-Verlag, Göttingen, S. 118ff.
- Schreiben vom Stadtkonservator der Stadt Köln, Dr. Beines, vom 19.06.2001


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid (historische Ansichten und Fotos November 2003 + April 2008)
- Christian Gerloff, Jena (Fotos Oktober 2011)


Skizze von Architekt Arnold Hartmann
[mit ursprünglich vorgesehenem Unterbau]
Luftaufnahme Bismarcksäule Köln am Rhein 1903