Update: 21.01.2016

Der Bismarckturm auf dem Stuckenberg
Der Bismarckturm in Herford

Bauplanung

Im Oktober 1904 versammelten sich mehrere angesehene Herforder Bürger, um über den Bau eines Bismarckturmes zu beraten. Am 26.10.1904 traf man sich im Hotel Görges (heute Hotel "Stadt Bremen") zu einer diesbezüglichen Vorbesprechung. In dieser Versammlung wurde ein geschäftsführender Ausschuss zum Bau eines Bismarckturmes gegründet. Ziel war die baldestmögliche Zeichnung eines Garantiefonds von 4.000 Mark.

Oberlehrer Dr. Contze übernahm den Vorsitz des geschäftsführenden Ausschusses.

Die Stadt Herford beschloss am 22.11.1904, die eingesammelten Spendengelder zu deponieren und mit 4 % über die Stadtkasse zu verzinsen. Innerhalb weniger Wochen konnten 7.500 Mark an Spenden gesammelt werden, sodass der Bau eines Bismarckturmes am 25.11.1904 endgültig beschlossen werden konnte.

Bis August 1905 wuchsen die Spendenmittel auf 13.000 Mark an.

Der Stuckenberg wurde als Turmstandort favorisiert, auf dieser Erhebung sollte bereits im Jahre 1887 ein Aussichtsturm errichtet werden. Dieses Vorhaben wurde jedoch nicht realisiert.

Anhand von zwei 18 m hohen hölzernen Gerüsten wurde am 23.03.1905 der bestmögliche Standort genau festgelegt. Das Komitee entschied sich für einen großen Platz („über der Sandkuhle“ auf 210 m über NN) des überall sichtbaren verlassenen Steinbruchs am Stuckenberg. Dieser Platz lag in der Gemeinde Schwarzenmoor, war jedoch Staatseigentum.

Es wurde am 16.06.1905 beschlossen, das insgesamt 11 Morgen große Gelände vom Staat für dreißig Jahre zu pachten (Kosten: 50 Mark / Jahr). Der Pachtvertrag wurde am 01.08. und 08.09.1905 unterschrieben.

Bei der genauen Standortbestimmung legte man Wert darauf, dass man den Bismarckturm an der Porta Westfalica vom Turm aus sehen konnte.

Nach einem ab dem 04.04.1905 durchgeführten Wettbewerb, an dem sich elf Architekten beteiligten, wählte das Preisrichteramt am 15.05.1905 den Entwurf von Diplom-Ingenieur W. Oldemeyer aus Spenge zur Ausführung aus.

Die veranschlagten Baukosten betrugen 16.800 Mark, bis August 1905 waren aber nur 13.000 Mark gezeichnet worden. Am 23.08.1905 wurde die Durchführung eines Bismarckturmbazars beschlossen, der am 21./22.10.1905 im Schützenhof stattfand und Einnahmen von 6.800 Mark einbrachte.

Für den Turm spendeten auch Herforder, die in die USA ausgewandert waren.

Am 01.04.1906 wurde unter großer Beteiligung der Bevölkerung der Grundstein des Bismarckturmes gelegt.


Bauarbeiten und Einweihung

Der Firma Althoff & Lakemeier aus Herford errichtete den Turm von April bis August 1906. Als Baumaterial wurden Sandsteinquader aus dem Fricke'schen Steinbruch an der Straße nach Exter verwendet.

Die Einweihung des Aussichtsturmes mit quadratischem Grundriss und dreistufigem Sockel wurde am 02. September 1906 ab 16:00 Uhr unter großer Beteiligung der einheimischen Bevölkerung (ca. 5.000 Besucher) gefeiert. Im Rahmen der Feier wurde der Bismarckturm an die Stadt Herford (hier: Bürgermeister Busse) übergeben. Auf dem Schützenhof fand die Nachfeier statt.

Am Abend der Einweihung (20:30 Uhr) wurde die Feuerschale auf dem Turmkopf erstmals entzündet.


Turmbeschreibung

Als Basis des 23,33 m hohen Aussichtsturmes mit Befeuerungsmöglichkeit dient ein dreistufiges quadratisches Podest. Die erste Podeststufe ist 0,90 m, die zweite 0,77 m und die dritte Podeststufe 0,79 m hoch (Tiefe jeweils 0,60 m). 

Die untere Podeststufe ist 9,60 m x 9,60 m, die mittlere Stufe 8,40 m x 8,40 m und die obere Stufe 7,20 m x 7,20 m breit.

Auf den Podeststufen erhebt sich mittig der 2,80 m hohe quadratische Turmsockel mit einer Kantenlänge von 6,00 m x 6,00 m.

Der Turm erinnert vom Aufbau her an den Kreis’schen Entwurf „Götterdämmerung“, der Turmschaft hat beim Herforder Turm jedoch an den Seiten nicht die für das Modell Götterdämmerung charakteristischen Dreiviertelsäulen und der Turmkopf ist in Höhe von 18 m mit jeweils zwei rechteckigen Ausgucken zu jeder Seite versehen.

Die Turmkanten des sich nach oben leicht verjüngenden Schaftes sind abgerundet. Unterhalb des Gesimses wurde an den Ecken des Turmes jeweils das Bismarckwappen (Größe ca. 1,70 m) in den Sandstein eingemeißelt.

Eine Treppe mit Absatz (11 Stufen mit 2,56 m Breite + 5 Stufen mit 1,12 m Breite) führt auf der Eingangsseite (Westseite) durch die Podeststufen zur 2,40 m x 1,12 m großen Eingangstür.

Die steinerne Innentreppe geht linksdrehend von rechts außen in eckigen Windungen (Absätze von 13 x 6 Stufen) nach oben. Es folgen 12 Steinstufen bis zur überdachten Plattformebene (Innenbreite: 4,24 m, Deckenhöhe 2,93 m) mit jeweils zwei rechteckigen Fensteröffnungen auf jeder Seite.

Über eine linksdrehende Mittelwendeltreppe aus Metall (Durchmesser: 1,00 m) mit 21 Stufen gelangte man bis 1996 von der überdachten Plattformebene durch ein 1 m breites Loch direkt mitten in die vierteilige Feuerwanne auf der oberen Plattform. Die eingemauerte Feuerwanne lag in einer Vertiefung von 0,35 m im Mauerwerk der oberen Plattform. Die obere Plattform war ursprünglich durch eine ca. 0,8 m hohes metallenes Geländer begrenzt.

Die Feuerwanne mit einem Durchmesser von 3,50 m (Kosten 500 Mark) wurde ursprünglich mit pyramidenförmig aufgeschichtetem Torf, welcher mit Petroleum getränkt war, befeuert.

Im Jahr 1996 wurde das metallene Geländer um 0,35 m erhöht und die Feuerpfanne entfernt. Der Bereich der oberen Plattform (Gesamtfläche 3,33 m x 3,36 m) wurde rutschfest mit geriffeltem Leichtmetall ausgekleidet und rundum mit einem 1,27 m hohen Geländer versehen.


Turmgeschichte

Am 09.10.1906 beschloss die Stadt, ein Eintrittsgeld von 10 Pfennig für Erwachsene (Kinder ermäßigt) für die Turmbesteigung zu verlangen, um die städtischen Auslagen für den Turm zu decken. Der Turm wurde in der Folgezeit jeweils vom 01.04. bis 01.10. täglich nachmittags geöffnet, im Winterhalbjahr nur mittwochs, samstags und sonntags. Ein Türmer wurde zwecks Öffnung von der Stadt eingestellt.

Seit 1909 wurde unterhalb des Bismarckturms jährlich das Stuckenbergfest gefeiert.

Der Bismarckturm wurde bis 1987 als Aussichtsturm genutzt. Aufgrund eines Ratsbeschlusses der Stadt Herford wurde der Turm im Jahr 1987 nach Vandalismusschäden und wegen der negativen Auswirkungen der Witterungseinflüsse auf die Bausustanz geschlossen. Im Jahr 1989 wurde das Bauwerk eingezäunt.

Nach erfolgten Sanierungsmaßnahmen von Oktober 1991 bis Mai 1993 (auch aufgrund erneuter Vandalismusschäden) wurde das Bauwerk der Öffentlichkeit nicht wieder zugänglich gemacht. Die Kosten für die Sanierung betrugen 330.000 DM.

Der Turm wurde mit einem neuen Eingangsportal ausgestattet. Über dem Eingangsbereich wurde 1993 ein Bismarck-Bild mit der Beschriftung

Otto Fürst von Bismarck,
Kanzler des Deutschen Reiches 1871 - 1890
und Ehrenbürger der Stadt Herford

angebracht.

Am 28.07.1996 gründete sich aufgrund der Initiative von Harald Matthias und Bernd R. Bahle der Freundeskreis Herforder Bismarckturm e.V., welcher ab dem 08. September 1996 nach umfangreichen Maßnahmen zur Sicherheit der Besucher den Turm zu bestimmten Zeiten unter ehrenamtlicher Aufsicht der Mitglieder öffnete.

Am 02.07.1997 wurden an der oberen Schutzeisenumrandung der überdachten Plattform Messingplatten mit den Aussichtspunkten der Umgebung angebracht (hergestellt von der Schlosserei Schnelle).

Im Jahr 2002 wurde in Abstimmung mit dem Denkmalamt eine Niedervolt-Solaranlage mit Akku installiert (Ausleuchtung Bereich hinter der Eingangstür). Weiterhin wurde aus Spendenmitteln der Bau einer Schutzhütte am Turm finanziert. Diese wurde am So., 16. Juni 2002 feierlich eröffnet.

Die groß angelegte und gut besuchte Feier zum 100. Jahrestag des Bismarckturmes fand am 02. und 03.09.2006 statt.

Programm Bismarckturm-Jubiläum Herford

Zum Jubiläum erschien eine 74-seitige Festschrift mit dem Titel "100 Jahre Herforder Bismarckturm".


Freundeskreis Herforder Bismarckturm e.V.

Der sehr aktive Bismarckturm-Verein zählte im Jahr 2015 über 600 Mitglieder.

Für 20 EUR im Jahr ist eine Mitgliedschaft im Verein möglich [Download PDF-Beitragsformular]. Näheres auch unter www.bismarckturm-herford.de

Wer sich in der Saison mindestens zwei Mal an der Turmaufsicht beteiligt, wird zum Saisonabschluss zum Grünkohl-Essen eingeladen und erhält das Menü gratis, sodass man den Turmbeitrag damit wieder zurückerhalten kann.


Kontakt und Sonderöffnungen:

Peter Bubig, 1. Vorsitzender, bubig (at) bismarckturm-herford.de
Regina Hensel, 2. Vorsitzende, hensel (at) bismarckturm-herford.de

Anschrift

"Freundeskreis Herforder Bismarckturm e.V." - Postfach 4028 - 32025 Herford

Spendenkonto:
Volksbank Herford - BLZ 494 900 70 - Konto 2502700700

Öffnungstermine 2015

Alle Öffnungstermine auf www.bismarckturm-herford.de

Eintrittspreise:
50 Cent (Erwachsene), 30 Cent (Kinder)


Links

Google Maps

Google Earth

Stadtplan Herford (BAB-Ausfahrt Herford-Ost, oben rechts auf der Karte)


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 199
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von HERFORD
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 130 "Bismarck-Feuersäule zu Herford", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes; 3. Jahrgang 1905 (Nr. 2, S. 6; Nr. 8, S. 7), 4. Jahrgang 1906 (Nr. 1, S. 12; Nr. 4, S. 59; Nr. 7./8., S. 111; Nr. 12, S. 189), 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“, zusammengestellt von Valentin von Bismarck)
- 100 Jahre Herforder Bismarckturm, Jubiläumsbroschüre 2006, Freundeskreis Herforder Bismarckturm e.V.


Fotograf

Jörg Bielefeld, Remscheid (September 2006)


AK Herford 1906