Update: 20.02.2015

Bismarckturm mit Wärterhaus
Die Bismarcksäule in Essen-Kray

Vorbemerkung

Der Bismarckturm auf dem Mechtenberg (83 m über NN) in Essen wurde bereits kurz nach dem Aufruf der Deutschen Studentenschaft durch zahlreiche Spenden aus den umliegenden Städten und Ämtern errichtet.


Bauplanung

Angeregt wurde der Bau dieser reinen Feuersäule vom Vorsitzenden des 1896 gegründeten Bismarck-Vereins des Kreises Gelsenkirchen, dem Generaldirektor der Gelsenkirchener Bergwerks AG, Emil Kirdorf (1847-1938) aus Ückendorf bei Gelsenkirchen.

Die am 28.12.1898 gebildete Baukommission bestand aus Generaldirektor Emil Kirdorf, Bergwerksdirektor Rud. Bürgel, Verlagsbuchhändler Carl Besterling, Bürovorsteher Brenscheid, Bauunternehmer Wilh. Ecke, Bauunternehmer H. Timmermann sowie Maschineninspektor Brauns.

Im Juni 1899 wurden engere Ausschüsse in den umliegenden Ortschaften gebildet, um Spenden für den Turmbau zu sammeln.

Als Standort wählte man den Mechtenberg in Kray (heute Essen-Kray, Flur 3, Flurstücke 5,7) als weithin sichtbaren Höhenpunkt.

Der Entwurf der Feuersäule wurde im Auftrag des Bismarck-Vereins Gelsenkirchen vom Architekten Heinrich Tscharmann aus Dresden gefertigt, der ein Jahr zuvor die ähnliche Bismarcksäule in Keilhau/Thüringen entworfen hatte.

Finanziert wurde die Feuersäule durch Spendensammlungen in den umliegenden Städten Gelsenkirchen und Wattenscheid, den Ämtern Braubauerschaft, Eickel, Schalke, Ückendorf, Wanne und den Bürgermeistereien Steele und Stoppenberg. Die Errichtung der Säule selbst kostete inkl. Feuerschale 18.000 Mark. Für den Erwerb des Grundstückes (60 Ar und 88 m²) wurden 7.146,89 Mark bezahlt, für die Anlegung der gärtnerischen Anlagen und den Bau eines Wärterhauses kamen noch weitere Kosten hinzu.

Bereits am 01.04.1900 konnte der Grundstein des Bismarckturmes gelegt werden.


Bauarbeiten

Die Bauausführung erfolgte durch Bauunternehmer H. Timmermann aus Gelsenkirchen, die Bauleitung übernahm Wilhelm Ecke aus Wattenscheid.

Als Baumaterial wurde Niedermendiger Basaltlava verwendet.

Gut drei Monate nach Baubeginn war die Säule fertig gestellt.


Turmbeschreibung

Die 16,75 m hohe Feuersäule ohne Aussichtsfunktion ist ein obeliskenartiger Bau mit quadratischem Grundriss und lässt sich in fünf Architekturelemente gliedern.

Als Basis des Turmes dient eine 0,30 m hohe Podeststufe mit einer Seitenlänge von 6,25 m.

Der darauf gesetzte untere Turmschaft hat eine Seitenlänge von 5,45 m x 5,45 m. In einer Höhe von 1,85 m verjüngt sich der Turmschaft durch eine 0,25 m breite Schräge auf 5,10 m x 5,10 m (Gesamthöhe 2,10 - 2,60 m). Eine weitere Schräge in Höhe von 2,60 m (bis 2,85 m) schließt den unteren Turmschaft ab.

Der untere Mittelteil des Turmschaftes, ein würfelförmiger Kubus, ist etwa 4,70 m x 4,70 m breit und inklusive des Zinnenfrieses vier Meter hoch. Der untere Mittelteil ist von einem leicht auskragenden Zinnenfries bekrönt.

Der obere pyramidenstumpfartige Mittelteil des Turmes verjüngt sich bis in eine Höhe von ca. 15 Metern unterhalb des abgestuften Turmkopfes. Der obere Mittelteil ist ringsum von einem leicht auskragenden Zinnenfries gekrönt.

Auf dem oberen Zinnenfries ist der dreifach abgestufte Turmkopf aufgesetzt, auf dessen Spitze die runde Feuerschale installiert worden war.

An der Vorder- und Rückseite der Säule, direkt unterhalb des oberen Zinnenfrieses, wurde jeweils der Schriftzug "BISMARCK" eingemeißelt und mit goldener Farbe versehen. An der Nordseite der Säule befestigte man zusätzlich ein schmiedeeisernes Bismarck-Wappen.

Die kupferne Feuerschale hatte einen Durchmesser von 3 m und kostete 1.600 Mark. Mittels einer Druckpumpe wurden dünnflüssige Benzol-Rückstände durch eine 25 mm dicke Rohrleitung zu einer Düse an der Feuerpfanne gepumpt.


Turmgeschichte

Am 29.07.1900 erfolgte die feierliche, aber schlicht ausgeführte Einweihung der „1. Feuersäule der beiden Schwesternprovinzen Rheinland und Westfalen“. An der Einweihungsfeier nahmen neben den Landräten aus Essen und Gelsenkirchen die Vertreter der Behörden und der Berg- und Eisenwerke teil. Die Festrede hielt Generaldirektor Emil Kirdorf.

Am Tag der Einweihung ging das Bauwerk in das Eigentum des Bismarck-Vereins Gelsenkirchen über.

Die erste Befeuerung erfolgte einen Tag nach der Einweihung (30.07.1900), dem 2. Todestag Otto von Bismarcks.

Die Daten der weiteren Befeuerungen sind, außer einer weiteren Befeuerung am 26.01.1903, nicht bekannt.

Seit dem 10.07.1986 steht das Bauwerk unter Denkmalschutz (Denkmalliste der Stadt Essen).

Die Feuerschale, das Bismarckwappen und das Wärterhaus waren im September 1986 nicht mehr vorhanden. Die eingemeißelten Bismarck-Schriftzüge waren noch zu erkennen, waren jedoch ohne goldene Farbe.

Der Berg und die Säule sind seit 1997 jährlich am Karfreitag Ziele eines Kreuzweges, der von der katholischen Gemeinde in Gelsenkirchen-Rotthausen durchgeführt wird.

Das Gelände rund um den Turm wurde im Jahr 2010 mit Ruhebänken versehen.

Der Standort des Bismarckturmes (Mechtenberg) an den Stadtgrenzen von Essen, Bochum und Gelsenkirchen war in das Projekt "Zwei Berge - eine Kulturlandschaft" der Ruhr.2010 eingebunden.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 137
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von GELSENKIRCHEN (Nordrhein-Westfalen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 23 "Bismarck-Feuersäule zu Kray bei Gelsenkirchen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, Nr. 31 „Bismarck-Säule auf dem Mechtenberge bei Gelsenkirchen“
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 3, S. 5); 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)
- Timm, Willy: „Ihre Flammen lodern nicht mehr“, Der Märker, 25. Jahrgang 1976, Heft 2, S. 23-26


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid (historisches Bildmaterial, Fotos 1998, März 2001 und September 2010)
- Albrecht Behrends, Bochum (Fotos Oktober 2005)