Update: 10.02.2018

Abriss für die Bundesgartenschau
Der Bismarckturm in Dortmund

Bauplanung

Im Jahre 1898 wurde in Dortmund eine Ortsgruppe des Westfälischen Bismarck-Bundes unter Vorsitz des Landgerichtsrates Wilhelm Maximilian Baeumer gegründet. Die Ortsgruppe plante die Errichtung eines Bismarckturmes für die Städte Dortmund und Hörde (Hörde war bis 1928 selbständige Stadt).

Die Kosten für den geplante Turmbau wurden auf 40.000 Mark veranschlagt. Die Stadt Dortmund überließ der Ortsgruppe einen Bauplatz im 1891 eröffneten Kaiser-Wilhelm-Hain, direkt an der Stadtmauer-Nachbildung (aus Steinen der ehemaligen Stadtmauer, allerdings nicht am Originalstandort) auf der nach Hörde zugewandten Seite. An dieser Stadtmauer-Nachbildung war seit 1891 eine Bismarck-Gedenktafel aus schwarzem Granit mit bronzenem Bismarck-Relief angebracht.

Am 31.03.1900 zogen Festzüge aus Dortmund und Hörde zum Kaiser-Wilhelm-Hain, wo Wilhelm Baeumer an einem brennenden Holzstoß eine Bismarck-Gedenkrede hielt.

Ende April 1900 zählte die Ortsgruppe bereits über 500 Mitglieder. Ende Oktober waren bereits 10.206 Mark an Geldspenden gesammelt worden, an Sachspenden waren 80 Sack Zement sowie 15.000 Ziegelsteine vorhanden.

Die erste Grundsteinlegung erfolgte am 30.03.1901 in Anwesenheit des Dortmunder Oberbürgermeisters Karl Wilhelm Schmieding und des Hörder Bürgermeisters Julius Evers. Auf einem freien Feld auf der Westseite des Hains wurde ein Holzstoß entzündet. Anschließend fand ein Bismarck-Kommers in der Kronenburg statt. In den Jahren 1902 und 1903 wurden um Bismarcks Geburtstag wieder Holzstöße im Hain entzündet.

Die Spendenbereitschaft für den Dortmunder Bismarckturm ließ ab 1902 nach, sodass im Frühjahr 1904 erst 18.817 Mark an Spenden zusammengekommen waren. Statt der ursprünglich veranschlagten 40.000 Mark wurde jetzt nur noch mit Baukosten von 23.000 Mark gerechnet. Der Bau sollte noch im Jahr 1904 beginnen.

Am 09.05.1904 teilte Landgerichtsrat Baeumer in einer Sitzung mit, dass nun 21.800 Mark an Spendenmitteln zur Verfügung stehen würden.

Am 30.06.1904 wurde der Grundstein zum zweiten Mal gelegt.


Bauarbeiten

Entworfen wurde der Turm von Postbaurat Karl Buddeberg (1856-1931) aus Dortmund, die Bauleitung übernahmen die Architekten Gebrüder Dietrich und Karl Schulze aus Dortmund.

Der Turm wurde mit der Stadtmauer-Nachbildung verbunden und bildete optisch und architektonisch eine Einheit.


Turmbeschreibung

Der 21,65 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsvorrichtung besaß einen quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von 6,60 m x 6,60 m und wurde aus alten Mauersteinen, aus Herdecker Sandsteinen (unten mit bossenartige Verblendungen) und Tuffstein (Kuppel) erbaut.

Rechtseitig der Eingangsseite schloss sich ein halbrundes, 12,50 m hohes Treppentürmchen mit Kegeldach und einer Grundfläche von 3,60 m (Frontseite) x 3,70 m (äußere, abgerundete Seite) an.

Das viereckige Fundament des Turmes (6,86 m x 6,86 m) wurde 2,35 m tief, das Fundament des Treppentürmchens 1,35 m tief gegründet.

Der Hauptturm gliederte sich in vier Etagen.

Sockelgeschoss

Das 5,20 m hohe Sockelgeschoss des Bauwerks war zweistufig gegliedert. Bis zu einer Höhe von 1,25 m betrug die äußere Mauerstärke 1,00 m (Hauptturm) bzw. 0,50 m (Treppenturm). Oberhalb der Abstufung waren die Außenmauern 0,90 m (Hauptturm) und 0,40 m (Treppenturm) stark. Auf der Frontseite ergab sich am Fuße des Turmes eine Gesamtbreite von 10,20 m und oberhalb der Abstufung 10,00 m.

Durch das 5,00 m hohe zweiflügelige Rundbogenportal (Türhöhe 3,00 m) gelangte man in die 4,70 m x 4,70 m große Ehrenhalle des Turmes mit Kreuzgewölbe. Durch einen 2,35 m hohen Durchgang gelangte man rechtsseitig in den Treppenturm. Das Erdgeschoss des Treppenturmes hatte eine Grundfläche von 3,10 m x 2,20 m. Über eine Wendeltreppe gelangte man in die 1. Etage des Treppenturmes.

Im Treppenturm war in einer Höhe von 3,00 m eine schießartenartige Fensteröffnung (0,40 m x 1,00 m) eingelassen.

Im Schildbogen des Rundbogenportals war ein Bismarck-Wappen in Bronze, hergestellt von der Fa. Förster und Kracht aus Düsseldorf-Oberkassel, angebracht.


Erste Etage

Über die Wendeltreppe erreichte man die 2,20 m hohe erste und gleichzeitig oberste Etage des Treppentürmchens. Durch einen 1,00 m breiten Durchgang gelangte man von hier aus in die 1. Etage des Hauptturmes, welche direkt über der Gedenkhalle lag.

Die Grundfläche der ersten Etage entsprach der Grundfläche des Erdgeschosses. Die Mauerstärke verringerte sich auf 0,75 m. Die Raumhöhe betrug 7,02 m. Über eine Treppe mit drei Absätzen gelangte man in die 2. Etage des Hauptturmes.

Das Treppentürmchen schloss nach der 1. Etage mit einem 5,00 m hohem Kegeldach (inkl. runder, aufgesetzter Spitze) ab.

Oberhalb des Rundbogenportals in Höhe von 6,00 m war außen ein 3,00 m hohes, rechteckiges Reichsadlerrelief in Stein von Bildhauer Christian Bauer aus Essen angebracht.

In Höhe von 9,50 m waren auf der dem Treppenturm abgewandten Seite zwei schießschartenartige Doppelfenster (je 1,50 m x 0,50 m, getrennt durch 1,50 m x 0,25 m breites Mauerwerk) eingelassen.


Zweite Etage

Die Grundfläche der 2. Etage entsprach der Grundfläche der beiden unteren Etagen. Die Mauerstärke verringerte sich auf 0,50 m. Die Raumhöhe betrug 5,18 m. Über eine Wendeltreppe erreichte man die zinnenbekrönte Aussichtsplattform.

In Höhe von 13,00 m waren auf der Front- sowie auf der Treppenturmseite jeweils zwei schießschartenartige Doppelfenster (je 1,50 m x 0,50 m, getrennt durch 1,50 m x 0,25 m breites Mauerwerk) eingelassen.


Plattform mit Kuppel

Die Plattform mit vier zinnenbekrönten runden Seitentürmchen kragte leicht aus (7,00 m x 7,00 m). Die Seitentürmchen waren nach oben und unten mit Rundbogenfriesen miteinander verbunden.

Die runde kupferne Feuerschale mit einem Durchmesser von 2,20 m war oben in einen 4,35 m hohen halbkugelförmigen Aufsatz eingemauert. In dieser ringförmigen Feuerschale war eine kupferne "Schlange" eingelassen, die unten Löcher von jeweils 2 mm aufwies. Eine Flügelpumpe drückte (gereinigtes) Benzol nach oben. Dadurch wurde eine acht Meter hohe Flamme mit ca. zwei Stunden Brenndauer erzielt. Die Kosten für diese Konstruktion betrugen 1.500 Mark.

Zwischen dem halbkugelförmigen Aufsatz und der umlaufenden gemauerten, 1,00 m hohen Brüstung verblieb ein 0,70 m breiter Durchgang. Über eine fest installierte Leiter konnte vom Durchgang aus die Feuerschale erreicht werden.


Turmgeschichte

Der Turm ging nach der Einweihung in das Eigentum der Stadt Dortmund über.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der aus Sandstein gebaute Turm leicht beschädigt. Das Treppentürmchen wurde stark beschädigt und vor Juli 1953 komplett abgerissen.

Nach einer Berechnung aus dem Jahr 1957 sollte die Sanierung des Turmes 75.000 DM kosten. Die Abbruchkosten beliefen sich nur auf 7.000 DM.

Bei den Vorbereitungen zur Bundesgartenschau 1959 wurde der Bismarckturm im Jahr 1957 endgültig abgerissen. Der historische Verein äußerte Bedenken gegen den Abbruch des Turmes, doch "Oberstadtdirektor Dr. Kliemt hielt dieses Bauwerk für nicht so wertvoll, daß es unbedingt erhalten werden muß" (Auszug aus Protokoll der Sitzung der BuGA vom 13.03.1957).


Ehemaliger Standort:

Der genaue Standort lag im nordöstlichen Teil des Westfalenparks, ca. 300 m östlich des Florian-Turmes und nahe dem östlichen Westfalenpark-Zugang von der Baurat-Marx-Allee.


Links (ehemaliger Standort)

Google Maps

Google Earth


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 103-104
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von Dortmund (Nordrhein-Westfalen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 111 "Bismarck-Feuersäule zu Dortmund", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes: 2. Jahrgang 1904 (Nr. 6, S. 2; Nr. 9, S. 2), 3. Jahrgang 1905 (Nr. 2, S. 5; Nr. 5, S. 6)
- Jünger, Oskar: „Für den Bismarck-Gedenkturm wurde der Grundstein gleich zweimal gelegt“, in: Heimat Dortmund in Bildern und Berichten 1 (1990), S. 4-7
- Timm, Willy: "Ihre Flammen lodern nicht mehr" in "Der Märker", 1976, H. 2, S. 25+ 26