Update: 20.11.2016

Abriss für die Bundesgartenschau
Der Bismarckturm in Dortmund

Bauplanung

Im Jahre 1898 wurde in Dortmund eine Ortsgruppe des Westfälischen Bismarck-Bundes unter Vorsitz des Landgerichtsrates Wilhelm Maximilian Baeumer gegründet. Die Ortsgruppe plante die Errichtung eines Bismarckturmes für die Städte Dortmund und Hörde (Hörde war bis 1928 selbständige Stadt).

Die Kosten für den geplante Turmbau wurden auf 40.000 Mark veranschlagt. Die Stadt Dortmund überließ der Ortsgruppe einen Bauplatz im 1891 eröffneten Kaiser-Wilhelm-Hain, direkt an der Stadtmauer-Nachbildung (aus Steinen der ehemaligen Stadtmauer, allerdings nicht am Originalstandort) auf der nach Hörde zugewandten Seite.

Am 31.03.1900 zogen Festzüge aus Dortmund  und Hörde zum Kaiser-Wilhelm-Hain, wo Wilhelm Baeumer an einem brennenden Holzstoß eine Bismarck-Gedenkrede hielt.

Ende April 1900 zählte die Ortsgruppe bereits über 500 Mitglieder. Ende Oktober waren bereits 10.206 Mark an Geldspenden gesammelt worden, an Sachspenden waren 80 Sack Zement sowie 15.000 Ziegelsteine vorhanden.

Die erste Grundsteinlegung erfolgte am 30.03.1901 in Anwesenheit des Dortmunder Oberbürgermeisters Karl Wilhelm Schmieding und des Hörder Bürgermeisters Julius Evers. Auf einem freien Feld auf der Westseite des Hains wurde ein Holzstoß entzündet. Anschließend fand ein Bismarck-Kommers in der Kronenburg statt. In den Jahren 1902 und 1903 wurden um Bismarcks Geburtstag wieder Holzstöße im Hain entzündet.

Die Spendenbereitschaft für den Dortmunder Bismarckturm ließ ab 1902 nach, sodass im Frühjahr 1904 erst 18.817 Mark an Spenden zusammengekommen waren. Statt der ursprünglich veranschlagten 40.000 Mark wurde jetzt nur noch mit Baukosten von 23.000 Mark gerechnet. Der Bau sollte noch im Jahr 1904 beginnen.

Am 09.05.1904 teilte Landgerichtsrat Baeumer in einer Sitzung mit, dass nun 21.800 Mark an Spendenmitteln zur Verfügung stehen würden.

Am 30.06.1904 wurde der Grundstein zum zweiten Mal gelegt.


Bauarbeiten

Entworfen wurde der Turm von Postbaurat Karl Buddeberg (1856-1934) aus Dortmund, die Bauleitung übernahmen die Architekten Gebrüder D. und K. Schulz.

Der Turm wurde aus alten Mauersteinen, aus Herdecker Sandstein (bossenartige Verblendung unten) und Tuffstein (Kuppel) erbaut.


Turmbeschreibung

Der 24 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit mit quadratischem Grundriss mit einer Seitenlänge von 6,50 m x 6,50 m wurde aus alten Mauersteinen, aus Herdecker Sandstein (bossenartige Verblendung unten) und Tuffstein (Kuppel) erbaut.

An dem quadratischen Turmbau schloss sich rechtsseitig ein ca. 10 m hohes Seitentürmchen mit Kegeldach an.

Über das große Rundbogenportal an der Turmfront war die Bismarck-Gedenkhalle im Erdgeschoss erreichbar.

Im Schildbogen des Eingangs wurde das Bismarck-Wappen in Bronze, hergestellt von der Fa. Förster und Kracht aus Düsseldorf-Oberkassel, darüber ein Reichsadlerrelief in Stein von Bildhauer Christian Bauer aus Essen angebracht.

Über eine Innentreppe war die Zinnenaussichtsplattform erreichbar.

Außerhalb der Brüstung war an jeder Ecke ein rundes Seitentürmchen mit Zinnen angebracht. Zwischen den Seitentürmchen waren auf jeder Seite der Plattform fünf Zinnen vorhanden.

Die runde Feuerschale war auf einem ca. 4 m hohen halbkugelförmigen Aufsatz installiert. Die kupferne Feuerschale, die fest eingemauert war, hatte einen Durchmesser von 2,20 m. In dieser ringförmigen Feuerschale war eine kupferne "Schlange" eingelassen, die unten Löcher von jeweils 2 mm aufwies. Eine Flügelpumpe drückte (gereinigtes) Benzol nach oben. Dadurch wurde eine acht Meter hohe Flamme mit ca. zwei Stunden Brenndauer erzielt.

Die Kosten für diese Konstruktion betrugen 1.500 Mark.


Turmgeschichte

Der Turm ging nach der Einweihung in das Eigentum der Stadt Dortmund über.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der aus Sandstein gebaute Turm leicht beschädigt. Das Seitentürmchen wurde stark beschädigt und vor Juli 1953 komplett abgerissen.

Nach einer Berechnung aus dem Jahr 1957 sollte die Sanierung des Turmes 75.000 DM kosten. Die Abbruchkosten beliefen sich nur auf 7.000 DM.

Bei den Vorbereitungen zur Bundesgartenschau 1959 wurde der Bismarckturm im Jahr 1957 endgültig abgerissen. Der historische Verein äußerte Bedenken gegen den Abbruch des Turmes, doch "Oberstadtdirektor Dr. Kliemt hielt dieses Bauwerk für nicht so wertvoll, daß es unbedingt erhalten werden muß" (Auszug aus Protokoll der Sitzung der BuGA vom 13.03.1957).


Ehemaliger Standort:

Der genaue Standort lag im nordöstlichen Teil des Westfalenparks, ca. 300 m östlich des Florian-Turmes und nahe dem östlichen Westfalenpark-Zugang von der Baurat-Marx-Allee.


Links (ehemaliger Standort)

Google Maps

Google Earth


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 103-104
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von Dortmund (Nordrhein-Westfalen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 111 "Bismarck-Feuersäule zu Dortmund", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes: 2. Jahrgang 1904 (Nr. 6, S. 2; Nr. 9, S. 2), 3. Jahrgang 1905 (Nr. 2, S. 5; Nr. 5, S. 6)
- Jünger, Oskar: „Für den Bismarck-Gedenkturm wurde der Grundstein gleich zweimal gelegt“, in: Heimat Dortmund in Bildern und Berichten 1 (1990), S. 4-7
- Timm, Willy: "Ihre Flammen lodern nicht mehr" in "Der Märker", 1976, H. 2, S. 25+ 26