Update: 20.02.2015

Der kurzlebige Holzturm
Der Bismarckturm in Bonn-Kessenich

Bauplanung und Bauarbeiten

Kommerzienrat Ernst Rolffs aus Poppelsdorf ließ im Jahr 1893 auf eigene Kosten einen hölzernen Bismarckturm auf einem vier Ar großen Grundstück am sogenannten "Eisernen Weg" (Kessenich) errichten. Dieses Grundstück am Rande des damaligen Exerzierplatzes hatte er zuvor der Bonner Garnisonsverwaltung für 30,30 Mark abgekauft.

Noch im gleichen Jahr schenkte E. Rolffs der Gemeinde Kessenich das Grundstück nebst Bismarckturm unter der Bedingung, dass die Gemeinde sich um die Überwachung und Erhaltung des Turmes zu sorgen habe.


Turmbeschreibung

Der mit zwei Aussichtsplattformen versehene Turm hatte eine Gesamthöhe von 15,30 m.

Der 4,60 m x 4,60 m große Sockel des Turmes war in etwa 3 m Höhe mit einem auskragenden Vordach (6 m x 6 m) versehen, welches als Regenschutz diente. Der Turmschaft verjüngte sich leicht bis zur unteren Aussichtsplattform in etwa 12 m Höhe (4 m x 4 m), die untere Aussichtsplattform kragte leicht aus (ca. 5 m x 5 m). Die obere Aussichtsplattform in 15,30 m Höhe hatte eine Seitenlänge von ca. 3,50 m. Beide Plattformen waren mit hölzernen Brüstungen von jeweils 1 m Höhe versehen.

Über hölzerne Treppe mit mehreren Absätzen waren die beiden Aussichtsplattformen erreichbar.


Turmgeschichte

Am 01.04.1894, zu Bismarcks 79. Geburtstag, wurde der Bismarckturm feierlich eingeweiht. Neben einer Weiherede von Dr. Richard Rosemund aus Poppelsdorf spielte u.a eine Militärkapelle auf.

Der Kessenicher Ortsvorsteher Joseph Schumacher jr. beauftragte einen Turmaufseher, der den Turm zugänglich machte. Von den Plattformen aus konnte man ins Rheintal, zum Siebengebirge und bis in die Eifel schauen.

Der Bismarckturm wurde zu einem beliebten Ausflugsziel. Im Jahr 1903 bestiegen 3.245 Personen den Turm. Am Bismarckturm wurden bis zum Oktober 1904 Limonade und Ansichtskarten, ab dem 01.04.1905 auch Milch, Selterswasser und Backwaren verkauft.

Im Jahr 1911 kostete der Aufstieg 5 Pfennig pro Person.

Anfang 1912 musste das hölzerne Bauwerk wegen starker Witterungsschäden abgerissen werden. Die Stadt Bonn erwog, einen eisernen Turm an gleicher Stelle errichten zu lassen (was letztendlich nicht erfolgte).


Links (ehemaliger Standort)

Google Maps

Google Earth


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 72
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von BONN-VENUSBERG (Nordrhein-Westfalen)
- Berzheim, Bernhard: "Venusberg - Der Balkon von Bonn", Stadtarchiv Bonn 2001