Update: 12.08.2014

Erste "Götterdämmerung" im Rheinland
Die Bismarcksäule in Bonn-Gronau

Vorbemerkung

Die Bismarcksäule in der Rheinaue bei Bonn war die fünfte von insgesamt 47 Bismarcksäulen, die nach dem von der deutschen Studentenschaft mit dem 1. Preis ausgezeichneten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis gebaut wurde.

In Bonn wurden noch zwei weitere Bismarcktürme errichtet, auf dem Venusberg in Kessenich sowie in Bad Godesberg.


Bauplanung

Angeregt wurde der Bau dieser Säule Anfang 1899 durch die Bonner Studentenschaft (insbesondere die Burschenschaft Alemannia). Dieses Vorhaben wurde auch von einem liberalen Bonner Bürgerverein unterstützt.

Es bildete sich ein Ausschuss der Bonner Studentenschaft unter Vorsitz von Prof. Litzmann, um das Turmbauprojekt zu realisieren.

Als Standort der Säule wählte man einen Platz am Ufer des Rheins in der "Gronau", einem städtischen Grundstück neben dem Stadtpark. Das Grundstück für den Turm wurde von der Stadt Bonn kostenlos zur Verfügung gestellt.

Am 21.06.1899 wurde vom Ausschuss der Bonner Studentenschaft ein Fackelzug zur Gronauer Rheinwiese durchgeführt. Am künftigen Bauplatz der Säule wurde ein großer Holzstoß entzündet.

Ein Jahr später, am 21.06.1900, zogen die studentischen Korporationen um 15:30 Uhr in einem Festzug vom Hofgarten zum Bauplatz, um zusammen mit der Bürgerschaft den Grundstein für die Säule zu legen (die Bauarbeiten hatten fünf Tage zuvor begonnen). Nach einer Festrede von Prof. Litzmann wurde der Grundstein gelegt.

Die Gesamtkosten für den Turmbau betrugen 20.300 Mark, die durch freiwillige Sammlungen innerhalb der Studentenschaft und bei den Bonner Bürgern zusammengetragen wurden. Die Kosten für die fest eingemauerte Feuerschale betrugen 660 Mark.


Bauarbeiten

Am 16.06.1900 begannen die Bauarbeiten an der Bismarcksäule.

Die Oberleitung der Baumaßnahmen übernahm Stadtbaurat Rudolf Schultze, die Bauleitung hatte Architekt Hans Bloemers. Die Bauarbeiten wurden von der Firma J. Spettmann und J. Runge (Baugeschäft) ausgeführt. Als Baumaterial wurde Niedermendiger Basaltlava verwendet.

An der Rheinseite wurde ein Reichsadlerrelief mit Bismarck-Wappen (entworfen von Wilhelm Kreis) aus dem Baumaterial Trachyt (ausführende Firma Bachem & Co., Königswinter) angebracht.

Ende Dezember 1900 konnten die Arbeiten abgeschlossen werden.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Als Basis dieser 13 m hohen Feuersäule ohne Aussichtsmöglichkeit dient ein zweistufiges quadratisches Podest. Die untere Podeststufe ist 8,10 m x 8,10 m und die zweite Stufe 6,25 m x 6,25 m breit. Die untere Podeststufe ist 0,50 m, die obere Podeststufe 0,60 m hoch (Tiefe jeweils 0,94 m).

Oberhalb der Podeststufen erhebt sich mittig der quadratische Turmsockel mit einer Kantenlänge von 4,40 m x 4,40 m und einer Höhe von 1,40 m.

Auf der vom Rhein abgewandten Seite (Süden) sind beide Podeststufen mittig auf einer Breite von 1,00 m unterbrochen. Hier wurde (2,15 m zurückgesetzt) mittig eine Tür von der Größe 1,75 m x 1,00 m angebracht, die in einen Hohlraum im Innern der Säule führt. Von hier aus führen Steigeisen bis zu einem schmalen Austritt oberhalb des Architravs. Über eine außen am Turmkopf befestigte Leiter mit 11 Sprossen ist die fest eingemauerte Feuerschale (rechteckige, schmiedeeiserne Pfanne, 2 m x 3 m) erreichbar.

Auf der Rheinseite (Norden) wurde als einziger Schmuck ein 1,05 m x 2 m breites Reichsadlerrelief mit Bismarckwappen als Herzschild in Trachyt angebracht.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit zweistufigem Oberbau zusammengehalten werden.

Die Säule wurde mit steinernen Pfosten umfriedet, je vier Pfosten auf jeder Seite, die mit metallenen Eichenstämmchen verbunden sind.


Turmgeschichte

Die feierliche Einweihung der Bismarcksäule erfolgte am Nachmittag des 18.01.1901. Beim letzten Wintersonnenlicht wurde die Feuerschale mit Holz, Teer und Petroleum befeuert. Der Einweihungstag endete mit einem Fackelzug und einem abendlichen Kommers.

Bei späteren Befeuerungen, die vor allem am 21.06. durchgeführt wurden, tränkte man das Holz mit Gasöl. Dadurch wurde eine helle leuchtende Flamme bei einer Brenndauer von 4-5 Stunden erreicht.

Am 21.06.1902 und 21.06.1903 war die Bismarcksäule Ziel von Fackelzügen der Studenten.

Im Jahr 1906 wurde auf Antrag des liberalen Bürgervereins von den Stadtverordneten beschlossen, die Befeuerungen der Säule am 01.04. zu übernehmen. Der liberale Bürgerverein überwies der Stadt Bonn dafür jährlich 1.500 Mark.

Der 100. Geburtstag von Bismarck am 01. April 1915 wurde von Bonner Studenten an der Bismarcksäule gefeiert.

Im Jahr 1945, direkt nach dem 2. Weltkrieg, war die Umfriedung stark beschädigt und die Anlagen ungepflegt.

Der Zugang in die Feuersäule wurde im Jahr 1960 zugemauert, damit die Steigleiter im Innern der Säule nicht mehr benutzt werden konnte.

Zwischen 1965 und 1967 wurden Sanierungsarbeiten am Turm durchgeführt, hierbei wurde die Vermauerung des Zugangs wieder rückgängig gemacht.

Auf der Westseite wurde nachträglich eine 0,80 m x 0,65 m große Inschrifttafel mit der Inschrift

BISMARCKTURM/
1900/01 /
zu Ehren des Reichskanzlers
Otto von Bismarck/
(1815 – 1898)/
aus Spenden der Bonner Bevölkerung errichtet/
ENTWURF: Wilhelm Kreis Dresden

am Turmsockel angebracht (links neben der Inschrifttafel sind Abdrücke einer früheren, gleich großen Tafel zu erkennen).

Die Säule wurde im Jahr 1989 durch eine Spende der Deutschen Atochem-Werke saniert.

An der oberen Podeststufe der Westseite wurde um 1990 rechtsseitig eine kleinere Inschrifttafel (0,36 m x 0,20 m) mit der Inschrift

AUS ANLASS DER/
2000 JAHR FEIER DER STADT BONN/
1989/
DURCH/
DEUTSCHE ATOCHEM WERKE/
RESTAURIERT

montiert.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 72
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von BONN-GRONAU (Nordrhein-Westfalen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 34 "Bismarck-Feuersäule zu Bonn a. Rhein", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 4. Jahrgang 1906 (Nr. 7/8, S. 114); 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, "Die Bismarck-Säule (Architekt Kreis) in Bonn"
- Ausschuss der Deutschen Studentenschaft, Tätigkeitsbericht April 1899
- Städtisches Gebäudemanagement Bonn (Skizzen, 12.10.2005)
- Sieglinde Seele (Turm-Maße Oktober 2005) und Jörg Bielefeld (Turm-Maße September 2010)


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid (historische Ansichten, Fotos 2001, Oktober 2005 und September 2010)
- Christian Gerloff, Jena (Oktober 2011)