Update: 20.02.2015

Der dritte Bonner Bismarckturm
Der Bismarckturm in Bonn - Bad Godesberg

Vorbemerkung

Der Bismarckturm in Godesberg ist der dritte auf heutigem Bonner Gebiet errichtete Bismarckturm.


Bauplanung

Die Nationale Vereinigung der Bürgermeisterei Godesberg, insbesondere Dr. Brandis, regte den Bau dieses Bismarckturmes am 09.07.1899 an.

Aus dieser Vereinigung gründete sich das "Bismarck-Denkmal-Comitee zu Godesberg am Rhein" unter Vorsitz des Geheimen Medizinalrates Dr. Brandis. Weitere Mitglieder des Komitees waren Bürgermeister Anton Dengler, Hauptmann Appel, Otto Müller und Rudolf Feist.

Als Standort entschied man sich für die Wacholderhöhe. Der Bauplatz lag gegenüber der von der Heydt-Villa, im Süden von Godesberg.

Das 3,84 Ar große Baugrundstück wurde von der Gemeinde Godesberg gespendet. Dieses Grundstück gehörte zu einem vier Hektar großen Gelände, auf dem ursprünglich ein rheinisches Festspielhaus errichtet werden sollte.

Der Bankier Karl von der Heydt, der direkt am Bauplatz wohnte, spendete zusätzlich ein 2,39 Ar großes Grundstück für den Turmbau.

Der 21.000 Mark teure Turm (inkl. Gesamtanlage) wurde durch Spenden finanziert. Teile der Bürgerschaft Godesbergs beteiligten sich an der Finanzierung.


Bauarbeiten

Entworfen wurde dieser Bismarckturm von Regierungsbaumeister Ernst Spindler (Firma Erdmann & Spindler aus Berlin). Dieser übernahm auch die Bauoberleitung ab Ende 1901. Durchgeführt wurden die Arbeiten zum Selbstkostenpreis von der Firma Theodor Wilhelm Düren aus Godesberg.

Als Baumaterial wurde grobkörniger braungelber Sandstein aus den Brüchen der Fa. Spindler in Königswinter am Rhein sowie Basaltlava für den Unterbau verwendet.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der 20,40 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit hat einen unregelmäßigen achteckigen Grundriss, die nach Westen ausgerichtete Eingangsseite sowie die Seiten in die anderen drei Himmelsrichtungen sind jeweils 6 m lang. Die anderen vier Seiten haben jeweils eine Länge von 4,10 m.
 
Am Fuß ist der Turm (Quadrat mit abgefassten Ecken in Form von gleichseitigen Dreiecken: 2,90 m [Kathete] x 2,90 m [Kathete] x 4,10 m [Hypotenuse]) insgesamt 11,80 m lang (6 m Seitenlänge + 2,90 m an jeder Seite). Die Grundfläche der Säule beträgt somit 122,42 m².

Die Sockelhöhe beträgt durchgehend 2 m. Der in Höhe von 0,55 m bis 1,60 m Höhe abgeschrägte Sockel ist auf der Westseite durch eine 1,07 m breite Treppe mit 9 Stufen unterbrochen, die zum 1,00 m x 2,02 m großen Eingangsbereich führen (ursprünglich eine Holztür, Türgröße 0,95 m x 2,00 m).

In Höhe des Erdgeschosses sind rundum 12 geschwungene, jeweils 2,60 m hohe Strebemauern (auf den langen Seiten jeweils zwei, auf den kurzen Seiten jeweils eine) vorhanden.

Linksseitig vom Eingang wurde eine Inschrifttafel in ca. vier Meter Höhe angebracht:

"ERBAUT 1901-1902/
ARCHITECTEN:/
 ERDMANN & SPINDLER BERLIN/
AUSFÜHRUNG:/
 THEOD. WILH. DÜREN GODESBERG"

Die sich auf dem Sockel erhebende Säule hat eine entarsisartige Form, der Säulenschaft verjüngt sich nach oben. Bossierte gelbbraune Sandsteinquader bilden den gesamten Oberbau.

Die Plattformbrüstung in 15,94 m Höhe wird von geschwungenen, glatt gehauenen Kragsteinen gestützt. Das Turmgesims ist durch einen umlaufenden Fries von aneinandergereihten Bismarck-Wappen verziert.

An der West und Ostseite sind jeweils zwei Fensteröffnungen (0,25 m x 0,85 m) eingelassen, auf der Nord- und Südseite ist es je eine Fensteröffnung (Südseite ist vermauert).

Durch die Stahltür gelangt man in die Innenhalle des Turmes (4,35 m x 4,35 m).

Über eine steinerne Wendeltreppe (rechtsdrehend hochgehend mit Metallgeländer) mit 60 Stufen erreicht man das Zwischengeschoss. Über eine Metallleiter mit zehn Sprossen steigt man durch einen rechteckigen Austritt, der mit einer Metallklappe verschließbar ist, auf die achteckige, 6,70 Meter breite Aussichtsplattform.

Die Feuerschale (sechseckiger Eisenrost mit Durchsteigeloch in der Mitte) ruht auf einem Steinkranz, der von sechs Säulen (Höhe 2,50 m, Durchmesser 1 m, Abstand der Säulen 0,80 m) getragen wird.

Die Feuerschale wurde mit in Petroleum getränktem Scheitholz befeuert. Ein korbartiges Gitter auf der Feuerschale sollte ein Herabfallen des Feuerungsmaterials verhindern.


Turmgeschichte

Die feierliche Einweihung des Bismarckturmes erfolgte in den Abendstunden des 31.03.1902 (Ostermontag). Ein Festzug, bestehend aus zahlreichen Abordnungen der Bonner Studentenschaft, heimischen Vereinen, der Feuerwehr, des Gemeinderats sowie dem Gemeindevorsteher, Ehrengästen und dem Festausschuss, zog vom Kurpark zum Bismarckturm.

Die Festansprache hielt der Vorsitzende der Nationalliberalen Vereinigung, Dr. Brandis. Anschließend übernahm Bürgermeister Anton Dengler die Säule im Namen der Gemeinde Godesberg, die ab sofort für die regelmäßige Befeuerung des Turmes zuständig war. Anschließend wurde das Feuer auf dem Turmkopf erstmals entzündet. Ein Festkommers schloss die Feierlichkeiten ab.

Bereits im Jahr 1908 zeigte sich, dass der Betonboden der oberen Plattform der Hitze durch die Befeuerungen nicht gewachsen war. Auch der Turmsockel zeigte zu dieser Zeit schon Risse, eine erste Grundsanierung musste durchgeführt werden.

Aufgrund von Vandalismusschäden musste die hölzerne Eingangstür nach 1912 durch eine eiserne Tür ersetzt werden. Die Schlosserei Jean Hesseler lieferte 1912 auch einen neuen Feuerkorb (Gewicht: 372 kg).

In den späteren Jahren (bis 1919) waren die Stadtwerke für die Befeuerung des Turmes zuständig. Auch in den Kriegsjahren wurde der Turm jährlich beflammt.

In den Jahren 1920 und 1923 wurde die eiserne Eingangstür beschädigt. Bis 1933 wurde der Turm jeweils am 31.03. und 21.06. befeuert.

Im Jahr 1952 plante man den Abriss des Turmes, da die Innentreppe marode geworden war. Aus Kostengründen verzichtete man darauf. Im Jahr 1956 sperrte man aus Sicherheitsgründen den Zugang, im Jahr 1958 wurden einige Außenschäden am Turm ausgebessert, er blieb aber weiterhin verschlossen.

Über die künftige Nutzung des Bauwerks wurde im Jahr 1962 diskutiert. Es wurde die Einrichtung eines Cafes im oder am Turm vorgeschlagen, wozu es allerdings nicht kam.

Am 01.08.1969 wurde Godesberg von der Stadt Bonn eingemeindet.

Der Vorsitzende des Godesberger Heimat- und Geschichtsvereines, Dr. Walter Haentjes, setzte sich im Jahr 1977 für die Erhaltung des Turmes ein, lehnte aber aus Kostengründen eine Nutzung des Bauwerkes als Aussichtsturm ab. Der leitende städtische Rechtsdirektor Helmut Offner hielt eine spätere Nutzung des Bismarckturms als Aussichtsturm für möglich, da planerisch vorgesehen war, die umliegenden Bereiche als Grünanlage zu gestalten. Teile davon befanden sich zu dieser Zeit allerdings noch in Privatbesitz.

Das Bauwerk wurde im Jahr 1988 „als deutlich vom Jugendstil Veldescher Art beeinflusster Turm“ unter Denkmalschutz gestellt.

Auf dem Steinkranz mit der ehemaligen Feuerschale ist heute nur noch ein Schutzgitter angebracht, die Feuerschale wurde zu einem unbekanntem Zeitpunkt entfernt.

Im Januar 2004 wurde der Turm nach einem Beschluss des Stadtbauamtes im Einvernehmen mit der Unteren Denkmalbehörde saniert. Durch Regenwasser hatten sich im Sockel Steine gelöst.

Der Turm ist weiterhin für Besucher verschlossen [Stand: 2015].


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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 71
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von GODESBERG (Nordrhein-Westfalen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 58 "Bismarck-Feuersäule zu Godesberg am Rhein", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, "Die Bismarck-Säule zu Godesberg a. Rh."
- Kleinmanns, Joachim: Rheinische Aussichtstürme des 19. und 20. Jahrhunderts, Dissertation Aachen 1986, S. 277 (Nr. 69: BISMARCKTURM, Bonn)
- Schwalb, Karl Josef: "Der Bad Godesberger Bismarckturm" in Godesberger Heimatblätter, Jahresheft 1999 des Vereins für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V., S. 135 - 145
- Sieglinde Seele (Turm-Maße Oktober 2005) und Jörg Bielefeld (Turm-Maße September 2010)


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid (historisches Bildmaterial, Fotos Juni 2001, Oktober 2005, September 2010)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Fotos März 2009)
- Christian Gerloff, Jena (Fotos August 2011)