Update: 08.06.2016

"Der Riese" im Stadtpark
Der Bismarckturm in Bochum

Die Stadt Bochum hatte schon zu Amtszeiten Otto von Bismarcks eine besondere Beziehung zum Reichskanzler. Bereits am 01.06.1885 wurde Otto von Bismarck der Ehrenbürgerbrief der Stadt Bochum verliehen. Am 10.05.1896 wurde ein Bismarck-Standbild in Bronze auf dem Bismarckplatz eingeweiht (welches im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen wurde).


Bauplanung und Finanzierung

Im Juni 1908 regte der ehemalige Stadtrat Otto Hünnebeck aus Bochum, Vorsitzender der nationalliberalen Partei, den Bau einer Bismarck-Feuersäule im Bochumer Stadtpark an.

Kurz darauf wurde ein „geschäftsführender Ausschuss für die Errichtung eines Bismarckturmes in Bochum“ unter Vorsitz des Stadtrates Walter Bosch gebildet, der die notwendigen Vorarbeiten übernahm. Ehrenvorsitzende dieses Ausschusses waren der Geh. Kommerzienrat F. Baare, der Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Löbker sowie der Kgl. Bergrat Ludwig.

Als Turmstandort entschied man sich für „das ansteigende Gelände jenseits des neuen Teiches“ im 1876 eröffneten Bochumer Stadtpark. Der Turm-Standort wurde noch im Jahr 1908 vom Magistrat und Stadtrat bewilligt (trotz Gegenstimmen der Zentrums-Stadtverordneten).

Im Juni 1908 wurde ein Spendenaufruf erlassen. Zudem wurde bis zum 15.11.1908 (Einsendeschluss) deutschlandweit ein eigener Architekturwettbewerb für einen mindestens 30 m hohen Gedenk- und Aussichtsturm ausgeschrieben.

Die Ausschreibung führte zu 650 Einsendungen mit insgesamt 530 Entwürfen, von denen 121 in die engere Wahl kamen. Diese Entwürfe wurden in der Aula der Oberrealschule Bochum ausgestellt. Aus dieser Auswahl blieben nach einer kritischen Besichtigung nach 25 Modelle und Zeichnungen übrig.

Das Preisgericht, bestehend aus Professor Wilhelm Kreis, Landesbaurat Zimmermann (Münster), den Stadtbauräten Kullrich (Dortmund), Bluth (Bochum) und Walter Bosch (Bochum), prämierte im Dezember 1908 letztendlich drei Entwürfe.

Die beiden erstplatzierten Entwürfe, beide vom Architekten Gottlieb Nestler aus Düsseldorf, wurden allerdings nicht zur Ausführung ausgewählt. Man entschied sich letztendlich für den drittplatzierten Entwurf „Der Riese“ des Breslauer Architekten Albert Friebe.

Man urteilte: „Die Lösung des Turmes als Aussichtsturm mit Feuerbecken ist vortrefflich durchgeführt und für die ausgelegte Summe ausführbar“.

Am 09.03.1909 bat man die Bochumer Bürger um weitere Spendenbeiträge als Baustein zum Bismarckturm.

Die Gesamtkosten des Turmes waren ursprünglich auf 50.000 Mark veranschlagt, bis zum Sommer 1910 waren knapp 50.000 Mark an Spendengeldern gesammelt.

Die Gesamtsumme für den Turmbau lag bei 95.000 Mark, die aus Spendensammlungen für den Turm stammten, welche vom geschäftsführenden Ausschuss durchgeführt wurden. Es hatten zahlreiche Bochumer Bürger, Vereine, Firmen und andere Institutionen für den Bau gespendet.
Insgesamt stand im Oktober 1910 für den Bismarckturm ein Geldbetrag von 100.000 Mark zur Verfügung.

Die Grundsteinlegung am 28. März 1909 fand unter großer Beteiligung lokaler Vereine, Mitglieder der nationalliberalen Partei, des evangelischen Arbeitervereins, Bochumer Bürger sowie der „Spitzen der Behörden und Verwaltung“ statt. Die Einfügung der Urkunde in den Grundstein und die feste Vermauerung erfolgte erst nachträglich am 02.10.1909.


Bauarbeiten

Die Bauleitung über den 34 m hohen Aussichtsturm mit Feuerschale oblag Architekt Heinrich Robert aus Bochum; ausführender Baumeister war der Konrad Bleckmann auf Bochum-Hofstede.

Folgende Firmen bzw. Handwerker waren beteiligt:

Steinmetzarbeiten: E. Kühling aus Kalkheck b. Herdecke
Eisenbetonarbeiten: Brandt, Düsseldorf
Schmiede- und Schlosserarbeiten: Franken, Bochum
Steine und Plattenbelag für Gedenkhalle sowie Postament für Bismarckbüste: Deutsche Steinwerke Vetter, Eltmann
Gips-Büste: August Gerber, Köln
Bildhauerarbeit, Kapitole, Löwenköpfe: Th. Haake
Feuerschale: Firma Winterberg und Jüres
Befeuerungsanlage: Hermann Müller und A. Reinshagen

Als Material für den Turm wurde Ruhrsandstein aus Hohensyburg verwendet, der von E. Kühling aus Kalkheck bei Herdecke geliefert wurde.

Am 02.09.1910 war der Turm im Rohbau vollendet.

Nach 19-monatiger Bauzeit konnte das Bauwerk am 16. Oktober 1910 im Rahmen eines Festaktes eingeweiht werden. Am Festakt nahmen zahlreiche Krieger-, Militär-, Turn-, Bürger- und Arbeitervereine teil.

Oberbürgermeister Graff übernahm den Bismarckturm von Walter Bosch, dem Vorsitzenden des geschäftsführenden Ausschusses, in das Eigentum und die Obhut der Stadt Bochum. Es wurde beschlossen, jeweils am 01.04. die Feuerschale zu entzünden. Die Weiherede hielt Prof. Dr. Horst Kohl aus Leipzig.

Am Einweihungstage wurde die Feuerschale erstmals entzündet, pro Stunde wurden dabei 900 – 1.000 Liter Benzol verbraucht.


Baubeschreibung

Als Unterbau des Turmes dient eine dreistufige, terrassenförmige Podestanlage, die je Stufe in Form gleichseitiger und regelmäßiger Sechsecke angelegt wurde.

Die Seitenlängen der unteren Podeststufe betragen jeweils 13,80 m, der mittleren Podeststufe 9,00 m und der oberen Podeststufe 6,40 m. Die Höhe der unteren Podeststufe beträgt auf der Eingangsseite 1,85 m, nach hinten links steigt die Höhe der Stufe auf ca. 3 m. Die zweite Podeststufe ist durchgehend 0,87 m, die obere Podeststufe 0,95 m hoch.

Die obere sechseckige Podeststufe dient gleichzeitig als Turmsockel, aus dem sich der runde Turmschaft nach oben erstreckt.

Auf der Eingangsseite (Südseite) führt eine sechs Meter breite Treppe mit 12 Stufen auf das Niveau der ersten Podeststufe. Von dort aus führt direkt eine 2,50 m breite Treppe mit sechs Stufen zum Eingangsportal des Turmes. Über eine weitere Trittstufe gelangt man durch das zweiflügelige Holzportal.

Die massig wirkende Säule lässt sich in vier Architekturelemente unterteilen.

Der Unterbau des Turmes besticht durch das wuchtige vorgelagerte Portal, das von zwei seitlichen Wandpfeilern eingerahmt wird, auf denen ein monumentaler Giebel ruht. Zwischen der zweiflügeligen hölzernen Eingangstür (1,70 m x 2,15 m) und dem Giebel des Portals ist die (gotische) Inschrift „BISMARCK“ angebracht. Im Unterbau befinden sich rundum fünf Fenster.

Das im Vergleich zum Unterbau leicht schmalere zweite Element des Turmes ist durch einen Gürtel (Lisene) aus länglichen Steinen in Höhe der Giebelspitze vom Unterbau abgetrennt. Dieser untere Säulenschaft ist schlicht gehalten und erstreckt sich etwa bis zur Turmmitte. Hier ist ein weiterer schmaler Gürtel angebracht, der sich von den wuchtigen Ruhrsandsteinblöcken abhebt.

Das dritte Architekturelement ist der obere Säulenschaft, der im unteren Bereich vor allem durch pfeilerartige Mauerstreifen gekennzeichnet ist, die in gleichen Abständen um die runde Säule laufen. Oberhalb der pfeilerartigen Mauerstreifen folgt ein schmales und schlichtes Bauelement zwischen zwei Gürteln, auf welches ein weiteres mit schmalen Wandpfeilern umlagertes Bauelement aufgesetzt ist (Aussichtsplattform).

Im Bereich des oberen Säulenschafts sind acht Fenster angebracht, von denen jeweils vier auf einer Ebene liegen.

Mittig der Aussichtsplattform ist eine Säulenrotunde (4. Architekturelement) aufgesetzt, auf der bis 1998 die Feuerschale (1,48 m hoch, Durchmesser 3 m) installiert war. Mittels einer Druckpumpe im Untergeschoss wurde der Feuerschale durch mehrere Röhren Benzol zugeführt. Ein Holzkohlenfeuer in der Feuerschale entzündete das Benzol in der Feuerschale.

Über 151 Stufen (ehemals 150) einer rechtsdrehenden Steintreppe gelangt man vom Eingang über drei Etagen bis zur Aussichtsplattform.

Beim Betreten des Turmes kommt man in die Säulenhalle mit buntverglasten Fenstern (Motive „Bismarck-Wappen“ und „Reichswappen“). Gegenüber dem Eingang in einer Nische (Apsis) thronte eine Bismarckbüste (ursprünglich Gipsbüste nach Modell des Bildhauers Adolf von Donndorf aus Stuttgart, gefertigt von August Gerber, Köln, diese wurde 1912 durch eine 1,30 m hohe Bronzebüste von August Gerber aus Köln ersetzt) auf einem 1,58 m hohen Postament. Rechts und linksseitig der Apsis, die von Säulen aus rötlichem Granit getragen wird, unterbrechen Pforten mit bronzierten Gittern die Wandung der Halle. Über diesen befinden sich gemeißelte Löwenköpfe.

In der Halle wurde die von Amtsgerichtsrat Ulrich verfasste Bismarck-Widmung

„Dankbarkeit baute den Turm Dir, Bismarck, Schöpfer der Einheit.
Sie zu wahren getreu, mahnen soll uns der Turm“

angebracht.

Am 01. April 1911 wurde außen eine bronzene Gedenktafel für den „Vater des Turmgedankens“ Otto Hünnebeck eingelassen (heute neue Tafel im Turminnern).

In einer Nische wurde eine Tafel mit der Inschrift „1. April 1909“ angebracht.


Turmgeschichte

Die aufgesetzte Feuerschale wurde in den Jahren 1910 bis 1920 an bestimmten Tagen mit Benzol befeuert.

Im Jahre 1911 wurde anlässlich der ersten Marokkokrise eine Sedanfeier am Turm abgehalten. Bei der abendlichen Feier wurde die Feuerschale entzündet.

1912 kostete die Besichtigung des Bismarckturmes für Erwachsene 20 Pfennig, für Kinder 10 Pfennig.

In den 1930er Jahren musste die Gedenktafel für Otto Hünnebeck wegen der jüdischen Abstammung der Ehefrau entfernt werden (wurde im Jahr 1960, nun im Innern des Turmes, angebracht).

Im Zweiten Weltkrieg diente der Turm als Beobachtungsstation des Sicherheits- und Hilfsdienstes (SHD). Die Bronzebüste Bismarcks wurde während des Zweiten Weltkrieges eingeschmolzen.

Eine erste Sanierung erfolgte 1948, danach wurde der Turm wieder zur Besichtigung freigegeben.

Nach einer weiteren Sanierung im Jahre 1961 war das Bauwerk bis 1971 (Sanierungsmaßnahmen) besteigbar, danach war der Turm bis ca. 1985 regelmäßig geöffnet.

Durch eindringende Feuchtigkeit war der Turm erneut sanierungsbedürftig geworden und musste für die Besucher geschlossen werden. Die Außensanierung erfolgte bereits 1988, doch der Turm wurde der Öffentlichkeit nicht wieder zugänglich gemacht. Bis 1999 wurden weitere Arbeiten (Neuverfugung, Imprägnierung, Erneuerung der Fenster, Installation eines Zinkdaches u.a.) durchgeführt.

Im Jahr 1998 wurde die Feuerschale abgenommen und neben dem Turm ausgestellt. Im Jahr 2001 erfolgte eine kostenintensive Innensanierung des Turmes.

Am 29.06.2001 um 18:30 Uhr wurde der sanierte und mit einer weißen Plane "verhüllte" Bismarckturm vom Oberbürgermeister der Stadt Bochum enthüllt. Nach 17-jähriger Sperrung wurde der Turm der Öffentlichkeit mit Hilfe der Bochumer Kortum-Gesellschaft wieder regelmäßig zugänglich gemacht.

Am 16.10.2010 wurde das 100-jährige Jubiläum des Bochumer Bismarckturmes im Rahmen einer Veranstaltung am Turm gefeiert. Die Festrede hielt Dr. Hans Hanke von der Kortum-Gesellschaft.

Im November 2011 wurde der Bismarckturm Bochum bei einer Umfrage der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung mit großem Abstand als beliebtestes Bauwerk in Bochum gewählt.

Bis Herbst 2015 wurde der Turm im Frühjahr/Sommer fast täglich geöffnet, ab 2016 werden die Öffnungszeiten stark eingeschränkt.


Öffnungszeiten

Der Bismarckturm wird im Jahr 2016 nur sechs Mal geöffnet:

12.06. / 03.07. / 07.08. / 02.10.2016 (noch offene Termine, Stand: Juni 2016)


Links

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Bismarckturm Panorama


Quellen

- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von BOCHUM (Nordrhein-Westfalen)
- Seele, Sieglinde:
Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 69-70
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 171 "Bismarck-Feuersäule in Bochum", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes: 6. Jahrgang 1908 (Nr. 7, S. 110; Nr. 9, S. 145; Nr. 11/12, S. 203), 7. Jahrgang 1909 (Nr. 1, S. 14; Nr. 5, S. 80), 8. Jahrgang 1910 (Nr. 7/8. S. 115; Nr. 10/11, S. 167 + 177), 11. Jahrgang 1913 (Nr. 1, S. 10/11)
- Grundmann, Katrin: "Der Bismarckturm in Bochum", Hausarbeit, www.bochum.de
- Zentralblatt der Bauverwaltung, 101 (19.12.1908), S. 676
- Küppers, Dr. Paul: Bismarck - Erinnerungen und Urkunden aus einer Bismarck-Stadt der westfälischen Mark zum 100. Geburtstag des Eisernen Kanzlers, 1915, Bochum
- Märkischer Sprecher, 80. Jahrgang, Nr. 292 vom 12.12.1908: Die Bismarckturm-Konkurrenz
- Timm, Willy: Ihre Flammen lodern nicht mehr“ in „Der Märker“, 1976, Heft 2


Fotograf

Jörg Bielefeld, Remscheid (Juni 2001, April 2003, April + September 2008, September + Oktober 2010)

Fotoserie Enthüllung des Bismarckturms nach Sanierung am 29.06.2001
(Fotos: Jörg Bielefeld, Remscheid)