Update: 03.02.2017

Die Feuersäule der Firma Otto
Der Bismarckturm in Bochum-Dahlhausen

Bauplanung

Der Turm entstand aus rein privater Initiative des Geschäftsführers der Firma C. Otto & Co., Dr. Gustav Hilgenstock, der die Säule durch seine Firma nach dem Entwurf der Duisburger Firma Gebrüder Kiefer bauen ließ.

Der Standort der Säule lag unmittelbar oberhalb der Dahlhauser Firma C. Otto auf einem Bergrücken („Eiberger Höhe“).


Bauarbeiten

Eine Grundsteinlegung fand nicht statt. Als Baumaterial brach man Sandsteinquader aus dem firmeneigenen Steinbruch.

Am 01.04.1902 wurde der Bismarckturm eingeweiht. Der Vorsitzende der Firma Dr. C. Otto, Kommerzienrat Weber aus Duisburg, hielt die Festrede. Am gleichen Abend fand ein vom Dahlhauser Bismarckbund veranstalteter Kommers im Kasino der Firma statt.


Turmbeschreibung

Die viereckige, insgesamt 14,35 m hohe Feuersäule ohne Aussichtsfunktion wurde auf felsigem Untergrund erbaut. Die Säule verjüngte sich leicht nach oben. Die Turmhöhe ohne Feuerschale betrug 13 m.

Der Turmschaft kragte in 13 m Höhe oberhalb eines Frieses aus.

Unter dem Gesims (auf der Vorderseite des Turmes) war die Inschrift "BISMARCK" in vergoldeten Buchstaben, darunter das Bismarck-Wappen in Stein angebracht.

Darunter, am Fuß der Säule, war in einer Nische ein Reliefportrait aus Bronze des Firmengründers Dr. Carlos Otto (1897 verstorben) eingelassen Der Bereich der Nische war durch Quaderaufmauerungen optisch betont.

Auf der rechten Turmseite befand sich in ca. 4 m Höhe (wahrscheinlich nur über eine Leiter erreichbar) der äußere Aufgang in Form einer Eisentreppe, die über die Rückseite bis zum Turmkopf führte und über die man die Feuerschale erreichen konnte.

Die Feuerschale (vierteilige gusseiserne Pfanne) wurde mit Benzol befeuert, welches aus Fässern am Fuß der Säule durch ein Druckrohr im doppelten Spiralzug zur Flammenschale hochgepumpt wurde. Diese Spiralrohranlage wies noch eine innere Spiralwindung mit erweitertem Durchmesser auf, in der sich mehrere Gasdüsen befanden.

In der Feuerschale wurde mittels Putzwolle oder benzolgetränktem Holz ein Feuer entzündet, damit das Rohrsystem erwärmt wurde. Mittels Handpumpe wurde das Benzol durch das Druckrohr hochgepumpt, welches oben durch das erhitzte Rohr vergast wurde. Das Benzol brannte mit leuchtender, weit sichtbarer funkenloser Flamme (7 – 8 m Höhe und 3 m Breite). Pro Befeuerung wurden 1.600 Liter Benzol im Wert von 260 Mark verbraucht.

Der Gesamtpreis für die von der Fa. C. Otto entwickelte und gebaute, 1,35 m hohe und 2,80 m im Durchmesser große Feuerschale mit starken Flanschenrippen inkl. Pumpensystem betrug 1.450 Mark.


Turmgeschichte

Am 01.04. jeden Jahres wurde das Feuer auf der Säule entzündet.

Die zur Einweihung der Säule noch selbstständige Gemeinde Dahlhausen wurde 1929 der Stadt Bochum angegliedert.

Der Turm wurde im Jahre 1941 teilweise abgebrochen, da auf dem Acker oberhalb des Turmes eine Flak-Batterie mit 5 Geschützen eingegraben wurde. Um das Schussfeld der Geschütze zu verbessern, wurde der Turm zur Hälfte abgerissen. Der vollständige Abriss erfolgte 1945.

Auf einigen heutigen Landkarten findet man die Dahlhauser Feuersäule am Ende der Straße "Am Walde" noch als Ruine verzeichnet. Im Jahr 2001 fanden sich allerdings nur noch wenige Steine, die auf ein früheres Vorhandensein der Feuersäule hindeuteten.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von DAHLHAUSEN (Nordrhein-Westfalen)

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 70
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 59 "Bismarck-Feuersäule zu Dahlhausen-Ruhr", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1907: Beilage: Die Bismarck-Feuersäule“, zusammengestellt von Valentin von Bismarck
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, "Die Bismarck-Säule zu Dahlhausen"
- Küppers, Dr. Paul: Bismarck - Erinnerungen und Urkunden aus einer Bismarck-Stadt der westfälischen Mark zum 100. Geburtstag des Eisernen Kanzlers, 1915, S. 38
- Timm, Willy: Ihre Flammen lodern nicht mehr“ in „Der Märker“, 1976, Heft 2
- Bender, Willy aus Möhnesee: Hinweise auf Bismarckturm 1940 – 1945, persönlicher Brief vom 19.09.2009


Rechtsseitig des Pfeils: Bismarckturm Bochum-Dahlhausen