Update: 20.02.2015

Bismarckturm mit wehrhaftem Charakter
Der Bismarckturm in Bad Salzuflen

Bauplanung

Bereits im September / Oktober 1899 griff der Amtshauptmann Theodor Heldman, der das Amt Schötmar von 1897 - 1907 führte, die Anregung der deutschen Studentenschaft zur Errichtung von Bismarcksäulen auf.

Er machte sich u.a. in mehreren Zeitungsaufrufen für den Bau eines Bismarckturmes stark. Ende des Jahres 1899 schlossen sich Bürgermeister Schüller und alle Mitglieder des Gemeindeausschusses seinem Anliegen an und gründeten ein "Gesamtkomitee für den Bau eines Bismarckturmes auf dem Vierenberg" unter Vorsitz des Landrates Heldman. Ende Februar 1900 besichtigt das Komitee den Bauplatz auf dem Vierenberg und entschied sich für ein 6.000 m² großes Areal, welches sowohl in nördlicher als auch in südlicher Richtung von zwei öffentlichen Wegen begrenzt wurde.

Vor Beginn der Baumaßnahmen prüfte das Komitee die Fernwirkung des Turmes, indem man hoch aufragende Stangen in den Boden setzte und die Fernwirkung überprüfte. Damit die Sicht nicht zukünftig durch heranwachsende Bäume eingeschränkt werden konnte, entschloss man sich, Grundstücksflächen am Turm zu kaufen.

Der Standort des Turmes sollte zwischen diesen Wegen zentriert werden, dazu wurden ein Gebiet in Voßhagen sowie ein zwanzig Meter breiter Teil nach Hollenstein hin erworben.

Zwei Drittel der Baukosten, insgesamt 8.000 Mark, konnten durch den Erlös eines „Jahrmarkts zum Besten des Fonds für den Bismarckthurm“ im Salzufler Kurpark am 28./29.07.1900 eingebracht werden. Eine große Spende für den insgesamt 12.000 Mark teuren Turm kam von Leberecht Hoffmann, dem Firmenchef von Hoffmanns Stärkefabriken.

Das Komitee wählte nicht den Bismarckturm-Einheitsentwurf von Wilhelm Kreis, sondern beauftragte den Baurat Böhmer aus Detmold als Architekten, der einen wuchtig wirkenden Turm mit wehrhaftem Charakter (schießschartenähnliche Öffnungen) entwarf. Baurat Böhmer orientierte sich stark an einem Bismarckturm-Entwurf vom Architekten Franz Hartmann, dessen Entwurf „Schlicht“ beim Bismarckturm-Wettbewerb der Deutschen  Studentenschaft unter die letzten 30 Entwürfe gewählt worden war.


Bauarbeiten und Einweihung

Die Grundsteinlegung sowie der erste Spatenstich unter Beteiligung von mehr als 1.000 Interessenten erfolgten am 01.04.1900. Anschließend wurde ein großes Holzfeuer auf dem Vierenberg entzündet.

Die Bauarbeiten wurden von Architekt Hanke aus Lage ausgeführt; die Maurerarbeiten übernahm Maurermeister Hofmeister aus Schötmar. Die Bauleitung übernahm Regierungsbaumeister Böhmer aus Detmold.

Als Baumaterial wählte man behauenen Sandstein, welcher in einem nahe gelegenen Sandsteinbruch gewonnen wurde. Zur Hintermauerung wurden Ziegelsteine verwendet.

Die Einweihung des Bismarckturmes erfolgte am 14.10.1900. Trotz eines Gewitters mit Sturm und Regen, in Anwesenheit von Erbgraf Leopold, wurde nach den Begrüßungsworten von Amtsrichter Boeckers, der Festrede von Herrn Brüggemann aus Schötmar sowie der Schlüsselübergabe von Baurat Böhmer an Amtshauptmann Heldmann um 18:30 Uhr auf der Aussichtsterrasse die erste Befeuerung durchgeführt (hier einmalig Pech befeuert, später mit Torf, welcher vorher in Petroleum getränkt worden war).


Turmbeschreibung

Auf einem schmalen, das Niveau des Terrains ausgleichenden Unterbau wurde der 18 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit mit quadratischem Grundriss aus Sandsteinquadern errichtet.

Der 7,75 m x 7,75 m breite Sockel des Turmes ist aufgrund des Ausgleichs der Hanglage auf jeder Seite verschieden hoch (Eingangsseite links: 0,56 m, rechts: 0,74 m / Rückseite links: 0,97 m, rechts: 0,91 m).

Auf dem Sockel erhebt sich der 3,45 m hohe Unterbau mit hervorgehobenen Eckpfeilern, welche einen abgerundeten Abschluss besitzen. Der Unterbau verjüngt sich leicht nach oben.

Auf dem Unterbau erhebt sich, leicht zurückgesetzt, der eigentliche Turmschaft, der sich nach oben hin verjüngt. Der Turmschaft endet im Bereich der Plattform, deren Eckpfeiler (jeweils 1,10 m x 1,10 m) wie beim Unterbau hervorgehoben sind. Die quadratische Plattform ist auf jeder Seite 5,58 m lang. Eine rund angelegte Steinbrüstung mit einem Durchmesser von 4,94 m durchbricht mit ihrem 33 cm breiten „Handlauf“ die Eckpfeiler auf einer Fläche von 0,40 m x 0,40 m auf der Innenseite der Plattform. Die Brüstung wird zwischen jedem Eckpfeiler von jeweils fünf breiten Pfosten gestützt.

Am Turmschaft sind auf allen Seiten Lichtschlitze eingelassen, jeweils zwei nebeneinander liegende im unteren und drei nebeneinander liegende im oberen Teil. Auf der Eingangsseite im Norden ist zusätzlich noch ein Schlitz in der Mitte des Turmschaftes eingelassen.

An der Südseite des Turmes wurde mittig des Turmschaftes der Name "BISMARCK" in Metallbuchstaben (Eisen mit Rostschutzlegierung) von ca. 1 m Größe angebracht.

Im Sockelbereich der Westseite des Turmes wurde ein verglastes ovales Rundbogenfester (0,81 m x 1,00 m) eingelassen.

Über drei Stufen ist der Eingangsbereich (rundbogige Türöffnung, 1,16 m x 2,25 m) auf der Nordseite zu erreichen. Eine Gittertür liegt 61 cm tief im Durchgangsbereich zur Halle im Erdgeschoss. Nach weiteren 1,39 Metern gelangt man zum Holzportal des insgesamt 2 m langen und 1,16 m breiten Durchgangbereiches.

Nach Durchschreiten der Holztür gelangt man in die 3,80 m x 3,80 m breite Halle im Erdgeschoss, welche rechtsseitig (Westen) eine 1,30 m x 1,30 m große Nische mit ovalem Fenster besitzt. Die Halle hat eine Höhe von 3,23 m.

Über eine Steintreppe mit insgesamt 76 Stufen (bis 1. Etage: 17 Stufen; 1. bis 2. Etage: 18 Stufen; 2. bis 3. Etage: 21 Stufen, 3. Etage bis Plattform: 20 Stufen) gelangt man zur nach oben klappbaren Metall-Luke (1 m x 2,90 m), die über eine Zugseilvorrichtung gehalten wird.

Auf der Plattform des Bismarckturmes wurden ursprünglich acht kleine, längliche Pfannen von je 1,50 m Länge aufgestellt. In diesen Pfannen wurde pyramidenartig mit Petroleum getränkter Torf geschichtet und entzündet. Mit dem Ergebnis (Flammenhöhe über 5 m, Brenndauer über 5 h) war man seinerzeit zufrieden.


Turmgeschichte

Der Turm wurde in den ersten Jahren von einem Turmwärter zwischen den 01.04. und dem 01.10. an jedem Sonntag zwischen 14:00 Uhr und Einbruch der Dunkelheit, von Oktober bis März war der Turm nur an „besonders schönen Sonn- und Festtagen“  geöffnet.

Laut Vertrag vom 13.05.1902 mit dem Turmwärter Wienböker betrug der Eintritt:

-      5 Pfg. für Einzelpersonen

-      10 Pfg. für Eltern / Begleitpersonen mit Kindern

-      50 Pfg. für Schulen / Vereine unter 20 Personen

-      1 Mark für Schulen / Vereine von 20 bis 50 Personen

-      1,50 Mark für Schulen / Vereine mit mehr als 50 Personen

Bei nationalen Festen war der Eintritt frei.

Der Turmwärter musste während seiner Anwesenheit einen Wimpel auf dem Turmkopf hissen.

Nach 1945 richteten die Amerikaner eine Funkstation im Turm ein.

Im Jahr 1988 war das Rundbogenfenster auf der Rückseite des Turmes zerstört (nur Öffnung).

Das Bauwerk wurde auf Initiative des Ortsausschusses, der Kulturringes und der Heimatfreunde Wüsten im Jahr 1999 grundlegend saniert (eisernes Gitter als Eingangstür von Albert Siegert, neues Geländer), finanziert von der Sparkasse Bad Salzuflen) und im August 1999 wiedereröffnet.

Doch bereits im Jahr 2002 begann die Fassade zu bröckeln, und Mitte 2003 wurde der Bismarckturm wegen Einsturzgefahr für Besucher gesperrt. In der zweiten Hälfte des Jahres 2004 wurde der Turm für 60.000 EURO saniert. Die Wiedereröffnung fand am 11.01.2005 statt.

Das ovale Fenster in der Nische wurde ersetzt, die Lichtschlitze sind von innen mit Plexiglas gegen Eindringen von Feuchtigkeit geschützt.


Öffnungen:

Jeden ersten Sonntag im Monat von Mai bis Oktober durch die Heimatfreunde Wüsten. Über den Gastwirt des Berggasthofes Hollenstein ist der Schlüssel zu den Öffnungszeiten entleihbar.


Links:

Luftbilder auf fotodrachen.de

Berggasthof Hollenstein (Öffnungszeiten)

Google Maps

Google Earth


Quellen

- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von SCHÖTMAR / BAD SALZUFLEN (Nordrhein-Westfalen)
- Seele, Sieglinde:
Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 344
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 30 "Bismarck-Feuersäule bei Schötmar-Salzuflen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, Nr. 95: "Der Bismarck-Turm auf dem Vierenberge bei Schötmar“
- Göke, Robert: „Für den „eisernen“ Kanzler ein Denkmal aus Stein“, Heimatland Lippe -Zeitschrift des Lippischen Heimatbundes und des Landesverbandes Lippe, 93. Jahrgang; Nr. 1 (Januar 2000), S. 7-11
- Wünsche, Christian (Bad Salzuflen), Infos und Fotos über die Sanierungsarbeiten 2000 – 2006 auf privater Website, Homepage seit 2008 offline)


Fotograf

- Jörg Bielefeld, Remscheid (September 2002 und Februar 2011)

AK Motiv Bismarckturm Bad Salzuflen um 1980
AK Motiv Bismarckturm Bad Salzuflen