Update: 21.01.2016

"Götterdämmerung" im Kleinformat
Die Bismarcksäule in Bad Berleburg

Die Bad Berleburger Bismarcksäule ist die kleinste sowie die letztgebaute der 47 Ausführungen des Bismarcksäulen-Entwurfs „Götterdämmerung“ von Wilhelm Kreis.


Bauplanung und Finanzierung

Angeregt wurde der Bau dieser Bismarck-Feuersäule bereits am 18.01.1899 vom Turnerverein Berleburg. Es wurde ein Bismarckausschuss unter Vorsitz von Amtmann Vollmer gebildet. Mit Genehmigung der königlichen Staatsregierung wurde öffentlich um Spenden für den Turmbau gebeten. Das gespendete Geld wurde zinsbringend angelegt.

Erst zwölf Jahre später, zu Beginn des Jahres 1911, waren insgesamt 4.000 Mark an Spenden zusammengekommen.

Der Ausschuss entschied sich für den von der deutschen Studentenschaft mit dem 1. Preis ausgezeichneten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis. Der Entwurf wurde von Regierungsbaumeister Aust (Mitglied des Ausschusses) leicht abgeändert. Als Standort wählte man die Erhöhung "Am Höllscheid". Die Säule in Bad Berleburg wurde mit 6,1 m Höhe die kleinste aller 47 nach diesem Entwurf gebauten Bismarcksäulen.

Die Gesamtkosten von 4.800 Mark wurden durch Sammlungen in der Bevölkerung sowie eine großzügige Spende des Freiherrn von Wittgenstein zusammengetragen.


Bauarbeiten

Ausführender Baumeister war O. Rompel aus Berleburg. In wenigen Wochen wurde die Feuersäule aus Sandstein (bossiert) errichtet.


Baubeschreibung

Als Basis der 6,1 m hohen Feuersäule ohne Aussichtsfunktion dient ein quadratisches Podest. Die Podeststufe ist 3,5 m x 3,5 m breit und 0,35 m hoch.

Darauf erhebt sich der quadratische Turmsockel mit einer Kantenlänge von 2,7 m x 2,7 m und einer Höhe von 0,82 m. Darauf wurde der eigentliche, 2,39 m hohe Turmschaft errichtet.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit zweistufigem Oberbau zusammengehalten werden.

Das auf dem Turmkopf angebrachte runde Feuerbecken wurde mit Steinkohle sowie Teer mit Petroleum befeuert.

Auf der zur Stadt hingewandten Seite (Nordseite) ist als einziger Schmuck ein Bismarckrelief in Bronze mit der Inschrift

"24. SEPTEMBER 1911"

angebracht.

Als Baumaterial wurde Sandstein verwendet.

Auf der Rückseite der Säule ist mittig in der unteren Podeststufe die Inschrift

"DR 1911"

sichtbar.

Vor der Säule (Richtung Stadt) wurde ein steinerner Feueraltar errichtet, der seitlich jeweils von einer Steintreppe mit fünf Stufen eingefasst worden ist.

Ursprünglich war geplant, vier Plaketten an jeder Seite des Turmes anzubringen. Die vorgesehen Stellen an jeder Seite sind heute noch sichtbar. Geplant waren:

1.    Bildnis, Wappen sowie Bismarck-Ausspruch „Wir Deutsche fürchten Gott, sonst nichts in der Welt“ (es wurde nur Bismarck-Relief mit Datum der Einweihung an der Nordseite angebracht)

2.    Reichsadler (wurde nicht ausgeführt)

3.    Preußischer Adler (wurde nicht ausgeführt)

4.    Wappen des berleburgischen fürstlichen Hauses (wurde nicht ausgeführt)


Turmgeschichte

Bei der Einweihungsfeier am 24.09.1911 setzte sich um 16:00 Uhr der Festzug, bestehend aus den Vertretern der drei Bonner Studentenverbindungen, Vereinen aus Berleburg und einer Musikkapelle vom Kriegerdenkmal zum Bismarckturm in Bewegung.

Die Weiherede hielt der Vorsitzende des Denkmalausschusses, Amtmann a. D. Vollmer. Dieser stellte die Feuersäule in den "besonderen Schutz der Städtischen Behörde" und damit der Stadt Berleburg. Nach einer Festrede von Landrat von Hartmann marschierte der Festzug zum "Westfälischen Hof" und zum "Gasthaus Paradies".

Die Feuerschale wurde erst nachträglich installiert, sie wurde von Freiherr von Wittgenstein gestiftet.

Am 28.09.1988 stellte die CDU-Fraktion den Antrag, die Säule in die Denkmalliste der Stadt Berleburg einzutragen. Diesem Antrag wurde zugestimmt.

Die Bismarcksäule zeigte sich im März 2007 in stark sanierungsbedürftigem Zustand.

Im April 2007 gab der Verkehrs- und Heimatverein Bad Berleburg bekannt, die Säule bis zur 750-Jahr-Feier der Stadt im Jahr 2008 zu sanieren. Im Sandstein-Mauerwerk hatten sich u.a. viele kleine Risse gebildet, in die Wasser eingedrungen war.

Die verwitterten Oberflächen wurden im Jahr 2008 gereinigt und gefestigt. Sämtliche Fugen des Denkmals wurden erneuert.

Als Wetter-Schutz erhielt die Feuerschale eine pyramidenförmige Kupferabdeckung, die abgenommen werden kann. Die Sichtachse in Richtung Stadt wurde freigeschnitten, so dass der Blick von der Stadt auf die restaurierte Säule wieder möglich ist.

Die Sanierungsarbeiten wurden im Juli 2008 beendet.

Am 24.09.2011 wurde das 100jährige Bismarckturm-Jubiläum am Turm gefeiert.


Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) kürte die sanierte Bismarcksäule in Bad Berleburg im Dezember 2008 zum Denkmal des Monats (externer Link).


Links

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Quellen:

- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von BAD BERLEBURG (Nordrhein-Westfalen)
- Seele, Sieglinde:
Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 51
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes; 9. Jahrgang 1911 (Nr. 8, S. 152; Nr. 10, S. 182)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 179 "Bismarck-Feuersäule bei Berleburg", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)


Fotograf:

Jörg Bielefeld, Remscheid (Oktober 2005 und Juli 2010)


Foto um 1915
Foto März 2007 (Fotograf: Rolf Albrecht Behrends)