Update: 20.06.2016

20.000 Personen bei der Einweihung
Die Bismarcksäule in Wittmar auf der Asse

Bauplanung

In der 2. Jahreshälfte 1898, kurz nach dem Tode von Otto von Bismarcks, regte die Studentenschaft der Herzoglich Technischen Hochschule Carola-Wilhelmina in Braunschweig den Bau einer Bismarcksäule an. Eine erste Spenden-Sammlung brachte einen Grundfonds von 3.000 Mark ein.

Anfang Januar 1899 spendete der Regent des Herzogtums Braunschweig, Prinz Albrecht von Preußen (1837 – 1906), 500 Mark für den Bau einer braunschweigischen Bismarcksäule. 

Die Studentenschaft übergab die weiteren Maßnahmen an den für den Zweck des Baus gegründeten geschäftsführenden Ausschuss, der aus etwa achtzig patriotischen Männern aus dem Herzogtum Braunschweig bestand. Vorsitzender des Ausschuss war Prof. Dr. Ludwig Viereck aus Braunschweig, Ehrenvorsitzender der braunschweigische Staatsminister Dr. jur. Albert von Otto (1836 – 1922). Die Studentenschaft wurde im Ausschuss durch zwei Personen vertreten.

Am 14.05.1899 sprach sich der Ausschuss einstimmig für den Bau einer Bismarcksäule nach dem Entwurf „Götterdämmerung“ von Wilhelm Kreis aus. Als Bauplatz wurde nach Abstimmung über den Thieder Lindenberg und die Asse der Bauplatz auf der Asse (227 m über NN) festgelegt. Der Assener Verschönerungsverein (heute: Heimat- und Verkehrsverein Asse) hatte sich zuvor für den Standort Asse eingesetzt und 605 Mark für die Säule gespendet.

Die Kosten für eine 20 m hohe Bismarcksäule wurden auf 30.000 Mark geschätzt. Bisher waren etwa 15.000 Mark an Spenden gesammelt worden.

Im Juni 1899 wurde vom geschäftsführenden Ausschuss ein offizieller „Aufruf zur Errichtung einer Bismarcksäule auf der Asse“ veröffentlicht, in dem zu weiteren Spenden im gesamten braunschweigischen Land aufgerufen wurde.

Anfang November 1899 sollte von Landwirt Isensee aus Wittmar der benötigte Baugrund käuflich erworben werden. Da man auch Raum für Volks- und patriotische Feste benötigte, wurde eine Fläche von 74,09 Ar (entspricht ca. 3 Morgen) für 1.574,25 Mark von Landwirt Isensee gekauft. Dieser überließ dem Ausschuss den Bauplatz des Turmes kostenlos. Im Grundbuch Wittmar wurde das Grundstück auf das Ausschussmitglied Johannes Merckel (Steuerinspektor aus Wolfenbüttel) eingetragen.

Mit dem Landwirt Isensee wurde ein Vertrag über die Lieferung von Bausteinen aus den Asse-Steinbrüchen, ca. 200 m vom Bauplatz entfernt, abgeschlossen.

Am 31.03.1900 fand ein Bismarck-Kommers statt, dessen Reinertrag dem Bau der Säule zugute kam.

An der Grundsteinlegung am 17.06.1900 nahmen trotz schlechten Wetters 3.000 Personen teil. An der Säule hatten sich zahlreiche Vertreter der Studentenschaft, der braunschweiger Staats- und städtischen Behörden, Vertreter heimischer Vereine, Offiziere und Bürger versammelt. Die Festrede von Realschuldirektor Prof. von Hörsten aus Wolfenbüttel musste wegen des anhaltenden Regens verkürzt werden.

Bis zur Grundsteinlegung waren 20.000 Mark an Spendengeldern in Braunschweig, Wolfenbüttel, Helmstedt und Umgebung für den Bau der Säule gesammelt worden. Der Landtag in Braunschweig genehmigte einen Zuschuss in Höhe von 10.000 Mark.

Die Gesamtkosten für den Bau betrugen letztendlich 38.000 Mark, die Landesregierung hatte nachträglich nochmals 8.000 Mark beigesteuert.


Bauarbeiten

Als Baumaterial wurden Muschelkalkstein und Dolomit verwendet, die an Ort und Stelle an der Asse (Eigentümer: Heinrich Isensee) gebrochen wurden.

Der Unterbau und der Turmkopf wurden aus weißem Kalkstein, der Turmschaft aus gelbem Dolomitstein gebaut.

Die Bauleitung übernahm Architekt Wilhelm Kreis. Die Bauausführung erfolgte durch Maurermeister August Moss aus Braunschweig.

Direkt nach der Grundsteinlegung wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Zuerst arbeiteten deutsche, später italienische Arbeiter an der Baustelle.


Turmbeschreibung

Die 24 m hohe Bismarcksäule als Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit hat einen quadratischen Grundriss.


Podeststufen und Turmsockel

Als Basis des Turmes dient ein zweistufiges quadratisches Podest. Die untere Podeststufe ist 14,40 m x 14,40 m, die obere Stufe 11,08 m x 11,08 m breit.

Die untere Podeststufe ist umlaufend 1,00 m hoch und oben mit 20 cm hohen Steinplatten (auf jeder Seite ca. 11 cm auskragend) versehen. Die obere Podeststufe ist 0,90 m hoch und ebenfalls umlaufend mit 20 cm hohen Steinplatten bedeckt. Die untere Podeststufe ist 1,72 m, die obere Podeststufe 1,66 m tief.

Eine Steintreppe auf der Eingangsseite (Nordseite) mit dreizehn Stufen führt mittig über die beiden Podeststufen zum Eingangsbereich des Turmes auf Höhe der der zweiten Podeststufe. Stufe 1 und 2 sind 2,68 m, Stufe 3 ist 2,25 m und ab Stufe 4 ist die Treppe 1,83 m breit. Ab der 4. Stufe ist die Treppe beidseitig begrenzt durch jeweils 0,70 m breite steinerne Einfassungen, auf denen Handläufe angebracht sind.

Auf der oberen Podeststufe erhebt sich der quadratische Turmsockel mit einer Kantenlänge von 7,81 m x 7,81 m und einer Höhe von 2,45 m.

Die 2,18 m x 1,20 m große Eingangstür wurde 0,61 m tief innerhalb des Turmsockels eingelassen. Der Türsturz hat eine Breite von 1,50 m und ist 0,30 m hoch.

Oberhalb des Sockels, als Übergang zum eigentlichen Turmschaft, ist eine 7,11 m x 7,11 m breite und 0,50 m hohe Absatzstufe aufgesetzt. Darauf wurde mittig (oberhalb der Eingangstür) ein am Fuß 1,25 m breites Postament aufgesetzt, auf welchem später eine Bismarck-Statue installiert werden sollte [wurde nie realisiert].


Turmschäfte

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus wuchtigen Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit zweistufigem Oberbau zusammengehalten werden. Die Breite der Mittelflächen zwischen den Säulen beträgt jeweils 1,50 m.

Auf allen Seiten, von der Eingangsseite abgesehen, sind zwischen den Dreiviertelsäulen auf gut halber Höhe 1,50 m breite Gesimse angebracht.

Oberhalb des Einganges befindet sich mittig am Turmschaft als einziger Schmuck ein Reichsadlerrelief mit Bismarckwappen, welches von Wilhelm Kreis entworfen und von Bildhauer Bayern aus Braunschweig gefertigt worden ist.

Ein plastisch hervorspringendes umlaufendes Band ziert im oberen Bereich des Turmschaftes das Bauwerk.

Die Säulenschäfte weisen – außer auf der Eingangsseite - auf jeder Seite mittig zwei übereinanderliegende Fensterschlitze auf, auf der Ost- und Westseite in gleicher Höhe, auf der Südseite sind die Fensterschlitze tiefer eingelassen. Die oberen Fensterschlitze haben eine Größe von 0,40 m x 0,60 m, die unteren Fensterschlitze eine Größe von 0,40 m x 1,20 m.

Die Kanten des oberen Aufbaus sind nicht abgerundet, sondern zu Rechtecken abgeflacht und bilden dadurch insgesamt ein unregelmäßiges Achteck.


Turmkopf

Auf der Aussichtsplattform wurde mittig eine runde, 1,60 m hohe Säule mit einem Durchmesser von 1,10 m angebracht, die das runde Feuerbecken (Durchmesser 2,70 m) trägt.

Die Befeuerung erfolgte ursprünglich durch 16 Feuertöpfe aus Eisenblech (8 große, 5 mittlere und 3 kleine Töpfe), welche pyramidenartig auf dem Feuerbecken aufeinandergestellt wurden.

Die Töpfe wurden mit einer Mischung (entwickelt von Stadtrat Lange) aus 9 kg Talg, 1,83 kg Petroleum, 1 kg Kienöl, 0,5 kg Rüböl sowie Holzspänen befüllt. Das Gemisch wurde zu einer festen Masse verrührt und angezündet. Die Brenndauer betrug vier Stunden bei einer Flammenhöhe von 5 m.


Eingangsbereich und Aufstieg zur Plattform

Durch den Turmeingang gelangt man in den Eingangsbereich des Turmes. Der Innenraum hat eine lichte Breite von 3,95 m x 3,95 m. Die Mauerstärke des Sockels beträgt auf allen Seiten 1,93 m.

Der Aufstieg zur Aussichtsplattform beginnt auf der linken Seiten über eine rechtsdrehende Steintreppe mit einer Breite von 1,20 m. Über insgesamt 113 Stufen (in vier Absätzen nach 27 / 29 / 29 und 28 Stufen) gelangt man durch zwei aufklappbare Luken (Gesamtgröße 2,45 m x 0,90 m) auf die Aussichtsplattform.

Die durchgehende Steinbrüstung auf der Plattform hat eine Höhe von 1,05 m.


Turmgeschichte

Am 20. Oktober 1901, dem Einweihungstage, kamen bei sehr gutem Wetter 20.000 patriotische Bürger zur Feier. Neben den Lehrern und Studenten der Technischen Hochschule nahmen zahlreiche Bürger aus Wittmar und Umgebung teil. Die Festrede hielt der Ausschussvorsitzende Prof. Dr. Viereck aus Braunschweig. Am Einweihungstag wurde die Feuerschale erstmals befeuert.

Am 21.06.1902 wurde auf Initiative der Studentenschaft bei regnerischem Wetter die Sommersonnenwende an der Bismarcksäule gefeiert.

Durch ein starkes Gewitter am Vormittag des 01.07.1902 wurden die Südwestecke und die Nordseite des Podestsockels durch Blitzschläge beschädigt. Wegen der auf über 38.000 Mark gestiegenen Gesamtkosten der Bismarcksäule hatte man zunächst auf einen Blitzableiter verzichtet. Nach der Eröffnung waren bisher 1.400 Personen auf die Säule gestiegen. Der Eintrittspreis betrug für Erwachsene 10 Pfg. und für Kinder 5 Pfg.

Ende Oktober 1902 wurde in einer Versammlung des Ausschusses Bericht über die Gesamtkosten der Säule erstattet. Bis auf 500 Mark konnten alle Rechnungen beglichen werden. Es wurde festgelegt, dass die Bismarcksäule in das Eigentum des Staates übergehen sollte.

Die Sonnenwendfeier im Jahr 1903 wurde aufgrund der Einweihung der Bismarcksäule in Friedrichsruh auf den 27.06.1903 verschoben. Nach einem abendlichen Fackelzug der Studenten wurde die Feuerschale entzündet. Im Jahr 1904 wurde die Sommersonnenwende am 18.06.1904 gefeiert.

Auch in den folgenden Jahren (bis mindestens 1906) wurde die Feuerschale zur Sommersonnenwende entzündet.

Im Frühjahr 1905 lag die weitere Erhaltung der Säule immer noch in den Händen des Ausschusses. Durch den Tod des Obersteuerrendanten Merckel (nach anderer Quelle: Merkel) aus Wolfenbüttel, der sich im Jahr 1908 wegen Unterschlagung das Leben nahm, wurde der Bauplatz der Bismarcksäule Teil der Konkursmasse.

Am 24.02.1909 fand eine Gläubigerversammlung statt, bei der von Stadtdirektor Floto der Antrag gestellt wurde, dass der in der Konkursmasse befindliche Bauplatz der Bismarcksäule „ohne Leistung einer Entschädigung an den Herzoglich Braunschweigischen Landesfiskus aufgelassen werden soll“. Am 09.03.1909 wurde das Grundstück vom Verwalter der Konkursmasse wie beantragt an den Stadtdirektor Floto aus Wolfenbüttel als Vertreter des Landesfiskus aufgelassen.

Eine Bismarckgedenkfeier fand am 19.06.1909 an der Bismarcksäule statt.

Aufgrund der Witterungsschäden aus den vergangenen Jahren wurde die Säule im August 1909 erstmals umfassend saniert. Zahlreiche Sockelsteine wurden erneuert und die Podeste erhielten einen neuen Asphaltaufguss.

Bis Mitte 1910 konnte die geplante Bismarck-Statue auf dem Postament über dem Turm-Eingang nicht realisiert werden.

Bildhauer Bayer hatte im Auftrag des Ausschusses in seiner Werkstatt ein Bismarck-Wappen gefertigt, welches an der Säule angebracht werden sollte. Aus unbekannten Gründen wurde das Wappen nicht angebracht.

Bis in die 1940er Jahre wurde zu bestimmten Anlässen ein Feuer auf dem Turmkopf entzündet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Land Niedersachsen Eigentümer des Turmes. Über viele Jahre hinweg war die Säule für Besucher verschlossen.

Die Bezirksregierung in Braunschweig schloss im Jahr 1977 mit dem Heimat- und Verkehrsverein Asse e.V. einen Gestattungsvertrag über Nutzung, Betreuung und Reinigung der Säule ab, welcher im Jahr 1986 modifiziert wurde. Seit der Vertragsunterzeichnung gewährleistet der Verein Besuchern, den Turm vom 01.05. bis 30.09. jeden Jahres ständig zu öffnen.

Von Oktober 1985 bis April 1987 wurde der Bismarckturm außen wegen Witterungsschäden, insbesondere wegen herabstürzender Gesteinsbrocken des Kalkmuschelgesteins der Säulenkrone, umfangreich saniert. Für insgesamt 100.000 DM wurde die gesamte Krone einschließlich der Aussichtsplattform erneuert und für eine gute Abführung des Regenwassers gesorgt. Für die Krone wurden neue Kalksteine aus Steinbrüchen bei Königslutter verwendet.

Weitere Sanierungsmaßnahmen wurden in den Jahren 2006/2007 für insgesamt 20.000 EURO durchgeführt. Das gesamte Außenmauerwerk wurde neu verfugt, es wurden fünf neue Stahlträger unter der Aussichtsplattform angebracht und eine Haube für die brüchige Feuerschale angeschafft.

Die Wiedereröffnung der Säule erfolgte am 01. Mai 2007.

Im Frühjahr/Sommer 2013 wurden kleinere Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt.


Öffnungszeiten (Stand: 2016)

Durchgehend bis 15.11.2016 geöffnet.


Links

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HVA Asse


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 411
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE auf der ASSE (Niedersachsen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 56 "Bismarck-Feuersäule auf der Asse bei Wittmar", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes; 3. Jahrgang 1905 (Nr. 5, S. 3), 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“), 8. Jahrgang 1910 (Nr. 9, S. 135)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, "Die Bismarck-Säule (Architekt Kreis) auf der Asse bei Braunschweig"
- Krämer, Rainer: „Die Bismarcksäule in der Asse“, Faltblatt Heimat- und Verkehrsverein Asse, undatiert


Bildmaterial

- Christian Gerloff (September 2011)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Oktober 2011); historische Ansichten: Archiv J. Bielefeld


HDR-Foto BT Wittmar von André Kolbe aus Wolfenbüttel am 01.04.2008