Update: 06.07.2017

Bismarckturm aus Stein und Eisen
Der Bismarckturm in Salzgitter

Der Bismarckturm in Salzgitter ist einer von drei Bismarcktürmen aus Metall, aufgrund des steinernen Sockels aber kein "reiner" Metallturm wie in Bielefeld und Hasselfelde-Trautenstein.


Bauplanung

Der Bau dieses Bismarckturmes auf dem Hamberg wurde als Aussichtsturm ohne Feuerschale vom Bürger- und Harzverein Salzgitter angeregt.

Am 08. April 1899 wurde der Bau eines Aussichtsturmes in der Nähe von Salzgitter bei einer Versammlung des Harzvereines einstimmig beschlossen. Das Bauwerk sollte den Namen „Bismarck-Turm“ tragen und aus dem Baumaterialien Stein und Eisen gebaut werden.

Ein Baufonds wurde noch auf der gleichen Sitzung eingerichtet. Als Grundstock stellte der Harzklub 100 Mark zur Verfügung.

Der Ausschuss beschloss, Sammlungen bei Behörden, Organisationen und Zweigvereinen der Umgebung durchzuführen. Umgehend erging ein Spendenaufruf an Bürger der Gemeinde Salzgitter.

Am 18.04.1899 wurde im Magistrat vereinbart, dass für den Bau des Turmes Beiträge erst bewilligt werden, wenn das Projekt eine feste Gestalt angenommen hat.

Der Vorsitzende des Harzklubs Salzgitter (ab 1899), Leo von Wenckstern, engagierte sich besonders stark für den Turmbau. Bereits am 03. Mai 1899 hatte man den geeigneten Platz für den Turm auf dem 272 m hohen Hamberg gefunden. Den Bauplatz und die Zuführungswege stellte die Forstgenossenschaft Gitter kostenlos zur Verfügung.

Am 13.05.1899 waren bereits 1064 Mark an Spenden gesammelt worden. Mehrere Entwürfe eines Turmes aus Stein und Eisen wurden ausgestellt, es wurde der Entwurf mit dem geringsten Kostenanschlag (4.167 Mark) ausgewählt, bei welchem der Turm aus einem 5 m hohen Unterbau und einem 12 m hohem Eisengitterturm bestand.

Am 07.07.1899 waren die Bauarbeiten bereits an die beteiligten Baufirmen vergeben.

Der Magistrat stellte dem Harzklub-Zweigverein am 04.08.1899 eine Beihilfe von insgesamt 50 Mark  zur Verfügung. Anfang August 1899 war die erforderliche Summe für den Turmbau fast vollständig zusammengekommen.

Die Grundsteinlegung fand bereits am 10.09.1899 um 15:00 Uhr statt, zu welcher alle Vereine eingeladen worden waren.


Bauarbeiten

Die Bauarbeiten wurden ausgeführt von der Firma Hönerbach aus Salzgitter und der Maschinen- und Stahlbaufirma Weule aus Alt Wallmoden. Letztere war zuständig für die Eisenkonstruktion.

Als Baumaterial für den Unterbau wurden rote Backsteine verwendet.

Der Baubeginn verzögerte sich auf Mitte Januar 1900, da der Kreis Goslar die Baugenehmigung erst am 12.01.1900 erteilte. Durch gestiegene Kosten für Eisen und Arbeitslöhne sowie zusätzliche Auflagen des Kreises Goslar (Verstärkungen bei der Eisenkonstruktion, damit bis zu 73 Personen der Aufenthalt auf dem Turm-Oberbau ermöglicht werden konnte) verteuerte sich der Bau um 850 Mark.

Durch Benefizkonzerte konnte der finanzielle Engpass beseitigt werden. Der ursprünglich geplante Einweihungstermin am 01.04.1900 konnte wegen des strengen Winters nicht eingehalten werden.

Am 07.04.1900 wurde das Einweihungsdatum vom Harzklub-Zweigverein auf den 12.08.1900 festgelegt. Zudem plante man einen Turmwärter einzustellen und einen Postkartenautomaten am Turm aufzustellen.

Am 11. Juni 1900 begann man mit der Montage der 12 m hohen Eisenkonstruktion auf dem 5 m hohen steinernen Sockel. Die Montage konnte am 10.07.1900 beendet werden. Daraufhin begannen die Arbeiten an der Freitreppe zum Turmeingang. In Höhe der 6. Stufe wurde ein 60 cm breiter, mit Sollinger Platten versehener Ruhepunkt geschaffen.

Der Bismarckturm war am 27.07.1900 fertig gestellt.

Die baupolizeiliche Abnahme durch Kreisinspektor Behr aus Goslar erfolgte am 06. August 1900. Da das Baugeld völlig verbraucht war, verzichtete der Verein vorerst auf den noch fehlenden Anstrich der Eisenkonstruktion.

Die Einweihung des Turmes fand am So., den 12. August 1900 statt. An der Feier nahmen 800 Personen teil. Landrat Breth aus Goslar hielt die Festrede.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der 17 m hohe Aussichtsturm ohne Befeuerungsmöglichkeit gliedert sich in einen quadratischen Sockel von 5 m Höhe und eine 12 m hohe viereckige Eisenkonstruktion. Der steinerne Sockel war gleichzeitig als Schutzhütte geplant.

Über eine steinerne Freitreppe auf der Westseite mit 6 und 4 Stufen sowie eine Eingangsstufe erreicht man das 2,34 m x 1,14 m große Eingangsportal mit Rundbogenabschluss. Mittig des Rundbogens wurde der trapezförmige Schlussstein (Höhe 0,40 m, Breite unten 0,20 m, Breiten oben 0,30 m) eingelassen. Der Schlussstein trägt die Jahreszahl der Erbauung („1899“).

Auf einem quadratischen Fundament von 5,45 m x 5,45 m, welches auf der Westseite bis zu 1,05 m und auf der Ostseite bis zu 0,58 m zu sehen ist, erhebt sich der sich nach oben hin verjüngende Turmsockel. Die Kantenlänge des Sockels beträgt unten 5,31 m x 5,31 m.

Über dem Eingang wurde ein bronzenes Bismarck-Medaillon mit einem Durchmesser von 0,60 m (gefertigt in der Gladenbeck’schen Fabrik) angebracht.   

Über 24 linksdrehende Steinstufen gelangt man durch die Schutzhütte zur ersten Plattform des Turmes. Der Austritt erfolgte ursprünglich durch eine Holztür eines schmalen Holzhäuschens mit Satteldach. Die erste Plattform fungierte gleichzeitig als Abschluss des steinernen Turmsockels. Über vier Holztreppen mit 14/15/14/14 Stufen gelangte man auf die oberste Plattform der Eisenkonstruktion.

Die auskragende Plattform hat eine Kantenlänge von 5,45 m x 5,45 m. Die Höhe jeder weiteren Etage beträgt 3,00 m.

Die Eisenkonstruktion, die auf der 1. Plattform fest installiert wurde, hat eine Grundfläche von 3,45 m x 3,45 m und verjüngt sich bis zur 4. Etage auf 2,90 m x 2,90 m. Die oberste 5. Etage kragt leicht aus (3,77 m x 3,77 m) aus.


Turmgeschichte

Am 21. Juli 1900 beschloss der Harzklub-Zweigverein zusätzlich die Einrichtung eines kleinen Bismarckmuseums in der ebenfalls neu gebauten Schutzhütte. Insbesondere durch die Spende einer Privatperson, die unbekannt bleiben wollte, wurden die Kosten abgedeckt.

Der Turm-Eintritt für Erwachsene betrug wochentags 20 Pfg (an Sonntagen 10 Pfg), für Kinder an allen Tagen 10 Pfg.

Durch Einnahmen eines Postkartenautomaten am Turm (142,23 Mark) und die Eintrittsgelder im August 1900 (38 Mark) konnte der noch fehlende Anstrich der Eisenkonstruktion am 02. September 1900 finanziert werden.

Einen zusätzlichen Ölfarben-Anstrich erhielt das Bauwerk im Oktober 1900.

Bis 1965 war im Eingangsbereich des Turmes eine 2 m hohe und ca. 700 kg schwere "Siegestrophäe" mit einem Bismarck-Bildnis angebracht, welche von der Tonwarenfabrik Ernst March & Söhne/Berlin-Charlottenburg gespendet worden ist (Verbleib unbekannt).

Am 18.11.1965 wurde neben dem Turm ein 23 m hoher „Post-Füllsender“ aufgestellt.

Anfang November 1969 stellte der Heimkehrerverband Salzgitter an der Südseite des Bismarckturm-Sockels ein 5 m großes und beleuchtbares Lichtkreuz auf.

Der Bismarckturm wurde im Jahr 1990 für rund 120.000 DM generalsaniert.

Weitere Sanierungsarbeiten erfolgten von März bis August 2002 (Kosten 33.000 EURO), u.a. Abdichtung des Mauerwerkes, Beschichtung des Betonfußbodens, Reparatur der Treppen, neue Außenbeleuchtung).

Bei den letzten Sanierungsarbeiten wurden die Holzstufen durch Eisenstufen (14/14/14/14) ersetzt. Das Holzhäuschen auf der 1. Plattform wurde abgerissen und durch ein 3,00 m x 1,33 m großes Steinhaus mit Schrägdach (Höhe von 2,17 m bis 2,38 m) ersetzt. Die Austrittstür ist aus Kunststoff.

Der Turm wurde nach den durchgeführten Sanierungsarbeiten am 13.09.2002 wiedereröffnet.

Im September 2016 schloss die Gaststätte am Bismarckturm, der Turm war seitdem verschlossen. Die Neu-Eröffnung (neuer Besitzer) erfolgte im Frühjahr 2017.


Links

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www.lichtkreuz.de


Öffnungszeiten (Stand: Juli 2017)

Das Bauwerk ist zu den Öffnungszeiten der Gaststätte "Am Bismarckturm" geöffnet.


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 344
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von SALZGITTER-BAD (Niedersachsen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 25 "Bismarck-Turm zu Soolbad Salzgitter i. Harz ", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Rosenberger, Fred: „Der Bau des „Bismarckturmes“ in Salzgitter (1898-1900)"; Salzgitter Jahrbuch, hrsg. vom Geschichtsverein Salzgitter 1988, S. 153-158


Fotografen

- Peter Dege, Hildesheim (Mai 2005)
- Christian Gerloff (September 2011)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Oktober 2011)