Update: 18.08.2016

Vom Bergpavillon zum Bismarckturm
Der Bismarckturm in Lahstedt-Oberg

Bauplanung

Im Jahr 1914 plante Rittergutsbesitzer Hugo Leßmann aus Anlass des 100. Geburtstages des ehemaligen Reichskanzlers in der Gemarkung Oberg den Bau eines privaten Bismarckturmes.

Bereits vor Juli 1914 wurden die Vorbereitungen für den Turmbau auf seinem Grund und Boden (Lahberg, 110 m über NN) durchgeführt. Vormals stand an dieser Stelle ein Bergpavillon.

Ein vom Rittergutsbesitzer geplantes Heimatfest zur Einweihung im Frühjahr 1915 (wahrscheinlich am 01.04.1915) konnte wegen des Kriegsausbruches nicht durchgeführt werden. Das für dieses Fest zurückgelegte Geld verwendete er nach dem Krieg für den Bau eines Krieger-Denkmals für die Gefallenen des Dorfes (nicht mehr erhalten).

Der Bauplatz auf dem Lahberg ist die höchste Erhebung des Landkreises Peine (110 Meter über NN).

Die Gesamtbaukosten von 7.200 Mark wurden komplett von Hugo Leßmann übernommen.


Bauarbeiten

Der Bismarckturm wurde von Baumeister Otto Lege aus Groß Lafferde auf dem Lahberg errichtet. Als Baumaterial wurde Sandstein verwendet.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der 11,20 m hohe (Gesamthöhe mit Windmast 18 m) Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit mit neugotischen Elementen hat einen runden Grundriss. Das Bauwerk hat einen Durchmesser von 5,00 m (inkl. Strebepfeiler).

Über eine Treppe mit zwei Stufen erreicht man auf der Nordwestseite den 0,50 m hervorstehenden Eingangsbereich des Turmes, der aus einem bis zu 4,29 m hohen und 2,35 m breiten Vorbau mit Giebeldach besteht.

Die Eingangstür (0,37 m über Bodenniveau) hat eine Größe von 2,37 m x 1,27 m und ist von einem 1 m hohen Spitzbogen bekrönt. Im Feld des Spitzbogens ist die Inschrift

ANNO
MDCCCCXV

eingeschlagen.

Der Turmschaft ist, außer auf der Eingangsseite, umlaufend von fünf je 3,22 m hohen und 0,22 m hervorstehenden Strebepfeilern umgeben, die jeweils einen Abstand von 1,75 m haben.

In 1,18 m Höhe des Turmschaftes umläuft ein 0,22 m hohes Gesimsband den Turm, nur unterbrochen vom Eingangsvorbau und den Strebepfeilern.

Oberhalb der Giebelspitze des Vorbaus sind am Turmschaft die Inschriften

BISMARCK
ZUM GEDAECHTNIS.

untereinander auf zwei glatten Sandsteinplatten eingeschlagen.

Oberhalb der Inschriften sorgt ein schmales, leicht spitzbogiges Fenster für Licht und Belüftung.

Der Innendurchmesser des Turmes beträgt 3,70 m.

Über 36 Steinstufen gelangt man zur 1. Etage in 6,67 m Höhe des Turmes. Über weitere 11 Stufen einer mittigen Treppe erreicht man den Ausgang der Plattform im Aufbau auf der Eingangsseite. Der Abstand von der 1. Etage bis zur Decke der Plattform beträgt 2,13 m.

Die leicht auskragende Zinnenaussichtsplattform (Durchmesser außen: 4,80 m) mit 24 bis zu 0,26 m hohen Zinnen ist von einem ebenfalls zinnenbesetzten Aufsatz (10 Zinnen von jeweils 0,21  Höhe) mit Feuerschale bekrönt. Die Höhe der 0,27 m breiten Brüstung ohne Zinnen beträgt 1,02 m.

In Höhe der Auskragung ist an zwei Seiten je ein Wasserspeier angebracht.

Auf der Plattform (Eingangsseite) ist eine ca. 7 m hohe Wetterfahnenstange angebracht. Auf der Wetterfahne sind die Initialen „HL“ (Hugo Leßmann) zu lesen.


Turmgeschichte

Im Zweiten Weltkrieg diente der Turm als Befehlsstand einer Flugabwehrstation auf dem Lahberg.

Im Jahr 1952 erhielt das Dorf Oberg zum 800-jährigen Bestehen ein Ortswappen, auf dem der Bismarckturm abgebildet ist.

Seit den 1960er Jahren war der Turm wegen Baufälligkeit geschlossen, der Eingang war zugemauert.

Nach der Gebietsreform am 01.02.1972 ging Oberg neben anderen Ortschaften in der neu gegründeten Stadt Lahstedt auf.

Im Jahr 1989 wurde der Bismarckturm auf Initiative des 1987 gegründeten Heimat-Vereins Oberg e.V. zum Baudenkmal (niedersächsisches Denkmalschutzgesetz) erklärt. Der Bauzustand im Juli 1990 war schlecht, die obere Brüstung fehlte zum Teil, Steinstücke des Giebelvorbaus waren herausgebrochen, Eisenträger waren stark korrodiert.

Nach langjährigen Arbeiten, die durch finanzielle Spenden und ehrenamtliche Hilfe getragen wurden, konnte der Bismarckturm frisch saniert am 25.08.1995 im Rahmen einer Feierstunde wiedereröffnet werden. Die Vermauerung des Eingangs wurde entfernt und eine neue Holztür eingesetzt. Der Feuerschalenaufbau wurde erneuert.

Beteiligte Firmen und Handwerker

Statik                    Fa. Miehe, Bierbergen
Maurerarbeiten        Bartels, Adenstedt
Stahlbau                 Plünnecke, Groß Lafferstedt
Tischlerarbeiten       Grote, Oberg
Malerarbeiten          Lütjering, Münstedt

Der neu gestaltete 2,57 m hohe Aufbau mit zusätzlich 0,55 m hohen Feuerschalenaufsatz ist nicht exakt mittig aufgesetzt, der Abstand zur Brüstung beträgt zwischen 1,00 m und 1,10 m, im Bereich der 1,95 m x 0,85 m großen Austrittstür 1,30 m.

Der Bismarckturm ist im Privatbesitz des Rittergutes Obergs. Die heutige Eigentümerin ist Frau Hortense Guenther-Luebbers, geb. Leßmann. Die Zugänglichkeit des Bauwerks ist vertraglich zwischen der Gemeinde Lahstedt (seit 01.01.2015 Ilsede) und dem Rittergut geregelt.

Das Bauwerk auf dem Lahberg ist das Oberger Wahrzeichen.

Am 01.01.2015 fusionierten die Gemeinden Lahstedt und Ilsede zur Gemeinde Ilsede.

Am 23. August 2015 wurde das 100-jährige Jubiläum des Bismarckturmes im Rahmen eines Gottesdienstes direkt am Turm gefeiert.


Links

Google Maps

Google Earth

Heimat Oberg


Öffnungszeiten (grundsätzlich in jedem Jahr)

Feste Öffnungstermine: 1. Mai, Christi Himmelfahrt (Feiertag im Mai / Juni), der 4. Sonntag im August (mit Bewirtung, Gottesdienst und Attraktionen), der 2. Sonntag im September am Tag des offenen Denkmals sowie an vier weiteren Sonntagen im Jahr.

Termine für Besichtigungen (auch Einzelpersonen) beim Heimatverein Oberg:

- Edith Voiges (Tel. 05172/3427)
- Jürgen Rump (Tel. 05172/944 383)


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 241
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von OBERG (Niedersachsen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 198 „Bismarck-Feuersäule zu Oberg, Kreis Peine", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)


Fotografen

- Lars Lenzner, Hückeswagen (Juni 2007)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (April 2002, Oktober 2011, Mai 2012)
- Marek Moson, Wroclaw (Mai 2012)