Update: 21.11.2017

Variation der Götterdämmerung
Der Bismarckturm in Hameln

Der Bismarckturm in Hameln auf der Knabenburg ist einer der elf individuell entworfenen Türme des Architekten Wilhelm Kreis, welcher nicht nach seinem 47 Mal ausgeführten Bismarckturm-Standardentwurf „Götterdämmerung“ errichtet worden ist.


Bauplanung

Angeregt wurde der Bau dieses Bismarckturmes bereits am 11. Oktober 1901 durch die Hamelner Bürger Postdirektor Breithaupt, Sanitätsrat Dr. Staats und Bankdirektor Zeddies.

Diese gründeten den "ständigen Ausschuss zur Errichtung einer Bismarcksäule im Kreise Hameln" unter Vorsitz von Bürgermeister Meyer und sammelten Spenden für den Turmbau.

Im Dezember 1902 fand zum Besten der Bismarcksäule ein Basar statt.

Doch erst im Jahr 1906 wurden die Pläne für den Bau konkreter, da die Bismarcksäule nun auch mit Funktion eines Aussichtsturmes auf der Knabenburg errichtet werden sollte. Im Frühjahr 1906 betrug die Summe der bisherigen Spenden 8.500 Mark.

Architekt Mertens legte dem Ausschuss den Entwurf eines Aussichtsturmes mit Befeuerungsvorrichtung vor, über den ein Beschluss bezüglich der Bauausführung gefasst werden sollte.

Die Errichtung des Bauwerkes sollte etwa 30.000 Mark kosten. Doch zur Ausführung dieses Entwurfes kam es wahrscheinlich aus finanziellen Gründen nicht.

Erst im Jahr 1908 legte Professor Wilhelm Kreis den von ihm gefertigten Entwurf eines 13,5 m hohen Bismarckturmes vor, der sich von seinem Standard-Entwurf „Götterdämmerung“ trotz der ¾-Säulen an den Ecken in einigen Details unterschied. Laut eines vorläufigen Kosten-Überschlages sollte das Bauwerk nun (ohne Architektenhonorar von knapp 1.000 Mark) 9.200 Mark kosten.

Ende 1908 standen 10.000 Mark an Spendenmitteln zur Verfügung, so dass der Ausschuss beschloss, das Bauwerk auf dem Südwesthang des Basberges auf der sog. Knabenburg (155 m über NN) zu errichten.

Am 14.04.1909 wurde im Hauptausschuss beschlossen, die vorgesehene Galerie im Entwurf des Architekten Kreis zu verändern und die nebeneinander stehenden geraden Eisenstäbe durch Sandsteinpfosten zu ersetzen. Der Antrag des Bauausschusses, diese Veränderungen zu genehmigen, wurde angenommen.

Das Baugrundstück wurde dem Ausschuss von der Stadt Hameln kostenlos zur Verfügung gestellt.

Die Gesamtbaukosten betrugen 16.613 Mark.

Die feierliche Grundsteinlegung fand am 12.08.1909 in Anwesenheit der Behörden und zahlreicher Ehrengäste statt. Die Festrede hielt Reichs- und Landtagsabgeordneter Fritz Hausmann (1845 – 1927) von der Nationalliberalen Partei.


Bauarbeiten

Bauleiter des Turmprojektes war Baurat (Geheimer Landrat) Koch, ausführender Maurermeister Chr. Wagener, beide aus Hameln.

Als Baumaterial verwendete man Wesersandstein, der in Hameln (Uetzenburg) gebrochen wurde.

Am 01.04.1910 wurde die Einweihung des Turmes feierlich begangen.


Turmbeschreibung

Der 13,5 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsvorrichtung erhebt sich auf einer runden Terrasse. Auf der Eingangsseite führen fünf mittige Stufen auf die Terrassenanlage.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die bis zu einem umlaufenden Gesims führen. Der Turmkopf ist mehrfach abgestuft und wird von einem runden und massig wirkenden Feuerschalenaufsatz bekrönt.

Der Grundriss des Turmes ist achteckig. Um den Turm führt ein achteckiger Umgang mit einer runden, balkonartigen Ausbuchtung auf der Rückseite.

Über eine Innentreppe mit 61 Stufen ist die Aussichtsplattform erreichbar. Die linksdrehende Innentreppe ist aus Holz, die ersten 50 Stufen führen an der Innenwand nach oben. Eine Holzmitteltreppe mit 11 Stufen führt zur Aussichtsplattform mit Feuerschale.

Die Plattform hat einen Durchmesser von 3,5 m, die Brüstung ist 1 Meter dick und 1,20 m hoch.

Die ringförmige Feuerschale (Außendurchmesser 1,5 m, Innendurchmesser 0,60 m) wurde ursprünglich mit Holz befeuert, welches mit Harz und Pech getränkt wurde. Die Feuerschale ist nach außen hin dachartig erweitert und bis zur Mitte der Brüstung herunter gezogen. Die Feuerschale wird mit einer Klappe abgedeckt.

An der Rückseite des Turmes ist die Inschrift

"Erbaut/
1910"

eingeschlagen.

Die Anbringung eines Bronzereliefs auf der der Stadt zugekehrten Seiten war geplant, wurde aber nicht ausgeführt.


Turmgeschichte

Am 21.06.1911 veranstaltete der Bismarck-Bund eine Bismarckfeier am Turm. Dieser plante in seiner Hauptversammlung am 28.01.1913 auch, den Turm am 01.04.1913 zu beleuchten.

In den kommenden Jahren war der Bismarckturm im Sommer geöffnet, im Jahr 1917 betrug der Eintrittspreis 10 Pfg.

Das Restaurant-Cafe "Am Bismarckturm" ist seit Oktober 2014 geschlossen. Ein Neu-Eröffnung (neuer Besitzer) war 2017 geplant. Im November 2017 wurde bekannt, dass das Restaurant bis auf Weiteres geschlossen bleibt.


Öffnungszeiten (Stand: 2017)

Der Bismarckturm ist derzeit geschlossen.


Links

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Restaurant am Bismarckturm Hameln


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 190
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von HAMELN (Niedersachsen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 165 "Bismarck-Feuersäule bei Hameln", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes; 1. Jahrgang 1903 (Nr. 2, S. 3), 3. Jahrgang 1905 (Nr. 8, S. 9), 4. Jahrgang 1906 (Nr. 4, S. 60; Nr. 7/8, S. 112), 7. Jahrgang 1909 (Nr. 1, S. 16; Nr. 5; S. 82; Nr. 9/10, S. 158/159), 9. Jahrgang 1911 (Nr. 7, S. 132), 11. Jahrgang 1913 (Nr. 2, S. 27)


Fotografen

- Lars Lenzner, Hückeswagen (Juni 2006)
- Ralph Männchen, Dresden, (Oktober 2008)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (November 2008)