Update: 18.02.2015

Der Feueraussichtsaltar auf dem Toppe
Der Bismarckstein in Göttingen

Bereits am 01.04.1895 wurde Otto von Bismarck als Ehrenbürger der Stadt Göttingen im Thorner Park eine Eiche zum 80. Geburtstag gepflanzt und ein Gedenkstein aufgestellt (Eiche wurde 2004 gefällt, im gleichen Jahr Neupflanzung). Am 18.06.1892 wurde der Bismarckturm in Göttingen eingeweiht, die Bismarck-Feuersäule (Feuer-Aussichtsaltar) auf dem Toppe folgte im Jahr 1903. Das Haus "Am Wall", Bismarcks Wohnung ("Bismarckhäuschen") als Student in Göttingen, erhielt eine Gedenktafel und wurde im Jahr 1931 als Bismarck-Gedenkstätte umgebaut.


Bauplanung

Aufgrund des Aufrufes der deutschen Studentenschaft zur Errichtung von Bismarck-Feuersäulen fand am 19.06.1899 im Stadtpark Göttingen eine Studentenversammlung statt, um über den Bau einer Feuersäule zu beratschlagen. Federführend war hierbei der VDSt Göttingen. Trotz einiger Gegenstimmen (131 Gegenstimmen, 149 Pro-Stimmen), insbesondere wegen des 1896 eingeweihten Bismarckturmes als bereits vorhandene Bismarck-Ehrung sowie Kritik der Burschenschaft Germania, der Concordia und des Mathematischen Vereins sollte der Bau ausgeführt werden. Letztendlich sprachen sich 23 von seinerzeit 30 existierenden Göttinger Korporationen der Studentenschaft für den Bau aus.

Am 27.07.1899 wurde ein Agitationskomitee gegründet, die entdgültige Entscheidung fiel am 31.07.1899 bei einer weiteren Studentenversammlung im Stadtpark.

Ein zu diesem Zweck gegründeter studentischer Ausschuss beschloss am 06. Dezember 1899, einen Bismarck-Feueraltar zu errichten. Da Göttingen bereits über einen Bismarckturm ohne Befeuerungsmöglichkeit verfügte, entschloss man sich für den Bau eines turmähnlichen Feueraltars.

Am 10.12.1899 teilte der Rektor der Universität, Prof. Dr. Johannes Merkel, dem Bürgermeister Georg Clasow den Beschluss der Studentenschaft mit. Noch im gleichen Monat fand auf Einladung des Bürgervorsteher-Kollegiums einen gemeinsame Sitzung der städtischen Kollegien statt, welches diesem Vorhaben zustimmte. Die Stadt Göttingen überwies dem studentischen Ausschuss Anfang 1900 insgesamt 500 Mark für den Bau der Feuersäule unter der Bedingung, dass die Säule in der Nähe der Stadt errichtet würde. Die Bürgerschaft in Göttingen gründete ein eigenes Komitee.

Die ersten Vorbereitungen wurden getroffen, u.a. wurden eine Spenden-Sammelstelle eingerichtet. Eine Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes setzte sich mit dem studentischen Ausschuss in Verbindung.

Am 16.02.1900 bildete sich der „Verein zur Erbauung einer Bismarcksäule in Göttingen“ unter Vorsitz von Prof. Dr. Merkel aus Göttingen. Die fünf Mitglieder des studentischen Ausschusses wurden neben dem Prorektor in den ständigen Vorstand gewählt. Dazu kamen sieben weitere Göttinger Bürger in den Vorstand. Dieses bürgerliche Gremium sollte jährlich ausgewechselt werden. Als Vereins-Mitgliedsbetrag wurden 2 Mark bestimmt. Die Spendensumme betrug im Februar 1900 bereits 3.000 Mark.

Am 21.06.1900 wurde ein Bismarck-Feier im Stadtpark mit Beteiligung des VDSt durchgeführt.

Durch Spendensammlungen in der Göttinger Bürgerschaft und Beitragszahlungen des Turmbauvereins konnten innerhalb eines Jahres die erforderlichen 18.000 Mark gesammelt werden. Die Studenten wählten am 28.06.1900 als Turmstandort den Topp (Höhe des Hainbergs im Nordosten von Göttingen, 254 m über NN) aus. Zuvor hatte man auch über die Standorte „Hohe Hagen“ bei Dransfeld und „Kleine Hagen“ in der Nähe der Pfalz Grona diskutiert.

Der Entwurf wurde von Stadtbaumeister Friedrich Jenner (1863 - 1928) gefertigt. Er entschied sich für eine feueraltarähnliche Form eines Aussichtsturmes ("Druidenform"), der an einen Turmsockel erinnert, welcher sich nach allen Seiten mit mächtigen Rundbögen öffnet. Die Baukosten wurden mit 18.000 Mark veranschlagt.

Zum Besten der Bismarcksäule veranstaltete die Studentenschaft am 22.07. und 25.07.1900 Theateraufführungen. Am 24.07.1900 wurde ein Sommerfest durchgeführt.

Die Spendensumme betrug im Februar 1901 insgesamt 7.331 Mark, davon  2.054 Mark von den Studenten, 500 Mark von der Stadt und 579 Mark aus der Bürgerschaft. Der Rest der Spenden wurde durch Veranstaltungen erzielt.

Der Bauplatz auf dem Topp wurde dem Verein von der Stadt Göttingen kostenlos zur Verfügung gestellt.

Am 09.07.1901 wurde erneut ein Gartenfest zum Besten der Bismarcksäule durchgeführt.

Bis zum Frühjahr 1902 konnten 13.100 Mark an Spenden gesammelt werden, sodass der Bau des Turmes beginnen konnte. Zur Vorbereitung der Grundsteinlegung wurde ein Ausschuss gewählt. Die endgültige Ausführung der Grundsteinlegung wurde auf einer Generalversammlung am 14.06.1902 beschlossen.


Bauarbeiten

Am 21.06.1902 wurde die feierliche Grundsteinlegung im Beisein der Lehrkörper der Universität, der Studenten, des Offizierkorps und der Beamtenschaft der Stadt Göttingen durchgeführt. Nach der Festrede durch Prorektor Prof. Roethe, der Verlesung der Urkunde und der Vermauerung  des Grundsteins erfolgten die Hammerschläge durch den Vereins-Vorsitzenden Prof. Merkel, Bürgermeister Clasow, Stadtbaumeister Jenner sowie den Vorsitzenden des Studentenausschusses. Die Feier wurde im Rahmen eines Festkommerses beendet.

Die Bauausführung und -leitung oblag Rudolf Hannig aus Göttingen (nach anderer Quelle Friedrich Jenner und Maurermeister Rudolf). Als Baumaterial für den 7 m hohen Altar wurden Kalksteine aus Herberhausen sowie Granit verwendet.


Turmbeschreibung

Der ursprünglich 7 m hohe Feueraltar mit Aussichtsmöglichkeit hat einen quadratischen Grundriss (Seitenlänge 9,50 m) und erinnert an einen Turmsockel. Die Plattform ist über mehrere Außentreppen auf der Ost- und Westseite zu erreichen. Auf der Plattform wurde ein Metallbecken zur Aufnahme des Feuers installiert.

Der Turm wurde im Halbrund von sechs Pfeilern umgeben, auf denen kleine, auf vier hohen Beinen stehende Feuerbecken aufgesetzt waren. Der von den Pfeilern eingehegte Bereich, der sich nach Norden und Süden hin öffnet, sollte als Festplatz dienen.

Auf der Ostseite führt eine mittige Steintreppe mit neun Stufen bis zur offenen Rundbogen-Halle (Höhe 4,00 m) empor. Die Stufenbreite der unteren beiden Stufen beträgt 3,09 m, die weiteren (eingefassten) Stufen sind 2,52 m breit. Zu beiden Seiten führt eine Treppe rechts (nördlich) und links (südlich) mit elf 1,30 m breiten Steinstufen nach oben. Nach einem 90°-Schwenk gelangt man über 12 Stufen (Breite 1,20 m) bis direkt unter die Aussichtsplattform. Über weitere zwei Stufen (Breite 0,83 m) erreicht man die 7,15 m x 7,15 m große Plattform. Die ursprüngliche Brüstungshöhe betrug ca. 0,40 m (Gesamtstufenzahl Ostseite: 34 Stufen).

Die Treppenanlage auf der Westseite beginnt von der südlichen und nördlichen Richtung mit jeweils neun Stufen und führt dann mit 10 (auf der anderen Seite mit 12) Stufen zur Plattform und mit weiteren zwei Stufen auf diese.


Turmgeschichte

Die feierliche Einweihung erfolgte am 20.06.1903. Über 1.000 Studenten nahmen an einem Fackelzug teil, der kurz nach 21 Uhr an der Feuersäule endete. Prof. Merkel hielt die Weiherede und Oberbürgermeister nahm die Feuersäule namens der Stadt in Obhut.

Am Ende der Einweihungsfeier warfen alle Studenten ihre Fackeln auf das Becken der Säule.

Da zu den Gesamtbaukosten von 18.000 Mark immer noch knapp 5.000 Mark fehlten, fand am 04.07.1903 ein Gartenfest und ein Basar zum Besten des Baufonds statt. Die Bruttoeinnahmen betrugen 3.700 Mark. Die restlichen Baukosten wurden durch eine Erhöhung der Mitgliederbeiträge abgedeckt.

Die Feuerschalen auf dem Turm und den Pfeilern wurden in den ersten Jahren nach der Einweihung regelmäßig zu den Sonnenwendfeiern entzündet.

Am 21.06.1904 fand neben einer Bismarck-Gedächtnisfeier an der Säule ein Kommers statt. Die Säule wurde dabei befeuert.

Im Frühjahr 1906 löste sich der Bismarcksäulen-Verein nach Erfüllung seiner Aufgaben auf. Der Überschuss von 200 Mark wurde an die Stadt Göttingen überwiesen.

Ende Juli 1906 wurden von den Säulen drei Feuer-Becken entwendet. Diese konnten bei einem Metallhändler sichergestellt werden, die Diebe wurden ermittelt.

In den folgenden Jahren werden die Feuerbecken mehrfach durch in die Becken geworfene Steine beschädigt.

Im Jahr 1953 wurden bauliche Mängel festgestellt, die Bauverwaltung beantragte mehrfach finanzielle Mittel für Instandsetzungsarbeiten. Da kaum Mittel vorhanden waren, konnten nur einfache Instandsetzungsarbeiten durchgeführt werden. Der Bismarckstein wurde baufällig und die sechs umgebenden Pfeiler mussten in den 1950er Jahren abgerissen werden.

Im Sommer 1965 wurde über den Abriss des Denkmals diskutiert, um an gleicher Stelle ein Ehrenmal für alle Opfer des Nationalsozialismus seit 1933 zu errichten. Dieses Vorhaben scheiterte am Einspruch der Göttinger Bürger.

Im Jahr 1969 wurde um den Bismarckstein, der seit dieser Zeit auch „Elefantenklo“ genannt wurde, wegen Baufälligkeit ein Zaun errichtet.

Das Feuerbecken auf dem Bismarckstein wurde in den 1970er Jahren entfernt.

Im Jahr 1971 wurde in der Presse diskutiert, was mit dem baufälligen Turm geschehen sollte. Infolgedessen wurde das Bauwerk mit 5.000 DM aus Haushaltsmitteln, die für die Erhaltung des Zaunes gedacht waren, notdürftig saniert. Eine komplette Sanierung war auf 100.000 DM taxiert worden.

Im Juni 1987 war der Bismarckstein saniert und frei zugänglich. Eine neue metallen Brüstung auf der Plattform mit einer Höhe von 0,90 m war angebracht worden. Die Gesamthöhe des Bauwerkes beträft seitdem 7,50 m.

Der Aussichtsaltar wurde in den Jahren 2002 bis 2005 abschnittsweise für 15.000 EURO saniert und am 11.09.2005 wiedereröffnet.

Die Bismarcksäule war im April 2014 in gutem Zustand.


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Quellen

- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von GÖTTINGEN (Niedersachsen)
- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S.
- Bielefeld, Jörg: Maße des Bismarckturmes (April 2014, ohne Gewähr)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 3, S. 5; Nr. 4, S. 4; Nr. 5, S. 9), 4. Jahrgang 1906 (Nr. 4, S. 60/61; Nr. 12, S. 190), 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 87 "Bismarck-Feuer-Opferstein bei Göttingen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Hantscher, Cornelius: „Bismarck-Denkmäler im Raum Göttingen“, 2005 (abgerufen am 02.04.2006 im Internet, nicht mehr online, ursprünglich unter www.kaee.uni-goettingen.de)
- Zirlewagen, Marc: "Sinnbild der Einheit-Deutschlands - Die Bismarcksäule auf der Rothenburg im Kyffhäuser", S. 77-79, BoD Norderstedt, 2014


Fotografen

- Jörg Bielefeld, Remscheid (August 2004, April 2014)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (April 2011)