Update: 20.02.2015

Der Sandsteinturm auf dem Eckberg
Der Bismarckturm in Bodenwerder

Bauplanung

Bei der Einweihung des Bodoturmes auf dem Zimmertalskopf (im Vogler-Gebirge bei Kirchbrak) im Jahr 1911 beschlossen Einwohner aus Bodenwerder, Kemnade und Linse, einen Bismarckturm zu errichten. Es wurde ein Denkmalkomitee unter Vorsitz von Bürgermeister Bauers (Stellvertreter: Gemeindevorsteher Tacke aus Kemnade) gebildet. Geschäftsführer des Komitees war Kantor Theodor Reitemeyer aus Kemnade, der auch gleichzeitig Vorstandsmitglied des Fremdenverkehrsvereins Bodenwerder-Kemnade war.

Am 16.06.1911 wurde bei einer Versammlung der drei Nachbargemeinden über die Errichtung des Bismarckturmes beraten. Als Standort hatte man bereits den Eckberg (205 m über NN am rechten Weserufer in Bodenwerder-Kemnade) ausgewählt. Ein einheimischer Architekt hatte auf dieser Versammlung eine Entwurfs-Skizze vorgelegt, die allgemein zur Ausführung beschlossen wurde. In dieser Versammlung wurden bereits Beträge für den Turmbau gezeichnet.

Ingenieur Albert Lüders aus Linse erklärte sich bereit, die für den Turmbau benötigten Steine aus seinem Steinbruch kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Zunächst war der Bau eines Bismarckturm mit Bedachung geplant. Da die Kosten dafür zu hoch waren, wurde auf das Dach verzichtet.

Bis Mai 1913  waren noch nicht genug Spenden für den Turmbau zusammen gekommen, so dass im Weser-, Ith- und Leinetal zu privaten Spenden aufgerufen wurde. Doch dieser Aufruf blieb ohne Erfolg. Der Deutsch-Amerikaner Theodor Büttner spendete eine größere Geldsumme.

Die Baukosten wurden vor Grundsteinlegung auf 4.000 Mark geschätzt.

Am 22.06.1913 wurde der Grundstein für den Turm im Rahmen einer Feier gelegt.

Die Gesamtkosten für den Turm (ohne Material- und Fuhrkosten) betrugen letztendlich 5.500 Mark.


Bauarbeiten

Als ausführender Architekt wurde Christian Füg aus Elberfeld beauftragt. Die Bauausführung erfolgte durch Bauunternehmer Bertram aus Halle.

Als Baumaterial wurde roter Sollingsandstein aus den Steinbrüchen des Ingenieurs Lüders aus Linse verwendet. Die Steine wurden von Landwirten mit Fuhrwerken zum Bauplatz gebracht.


Turmbeschreibung

Der  13 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungseinrichtung ist ein trutzig wirkendes viereckiges Bauwerk mit einer Terrasse, die fast drei Seiten des Turmes umschließt.

Den Eingangsbereich (Terrassenanbau) erreicht man über einen seitlichen Aufgang (Südseite) mit insgesamt elf Steinstufen.

Über dem Türsturz ist in gotischer Schrift die Inschrift

"Bismarck, /
dem Schöpfer des Deutschen Reiches/
1913."

zu lesen.

Darüber ist ein Bismarck-Medaillon aus weißem Sandstein, hergestellt von Bildhauer Wilhelm Sagebiel aus Braunschweig, angebracht.

Der Turmschaft verjüngt sich bis in eine Höhe von ca. 9 m, um dann wieder in kleinen Abstufungen nach oben hin breiter zu werden.

Die Aussichtsplattform ist noch heute über eine Innentreppe (linksdrehend) mit 58 Steinstufen erreichbar.

Auf der Plattform ist eine Feuerschale (auf drei Metallbeinen) angebracht, die mit Teer, Pech und gepresster Holzwolle befeuert wurde.


Turmgeschichte

Am 21.09.1913 wurde das Bauwerk nach viermonatiger Bauzeit im Rahmen einer Feier eingeweiht. Kantor Reitemeyer begrüßte die anwesenden Gäste, die Festrede hielt Bürgermeister Bauers aus Bodenwerder. Vorsteher Sagebiel übernahm den Bismarckturm im Namen der Gemeinde Linse.

Da sich die Baukosten von 4.000 Mark auf 5.500 Mark erhöht hatten, sollten die fehlenden Mittel durch eine Lotterie aufgebracht werden. Das Herzogturm Braunschweig und der Regierungsbezirk Hannover genehmigten die Durchführung der Lotterie.

Die eiserne Feuerschale wurde erst nach Einweihung des Turmes aufgesetzt.

Im Jahr 1916 kam es in der Nähe des Bismarckturms zu einem Bergrutsch, bei dem das Bauwerk nicht beschädigt wurde.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Turm durch einen Artillerietreffer beschädigt. Der Schaden wurde kurzfristig ausgebessert.

Ab 1972 (Eingemeindung der Orte Kemnade und Linse) wurden die Unterhaltung des Turmes und die Pflege der Zuwege von der Stadt Bodenwerder und dem Verkehrsverein Bodenwerder-Kemnade e.V. übernommen.

Die Feuerschale war im November 2008 noch erhalten.

Zum 100-jährigem Turmjubiläum am 21.09.2013 führte die Stadt Bodenwerder eine Fest-Veranstaltung durch.


Öffnungszeiten

Das Bauwerk ist ganzjährig geöffnet.


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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 70-71
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von BODENWERDER (Niedersachsen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 45 "Bismarck-Feuersäule zu Linse bei Bodenwerder-Kemnade", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 9. Jahrgang 1911 (Nr. 8, S. 52), 11. Jahrgang 1913 (Nr. 6/7, S. 95; Nr. 11/12, S. 169), 12. Jahrgang 1914 (Nr. 4/5, S. 52)"


Fotografen

- Ralph Männchen, Dresden (April 2004, Oktober 2008)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (November 2008)
- Lars Lenzner, Hückeswagen (April 2009)