Update: 20.02.2015

Bismarckturm mit Waldgaststätte
Der Bismarckturm in Bad Lauterberg

Bauplanung

Bereits in den Jahren 1894/1895 wurde der Wunsch laut, auf dem 536 m hohen Kummel einen massiven Turm zu errichten. Der im Jahr 1847 von Oberförster Drechsel erbaute hölzerne Aussichtsturm in Form eines Pavillons war zu dieser Zeit bereits baufällig geworden.

Am 11.11.1902 wurde am Stammtisch im Hotel Langrehr in Bad Lauterberg eine Sammlung zum Bau eines Aussichtsturmes vorgeschlagen.

Der Harzklub Zweigverein Lauterberg unter Vorsitz von Sanitätsrat Dr. med. August Tischmann trat am 20.10.1903 zusammen, um konkret über den Bau eines massiven Turmes zu beraten. Der marode hölzerne Kummelturm war zu dieser Zeit für Besucher gesperrt. Nach Gesprächen mit dem Forstfiskus (Eigentümer des Kummelturmes), welcher keinen neuen Turm errichten wollte, erteilte dieser dem Harzklub-Zweigverein die Erlaubnis für einen Neubau.

Die Baukosten für den Turm wurden auf 4.000 Mark veranschlagt. Das Kollegium des „Fleckens Lauterberg“ bewilligte einen Zuschuss von 750 Mark für den Turmbau, der massiv aus Stein und zu Ehren Bismarcks errichtet werden sollte.

Es bildete sich unter Vorsitz von Dr. Tischmann ein "Bauausschuss für den Bismarck-Turm". Am 22.11.1903 teilte Dr. Tischmann in einer Versammlung des Harzklub-Zweigvereins mit, dass durch private Sammlungen bisher 1.085 Mark an Spenden zusammengekommen waren. Auf der Sitzung wurde beschlossen, den Bismarckturm im Namen des Harzklubs-Zweigvereins zu übernehmen und beim Harzklub einen Beitrag zum Baufonds zu beantragen.

Zum Besten des Baufonds wurden auch Ansichtskartenmotive des Bauwerks verkauft.

Bis Anfang 1904 waren 4.100 Mark an Spenden gesammelt worden. Am So., 10.04.1904 ab 15:30 Uhr wurde eine einfach gehaltene Grundsteinlegung durchgeführt. Bürgermeister von Ernsthausen sprach das Kaiserhoch, Dr. Tischmann verlas die Grundsteinurkunde, die anschließend zusammen mit anderen Gegenständen (u.a. Bauzeichnung und Sammellisten) in eine Kupferkapsel gelegt wurde.

Die Gesamtkosten von 7.250 Mark für den Turmbau wurden durch freiwillige Beiträge und mehrere Spendensammlungen finanziert.


Bauarbeiten

Der Turm wurde nach einem Entwurf von Maurermeister Kothe aus Bad Lauterberg aus Porphyr- und Ziegelsteinen erbaut. Die benötigten Porphyrsteine wurden in unmittelbarer Nähe des Bauwerkes gebrochen. Für die Verzierung und die Bekrönung des Turmes wurden rote Ziegelsteine verwendet.

Die Ausführung der Bauarbeiten übernahm Maurermeister Walter Nagel aus Bad Lauterberg. Die Schlosserarbeiten führte Schlossermeister Rotschuh durch.

Nach drei Monaten Bauzeit war der Turm vollendet.


Turmbeschreibung

Der 15 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit hat einen quadratischen Grundriss von 6,00 m x 6,00 m. Das Bauwerk gliedert sich in drei jeweils etwa 5 m hohe Elemente.

Erdgeschoss

Über eine Freitreppe mit drei Stufen ist die Eingangsebene auf der Westseite oberhalb einer 0,50 m hohen Podeststufe zu erreichen. Das Eingangsportal ist seitlich mit leicht hervorstehenden Ziegelsteinen mit jeweils drei seitlichen Aussparungen verziert. Im Giebel des Portals enden diese Außenverzierungen in drei dachartigen Spitzen in Form eines Dreizacks. Durch eine Metalltür gelangt man ins Innere des Turmes.

Das 5 m hohe Erdgeschoss verjüngt sich leicht nach oben hin und ist mittels einer schmalen dreifachen Stufung (Ziegelsteinbänder) optisch vom Mittelgeschoss getrennt.

Mittelgeschoss

Das 5 m hohe Mittelgeschoss verläuft in leicht bikonkaver Krümmung nach oben. Als Schmuckelement wurde auf der Eingangsseite mittig ein bronzenes Bismarck-Relief (1,40 m hoch, 0,80 m breit, gefertigt in der Bronzegießerei von Gladenbeck in Berlin-Friedrichshagen) angebracht.

Das Mittelgeschoss schließt mittels einer dreifachen Stufung und einem Fries nach oben hin ab.

Aussichtsgeschoss

Das Aussichtsgeschoss verläuft ebenfalls in leicht konkaver Krümmung nach oben.

Der Turmschaft kragt in etwa 13,50 m Höhe oberhalb eines Frieses aus (Zinnenbrüstung). In Höhe von 12,50 m ist ein schmaler Fensterschlitz im Turmschaft eingelassen.

Über 60 Steinstufen und eine 11-stufige Wendeltreppe aus Eisen gelangt man zur Aussichtsplattform mit einer Grundfläche von 4,00 m x 4,00 m. Der Ausstieg liegt in der Mitte der Plattform.

Auf der Aussichtsplattform wurden schmiedeeiserne Feuerpfannen mit Seitenlänge von 1,50 m installiert. Die Kosten dafür betrugen 80 Mark. Befeuert wurde der Turm mit Kieselgur, welches mit Petroleum und Benzin zu gleichen Teilen vermischt wurde. Die Brenndauer betrug eine Stunde bei einer Flammenhöhe von 3-5 m.


Turmgeschichte

Die Einweihungsfeier fand am 19.07.1904 ab 15:30 Uhr auf dem Kummel statt. Bürgermeister von Ernsthausen begrüßte die Festteilnehmer von den Stufen des Turmeingangs und hielt eine Ansprache, Dr. Tischmann hielt die Festrede. Danach erfolgte die Turmbesteigung in Gruppen zu je zwanzig Personen. Nach Eintritt der Dunkelheit wurde das erste Feuer auf dem Turmkopf entzündet.

Die Besteigung des Turmes kostete 10 Pfennig.

Seit dem 28.08.1938 wurde rechts vom Eingang eine Gedenktafel in Bronze mit Inschrift für den im Jahre 1914 verstorbenen Dr. August Tischmann enthüllt (heute ist die Gedenktafel links vom Eingang angebracht). Die Gedenktafel wurde nach dem Entwurf der Tochter des Verstorbenen, Elisabeth Tischmann, in Berlin aus Bronze gegossen und trägt zwei Inschriften.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs nutzten deutsche Soldaten den Turm als Beobachtungsposten. Dem Gastwirt der Kummelbaude, A. Müller, gelang es, den Amerikanern eine Sprengung des Bismarckturmes auszureden. Zudem versteckte er deutsche Soldaten im Turm.

Unmittelbar nach dem Krieg verwüsteten Fremdarbeiter, u.a. aus Lagern frei gelassene Russen, die Umgebung des Turmes. Die Feuerpfannen wurden vor Juni 1987 entfernt.

Zwischen 1984 und Juni 1987 brannte die Kummelbaude („Gaststätte Bismarckturm“) aus. Im Juni 1987 war der Bismarckturm verschlossen.

Der Turm wurde ca. im Jahre 2000 saniert. Der Giebel des Eingangsportals sowie die dreifachen Stufungen zwischen den Bauelementen wurden bei dieser Maßnahme durch Metallbänder abgedeckt.

Im Juli 2004 wurde der Bismarckturm in Bad Lauterberg 100 Jahre alt. Am 17.07.2004 veranstaltete der Harzklub-Zweigverein Bad Lauterberg ein Jubiläumsfest.

Links im Turm am Eingang wurde eine Tafel mit folgender Inschrift eingelassen:     

„BISMARCKTURM/
Erbaut vom Harzklub-Zweig-/
verein Bad Lauterberg 1904/
Höhe über NN 536 m/
Turmhöhe 15 m

Eigentümer des Turmes ist der Harzklub-Zweigverein Bad Lauterberg im Harz.


Öffnungszeiten

Zu den Betriebszeiten der Waldgaststätte ist der Turm geöffnet (täglich von 09:00 - 20:00 Uhr, kein Ruhetag, Stand: Februar 2015).


Links

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Waldgaststätte Bismarckturm Bad Lauterberg


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 244-245
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von BAD LAUTERBERG (Niedersachsen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 103 "Bismarck-Feuersäule bei Bad Lauterberg-Harz", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes; 2. Jahrgang 1904 (Nr. 6, S. 3; Nr. 9, S. 2 u. Nr. 11-12, S. 9), 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)


Fotografen

- Jörg Bielefeld, Remscheid (Juni 2001)
- Ralph Männchen, Dresden (Oktober 2005)
- Albrecht Behrends, Bochum (April 2011)