Update: 20.01.2016

Die umgesetzte Bismarcksäule
Der Bismarckturm in Rostock

Vorbemerkungen

Diese von der Studentenschaft Rostock angeregte Bismarcksäule wurde nach dem preisgekrönten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis gebaut.


Bauplanung

Im Dezember 1898 regten Professor Dr. Barfurth, Vorsitzender des Ausschusses der deutschen Studentenschaft und Professor Dr. Falkenberg, Rektor der Universität Rostock, den Bau einer Bismarcksäule für Rostock an.

Die Studentenschaft gründete ein Bismarckturm-Komitee unter Vorsitz von Professor Dr. Barfurth. Die Kosten wurden auf 6.000 Mark veranschlagt.

Bereits im Sommer 1899 war der Baufonds auf 1.871 Mark gestiegen.

In mehreren Buchhandlungen der Stadt Rostock wurden die Bismarcksäulen-Entwürfe ausgestellt. Der Akademische Gesangsverein führte ein Konzert zum Besten der Bismarcksäule durch.

Am 30.05. und 31.05.1900 fanden zu Gunsten der Errichtung des Turmes Festspiele statt, zu denen auch das Großherzogspaar von Mecklenburg-Schwerin eingeladen wurde (waren aber verhindert). Die Festspiele brachten insgesamt 2.200 Mark für den Bau des Turmes ein.

Die Hospitaladministration stellte einen Bauplatz auf der Bismarck-Höhe (heute Südende der Schillingallee) kostenlos zur Verfügung. Es handelte sich um den höchsten Punkt des Barnstorfer Wäldchens (Barnstorfer Anlagen).

Am 21.06.1900 wurde der Grundstein der Säule gelegt, abends fand ein Kommers der Studenten- und der Bürgerschaft statt.

Im Frühjahr 1901 hielt der Archäologe Friedrich Freiherr Hiller von Gaertringen (1864 – 1947) einen Vortrag zum Besten der Bismarcksäule.

Die Baukosten in Höhe von 6.947 Mark wurden durch Spendensammlungen in der Rostocker Bürgerschaft, Vorträge in der Universität und Aufführungen der Studenten im Stadttheater finanziert.


Bauarbeiten

Die ausführenden Bauleiter der Säule waren Stadtbaudirektor Gustav Dehn und danach Maurermeister Ludwig Berringer, die beide unentgeltlich arbeiteten. Maurermeister Carl Heinig aus Rostock besorgte die Aufstellung.

Als Baumaterial wurde sächsischer Granit von den Granitwerken C.G. Kunath aus Dresden ausgewählt.

Die 200 kg schwere Feuerschale wurde in der Neptunswerft in Rostock hergestellt. Befeuert wurde diese mit Torf, der pyramidenförmig in der Feuerschale aufgeschichtet und mit Petroleum getränkt wurde.

Anfang 1901 konnte der Bau der Bismarcksäule beendet werden.


Turmbeschreibung

Die acht Meter hohe Feuersäule ohne Aussichtsfunktion hat ein dreistufiges quadratisches Podest als Basis.

Auf den Podeststufen erhebt sich der quadratische Turmsockel.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit zweistufigem Oberbau zusammengehalten werden.

Auf dem Turmkopf wurde die runde, metallene Feuerschale installiert.

Als einzigen Schmuck trug die Säule auf der Südseite ein Reichsadlerrelief mit Bismarck-Wappen, welches in der Granitschleiferei des Maurermeisters Carl Heinig in Rostock angefertigt wurde.


Turmgeschichte

Bei der feierlichen Einweihung der Säule am 21.06.1901 wurde dem Ausschuss der Studentenschaft Rostocks seitens der Stadtverwaltung „für ewige Zeiten“ das Recht eingeräumt, an bestimmten Tagen die Feuersäule zu beflammen. Trotz Einladung nahm der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin Friedrich Franz IV. (1882 – 1945) nicht an der Einweihungsfeier teil.

Die Säule war Eigentum der Universität Rostock.

In den ersten Jahren wurde die Bismarcksäule jeweils zur Sommersonnenwende am 21.06. befeuert.

Im Frühjahr 1935 wurde die Säule von Baumeister Hermann Kasch aus Rostock komplett abgetragen und auf den Sedanplatz umgesetzt.

Da dieser Platz jedoch Bestandteil des Zoos wurde, wurde die Säule im Rahmen einer Zoo-Erweiterung im Jahr 1956 endgültig abgerissen.


Links

Google Maps

Google Earth


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 337-338
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von ROSTOCK (Mecklenburg-Vorpommern)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 42 "Bismarck-Feuersäule zu Rostock", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 5. Jahrgang 1907 (Beilage: Die Bismarck-Feuersäule)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, "Die Bismarck-Säule (Architekt Kreis) zu Rostock“


Bildmaterial

- historische Ansichten: Archiv J. Bielefeld, Remscheid