Update: 20.02.2015
Bismarcksäule vs. Olympiasäule
Die Bismarcksäule in Greifswald

Vorbemerkungen

Die Bismarcksäule in Greifswald wurde als erste aller 47 Bismarcksäulen nach dem von der deutschen Studentenschaft preisgekrönten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis am 23.06.1900 eingeweiht.


Bauarbeiten

Bereits im Herbst 1898, unmittelbar nach Bismarcks Tod, gründete die Greifswalder Studentenschaft unter Vorsitz von Professor Dr. J. Rehmke ein Komitee zur Errichtung einer Bismarcksäule.

Zur Finanzierung der Säule wurden Aufführungen zum Besten der Bismarcksäule veranstaltet. Die Vereine deutscher Studenten (VDSt) nahmen im Wintersemester 1899/1900 am Schauspiel "Kolberg" von Paul Heyse teil.

Bis Ende 1899 waren alle Vorarbeiten erledigt. Am 20.01.1900 genehmigte der preußische Kulturminister die Errichtung der Säule. Als Standort war der Epistelberg, 1 km östlich der Stadt, ausgesucht worden. Der Baugrund gehörte dem Gut Eldena, das Eigentum der Universität Greifswald war.

Die Gesamtbaukosten für die Feuersäule betrugen ca. 8.500 Mark.

Die Studenten (3.600 Mark) sowie die Dozenten und ehemalige Studenten (2.700 Mark) brachten insgesamt 6.300 Mark für den Turmbau auf. Das Komitee stellte bei der Stadt Greifswald für die fehlende Summe einen Antrag zwecks Beihilfe über 2.000 Mark.

Das Bürgerschaftliche Kollegium bezuschusste die Bismarcksäule mit weiteren 500 Mark, nach einem erneuten Antrag wurden weitere 500 Mark gezahlt.

Am 04.03.1900 wurde die Grundsteinlegung durchgeführt. Nach Beginn der Bauarbeiten wurde ein Ausschuss für die Leitung der Weihefeier gegründet.


Bauarbeiten

Am 28.03.1900 wurde mit dem Bau der Säule begonnen.

Als Baumaterial wurden Granitfindlinge verwendet, von denen 75 % kostenlos zur Baustelle geliefert wurden.

Die Oberleitung des Baus oblag Professor Wilhelm Kreis selbst, ausführender Architekt und Baumeister war Heinrich Spruth aus Greifswald.

Mitte April 1900 war das Fundament fertig gestellt, Anfang Juni 1900 war die Feuersäule vollständig errichtet.


Turmbeschreibung

Die Säule ist auf einem 96 m x 50 m großen Bauplatz errichtet worden, welcher gärtnerisch ausgestaltet und mit Ruhebänken versehen wurde.

Als Basis der 10 m hohen Bismarcksäule als Feuersäule ohne Aussichtsfunktion dient ein zweistufiges rechteckiges Podest.

Die untere Podeststufe ist 7,15 m (Nord-Süd) x 7,50 m (West-Ost), die obere Stufe 5,65 m x 6,00 m breit.

Darauf erhebt sich der quadratische Turmsockel mit einer Kantenlänge von 4,20 m x 4,20 m.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit dreistufigem Oberbau zusammengehalten werden.

Auf dem Turmkopf wurde eine eckige schmiedeeiserne Feuerschale mit einer Seitenlänge von 1,50 m installiert. Als Befeuerungsmaterial diente klein gespaltenes Holz, welches in kleinen Bündeln von zehn Stück mittels Eisenband zusammengebunden und in Teer getränkt wurde. Der Turmkopf konnte über außen an der Nordseite des Turmes angebrachte Krampen bestiegen werden. Die unteren Krampen steckten in Ösen und konnten herausgenommen werden.

Als einziger Schmuck ist mittig zwischen den Dreiviertelsäulen (zur Straße hin) eine Bronzeplatte mit stilisiertem Reichsadler und Bismarck-Wappen als Herzschild angebracht. Gefertigt wurde dies in der Greifswalder Eisengießerei von Prollins und Burmeister. Am unteren Rand der Platte war die Zahl "MCM" angebracht.


Turmgeschichte

Am Abend des 23.06.1900 wurde die erste Kreis‘sche Bismarcksäule mit einem Fackelzug (400 Studenten) unter Leitung der VDSt feierlich eingeweiht. Die Feuerschale auf dem Turmkopf wurde erstmals entzündet. Am 24.06.1900 wurde ein Festkommers im Konzerthaus durchgeführt.

Am 22.06.1901 übernahm die Universität die Säule in ihren Schutz.

Zur Sonnenwendfeier führte die Studentenschaft jährlich einen Fackelzug zur Bismarcksäule durch. Die Befeuerung der Bismarcksäule ist nur bei den Sonnenwendfeiern in den Jahren 1905 und 1907 belegt. Am 01.04.1906 wurde ein Kranz zum 91. Geburtstag Otto von Bismarcks an der Säule niedergelegt. Zwischen 1908 und 1910 fand keine studentische Bismarckfeier an der Säule statt, da in Greifswald in diesem Zeitraum kein allgemeiner Studentenausschuss bestand.

Die ersten Sanierungsarbeiten am Bauwerk wurden im Jahr 1911 durchgeführt. Am 09.12.1911 fand nach jahrelanger Pause wieder ein Fackelzug zur Säule mir Bismarckfeier statt, im Folgejahre wurde die Feier am 30.11.1912 durchgeführt.

Zwischen 1946 und 1950 wurde die Bronzeplatte an der Säule entfernt.

Am 05.07.1960, nach einem Rats-Beschluss vom 30.06.1960 nach Antrag des Kreisvorstandes Greifswald des Deutschen Turn- und Sportbundes wurde die Bismarcksäule anlässlich der Ostseewoche in Olympiasäule umbenannt. Am Turm wurde nun ein Flach-Relief aus Kunstkalkstein mit Olympiamotiv angebracht, welches von Bildhauer Prutz aus Greifswald gefertigt worden war.

Im Jahr 1989 war die Verfugung der Säule zum großen Teil ausgewaschen, auf dem Turmkopf wuchsen Sträucher.

Am 07.03.1991 wurde die Säule nach einer Sitzung der Bürgerschaft auf mündlichen Antrag des Kulturausschusses wieder in Bismarcksäule zurückbenannt.

Im Juli 1992 war das Olympiamotiv an der unteren rechten Seiten beschädigt, kleinere Ausbesserungsarbeiten am Bauwerk waren durchgeführt worden.

Das Olympiamotiv wurde im ersten Halbjahr 1997 entfernt.

Im Jahr 2004 gab es hinsichtlich der Studentenschaft Bestrebungen, ein neues Relief mit Reichsadler, welches sich an das Motiv des ehemaligen Reliefs anlehnt, einzusetzen. Bis Februar 2015 wurde kein neues Relief angebracht.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 172/173
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von GREIFSWALD (Mecklenburg-Vorpommern)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 19 "Bismarck-Feuersäule zu Greifswald", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, "Die Bismarck-Säule (Architekt Kreis) zu Greifswald"
- Zirlewagen, Marc: "Sinnbild der Einheit-Deutschlands - Die Bismarcksäule auf der Rothenburg im Kyffhäuser", S. 80-81, BoD Norderstedt, 2014


Bildmaterial

- historische Ansichten: Archiv J. Bielefeld, Remscheid
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Mai 2007)
- Albrecht Behrends, Bochum (Juni 2009)


AK-Motiv Bismarcksäule Greifswald
Foto Bismarcksäule Greifswald Juli 2007 [Fotograf: J. Bielefeld, Menden]