Update: 15.04.2015

Vom Wartturm zum Bismarckturm
Der Bismarckturm in Wetzlar

Bauplanung

Der Bau dieses Bismarckturmes wurde vom damaligen Landrat des Landkreises Wetzlar, dem Geheimen Finanzrat Dr. Adolf Goedecke, anlässlich einer Bismarck-Geburtstagsfeier in der Kasinogesellschaft zu Wetzlar am 01.04.1898 angeregt (andere Quellen geben Joseph Raab aus Wetzlar als Ideengeber an).

Landrat Dr. Goedecke griff den Plan, einen Bismarckturm in Wetzlar zu errichten, im April 1900 in einer Versammlung des Alldeutschen Verbandes wieder auf.

Daraufhin wurde ein geschäftsführender Ausschuss zur Errichtung einer Bismarck-Warte unter Vorsitz des Direktors der Kreissparkasse und Landtagsabgeordneten Peter Schlabach aus Wetzlar gegründet.

Als Standort wählte man den Lahnberg oberhalb der Stadt Wetzlar. Auf dem Lahnberg stand ein alter, aber noch gut erhaltener Wartturm (Wöllbacher- oder Garbenheimer Warte), der zu einem Bismarckturm umgebaut werden sollte. Die Stadt Wetzlar stellte die Warte für den Umbau zur Verfügung, die Behörden des Kreises und der Provinz stimmten dem Umbau zu.

Durch Spenden konnten die Baukosten von ca. 5.500 Mark innerhalb kurzer Zeit aufgebracht werden. Die Buderus’schen Eisenwerke beteiligten sich mit einer Spende von 800 Mark. Die weiteren Kosten wurden durch Spenden der Bürgerschaft, der Kreiseinwohner und Bismarck-Verehrern bestritten. Durch preisgünstige Lieferungen der beteiligten Firmen konnten die Umbau-Baukosten sehr niedrig gehalten werden.


Bauarbeiten (Umbau)

Die Bauausführung erfolgte ab Frühjahr 1901 durch die Baufirma August Nicolai aus Wetzlar.

Die Umgestaltung erfolgte nach Plänen des Kreisbaumeisters Witte aus Wetzlar, der auch die Bauleitung übernahm.

Als Baumaterial verwendete man Basalt-Bruchsteine, die teilweise kostenlos von der Firma Oscar Graff geliefert wurden, sowie Kalksteine.

Die Eisenteile lieferte die Firma Gebr. Röchling aus Saarbrücken.


Turmbeschreibung

Der 18 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit behielt nach dem Umbau seinen wehrhaften und mittelalterlichen Wartturm-Charakter. Der hochliegende Eingang konnte ursprünglich nur über Außenleitern erreicht werden. Eine seitliche angebaute Außentreppe windet sich bis zum  spitzbogigen Eingangsbereich und bildet dort einen kleinen Altan. Unterhalb des Altans ist an der Außenseite die Inschrift (Gedicht von Rektor Luerssen)

"Schier ein halbes Jahrtausend/
steh' ich auf ragender Höhe.
Kündete treulich der Stadt/
wenn sich der Feind ihr genaht.
Jetzt auf höherer Warte ver-/
künd ich flammend dem Reiche:
Sieghaft dauert das Werk,
/sank auch der Meister ins Grab.
/1901
"

angebracht. Oberhalb des Eingangsbereich wurde ein Bismarck-Wappen, eingerahmt von der Inschrift

"Unserm/
BISMARCK
"

eingelassen.

Über die Außentreppenanlage mit 24 (5 + 19) Steinstufen erreicht man den Eingang. Beim Umbau wurde eine neue Wendeltreppe eingebaut. Seitdem ist der Turmumgang über 37 (17 + 20) Steinstufen des inneren Treppenhauses erreichbar.

Auf der leicht auskragenden zinnenbekrönten Aussichtsplattform erhebt sich mittig der hoch herausragende Feuerschalen-Aufsatz, der auf einer Seite mit einer stufenartig hochgemauerten Zinne und einem Steg verbunden ist.

Auf den Aufsatz wurde ein Feuerkorb fest eingemauert, der von der Firma Gebr. Röchling aus Saarbrücken angefertigt worden war. Der Turm wurde an bestimmten Tagen mit Scheitholz und Petroleum befeuert.


Turmgeschichte

Nach einem guten halben Jahr (Um-)Bauzeit konnte der Bismarckturm am 18.10.1901 feierlich eingeweiht werden. An der  Einweihungsfeier nahmen Mitglieder des Ausschusses, geladene Gäste, Vereine und Schulen und zahlreiche weitere Zuschauer teil. Es wurden Festreden von Landrat Dr. Wilhelm Sartorius, Pfarrer Gründer, dem Landtagsabgeordneten Peter Schlabach sowie dem Bürgermeister Otto von Zengen abgehalten.

Baumeister Witte übergab den Turmschlüssel an den Vorsitzenden des geschäftsführenden Ausschusses, Peter Schlabach. Dieser dankte allen am Umbau Beteiligten und übergab den Schlüssel an Bürgermeister Otto von Zengen als Vertreter der Stadt Wetzlar.

Nach Einbruch der Dämmerung wurde – wie schon am 18.10.1814 zur Feier der Schlacht bei Leipzig auf der alten Wöllbacher- oder Garbenheimer Warte - das Bismarck-Feuer auf dem Turmkopf entzündet.

Im Jahr 1961 wurden Sanierungsarbeiten am Bismarckturm durchgeführt.

Zwischen Juli 2001 und Mai 2004 wurde am Turm eine Inschrifttafel angebracht.

Ende Juli 2013 wurde der Bismarckturm für Besucher gesperrt, da sich am Mauerwerk ein Stein gelöst hatte. Das Bauwerk war im Frühjahr 2015 immer noch gesperrt, eine Sanierung ist bisher nicht erfolgt.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 406/407
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM (-WARTE) von WETZLAR (Hessen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 55 "Bismarck-Feuersäule zu Wetzlar", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 5. Jahrgang 1907 (Beilage: Die Bismarck-Feuersäule)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, Nr. 114a "Der Bismarck-Turm zu Wetzlar"
- Lindenthal, Bernd: „Auch die Wetzlarer setzten dem „Eisernen Kanzler“ ein Denkmal“, Special Heimatgeschichte auf www.lahn-dill.de vom 14.10.2001


Bildmaterial

- Ralph Männchen, Dresden (Mai 2004)
-
Jörg Bielefeld, Remscheid (April 2008)
- Christian Gerloff, Jena (Oktober 2011)
- Karina Scheld, Siegen (April 2015)