Update: 29.05.2016

Die Warte auf der Litzelröder Höhe
Die Bismarckwarte in Lindenfels

Bauplanung

Der Bau dieser Bismarck-Warte wurde am 22. Mai 1903 vom Kirchenrat Freienseheer und Bürgermeister Schnellbächer angeregt. Mitglieder der Odenwald-Klub-Sektion, des Verschönerungsvereins und der Stadtverwaltung bildeten darauf einen Ausschuss zur Errichtung einer Bismarck-Warte. Die Bismarcksäule sollte den 1896 errichteten Tempel auf der Litzelröder Höhe ersetzen.

Als Turmstandort wurde die Litzelröder Höhe (452 m über NN) festgelegt.

Die Gesamtkosten von 9.000 Mark wurden durch Spendensammlungen finanziert. Zum Besten der Bismarckwarte wurden ein Basar sowie auch „Volksfeste auf der Burg Lindenfels“ durchgeführt.

Entworfen wurde der Bismarckturm von Prof. Ferdinand Luthmer aus Frankfurt am Main. Dieser entwarf das Bauwerk zunächst mit einer Feuerschale. Über diesen Entwurf bestimmte die Vorstände des Verschönerungsvereins und des Odenwaldklubs, Sektion Lindenfels. Von einer Befeuerungsmöglichkeit auf dem Turm wurde aus unbekannten Gründen abgesehen.


Bauarbeiten

Die Grundsteinlegung erfolgte am 01. Mai 1906, direkt danach starteten die Bauarbeiten.

Die Bauausführung übernahm das Baugeschäft Georg Schnellbächer aus Lindenfels (nach anderer Quelle: Maurermeister Adam Pfeifer).

Als Baumaterial für die Bismarckwarte wurden Granit- und Syenitsteine verwendet.


Turmbeschreibung

Der Bismarckturm Lindenfels als Aussichtsturm ohne Befeuerungsmöglichkeit wurde auf einer quadratischen Terrassenanlage mit einer Seitenlänge von 12,30 m errichtet. Dieses Plateau fällt in Richtung Westen um bis zu zwei Meter ab und ist an allen vier Ecken durch winkelförmige Eckmauerstücke (2,00 m x 2,00 m, Höhe 1,04 m, Breite 0,70 m) eingefasst.

Die Eckmauerstücke selbst sind, abgetrennt durch jeweils drei Pfeiler (Höhe 1,04 m, Breite 0,25 m x 0,25 m, auf der Ostseite zwei Pfeiler) durch Relinggeländer mit jeweils zwei waagerechten Rundstäben verbunden. Auf der Eingangsseite (Ostseite) ist zwischen den beiden Pfeilern ein 3,75 m breiter Durchlass, der zur Außentreppe des Bismarckturms führt.

Mittig des Plateaus wurde der 12,30 m hohe quadratische Turm mit einer Kantenlänge von 7,30 m errichtet. Auf dem 1,57 m hohen quadratischen Sockel erhebt sich der runde Turmschaft, der an der Verlängerung der Ecken des Turmsockels durch senkrechte Pfeiler verstärkt ist. Die Pfeiler werden im oberen Bereich breiter und weiten sich im Bereich des Turmkopfes zu einer quadratischen Plattform aus.

Über elf Steinstufen (ehemals zehn) der Außentreppe mit beidseitigem Geländer ist der Eingangsbereich des Turmes in 1,90 m Höhe erreichbar. Die Stufen 1 & 3-9 haben eine Breite von 1,78 m. Stufe 2 ist 2,40 m, Stufe 10 1,25 m und die aufgestockte Stufe 11 1,20 m breit.

Durch das 2,56 m x 1,30 m große Rundbogenportal (ohne Tür) gelangt man in den runden Innenraum des Turmes (Durchmesser: 5,00 m).

Über eine rechtsdrehende Wendeltreppe im Innern mit 50 Steinstufen (ehemals 51 Steinstufen) erreicht man in vier Absätzen (12/13/13/12 Stufen) die Aussichtsplattform des Turmes. Die Stufen sind jeweils 0,98 m breit.

Die Innenhöhe bis zur 0,37 m starken Plattform beträgt 8,78 m.

Die quadratische Aussichtsplattform hat eine Seitenlänge (außen) von 7,00 m. Diese ist, analog zur Terrassenanlage, mit winkelförmigen Eckmauerstücken (1,50 m x 1,50 m, Breite 0,70 m, Höhe 1,15 m) eingefasst. Die Eckmauerstücke selbst sind, mittig abgetrennt durch jeweils einen Pfeiler (Höhe 1,25 m, Breite 0,40 m x 0,40 m,) durch ein jeweils 1,00 m hohes Metallgeländer verbunden.

Ein Granitblock vor der Bismarckwarte trägt die Inschrift:

"BISMARCK-WARTE/
ERRICHTET/
1907
".


Turmgeschichte

Die Einweihung des Turmes erfolgte am 07.07.1907. Ein Festzug marschierte zur Einweihung zur Burg Lindenfels.

Seit 1967 finden jährlich Sommer-Sonnenwendfeiern am Bismarckturm statt, die vom Verschönerungs- und Verkehrsverein Lindenfels (VVL), dem Odenwaldklub und der Jugendfeuerwehr organisiert werden.

In den Jahren 1997/1998 wurde der Turm vom VVL und dem Odenwaldklub Lindenfels (OWK) grundlegend saniert. Finanziert wurde diese Sanierung u.a. aus Spenden aus der Bevölkerung, durch Spenden von Vereinen, z.B. dem OWK Lindenfels, durch verschiedene Firmen, dem Kreis Bergstraße sowie der Stadt Lindenfels.

Am 07.07.2007 wurde das Bauwerk 100 Jahre alt. Eine Jubiläumsfeier fand am 15.07.2007 direkt am Bismarckturm statt.

Am 27.03.2010 wurde am Bismarckturm ein Lärmfeuer entzündet. Die Lärmfeuer auf den Höhen des Odenwaldes sind eine teilweise historisch nachgestellte Signalkette vom Rhein zum Main.

Das Bauwerk ist im Mai 2016 in einem guten Zustand.


Öffnungszeiten

Der Turm ist ganzjährig zugänglich.

Alljährlich veranstaltet der Odenwaldklub Lindenfels um den 21. Juni eine Sonnenwendfeier an der Bismarckwarte.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 254
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM (-WARTE) von LINDENFELS (Hessen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 139 "Bismarck-Warte (Feuersäule) bei Lindenfels im Odenwald", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 4, S. 4); 4. Jahrgang 1906 (Nr. 7/8, S. 111)


Fotos

Jörg Bielefeld, Remscheid (1999, Mai 2016)
Ralph Männchen, Dresden (April 2004)
Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Juni 2008)
Albrecht Behrends, Bochum (April 2009)
Robert Waibel, Salach (Mai 2010)
Lars Lenzner, Hückeswagen (Januar 2012)
Andre Marx (Mai 2012)
Marek Moson, Breslau (Mai 2016)