Update: 18.08.2016

Basalt aus Hanaus Steinbrüchen
Der Bismarckturm in Hanau-Wilhelmsbad

Die Hanauer Bismarcksäule ist in Hessen der dritte und letztgebaute Turm nach dem von der deutschen Studentenschaft prämierten Bismarcksäulen-Entwurf „Götterdämmerung“ des Architekten Wilhelm Kreis. Im Gegensatz zu den Bismarcksäulen in Marburg und Kassel wurde in Hanau eine reine Feuersäule (ohne Aussichtsfunktion) errichtet.


Bauplanung

Der Bau dieses Bismarckturmes wurde im Jahr 1900 vom Nationalliberalen Verein in Hessen angeregt. Die Stadt Hanau sowie der Landkreis Hanau beschlossen gemeinsam die Errichtung dieser Bismarcksäule.

Am 28.05.1900 wurde ein "Ausschuss zur Errichtung einer Bismarcksäule" unter Vorsitz des Fabrikbesitzers Dr. W. Heraeus aus Hanau gebildet.

Im Februar 1901 erließ der Ausschuss einen Spendenaufruf und klärte die Standortfrage. Als Turmstandort wählte man den Kurort Wilhelmsbad bei Hanau aus.

Der Ausschuss entschied sich für den von der deutschen Studentenschaft mit dem 1. Preis ausgezeichneten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis. Die Baukosten in Höhe von 28.000 Mark für den Bismarckturm konnten durch Spendensammlungen im Stadt- und Landkreis Hanau aufgebracht werden. Für die Spendensammlungen wurden Spendenbüchsen in Form des Bismarckturm-Entwurfs "Götterdämmerung" verwendet (Foto s.u.)


Bauarbeiten

Am 04.09.1904 wurde der Grundstein für die Säule gelegt.

Als Baumaterial wählte man grob behauenen Basalt aus den nahe des Bauplatzes befindlichen Steinbrüchen von Wilhelmsbad und Steinheim.

Die Bauoberleitung übernahmen der Hanauer Baurat Wohlfarth sowie der technische Ausschuss. Mit der Bauausführung wurde Maurermeister J. Louis Wörner aus Hanau beauftragt.


Turmbeschreibung

Das 18 m hohe Bauwerk wurde als Feuersäule ohne Aussichtsfunktion errichtet.

Als Basis des Turmes dient ein zweistufiges quadratisches Podest.

Die untere Podeststufe ist 11,35 m x 11,35 m, die obere Podeststufe 8,75 m x 8,75 m breit. Die Höhe der unteren Podeststufe beträgt 0,60 m (Tiefe: 1,30 m), der oberen Podeststufe 0,75 m (Tiefe: 1,10 m).

Darauf erhebt sich der quadratische Turmsockel mit einer Seitenlänge von 6,55 m und einer Höhe von 2,15 m.

Eine eingefasste Treppe mit acht Stufen (Breite: 2,03 m, mit Einfassung: 3,03 m) führt auf der Westseite auf die obere Podeststufe in Höhe der Eingangstür des Turmes (Gesamthöhe der Stufen: 1,35 m).

Die Eingangstür ist 1,16 m x 2,06 m groß. Der Türsturz hat eine Breite von 1,68 m, ist an den Seiten jeweils 0,26 m und in der Mitte 0,53 m hoch.

An der Ostseite des Turmes ist als einziger Schmuck ein Reichsadlerrelief mit der Schlange der Zwietracht und Bismarck-Wappen (darunter die Inschrift "BISMARCK"), auf der Nordseite eine Inschrifttafel mit der Inschrift

"BISMARCKTURM
Zeugnis nationaler Begeisterung für
den Eisernen Kanzler
Otto von Bismarck, Begründer des
zweiten Deutschen Reiches von1871.
 Einweihung 1905.
Architekt: Wilhelm Heinrich Kreis, Dresden"

angebracht.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit dreistufigem Oberbau zusammengehalten werden. An allen Seiten des Turmes (außer Ostseite) ist mittig im oberen Bereich des Turmschaftes  ein schmaler Lichtschlitz eingelassen.

Auf der Südseite des Turmes ist über der Wulst ein kleiner Austritt vorhanden, der zum Erreichen der Feuerschale diente.

Auf dem Turmkopf wurde eine runde eiserne Feuerschale (Durchmesser 2,50 m, Kosten 850 Mark) auf einem Gestell installiert. Befeuert wurde diese mit Kolophonium (Harzprodukt) und Talg. Die Brenndauer betrug ca. 2 Stunden.


Turmgeschichte

Am 03.09.1905 wurde die Säule unter großer Beteiligung der Bevölkerung feierlich eingeweiht (siehe dazu: transkribierter Bericht aus Hanauer Zeitung vom 04.09.1905). Bauleiter Wohlfahrt übergab dem Vorsitzenden des Ausschusses, Dr. Heraeus, den Schlüssel der Säule, den dieser an den Vorsitzenden des Kreisausschusses, Landrat von Beckerath weiterreichte, welcher ihn im Namen der Kreisverwaltung und der beteiligten Ortsbehörden übernahm.

Bei Anbruch der Dunkelheit wurde die Feuerschale erstmals entzündet.

Vor 2005 wurde eine schmale Metalltreppe in den Turm eingezogen.

Am Tag des offenen Denkmals im September 2005 wurde die Säule nach vielen Jahrzehnten erstmalig wieder befeuert.

Der Turm war im Mai 2016 äußerlich sanierungsbedürftig. Die Podeststufen sind zum Teil mit Pflanzen überwuchert, aus den Steinen am Turmkopf wachsen Pflanzen.


Links

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Presseartikel Hanauer Anzeiger vom 04.09.1905 zur Einweihung des Bismarcksäule Hanau (PDF-Datei zum Download, ca. 0,9 MB, Transkription und Bebilderung durch J. Bielefeld, Remscheid)


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 190
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von HANAU (Hessen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 120 "Bismarck-Feuersäule in Wilhelmsbad bei Hanau", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes; 2. Jahrgang 1904 (Nr. 9, S. 3; Nr. 11/12, S. 9), 3. Jahrgang 1905 (Nr. 11, S. 10)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, "Die Bismarck-Säule (Architekt Kreis) zu Hanau"
- Hanauer Anzeiger, 04.09.1905


Fotografen

- Jörg Bielefeld, Remscheid (Juni 2003, Mai 2016)
- Ralph Männchen, Dresden (Mai 2004)
- Martin Hoppe, Hanau (Juni 2011)
- Marek Moson, Breslau (Mai 2016)

Foto Bismarckturm Hanau Juli 2007 [Fotograf: Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch)
AK Motiv Bismarckturm Hanau
AK Motiv Bismarckturm Hanau / Luftbild