Update: 20.11.2015

Bismarckturm auf der Hardthöhe
Der Bismarckturm in Gießen

Bauplanung

Die Gießener Studentenschaft beschloss 1898 nach dem Tod Otto von Bismarcks, eine Bismarcksäule in Gießen zu errichten. Zunächst war versucht worden, eine gemeinsame Säule mit Marburg zu errichten, der Studentenausschuss wies diesen Wunsch jedoch ab. Daraufhin wurde ein studentisches Bismarckkomitee für Gießen gebildet, welches aus Vertretern des VDSt, der Burschenschaft Alemannia und der Landsmannschaft Darmstadt bestand.

Stadtvertretung, Bürgerschaft und der Senat der Universität standen dem Vorhaben der Studenten reserviert gegenüber, da man den Studenten nicht zutraute, die notwendigen finanziellen Mittel aufzubringen. Eine Anfrage des Magistrats an das Komitee im Frühjahr 1899 nach dem Stand der Vorbereitungen wurde daher nur „zögerlich und mit wenig Neigung“ beantwortet.

Erst im Sommer 1904 beschloss der Gießener-Studentenausschuss, eine Bismarcksäule in Gießen zu errichten und ein Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen zu erlassen. Bis zum 01.01.1905 sollten geeignete Entwürfe eingereicht werden. Erste Spendensammlungen wurden unter den Professoren und der Mitstudentenschaft durchgeführt, jeder eingeschriebene Student sollte sich mit 2 Mark pro Semester beteiligen.

Im Frühjahr 1905 wurde Baurat A. Becker mit dem Entwurf und der Errichtung des Turmes beauftragt.

Als Standort wählte man die Hardt, eine Anhöhe nordwestlich der Stadt Gießen, aus.

Die Kosten von 12.000 Mark wurden durch Spenden getragen. 9.000 Mark davon waren freiwillige Beiträge der Studenten.


Bauarbeiten

Die feierliche Grundsteinlegung erfolgte am 29.07.1905 um 18:00 Uhr durch die Gießener Studentenschaft. Der offizielle Baubeginn erfolgte im Februar 1906.

Als Baumaterial wurde Basaltstein (Lungstein in rauen großen Blöcken) aus dem Londorfer Steinbruch bei Rabenau verwendet. Die Zuführung des Baumaterials zum Bauplatz auf der Hardthöhe erwies sich dabei als schwierig.

Die Bauausführung erfolgte durch Baurat A. Becker.

Am 18.06.1906 fand die feierliche Einweihung des Bismarckturmes statt. Die Studentenschaft veranstaltete abends einen Fackelzug zur Hardthöhe (Haardtberg). Nach der Festrede des Rektors übergab der Bauleiter den Turm an den Ausschuss, der diesen wiederum an den Oberbürgermeister von Gießen weitergab, um den Turm im Namen der Stadt zu übernehmen. Bei der Übergabe wurde erstmals das Feuer auf dem Turmkopf entzündet.


Turmbeschreibung

Der 15 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit mit quadratischem Grundriss ist über eine der Eingangsseite vorgelagerte Terrassenanlage zugänglich, die über fünf mittige Steinstufen zu erreichen ist.

In einen Stein der Terrassenanlage (rechtsseitig der Eingangstür) wurde folgende Inschrift eingelassen:

ERRICHTET/
VON DEN LEHRERN/
UND STUDIERENDEN/
DER UNIVERSITAET/
GIESSEN 1905-1906

Durch das Eingangsportal gelangt man in den Innenraum, in dem eine steinerne Innentreppe zwei Meter unter die Aussichtsplattform führt. Über eine eiserne Spindeltreppe war der Zugang zur Aussichtsplattform in 13 m Höhe (Austritt über Aussteighaube) möglich. Die Brüstungshöhe der Plattform betrug 1,40 m. In den Ecken des Umgangs wurden zwecks besserer Aussichtsmöglichkeit erhöhte Tritte angebracht.

Auf der Aussteighaube wurde eine achteckige Feuerpfanne (Durchmesser 1,90 m) mit abgestumpften Ecken aus 11 mm starkem Eisenblech angebracht, die auf einer massiven Steinabdeckplatte ruhte. Zwischen der Platte und der Pfanne wurde eine 5 cm dicke Sandschüttung vorgenommen, zusätzlich wurde noch ein einige Zentimeter breiter freier Zwischenraum gelassen, damit das Gestein bei den hohen Befeuerungstemperaturen nicht beschädigt werden konnte. Der Aufstieg zur Feuerschale war mittels Leiter möglich.

Die Feuerpfanne wurde an bestimmten Tagen mit Scheitholz, Teer und Petroleum befeuert.

Die Holzscheite wurden mannshoch aufgeschichtet, die Zwischenräume mit Hobelspänen und Teer ausgefüllt. Schließlich wurde alles mit Petroleum übergossen. Dies führte zu einem lang anhaltenden und hellen Feuer.

Das Gurtband des oberen Turmteils trägt auf der Eingangsseite in erhabener Schrift den Namen „BISMARCK“, darüber befindet sich ein Reichsadlerrelief von Bildhauer Prof. Augusto Varnesi aus Frankfurt am Main.


Turmgeschichte

Bereits zwei Tage nach der Einweihung, am 20.06.1906, fand ein weiterer Fackelzug der Studenten zur Hardthöhe statt.

In einem Vertrag zwischen der Gießener Studentenschaft und der Stadt Gießen im August 1906 verpflichtete sich die Stadt, die Säule dauerhaft in einem guten baulichen Zustand zu erhalten.

Am 20.06.1908 führte der VDSt Gießen zusammen mit dem VDSt Marburg einen Fackelzug zur Gießener Bismarcksäule durch. Auch am 25.06.1910, im Juni 1911, am 26.06.1912 und 22.06.1914 wurden anlässlich der Sommersonnenwende Fackelzüge zum Turm durchgeführt.

Im Jahr 1954 wurden Renovierungsarbeiten durchgeführt.

1972 wurden Bauschäden festgestellt, so dass die gefahrlose Begehung nicht mehr möglich war. Der Eingang wurde erst mit einer Stahltür gesichert. Im Jahr 1975 wurde der Eingang zugemauert.

Im Jahr 1989 scheiterte ein Antrag im Gießener Stadtparlament, das Bauwerk wieder zugänglich zu machen.

Im Mai 2006 wurde die Bismarcksäule in sanierungsbedürftigem Zustand (Eingang vermauert, Feuerschale noch vorhanden) vorgefunden. Das Bauwerk ist von Eichen umgeben.

Am 29. Mai 2007 wurde nach Initiative von Dr. Bernhard Höpfner aus Gießen der Förderverein Bismarckturm Gießen gegründet. Geplant war, 80.000 EURO für die notwendigen Sanierungsarbeiten am Turm zusammenzubringen. Als dringend erforderliche Arbeiten waren die Absicherung der oberen Abschlussdecke und die Anbringung eines neuen Daches vorgesehen.

Im September 2008 überreichte das Landesamt für Denkmalpflege dem Verein 20.000 EURO für die anstehende Sanierung des Turmes. Die Gesamtmaßnahmen hatten (Stand: 2008) ein Volumen von ca. 135.000 EURO, das sich Stadt, Land und Verein teilen wollten.

Vorsitzender des Vereins ist Dr. Bernhard Höpfner (Tel.: 0641/84477).

Im November 2008 wurde bekannt, dass die Stadt Gießen im Jahr 2009 insgesamt 45.000 EURO zur Verfügung stellt. Das Landesamt für Denkmalpflege bewilligte zusätzliche 25.000 EURO.

Im November 2008 wurde die Krone des Bauwerkes gesichert, damit kein weiteres Wasser mehr eindringen und der Turm für die anstehende Sanierung trocknen konnte.

Weitere Sanierungsmaßnahmen folgen bis 2012, u.a. eine neue metallene Spindeltreppe im Innern des Turmes, eine Steinabdeckplatte für die Feuerpfanne, eine neue Zugangstür zum Turm, eine neue Austrittstür zur Aussichtsplattform sowie die Neugestaltung des äußeren Zugangsbereiches zum Turm. Eine neue neun Zentner schwere Eisentür, gefertigt in einer Kunstschmiede in Regensburg, wurde im Frühjahr 2012 eingesetzt.

Die ursprünglich für Herbst 2010 avisierte Wiedereröffnung wurde wegen weiterer aufwändiger Sanierungsarbeiten verschoben.

Insbesondere wegen der neuen Spindeltreppe war der Gesamtkostenaufwand auf 150.000 Euro gestiegen. Der Förderverein musste dadurch eine Finanzierungslücke von 25.000 Euro schließen.

Die Möglichkeiten des Zugangs zum Turm und regelmäßige Turmführungen wurden im Frühjahr 2013 geregelt. Am 21.06.2014 wurden vier Orientierungstafeln auf der Plattform angebracht. Die erste Öffnung des Bismarckturmes nach umfassender Sanierung erfolgte am 03.08.2014. Eine offizielle Wieder-Eröffnungsfeier fand nicht statt.


Öffnungszeiten

Das Bauwerk wird zwischen Mai und September jeweils am 1. und 3. Sonntag jedes Monats von 14:00 - 18:00 Uhr geöffnet (nur bei gutem Wetter).


Links

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Förderverein Bismarckturm Gießen e.V.

360° Ansicht am Bismarckturm Gießen


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 161-162
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von GIESSEN (Hessen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 127 "Bismarck-Feuersäule zu Gießen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 2. Jahrgang 1904 (Nr. 11/12, S. 10), 3. Jahrgang 1905 (Nr. 2, S. 6; Nr. 8, S. 10, Nr. 11, S. 10), 4. Jahrgang 1906 (Nr. 4, S. 58; Nr. 7/8, S. 111), 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)
- Zentralblatt der Bauverwaltung 1907, S. 537, Bismarckturm bei Gießen von A. Becker
- Zirlewagen, Marc: "Sinnbild der Einheit-Deutschlands - Die Bismarcksäule auf der Rothenburg im Kyffhäuser", S. 75-77, BoD Norderstedt, 2014


Fotografen

Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (September 2007)
Jörg Bielefeld, Remscheid (Juli 2001 und Oktober 2008)


Foto Bismarckturm Gießen 1906
Ansichtskartenmotiv Bismarckturm Gießen 1906
Foto Bismarckturm Gießen 2008 (Fotograf: Jörg Bielefeld, Menden)
Foto Bismarckturm Gießen 1906
Foto Eingangsbereich Bismarckturm Gießen 2008 (Fotograf: Jörg Bielefeld, Menden)