Update: 18.02.2015

Der Bismarckturm auf dem Leuchtberg
Der Bismarckturm in Eschwege

Bauplanung

Im Jahr 1823 wurde der Leuchtberg (damals Leichberg genannt) von Anton Jacob Spangenberg als Naherholungsgebiet ausgebaut und zum „Hausberg der Eschweger“. Im August 1885 wurde nach Ideen des "Werratal Verein 1883 e.V." (WTV) erstmals über den Bau eines Leuchtberg-Turmes diskutiert. Die erhofften Spenden für den Turnbau blieben jedoch aus.

Auf dem Berg stand zuvor ein mittelalterlicher Wartturm, der 1885 bereits verfallen war.

Der Kriegerverein bildete 1888 ein Komitee, um auf dem Leuchtberg einen Kaiser-Friedrich-Turm zu Ehren „unseres Schulpatrons Friedrich Wilhelm“ zu errichten. Dabei kam es innerhalb des Komitees zur Diskussion, dass der Turm auch zu Ehren des verstorbenen Kaisers Wilhelm I. benannt werden müsste. Bereits im November 1888 löste sich das Komitee auf.

Im Jahr 1891 plante die Sektion Eschwege (heute Zweigverein Eschwege e.V.) des WTV unter Vorsitz von Dr. Wilhelm Brill, auf dem "Großen Leuchtberg" (318,70 m über NN) einen Aussichtsturm zu errichten. Im Oktober 1891 rief Dr. Brill in der Zeitung zu einer Sammlung auf.

Im Jahr 1892 veranstaltete der WTV mehrere Abendunterhaltungen zum Besten des Turmbaus.

Im Sommer 1900 wurde angeregt, dieses Bauwerk als Bismarckturm zu realisieren. Drei Vorentwürfe für einen ca. 16 m hohen Bismarckturm mit Baukosten zwischen 9.500 und 16.000 Mark wurden erstellt. Am 22.10.1900 fand im Eschweger Rathaus eine diesbezügliche Besprechung von etwa 20 Bürgern statt, die daraufhin am 25.10.1900 in der Zeitung einen Aufruf zur Spendensammlung veröffentlichten. Durch Schenkungen der ehemaligen Kaufmannsgilde, des Ruderklubs, des WTV und des verstorbenen Rentiers Ernst Friedrich Heinemann waren bereits 3.900 Mark für den geplanten Bismarckturm vorhanden.

Es wurde ein "Ausschuss zur Errichtung eines Bismarck-Turmes" unter Vorsitz von Bürgermeister Heinrich Vocke gebildet.

Bereits im November 1900 waren 11.000 Mark an Spenden zusammen und weitere Spenden in Aussicht gestellt worden, sodass der Baubeginn für das Jahr 1901 geplant wurde.

Nachdem Kreisbauinspektor Hans Behrendt aus Eschwege kostenlos einen Turm-Entwurf gefertigt hatte, von dem Stadtbaumeister Albig und Volkner ein Miniaturmodell erstellten, konnten die Ausschachtungsarbeiten im April 1902 beginnen.

Die feierliche Grundsteinlegung fand am 23.06.1902 statt. Aus der verfallenen mittelalterlichen Warte hatte man einen Stein herausgesucht, in den eine Urne eingelassen wurde. Dieser Grundstein wurde an der Innenseite der südlichen Umfassungsmauer eingesetzt.

Die ursprünglich für den 01.04.1903 geplante Einweihung musste wegen der witterungsbedingten Unterbrechung der Bauarbeiten Mitte Oktober 1902 verschoben werden.

Der Landrat des Kreises Eschwege, Alexander von Keudell, stiftete im Januar 1903 das Bismarck-Relief für den Turm. Die ursprünglich geplante Turm-Höhe (25 m) wurde aus architektonischen Gründen auf 26 m erhöht.

Die Gesamtkosten des Turmes (35.561,51 Mark) wurden zum großen Teil durch Spenden der Bürgerschaft und außerhalb wohnender ehemaliger Eschweger (21.939 Mark) sowie Ehrenaktien (2.960 Mark) aufgebracht (Restsumme s. Turmgeschichte)


Bauarbeiten

Die Bauleitung übernahm Stadtbaumeister Albig aus Eschwege. Gebaut wurde der Turm von den Baufirmen Reinhard Holzapfel und Co. sowie Fr. Saame.

Weitere an der Bauausführung beteiligte Handwerker:

Polier: Franz Adam (Aue)
Steinhauer: Wilhelm Schäfer, August Holzapfel (beide Eschwege), Karl Scharf (Aue), Wilhelm Höch (Schwebda), August Narbe und Kaczmarek (beide Grebendorf)

Schlossermeister: Louis Trümper
Tischlermeister: Georg Müller
Glasermeister: Gustav Rückhardt

Das Baumaterial, graugrüne Sandsteine, wurde aus den Steinbrüchen der Firma C. Dietzel bei Altenburschla an der Werra entnommen. Den Transport der Sandsteine zur Baustelle erledigten die Fuhrunternehmer Heinrich und Joseph Kremmer sowie Wanfried und Chr. Humpf jr. aus Eschwege.


Turmbeschreibung

Der 26 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsvorrichtung hat einen quadratischen Grundriss von 8 m x 8 m.

Über 7 Steinstufen ist der östlich gelegene Eingang erreichbar. Durch den Eingang gelangt man in den Innenraum, von dem aus hinten eine Treppe nach unten führt.

Eine weitere Treppe führt nach oben. Die rechtsdrehende Innentreppe mit ursprünglich 23 Steinstufen (seit 1987: 27 Steinstufen in drei Absätzen) führt zum unteren, ein Meter breiten Umgang mit Austritt auf der Ostseite. Die quadratische Grundfläche beträgt in Höhe des unteren Umgangs 5,50 m x 5,50 m.

Über eine Metalltreppe (erst mittig, dann linksdrehend) erreicht man nach 61 Stufen vier halbrunde, offene Ausgucke. Über weitere 21 Stufen gelangt man zum oberen Aussichtsumgang (insgesamt:109 Stufen).

Auf den pilasterartigen Vorbauten an den vier Ecken des Sockelgeschosses ruht als Abschluss das Gesims, welches einen umlaufenden Balkon (unterer Umgang) trägt. Dieser ist jeweils durch 3 Segmentbögen unterfangen, die auf abgetreppten Kämpfern ruhen.

Der sich nach oben hin leicht verjüngende Turmschaft endet in 21 m Höhe oberhalb der vier seitlichen Aussichtsöffnungen in einem Gesims mit umlaufendem Balkon des oberen Umgangs. Die Turmplattform ist auf allen Seiten mittig oberhalb der Aussichtsöffnungen mit einem Fries versehen. Auf zurückgesetztem Grundriss der Turmplattform ist eine achteckige Haube aufgesetzt, die die Feuerpfanne trägt.

Auf der aufgesetzten Haube wurde eine achteckige Feuerpfanne (2,80 m [nach anderer Quelle 3,80 m] Durchmesser, Kosten: 1.800 Mark) fest eingemauert. Um den Rand der Feuerpfanne wurde ein Eisengerüst aufgestellt. Am Rand wurden senkrecht stehende Gerüsthölzer angebracht. In die Mitte der Feuerschale stapelte man Teertonnen pyramidenförmig übereinander, die mit Brennmaterial (Lohkuchen) gefüllt waren. In die Zwischenräume steckte man Scheitholz, Reisig und Lohkuchen. Nach Entzündung brannte das Material 1 - 1,5 Stunden bei einer Flammenhöhe von über 6 Metern.

Über dem Eingang wurde ein lorbeerumsäumtes Bismarck-Relief aus Bronze, entworfen von Bildhauer Ernst Wenck aus Berlin, gefertigt von der Gladenbeckschen Firma in Berlin sowie der seitlichen Inschrift:

"WIR DEUTSCHE/
FÜRCHTEN GOTT/
SONST NICHTS/
IN DER WELT/
DON. A. v. KEUDELL
"

[Bismarck-Wappen]                                                          [Reichs-Wappen]

angebracht.

Unterhalb der Aussichtsöffnungen, im oberen Drittel des Turmes, ist umlaufend die Inschrift

Ostseite: BISMARCK ZUR EHRE

[Bismarck-Wappen]

Südseite: VERGANGENEN ZUM/GEDAECHTNIS/

Westseite: LEBENDEN ZUR FREUDE/

[Wappen von Eschwege]

Nordseite: ZUKUENFTIGEN ZUR/MAHNUNG"

zu lesen.


Turmgeschichte

Am 02.09.1903 (Sedantag) fand die Einweihung des Bismarckturmes unter großer Beteiligung der Bevölkerung statt. Die Glocken von allen Kirchtürmen läuteten, als um 14:30 Uhr ein Festzug mit weit über 1.000 Teilnehmern zum Turm marschierte. Schulklassen und Mitglieder verschiedener Vereine versammelten sich auf dem Leuchtberg. Als Ehrengäste waren Regierungspräsident August von Trott zu Solz, Landeshauptmann Riedesel Freiherr zu Eisenbach und Landrat Alexander von Keudell anwesend.
Zu Beginn der Einweihungszeremonie übergab Architekt Chr. Holzapfel den Turmschlüssel an Bauinspektor Behrendt, der nach einer Festrede den Schlüssel an Bürgermeister Vocke weiterreichte.

In den Abendstunden wurde das Bauwerk erstmals befeuert. Auf den Altanen wurde zusätzlich Rotfeuer entzündet.

In der Abgeordnetenversammlung  vom 23.02.1904 wurde der Antrag, die Restschuld von knapp 11.000 Mark von der Stadt Eschwege begleichen zu lassen, abgelehnt. Im April 1904 wurde der Eschweger Bismarckturmverein gegründet, der das inzwischen von der Kreissparkasse erteilte Darlehen abtragen wollte und die Unterhaltung des Turmes übernahm. Ein Invalide beaufsichtigte den Turm, verkaufte Ansichtskarten und unterhielt einen Ausschank.

Erst nach 1906 konnte durch finanzielle Mittel der Gustav-Schäfer-Stiftung die Restsumme der Baukosten beglichen werden.

Seit 1927 wurde am Turm das Johannisfest (Heimatfest der Eschweger Anfang Juli) durchgeführt. Der Turm wurde anfangs befeuert, später wurden wegen der Waldbrandgefahr elektrische Glühbirnen verwendet.

Das Johannisfest fand in den Jahren 1940 bis 1948 nicht statt, seit 1949 wurde der Turm mit Scheinwerfern angestrahlt.

Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Bismarck-Relief von Kugeln amerikanischer Soldaten durchlöchert.

Um 1949 wurde das Bauwerk ohne Turmaufsicht für Besucher geöffnet. Ab 1953 wurde Turmwächter Schülbe angestellt, der das Bauwerk im Sommer täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr (sonntags von 08:00 bis 20:00 Uhr) zusammen mit seiner Frau öffnete und einen kleinen Verkaufsstand mit Erfrischungen betrieb.

Anfang 1981 beschloss der Magistrat, den Aussichtsturm wegen Rostschäden im Bereich der Stahltreppe zu sperren. Bei einer Überprüfung des Turmes wurden zudem Vandalismusschäden am Geländerbereich sowie an den Fenstern festgestellt. Eine Sanierung konnte aufgrund fehlender Geldmittel erst 1987 durchgeführt werden

Bei der 75.000 DM teuren Sanierung wurden die Treppen zur Aussichtsplattform erneuert, die Zwischendecken saniert und der Austritt geändert. Der Turm wird seit November 2001 allabendlich durch Scheinwerfer illuminiert.

Im Sommer 2003 wurde ein Förderkreis gegründet, um Geldmittel für die Restaurierung des Turmes zu sammeln (Ende August 2003 hatte der Förderkreis bereits 70 Mitglieder).

Die Sanierung konnte im Jahr 2006 erfolgreich abgeschlossen werden.


Öffnungszeiten

Von März bis Oktober geöffnet.
Der Schlüssel kann außerhalb der Öffnungszeiten bei der Touristikinformation Eschwege (Pfand: 10 €) ausgeliehen werden.


Links:

Google Maps

Google Earth

Ehemaliger Förderverein Bismarckturm Eschwege (ca. 2003-2006)

Werratal Tourismus


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 135
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von ESCHWEGE (Hessen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 95 "Bismarck-Feuersäule zu Eschwege a. Werra", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)
- Mitteilungsblatt „Unsere alte Penne“, Ehemaligen-Vereinigung der FWS und der Eschweger Gymnasien e.V., 42. Jahrgang, Ausgabe 83 (Juni 2003), S.1 - 2


Fotograf

- Jörg Bielefeld, Remscheid (März 2004)