Update: 19.02.2015

Turm auf dem Dommerberg
Der Bismarckturm in Darmstadt

Bauplanung

Am 08. Mai 1899 beschloss der neugegründete Bismarckausschuss der Studentenschaft Darmstadt, Finanzmittel für den geplanten Bau der Bismarcksäule in Friedrichsruh, ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Studentenschaft, zu sammeln. Nach Fertigstellung des Turmes in Friedrichsruh sollte auch für eine geplante Bismarcksäule in Darmstadt Geld gesammelt werden.

Es wurde beschlossen, dass im Januar 1900 kein Kommers zu Ehren des Geburtstages von Kaiser Wilhelm II. stattfinden sollte, stattdessen wurde am 31.01.1900 eine große Bismarckfeier ausgerichtet.

Am 04.07.1901 beschloss die Studentenversammlung, dass alle deutsche Studenten zugunsten der Bismarcksäule in Darmstadt ab sofort einen erhöhten Ausschussbetrag bezahlen sollten.

Ein Festspiel mit Basar und Ball fand am 21.01.1902 zugunsten der Bismarcksäule im Saalbau statt. Die Grundsteinlegung wurde zu dieser Zeit auf Sommer 1902 avisiert, fand tatsächlich aber erst zwei Jahre später statt.

Der Großherzog stellte der Studentenschaft den Bauplatz auf dem Dommerberg zur Verfügung. Der Kassenbestand war bereits auf 10.000 Mark angewachsen.

Am 04.02.1903 fand ein großer Bismarck-Abend im Saalbau mit Basar und Ball statt. Die erzielten Einnahmen sollten für eine Bismarcksäule nach dem Standard-Entwurf von Wilhelm Kreis verwendet werden.

Es dauerte bis zum Sommersemester 1904, bis durch Bismarckfeste der Baufonds soweit angewachsen war, dass eine Grundsteinlegung des geplanten Turmbaus in Darmstadt durchgeführt werden konnte. Man hatte sich wegen der guten Aussichtsmöglichkeit bereits frühzeitig für die höchste Erhebung des Dommerbergs (263,6 m über NN) als Turmstandort ausgesprochen.

Vom 21.-23.06.1904 feierte die Studentenschaft die Grundsteinlegung der Bismarcksäule. Die Leitung der Feier oblag Karl Steinbrecher (VDSt Darmstadt). Der Reinerlös der Feier betrug 8.000 Mark.

Der Bismarck-Ausschuss der Darmstädter Studentenschaft (Technische Hochschule) führte aufgrund dieser nun guten finanziellen Basis einen Architekten-Wettbewerb für jetzige und frühere Angehörige der technischen Hochschule durch. Es wurden Preise zu 300, 200 und 100 Mark für die ersten drei Plätze gestellt. Die Entwürfe mussten bis zum 01.11.1904 eingereicht sein. 

Bei diesem Wettbewerb gewann Anfang 1905 bei insgesamt 62 eingereichten Entwürfen das Modell des zu diesem Zeitpunkt 23-jährigen Architekten Gustav Schmoll genannt Eisenwerth aus Saaleck bei Kösen. Dieser hatte eine Feuersäule mit einer kleinen Aussichtsplattform entworfen. Platz 2 ging an Bauinspektor Karl Becker aus Stettin, Platz 3 (es gab drei 3. Preise) ging an die Architekten August Buxbaum aus Darmstadt, Theobald Schöll aus Wiesbaden sowie Wilhelm Jaide aus Darmstadt.

Bis zum 23.11.1904 wurden die eingereichten Entwürfe in der Aula der Hochschule ausgestellt.

Mitte Juni 1904 wurde auf einem Probe-Gerüst auf dem Bauplatz des zukünftigen Turmes ein Feuer abgebrannt, welches weithin zu sehen war.

Die Einweihung wurde auf den 21.06.1907 gelegt, tatsächlich aber erst am 06.11.1908 durchgeführt.

Die Gesamtbaukosten für den Turm samt Terassenanlage betrugen 40.000 Mark.


Bauarbeiten

Die Grundsteinlegung wurde mit einem groß angelegten, dreitägigen Fest der Studentenschaft vom 20. - 22.06.1904 begangen. Die eigentliche feierliche Grundsteinlegung erfolgte am 21.06.1904 bei Anwesenheit zahlreicher Studentenverbände, des Professoren-Kollegiums der Technischen Hochschule, von Staatsminister Rothe, Geheimrat Dr. Schöffer, den Ministerialräten Wilbrand, Dr. Best und Weber, Oberbürgermeister Morneweg u.v.a. Anschließend (sowie auch am 22.06.1904) wurde am Oberwaldhaus das Waldfest gefeiert.

Als Bauleiter wählte man Architekt Heinrich Stumpf aus Darmstadt. Als Maurermeister arbeitete Franz Simon aus Eberstadt am Turm.

Als Baumaterial wurde rötlichgrauer Basaltbruchstein (Melaphyr) als Verkleidung der Betonkonstruktion verwendet. Aus Kostengründen verzichtete man auf den gelblichen Muschelkalkstein, den Architekt Schmoll von Eisenwerth vorgeschlagen hatte.

Die Eisenbetonarbeiten wurden durch die Fa. Dyckerhoff und Wichmann AG aus Biebrich am Rhein ausgeführt.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der 25 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit ist eine mehrstöckige Konstruktion aus Eisenbeton, welche mit Basaltbruchstein verkleidet wurde. Das Bauwerk hat einen quadratischen Grundriss.

Die Bismarckturm-Anlage wurde als große, etwa 1 m erhöhte Terrasse mit gemauertem Grund angelegt, an dessen Ende (Westseite) sich eine gemauerte Fundamentsohle mit dem eigentlichen Turm anschloss.

Die Terrasse auf der Ostseite ist als großer, ovaler Festplatz mit einem 1 m hohen runden Fackelbecken (Durchmesser 3 m) vor dem Turm angelegt.

Die erhöhte Terrassenanlage ist von einer im Halbrund verlaufenden, gestuften Mauer umschlossen, auf der Zugangsseite (Ostseite) markiert durch zwei etwa 2,50 m hohe gemauerte Pfeiler, auf denen kleine Feuerschale installiert sind.

Durch einen breiten Treppenaufgang mit fünf Stufen erreicht man den Festplatz und gelangt in gerader Linie zum Fackelbecken. Über zwei Treppenaufgänge mit drei und vier Stufen, die wiederum von zwei Podesten mit Flammenschalen flankiert sind, erreicht man den Turmeingang.

Der rechteckige Turmsockel erhebt sich oberhalb der 0,50 m hohen Treppenanlage. Der dreistufige Sockel hat eine Höhe von 7,55 m und unten eine Kantenlänge von 10,42 m. Die Kantenlänge in der Mitte des Sockels beträgt 9,24 m, die Oberkante des dritten, leicht auskragenden Sockelabschnitts hat eine Breite von 9,34 m. Auf dem Sockel erhebt sich der 10,60 m hohe rechteckige Turmschaft, der sich nach oben hin auf eine Breite von 7,54 m verjüngt. Oberhalb des Turmschafts kragt der 3,10 m hohe Aufbau auf eine Breite von 8,00 m aus. Der das Bauwerk nach oben abschließende Turmkopf besteht aus zwei abgesetzten pyramidenförmigen Aufbauten mit einer Gesamthöhe von 3,25 m.

Über eine Treppe ist die Aussichtsplattform mit mittig installiertem Feuerbecken zu erreichen.

Die Breite des Mauerwerks beträgt unten 2,30 m, im mittleren Stockwerk 1,70 m und am Turmschaft zwischen 0,65 m und 0,90 m.

Der Turmkopf ist gewölbeartig gestaltet. Die quadratische Aussichtsplattform hat eine Seitenlänge (innen) von 4 m, die Brüstung ist 1 Meter hoch. Das runde Feuerbecken hat einen Durchmesser von 3,00 m und weist außen kreisrunde Belüftungslöcher auf. Das Becken wurde mit Paraffin-Öl aus den Messeler Gruben befeuert. Durch eine Pumpe wurde das Öl über Rohrleitungen vom Erdgeschoss zum Feuerbecken geleitet.

Durch den Eingang (Eichentür) gelangt man in die Eingangshalle mit Kuppelgewölbe und zwei Fenstern. Weitere kleine Eckräume waren als Kreuzgewölbe mit prismatischen Säulen und verzierten Kapitalen, ein weiterer Raum auf der Seite als Tonnengewölbe angelegt. Innen besitzt das Bauwerk drei Etagen, die durch Zementdecken voneinander getrennt sind. Über eine Steintreppe erreicht man die obere Etage. Über eine Eisentreppe mit 25 Stufen ist von hier aus die Aussichtsplattform erreichbar.

Links neben dem Treppenaufgang wurde auf einem Sockel eine Bismarck-Büste, gestiftet von Geh. Oberbaurat Prof. Hofmann, aufgestellt.


Turmgeschichte

Zur Einweihung am 06.11.1908 fand ein Fackelzug der Studenten mit Musik statt, der um 19:45 Uhr vor dem Turm auf dem Dommerberg endete. Hier hatten sich bereits viele Zuschauer eingefunden. Die erste Festrede hielt Student cand. ing. Steinbrecher. Nach mehreren Festreden schloss die Feier nach dem Absingen der Nationalhymne und dem obligatorischen Bismarck-Kommers.

Im Jahr 1909 einigte sich der Ausschuss der Studentenschaft mit Forstwart Klipstein, dass dieser den Turm den interessierten Besuchern öffnete.

In den Jahren 1909-1911 sowie 1913 veranstaltete die Darmstädter Studentenschaft zur Sommersonnenwende Fackelzüge zu Bismarcksäule.

Am 21.03.1933 zogen über 1.000 Studenten mit Fackeln zur Sonnenwendfeier am Bismarckturm. Anschließend zogen die Studenten weiter zum Mercksplatz, auf dem wie an vielen anderen Orten des Deutschen Reisches die Bücherverbrennung durchgeführt wurde.

Der Dommerberg wurde bis in die 1940er Jahre hinein als Aussichtspunkt gut besucht. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Berg auch als Aufmarschgelände genutzt.

Am 05.07.1949 entzündete die katholische Jugend am Fuße des Turmes ein Johannisfeuer.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte das US-Militär das Bauwerk als Ort für Militär-Manöver und als Schlafstätte und installierte eine Funkanlage auf dem Turmkopf. In der Folgezeit wurde der Raum in der obersten Etage von zwei Darmstädtern für 25 DM Monatsmiete als Wetterwarte genutzt (bis Ende der 1960er Jahre). Die Meteorologen wollten den Bismarckturm kaufen, der Kaufpreis von 28.500 DM war ihnen aber zu hoch.

In den Jahren 1963/1964 wollte die Studentenschaft das Bauwerk an die Stadt Darmstadt verkaufen. Dabei stellte sich heraus, dass die Studentenschaft nicht als Eigentümer in das Grundbuch eingetragen worden war.

Nach 1965 biwakiert die NATO einige Jahre direkt am Turm. Im Jahr 1973 wurde das Bauwerk saniert.

Die Bundespost pachtete den Turm in den 1970er Jahren nach Erbbaurecht vom Land Hessen und fand die Studentenschaft als Nutzer des Turmes mit einer Summe von 20.000 DM ab. Die Post installierte - nach Abbau der Funkanlage der US-Armee - eine Funkantenne und einen Peilsender auf dem Turm.

Ebenfalls in den 1970er Jahren trafen sich die Darmstädter Jazzfreunde jährlich zum „Jazz-Picknick am Bismarckturm“.

Die Bundesnetzagentur führte in den Jahren 2001 bis 2004 mehrere Sanierungen durch, u.a. wurde eine neue schmiedeeiserne Treppe zum Turmkopf installiert. Weiterhin wurde die Feuerschale entrostet und wetterfest gemacht. Im Jahr 2004 wurde der Turm außen komplett saniert (Neuverfugung, Abdichtung usw.).

Seit dem Jahr 2006 ist die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation und Post im Wege des Erbbaurechts Pächterin des Turmes.

Die Bismarckbüste in der unteren Etage ist nicht mehr vorhanden.

Seit 2006 werden Führungen zum und auf den Bismarckturm angeboten. Im Jahr 2012 war das Bauwerk für Besucher gesperrt.


Links

Google Maps

Google Earth

www.bismarckturm-darmstadt.de


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 93-94
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von DARMSTADT (Hessen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 154 "Bismarck-Feuersäule bei Darmstadt", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 3, S. 5); 2. Jahrgang 1904 (Nr. 9, S. 2; Nr. 11/12, S. 10); 3. Jahrgang 1905 (Nr. 2, S. 6; Nr. 5, S. 6); 4 Jahrgang 1906 (Nr. 7/8, S. 113; Nr. 12, S. 190),  7. Jahrgang 1909 (Nr. 1, S. 14-16; Nr. 6, S. 94)
- Deutsche Bauzeitung - Zentralblatt der Bauverwaltung 1904: Nr. 61, S. 388 (30.07.1904); Nr. 93 (S. Nr. 93, S. 584)
- Deuster, Thomas: "Der Bismarckturm und Waldpark Marienhöhe", S. Toechle-Mittler Verlag, Darmstadt 2006, ISBN 3-87820-121-4, S. 37-83
- Kulturdenkmäler in Hessen, Stadt Darmstadt, Darmstadt 1994, S. 489
- Zirlewagen, Marc: "Sinnbild der Einheit-Deutschlands - Die Bismarcksäule auf der Rothenburg im Kyffhäuser", S. 70-73, BoD Norderstedt, 2014


Fotos

Ralph Männchen, Dresden (April 2004)
Jörg Bielefeld, Remscheid (April 2008)


Foto Bismarckturm Darmstadt April 2008 [Fotograf: Jörg Bielefeld, Menden]
Bismarckturm Darmstadt Grundsteinlegung 1904
Foto Bismarckturm Darmstadt April 2008 [Fotograf: Jörg Bielefeld, Menden]