Update: 19.08.2016

Bismarckturm mit Walmdachanbau
Der Bismarckturm in Bensheim

Vorbemerkung

Bereits im Jahr 1889 plante der 1882 gegründete Odenwaldklub, auf dem Gipfel des Hemsberges einen Aussichtsturm zu errichten. Die Ausführung des Planes scheiterte an den fehlenden Geldmitteln für den Turmbau.

In den nächsten Jahren wurden dem Odenwaldklub (OWK) von verschiedenen Seiten Entwurfsskizzen für einen Aussichtsturm übergeben. Der eingereichte Turm-Entwurf von Prof. Heinrich Metzendorf aus Bensheim entsprach den Vorstellungen der örtlichen Sektion des Odenwaldklubs.


Bauplanung

Zwecks Durchführung des Baus eines Aussichtsturmes wurde ein Turmkomitee unter Vorsitz von Postdirektor a.D. Ernst Hallwachs aus Bensheim gegründet.

Am 11.05.1897 wurde der Aussichtsturm-Entwurf von Prof. Metzendorf von der Sektion Bensheim zur Ausführung genehmigt. Als Turmstandort wählte man den Hemsberg (262,20 m über NN) südöstlich von Bensheim.

Die Gesamtkosten von insgesamt 9.066 Mark (davon 8.000 Mark für den Turm selbst) wurden von heimischen Vereinen aufgebracht. Der Odenwaldverein spendete 500 Mark, die Vereins-Sektion Bensheim des Odenwaldklubs 2.000 Mark. Der Verschönerungsverein Bensheim steuerte 1.200 Mark für den Turmbau bei. Kommerzienrat Wilhelm Euler (2. Vorsitzender des OWK) gab 4.300 Mark als Anleihe und verzichtete später auf die Rückzahlung des Betrages.

Das Turmgrundstück (2.902 m²) wurde von der Gemeinde Zell für 278,40 Mark erworben. Die Stadt Bensheim und die Staatsforstverwaltung genehmigten den unentgeltlichen Abbau der erforderlichen Steine für den Turmbau aus einem in der Nähe der Baustelle befindlichen Steinbruch.


Bauarbeiten

Im Mai 1899 wurde mit den Bauarbeiten begonnen.

Die Bauausführung erfolgte durch Maurermeister Jean Berg aus Bensheim, die Bauleitung oblag Prof. Heinrich Metzendorf aus Bensheim.

Als Baumaterial wurden Granitsteine verwendet, die in Steinbrüchen in der Nähe des Turmstandortes gebrochen wurden.

Weitere beteiligte Firmen und Handwerker (alle aus Bensheim):

Franz Schuhmann III: Zimmerarbeiten
Gebr. Hillenbrand: Spenglerarbeiten
Franz Deppert: Schlosserarbeiten
H. Adam: Blitzableiteranlage
Karl Schmidt: Glaserarbeiten
Leonhard Hoehling u. Karl Grün: Malerarbeiten (zum Selbstkostenpreis)
Stadtmeister Merck: Planierungs- und Wegearbeiten

Eine besondere Grundsteinlegung fand nicht statt.

Erst während der Bauarbeiten, am 23.07.1901, wurde in der Generalversammlung des Odenwaldklubs beschlossen, das Bauwerk Bismarckturm zu benennen.

Die Bauarbeiten konnten im Herbst 1901 abgeschlossen werden.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der 19 m hohe runde Aussichtsturm ohne Befeuerungsvorrichtung wurde in Form eines Wartturmes errichtet. Das Bauwerk hat auf der Nordwestseite einen 10 m hohen, im 1. Obergeschoss offenen Anbau mit Walmdach und Aussichtsterrasse, der als Wetterschutz dient.

Auf einem 11,60 m x 4,80 m hohen Fundament erhebt sich der Turm bis zur durchbrochenen Brüstung mit kleinem Erker mit Satteldach im Nordosten der Plattform.

Westlich, im Halbkreis um den Turm, grenzt eine Stützmauer mit Kugelaufsätzen das Bauwerk im Bereich des Vorbaus terrassenförmig ab.

Über der Tür des Anbaus wurde ein Bismarck-Medaillon in Bronze, gegossen bei Gladenbeck in Berlin, mit dem Emblem des Odenwaldklubs und dem Schriftzug

"Odenwaldklub Sektion Bensheim 1901"

angebracht.

Über Innentreppen ist die Aussichtsplattform in 15 m Höhe (mit Brüstung 16,10 m) erreichbar.

Eine linksdrehende Holztreppe mit 16 Stufen führt bis zur Wandererheimtür. Über weitere 44 Stufen und mehrere Absätze gelangt man zum Aussichtsbereich unterhalb der Plattform in 11,60 m Höhe. Von hier führen weitere 16 Holzstufen sowie eine Steinstufe zur oberen Plattform.


Turmgeschichte

Am 06.07.1902 wurde der Bensheimer Bismarckturm bei gleichzeitiger Schlusssteinlegung feierlich eingeweiht. Um 14:00 Uhr setzte sich ein Festzug aus der Stadt Bensheim Richtung Festplatz am Bismarckturm in Bewegung. Die Begrüßungsansprache hielt Postdirektor a.D. Ernst Hallwachs. Dieser beauftragte Rechtsanwalt Jaeger mit der Verlesung der Schlusssteinurkunde. Diese wurde in eine Metallkapsel gelegt, welche in den Schlussstein eingefügt wurde. Die Festrede hielt Gymnasialdirektor Prof. Dr. Kieser.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden auf dem Hemsberg vom Odenwaldklub jährliche Sonnenwendfeiern am Bismarckturm durchgeführt.

In den Jahr 1956 wurde die Aussichtsterrasse zugemauert und auf der Ost- und Westseite jeweils mit zwei Fenstern versehen. Der Anbau wurde zum Wanderheim mit Klubzimmer umgebaut. Das Bismarck-Medaillon wurde im Innern über der Wanderer-Heimtür angebracht.

Von 1970 bis 1973 wurde der Turm umfassend saniert.

Am 06.07.2002 wurde der Bismarckturm (auch als Hemsbergturm bekannt) 100 Jahre alt. Der Odenwaldclub (Ortsgruppe Bensheim e.V.) veranstaltete eine Jubiläumsfeier am Turm.

Im Jahr 2010 wurde der Turm saniert, dabei wurden das Dach abgedichtet sowie Fenster und Türen gestrichen.


Öffnungszeiten

Das Bauwerk ist in der warmen Jahreszeit jeweils an Sonntagen geöffnet.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 47-48
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von BENSHEIM (Hessen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 64 "Bismarck-Turm bei Bensheim a.d. Bergstraße", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, Nr. 6: "Die Bismarck-Säule auf dem Hemsberge bei Bensheim a.d.B.“
- Odenwaldklub Bensheim: Schriftliche Mitteilung im Mai 2002 zum Jubiläum


Fotos

- Thomas Lunke, Kamen (April 2003)
-
Ralph Männchen, Dresden (April 2004)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (April 2008)
-
Albrecht Behrends, Bochum (April 2009)


Foto Bismarckturm Bensheim April 2008 [Jörg Bielefeld]
Foto Bismarckturm Bensheim April 2008 [Jörg Bielefeld]