Update: 19.02.2015

Gedenkhalle mit Kreuzgewölbe
Der Bismarckturm in Zehdenick

Bauplanung

Am 01.04.1899 regte der Kgl. Baurat Gustav Hippel den Bau einer Feuersäule in Zehdenick an.

Um die Jahreswende 1899/1900 bildete sich in Zehdenick der „Verein Bismarckthurm“, der am 24.02.1900 ins Vereinsregister eingetragen wurde (Satzung vom 08.01.1900). Vorsitzender des Verein war der Kgl. Baurat Hippel aus Zehdenick.

Der Verein wählte den von der deutschen Studentenschaft preisgekrönten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis zur Ausführung aus. Der Vorsitzende des Vereins ergänzte den Entwurf von Kreis, indem er in den Sockel des Turmes eine Gedenkhalle mit Kreuzgewölbe plante, die über eine separate Außentreppe nach unten betreten werden konnte.

Als Bauplatz wurde vom Verein der Hohe Timpberg (95,40 m über NN) ausgewählt.

Bis Anfang März 1900 waren schon zahlreiche Granit- und Ziegelsteine auf den Timpberg geschafft worden. Die Granitsteine wurden von Ökonomierat Lamprecht und Domänenpächter Fischer aus Badingen kostenlos bereitgestellt. Die heimischen Bauern stellten die Fuhrwerke zum Transport der Steine.

Die Gesamtkosten von 8.000 Mark konnten recht niedrig gehalten werden, da alle Baustoffe (Feld- und Ziegelsteine) unentgeltlich zur Baustelle auf den Hohen Timpberg, ca. 5 km von Zehdenick entfernt (bei Klein-Mutz), gebracht wurden und da zahlreiche Arbeiten kostenlos durchgeführt wurden.


Bauarbeiten

Als Baumaterial wurden Granit-Findlinge aus der Feldmark verwendet. Diese Steine waren zuvor mittels eines Hammers bearbeitet worden, um das Gefüge und das Farbenspiel des Granits deutlich zur Geltung kommen zu lassen. Für die Hintermauerung wurden Ziegelsteine verwendet.

Die Bauoberleitung übernahm der Vorsitzende des "Verein Bismarckthurm", Gustav Hippel, selbst, die Maurerarbeiten führte Maurermeister Maaß aus Zehdenick aus.


Weitere beteiligte Firmen und Handwerker

Zimmermeister Pflug (Zehdenick)                    
Fertigung beider Eichenholztüren + Spende der Türen

Maler Panitzsch (Neuhof bei Zehdenick)   
Malerarbeiten im Gedenkhalle und Treppenhaus

Obermeister Alte und Fa. Watt                        
Fertigung der gusseisernen Feuerschale + Spende

Die Grundsteinlegung erfolgte am Nachmittag des 01.04.1900 bei großer Beteiligung der Bevölkerung (über 1.000 Personen). In den Granit-Grundstein wurde ein Zinkblechkasten mit Urkunde, Drucksachen und Münzen eingelassen, nachdem Baurat Hippel die Urkunde verlesen und Pastor Hentschel die Weiherede gehalten hatte.

Am 18.06.1900 wurde die Feuerschale von Ackerbürger Schultz auf den Timpberg gebracht.

Am 07.07.1900 wurde beschlossen, den ursprünglich geplanten Einweihungstermin (29.07.1900) auf den 02.09.1900 (Sedantag) zu verschieben.

Bereits am 09.07.1900 war der Bau des Bismarckturmes vollendet.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der 14 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit wurde auf einem großflächigen, ca. 1,50 m hohen terrassenförmigen Unterbau in Form eines flachen Pyramidenstumpfes mit einem Neigungswinkel von 45° errichtet.

Eine Steintreppe mit sechs Stufen führt im Nordosten des terrassenförmigen Unterbaus, die oben seitlich von zwei Pfeilern begrenzt ist, gelangt man zur Eingangsseite des Bismarckturms auf der Nordseite.

Die Sockelkonstruktion des Turmes ist dreistufig. Die Basis ist, analog zum terrassenförmigen Unterbau, in Form eines Pyramidenstumpfes mit einer Neigung von 45° in unregelmäßigem Bruchsteinmauerwerk errichtet. Die Basiskonstruktion ist auf der Nordseite (Zugang zur Gedenkhalle und Aufstieg zum Eingangsbereich) durchbrochen. Über eine eingefügte Treppe auf der Ostseite mit fünf Stufen gelangt man aus die Basiskonstruktion mit Zugang zum Aufstieg.

Durch die durchbrochene Basis auf der Nordseite gelangt man zur spitzbogenartigen Tür der Gedenkhalle im Sockel des Turmes. Über eine Steintreppe nach unten gelangt man in die Gedenkhalle mit Kreuzgewölbe. Die Gedenkhalle ist ausgeschmückt und zeigt in der Mitte einen in mittelalterlichen Formen gehaltenen Adler, der in den Krallen einen Schild mit Bismarck-Wappen hält. Die Gewölbegrate sind mit Ranken- und Blattschmuckwerk bemalt, die tragenden Wandteile sind mit Flächenverzierungen betont.

Oberhalb der Basis ist eine schmale plinthenförmige Stufe eingefügt, auf die der eigentliche, 1,50 m hohe senkrecht gemauerte Turmsockel (quadratisch, Seitenlänge 5,50 m) aufgesetzt ist.

Auf dem Turmsockel erhebt sich, leicht zurückgesetzt, der eigentliche Turmschaft.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit dreistufigem Oberbau zusammengehalten werden.

In Höhe der Sockeloberkante wurde der Zugang im Bereich des unteren Turmschaftes angelegt. Über eine Freitreppe gelangt man zur oberen spitzbogenartig ausgeführten Eingangstür. Der 3,00 m x 3,00 m große Innenraum  der Säule ist ebenso gewölbt ausgeführt wie die Gedenkhalle. Auf der Ostseite befindet sich ein kleiner Sockel (0,50 m tief, 0,65 m breit), der für die Aufstellung einer Bismarck-Büste vorgesehen war (Bismarck in Ritterrüstung, Schild, Schwert und Fahne, wurde nicht verwirklicht).

Auf der anderen Wandseite ist ein Bismarck-Ausspruch gemalt, der von Kornblumen umzogen ist:

Unsere Politik ist, daß kein Fuß breit deutscher Erde verloren gehen soll

Die rechte Wandseite zeigt das Mausoleum in Friedrichsruh.

Über eine Innentreppe mit 37 Steinstufen (Metallgeländerlauf auf der rechten Treppenseite) gelangt man zu einem einfachen, ungeschützten Austritt auf der Nordseite des Bauwerkes. Die eigentliche Plattform ist 2,60 m x 2,60 m groß und ist rundum mit einer 1 m hohen Brüstung versehen.

Die aufgesetzte Feuerschale auf der Plattform hat einen Durchmesser von 1,50 m bei einem Gewicht von 500 kg. Befeuert wurde diese an bestimmten Tagen mit Baumstümpfen (Kiefer), Pech, Asphalt und Teertonnenholz.


Turmgeschichte

An der Einweihungsfeier am 02.09.1900 nahmen Teile des Adels und der Kirche der Uckermark, Vertreter der Kreis- und Stadtbehörden und Mitglieder von zwanzig Vereinen (u.a. Arbeiterverein) sowie zahlreiche Bürger teil.

Die Eröffnung der Einweihungsfeier erfolgte durch den Grafen von Arnim-Mellenau. Nach Gedicht- und Gesangsvorträgen hielt Mauermeister Maaß eine Rede und überreichte Baurat Hippel den Schlüssel des Turmes. Nach einer Rede des Baurates reichte dieser den Turmschlüssel an Landrat von Arnim weiter, damit dieser für die regelmäßigen Öffnungen sorgen sollte.

Die abschließende Weiherede wurde von Pastor Duchstein gehalten. Anschließend wurde das Bauwerk erstmals für das Publikum geöffnet. Der Vorstand begab sich mit den Ehrengästen in das Festzelt. Das Besteigen des Turmes kostete am Einweihungstag 20 Pfg (inkl. der damit erworbenen Festordnung) für den Käufer nebst Familie oder 10 Pfg. pro Person. Der Erlös der des Festes kam dem Baufonds zugute.

Abends wurde erstmals das Feuer in der Feuerschale entzündet. Zusätzlich wurde der Turm von unten bengalisch beleuchtet. Die Beleuchtung wurde durch elektrische Scheinwerfer der Fa. Watt verstärkt. Der Tag endete mit einer Abschlussrede des Ökonomierats Lamprecht und dem Lied „Deutschland Deutschland über alles“.

Der Bismarckturm blieb nach der Einweihung Privateigentum des Vereins.

Am Sonntag, 16.09.1900 wurde das Bauwerk von 100 Personen bestiegen.

Im Jahr 1901 bestand der Verein aus 45 ständigen Mitgliedern und 26 Jahresmitgliedern. Die Mitgliedsbeiträge wurden insbesondere für die Deckung der noch vorhandenen Bauschulden verwendet, aber auch für Verschönerung und Bewachung des Turmes sowie für die weiteren Befeuerungen.

Der Verein erwarb für die Sommermonate eine Schankwirtschaft, die dem Gastwirt Oberüber aus Klein-Mutz übertragen wurde.

Weitere nachgewiesene Befeuerungen fanden am 01.04.1901, 02.09.1901, 02.09.1902 und 02.09.1903 statt.

Am 10.05.1902 um 20:00 Uhr veranstaltete der Verein ein Bismarckfest im Aug. Hahnschen Saal in Zehdenick. Der erzielte Reinertrag betrug 202 Mark, der für die Deckung der Verpflichtungen des Vereins verwendet wurde. Die ständige Mitgliederzahl war zu diesem Zeitpunkt auf 58 angewachsen.

Von 1901 bis mindestens 1904 kostete der Eintritt pro Person 10 Pfg (Familie: 25 Pfg, jede Schule 25 Pfg), der Turmschlüssel war im Gasthof Klein-Mutz erhältlich.

Der Verein Bismarckturm wurde am 05.06.1914 "nach Erfüllung des Vereinszwecks" aufgelöst. Der Turm und das Grundstück wurden dem Kreis Templin überlassen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Unterkonstruktion der Feuerschale beschädigt. Nach 1945 wurde das Bauwerk Timpenturm genannt.

Ab 1965 wurde das Gelände rund um den Turm als wilde Mülldeponie benutzt.

In den Jahren 1990 und 1995 war das Bauwerk in einem stark verwahrlosten Zustand, es waren lediglich Sicherungsarbeiten an der Plattformbrüstung durchgeführt worden. Die Brüstung wurde mit Zementbetonsteinen notdürftig ausgebessert.

Im Jahr 2001 wurde der Förderverein Bismarckturm Klein-Mutz e.V. gegründet. Ziel ist u.a. eine vollständige Sanierung des Bismarckturmes. Alljährlich wird seit 2001 die Sommersonnenwende am Bismarckturm gefeiert (im Jahr 2006 ein Turmfest im Mai).

Die Feuerschale wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt vom Turmkopf abgenommen und steht heute unmittelbar neben dem Turm.

Aufgrund der Initiative des Bismarckturm-Vereines konnte zuerst die Aussichtsplattform durch Spendenmittel saniert werden.

Von Juli bis Oktober 2005 wurde die Außenfassade des Turmes saniert. Am 23.10.2005 wurde die Wiedereröffnung des Bismarckturmes gefeiert.


Ansprechpartner:

Bismarck-Turm-Verein Klein-Mutz e.V., Vorsitzender: Bernd Gotthardt Tel.: 03307/310881


Öffnungszeiten:

Öffnung nur nach telefonischer Vereinbarung, Eintritt frei


Links

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Bilder-Galerie

Fotogalerien bei www.klein-mutz.de


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 417/418
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von ZEHDENICK (Brandenburg)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 27 "Bismarck-Feuersäule zu Zehdenick", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, "Die Bismarck-Säule (Architekt Kreis) zu Zehdenick"
- Franken, Friedrich K.H.M.: "Kontinuität und Wandel in Leben und Werk des Architekten Wilhelm H. Kreis“, Dissertation Technische Hochschule Aachen, 1996, S. 52
- Zehdenicker Anzeiger, verschiedene Ausgaben zwischen dem 01.03.1900 und dem 02.09.1903 sowie 23.05.1914


Fotos

- Marek Moson, Wroclaw (Mai 2006)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Mai 2006)
- Albrecht Behrends, Bochum (April 2010)