Update: 13.11.2014

Als Feuersäule und Wasserturm konzipiert
Der zweite Bismarckturm in Senftenberg

Bei dem Bismarckturm in Senftenberg-Paradies (später Senftenberg-Hörlitz, ab 2001 Gemeinde Schipkau) handelte sich um einen der wenigen Bismarcktürme, welcher für die Niederlausitzer Wasserwerks-Gesellschaft m.b.H. Senftenberg als Wasserturm und Aussichtsturm konzipiert wurde.


Bauplanung

Bereits im Jahr 1903 plante man, den hölzernen Bismarckturm auf dem Koschenberg durch einen massiven Bismarckturm zu ersetzen.

Es wurde ein Komitee zwecks Realisierung des Vorhabens gebildet. Mitglieder dieses Turmbaukomitees waren u.a. der Landrat des Kreises Calau, Graf Karl Alphons von Pourtalès (1861-1930), Regierungsbaumeister Roscher und Bergwerksbesitzer Max Schöppenthau.

Auf einer Versammlung Mitte März 1903 wurde in einer einberufenen Versammlung die Standortfrage lebhaft diskutiert.

Im Mai 1903 wurden im gesamten Kreisgebiet Listen zur Zeichnung von Spendenbeiträgen für den Bau eines Bismarckturmes ausgelegt.

Im Frühjahr 1904 wurde der Plan, den massiven Turm auf dem Koschenberg zu errichten, aufgegeben. Die bereits gesammelten Gelder wurden an die Spender zurückgegeben.

Der Senftenberger Kriegerverein regte im Jahr 1907 erneut an, auf dem Koschenberg einen massiven Bismarckturm zu bauen. Zur Ausführung dieses Planes kam es wiederum nicht.

Die Anfang März 1912 gegründete Niederlausitzer Wasserwerksgesellschaft m.b.H. Senftenberg plante kurz nach ihrer Gründung, einen Wasserturm bei Hörlitz, der zugleich als Bismarckturm fungieren sollte, zu errichten. Im Bereich Niederlausitz sollte durch den Turm eine zentrale Wasserversorgung aufgebaut werden, da der Grundwasserspiegel durch den Bergbau abgesenkt worden war.

Es wurde ein engerer Wettbewerb durchgeführt, bei dem die Fa. Johann Odorico den Zuschlag erhielt.

Architekt Paul Bender aus Dresden entwarf einen runden Wasserturm.

Die Kosten für den Turmbau wurden von mehreren Gesellschaftern getragen.


Bauarbeiten

Die Bauausführung erfolgte durch Johann Odorico (Inhaber Ing. R. Wortmann) aus Dresden. Die Bauleitung oblag Dir. Wagenführer der Niederlausitzer Wasserwerks-Gesellschaft m.b.H.

Als Baumaterial wurde Eisenbeton und Ziegel verwendet.

Die Ansichtsflächen des Turmes wurden mit Edelputz verschiedener Körnung versehen, für die Dachdeckung des kuppelförmig begrenzten Daches wurde Kupferblech verwendet.

Mitte Juni 1913 waren die Bauarbeiten bereits gut vorangeschritten, so dass der Turm bereits am 01.04.1914 eingeweiht und in Betrieb genommen werden konnte.


Turmbeschreibung

Dieser 42,80 m hohe Bismarckturm wurde als Wasserturm und Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit errichtet.

Der Turm mit rundem Grundriss bestand aus einem senkrechten Eisenbeton-Gerippe mit dazwischen gespannten Umfassungswänden aus 13 cm starkem, mit Flacheisen bewehrtem Ziegelmauerwerk. Das Eisenbeton-Gerippe bestand aus sechs senkrechten Eisenbeton-Säulen von 0,50 m bis 0,55 m Breite. Durch ringförmige und durch quer kreuzende Rippen aus Eisenbeton wurden die Säulenteile zu einer einheitlichen Konstruktion miteinander verbunden.

Der 6,50 m hohe ringförmige Fundamentkörper aus Stampfbeton besaß einen Durchmesser von 13 m.

Der leicht zurückgesetzte Mittelbau mit einem Durchmesser von 10,20 m war zwischen dem unteren und oberen Austritt in fünf Abschnitte (Etagen) unterteilt. Die Höhen der Etagen betrugen 6 m, zwei Mal 5,80 m und zwei Mal 6,75 m. In der obersten Etage war der Wasserbehälter (lichter Durchmesser 8,20 m) installiert. Der zylindrische Behälter fasste 350 m³ Wasser und diente dazu, die Schwankungen des Wasserbedarfs zu regeln und auszugleichen. Der Behälter war durch doppelte Asphaltfilzplatten und Zwischenräumen von der darunter befindlichen Tragdecke isoliert.

Der leicht zurückgesetzte, 5,20 m hohe Aufbau oberhalb des Mittelbaus hatte einen Durchmesser von 8,70 m.

Über den Eingang auf der Ostseite des Turmes gelangte man in den Unterbau des Turmes.

Über eine sich innerhalb der Umfassung entlang wendelnde Treppe mit hoher Brüstung erreichte man den unteren Umgang des Turmes auf 6,50 m Höhe, welcher mit einem schmiedeeisernen Geländer versehen war.

Die Treppe führt durch alle Etagen (in der oberen Etage um den Wasserbehälter herum) zum oberen Austritt mit schmiedeeisernem Geländer in 37 m Höhe.

Die Kuppel des Turmes war mit einem runden Feuerbecken (Durchmesser 2,50 m, Tiefe 0,80 m) versehen. Die Isolierung zur Turmkonstruktion erfolgte durch hochporöse Ziegel und durch Lufträume.

Oberhalb des Eingangs war ein bronzenes Bismarck-Medaillon mit Lorbeerkranz angebracht, welches 1913 in Lauchhammer gegossen worden war.


Turmgeschichte

Der Wasserturm diente 50 Jahre lang zur Trinkwasserversorgung in Senftenberg und Umgebung. Da der Tagebau Meuro immer näher an den Bauplatz des Turmes rückte, wurde 1963/1964 beschlossen, dass das Bauwerk dem Tagebau weichen musste.

Der Bismarckturm wurde am 20.01.1965 gesprengt. Das Gelände (Feld Hörlitz) wurde vom Vorabschnitt des Tagebaus Meuro überbaggert.

Nahe des ehemaligen Standortes (seit dem 31.12.2001 nach Eingemeindung zur Gemeinde Schipkau gehörig) wurde im Jahr 2004 ein 33,50 m hoher Aussichtsturm mit einer Aussichtsplattform in 27 m Höhe errichtet, welcher an den ehemaligen Wasserturm erinnern soll.


Links (ehemaliger Standort)

Google Maps (vermuteter Standort)

Google Earth (vermuteter Standort)

Tagebau Meuro (mit Abbau-Karte)

Aussichtsturm Hörlitz


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 364
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von SENFTENBERG (Brandenburg)
- Deutsche Bauzeitung – Mitteilungen über Zement, Beton- und Eisenbeton, 14. Jahrgang 1917, S. 57-59
- Becher, Bernhard und Hiller: „Die Architektur der Förder- und Wassertürme“, München 1971, S. 382


Bismarckturm / Wasserturm Senftenberg im Bau und vollendet