Update: 18.08.2016

Bismarckturm mit Glasmosaik-Wappen
Der Bismarckturm in Pritzwalk

Bauplanung

Am 27.05.1900 stellte der Kyritzer Kriegerverein „Kamerad“ auf dem Kriegertag in Freyenstein den Antrag, an einem Ort des preußischen Landkreises Ostprignitz eine Bismarcksäule zu errichten. Der Vorsitzende des Kriegervereins „Kamerad“ traf sich im Frühjahr 1901 mit dem Landrat des Landkreises Ostprignitz, um diesen Antrag zu erörtern.

Am 16.06.1901 wurden alle Gemeinden, Güter und alteingesessene Familien der Ostprignitz aufgerufen, Beträge zu spenden und Findlinge bzw. Wappenschilde für den Turmbau zu stiften.

Auf einem Kriegertag des Kreiskriegerverbandes der Ostprignitz am 08.06.1902 wurde auf Antrag des Kriegervereins „Kamerad“ beschlossen, den Bismarckturm auf dem Trappenberg im Südosten von Prignitz (86 m über NN) zu errichten. Es handelt sich um den Platz, an dem Kaiser Wilhelm I. im Jahr 1885 das damalige Kaisermanöver beobachtet habe. Der Kriegerverein „Kamerad“ sollte alle notwendigen Vorarbeiten für den Turmbau durchführen.

Landesbauinspektor Friedensreich aus Neuruppin wurde beauftragt, einen geeigneten Turm-Entwurf zu fertigen. Am 03.09.1902 legte der Landesbauinspektor einen ersten Entwurf nebst Kostenanschlag vor. Es wurde beschlossen, bezüglich der weiteren Bauplanung ein Ehrenkomitee zu bilden.

Nach Zustimmung des Pritzwalker Magistrats erfolgte im November 1902 durch den Kreiskriegerverband der Aufruf zur Errichtung eines Bismarckturmes. Vertreter des Kreiskriegervereins hatten nach Besichtigung den Bauplatz auf dem Trappenberg für gut befunden. Das 5,5 Morgen große Baugrundstück wurde von der Stadt Pritzwalk kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Kreiskriegerverband wurde im Grundbuch als Eigentümer der Parzellen 958 und 996 eingetragen.

Zwischen der Stadt Pritzwalk und dem Kreiskriegerverband wurde ein Vertrag geschlossen, in dem sich die Stadt verpflichtete, das zur Verfügung gestellte Baugelände nicht wieder beanspruchen zu wollen, die gärtnerischen Anlagen anzulegen und zu pflegen und das Bauwerk, falls der Kreiskriegerverband nicht mehr existieren sollte, samt Gelände zur dauernden Unterhaltung und Pflege zu übernehmen.

Im November 1902 waren dem Ehrenkomitee bereits 129 Personen beigetreten.

Am 15.02.1903 legte Landesbauinspektor Friedenreich auf einer Versammlung drei Entwurfsskizzen vor. Bei einer Abstimmung wurde der dritte Entwurf, ein 15 m hoher viereckiger Aussichtsturm mit Feuerpfanne, der mit Wappen alteingesessener Familien und Städten des Ostprignitzkreises versehen sein sollte, ausgewählt. Noch im gleichen Monat erfolgte ein weiterer Aufruf zu Spenden.

Am 09. und 10.08.1903 wurde zum Besten des Bismarckturmes ein Reiterfest durchgeführt.

Im Herbst 1903 wurde von Landesbauinspektor der endgültige Entwurf präsentiert. Der Kostenvoranschlag betrug 12.000 Mark, sollte aber durch Einsparungen, insbesondere bei den Löhnen und beim Baumaterial, auf 10.000 Mark reduziert werden.

Ein Bismarckturmfest zum Besten des Bismarckturmes fand am 17.01.1904 statt. An diesem Tag fand der Kriegertag statt, bei dem der endgültige Turm-Entwurf gezeigt wurde.

Die vom Kreiskriegerverband beantragte polizeiliche Baugenehmigung wurde am 18.01.1904 erteilt.

Die Bauausführungsarbeiten wurden am 23.02.1904 an Maurermeister Gustav Kohlmetz vergeben. Es wurden Sammelstellen zur Anlieferung von Findlingen in mehreren umliegenden Städten eingerichtet. Bis Anfang April wurden alle Baumaterialien zum Bauplatz geschafft.

Am 10.04.1904 um 13:00 Uhr wurde die Grundsteinlegung im Rahmen eines feierlichen Festaktes durchgeführt.

Die Kosten für den Bau des Bismarckturmes stiegen auf insgesamt 20.994 Mark, so dass die Baukosten noch viele Jahre nach der Einweihung des Turmes abbezahlt werden mussten.

Die Kosten wurden insbesondere durch Spenden der umliegenden Gemeinden und von Krieger- und Kameradschaftsvereinen getragen.


Bauarbeiten

Als Baumaterial wurden für den Unterbau Findlinge der Umgebung, für den Turmschaft Backsteine im Klosterformat aus der Ziegelei bei Mechow verwendet.

Als ausführender Maurermeister war Gustav Kohlmetz aus Pritzwalk tätig. Die Mosaiken wurden von der Manufaktur Pool & Wagner aus Berlin hergestellt.

Mitte Oktober 1904 war das Kreuzgewölbe in der 2. Etage des Turmes fertig gestellt. Aufgrund anhaltenden Regens konnten die Gewölbekappen nicht ausreichend aushärten, sodass das Gewölbe nach Wegnahme des Lehrbogens einstürzte. Dabei wurden zwei Arbeiter schwer verletzt.

Am 10.11.1904 wurde der fertig gestellte Rohbau baupolizeilich abgenommen.


Turmbeschreibung

Der 18,50 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit hat einen Grundriss von 6,00 m x 6,00 m (ohne Strebepfeiler). Das 1,50 m tiefe (nicht sichtbare) Fundament hat die Außenmaße 6,70 m x 6,70 m.

Das Bauwerk ist in drei Etagen und den Turmkopf gegliedert. Die drei Etagen sind optisch durch Abstufungen der Strebepfeiler erkennbar.


Turmplateau und Terrasse

Auf das 2,50 m hohe Turmplateau führt auf der Nordwestseite eine mittige Steintreppenanlage mit 13 Stufen, die oben und unten von 1,40 m hohen Steinpollern mit Pyramidendach flankiert sind. Das Plateau ist von Pollern, die - außer vor dem Eingangsbereich - durch Kettengehänge verbunden sind, umgrenzt.


Turmsockel

Der 4,80 m hohe Sockel mit Strebepfeilern wurde aus Findlingen als Zyklopenmauerwerk errichtet. Auf 189 bossierten Findlingen auf allen Seiten des Bauwerkes sind die Namen der Spender eingemeißelt (u.a. Kriegervereine und umliegende Gemeinden).

Den Eingangsbereich erreicht man über eine vorgelagerte Treppenstufe (10 cm Höhe). Das zweiflügelige Eingangsportal aus Holz hat eine Größe von 1,30 m x 2,05 m mit einem 0,95 m hohen spitzbogigen Aufsatz. Das Eingangsportal ist umrahmt von einem dreifach gestuften Spitzbogen.

Innen:
Durch das Portal gelangt man in den Innenraum mit einer Grundfläche von 4,20 m x 4,20 m mit sieben Nischen. Die lichte Höhe des Raumes beträgt 4,10 m. Hinten rechts gelangt man durch eine Tür in das schmale Treppenhaus des Turmes. Über eine Wendeltreppe mit 2x11 Stufen gelangt man zur mittleren Etage des Turmes.


Mittlere Etage

In einer Nische in etwa 7 m Höhe der Eingangseite war auf einem kleinen Podest eine bronzene Bismarck-Büste angebracht (nicht mehr vorhanden). Unterhalb der Nische war eine Inschrifttafel mit der Inschrift

"WIR DEUTSCHEN FUERCHTEN GOTT/
SONST NICHTS AUF DER WELT"
.

befestigt.

Oberhalb der Nische ist ein farbiges Bismarck-Wappen (in Blau, Kleeblatt und Eichenblätter in Gold) angebracht.

Innen:
Durch eine Holztür (1,84 m x 0,75 m) erreicht man die ehemalige Ruhmeshalle, einen spitzbogigen Raum mit sieben Nischen und zwei langen schmalen Fenstern. Der Raum hat eine Grundfläche von 4,20 m x 4,20 m. Die lichte Höhe beträgt 6,60 m. Über eine Wendeltreppe mit 3x11 Stufen gelangt man zur oberen Etage des Turmes.


Obere Etage

Der obere Bereich des Turmes ist aus roten Backsteinen im Klosterformat erbaut.

Unter der Zinnenaussichtsplattform wurden 22 Glasmosaik-Wappen der Adelsfamilien, Stifte und umliegenden Städte der Prignitz angebracht.

Es handelt sich um folgende Wappen:

Vorderseite (Nordwestseite)

01 von Wartenberg
02 Staatliches Fräuleinstift Marienfließ
03 von Klitzing
04 von Freier
05 Familien von Eckardstein

Rechte Seite (Südwestseite)

06 Graf von Königsmarck
07 Baron von Lindau
08 Familien von Kröcher
09 von Rohr

Hintere Seite (Südostseite)

10 von Möllendorff
11 Stift Heiligengrabe
12 von Karstedt
13 von Platen
14 von Dallwitz

Linke Seite (Nordostseite)

15 von Jena
16 von Grävenitz
17 Gans Edle Herren zu Putlitz
18 von Winterfeld

An den Ecken

19 Stadtwappen von Kyritz (vorne rechts)
20 Stadtwappen von Pritzwalk (vorne links)
21 Stadtwappen von Wittstock (hinten links)
22 Stadtwappen von Meyenburg (hinten rechts)

Innen:
Die Grundfläche des Raumes beträgt 4,20 m x 4,20 m. Über eine rechtsdrehende Steintreppe mit 14 Stufen betritt man durch eine rundbogige Holztür die zinnenbekrönte Plattform.


Plattform

Die Außenmaße der auskragenden quadratischen Plattform (mit vier hervorstenden Ecken an jeder Seite) betragen 6,90 m x 6,90 m. Der achteckige Aufbau auf der Plattform ist 4,60 m x 4,60 m groß. Der abgestufte Aufbau hat eine Gesamthöhe von 3,89 m. In die oberste Stufe des Aufbaus wurde nach der Einweihung eine sechseckige Feuerschale aus Schmiedeeisen (3,00 m x 2,00 m), gefertigt von der Firma D. Ewald in Pritzwalk, eingemauert.

Als Brennmaterial wurden Scheitholz, Teer und Petroleum verwendet.

Die Breite des Umganges beträgt an den Seiten 0,85 m, an den Ecken bis maximal 1,85 m.


Turmgeschichte

Am 01.04.1905 um 20:00 Uhr wurden die Einweihungsfeierlichkeiten durch einen Zapfenstreich aller Pritzwalker Vereine eingeleitet. Am 02.04.1905 ab 12:30 Uhr fand die feierliche Einweihung des Bismarckturmes bei regnerischem und stürmischem Wetter statt. An der Feier nahmen 2.185 Besucher (75 Vereine) teil.

Die Weiherede hielt Rittmeister A. von Winterfeld-Neuendorf, die anschließende Ansprache Bürgermeister Emil Doerfel (1857-1929). Der Turm wurde vom Baumeister an den Vorsitzenden des Kreiskriegerverbandes, Oberarzt d.R. Dr. Wilhelm aus Kyritz übergeben. Um 20:00 Uhr wurde das Feuer auf dem Turmkopf in einer provisorischen Feuerungsanlage erstmals entzündet. Aufgrund des stürmischen Wetter loderte das Turmfeuer bis zu 15 m hoch.

Die Feuerschale wurde erst nach der Einweihung auf dem Turmkopf installiert. Aus Kostengründen wurde diese Art der Befeuerung vor 1907 eingestellt. Es wurde auch die sog. Fiedlersche Installation (siehe Bismarckwarte Berlin) ausprobiert, aber nicht genommen.

Die Bauschuld war Anfang 1909 immer noch nicht vollständig abgetragen, sodass am 27./28.02.1909 sowie am 16.03.1909 Basare im Saal des Gastwirtes Carl Schulz veranstaltet wurden, die einen Reinerlös von 3.185 Mark einbrachten. Dieser Betrag wurde als Beihilfe zur Begleichung der Rest-Bauschuld verwendet.

In den folgenden Jahren wurde die Gartenanlage mit Hilfe von Spenden ausgebaut, eine Bewässerungsanlage mit Pumpe und Rohrleitungen wurde installiert. Die Pumpen wurden in einem massiven Pumpenhaus (Motorhäuschen am Goetheweg) untergebracht, welches am 18.07.1912 fertig gestellt wurde.

Am 01.04.1915 wurde anlässlich des 100. Geburtstages von Otto von Bismarck vom lLndtagsabgeordneten Pfarrer Ramdohr-Schönhagen eine Rede am Bismarckturm gehalten und Kränze am Turm niedergelegt.

Die Bewässerungsanlage wurde in der Zeit der Inflation 1922/1923 abgebaut und verkauft. In den Folgejahren wurde die Gartenanlage mehrfach erneuert und der Bismarckturm saniert.

Zwischen dem Kreiskriegerverband und der Stadt Pritzwalk kam es wegen Parzellenverkaufs der Stadt Pritzwalk zu einem Streit. Nach Einigung der beiden Parteien erhielt der Kreiskriegerverband das Wegerecht über den 8 m breiten Zugangsweg (heute: Goetheweg, außerhalb der Parzellen), die Stadt durfte ihre Parzellen auf dem Trappenberg inklusiv des dortigen Wegerechts veräußern. Damit erlosch auch das Wegerecht des Vereins auf den verkauften Parzellen.

In den Jahren 1933 bis 1945 wurden am Bismarckturm nationalsozialistische Veranstaltungen (u.a. Sonnenwendfeiern der HJ) abgehalten.

Die Feuerschale auf dem Turmkopf musste im Jahr 1937 aufgrund eindringenden Regenwassers verfüllt werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde zum Schutz des Bauwerkes ein Wetterschutz über der Feuerungsanlage angebracht. Eine offizielle Umbenennung des Turmes in der DDR-Zeit wurde nicht durchgeführt (Bauwerk wurde „Aussichtsturm“ genannt).

Im Jahr 1946 wurde die Bismarckbüste und die ursprüngliche Inschrifttafel entfernt. Der Sockel der Büste blieb erhalten.

Ab 1949 hieß das Bauwerk zur DDR-Zeit "Turm des Friedens". Es wurde zeitweise als Schulsternwarte genutzt.

Das Bauwerk selbst verfiel in der DDR-Zeit immer mehr, besonders auf der Südwestseite waren die Schäden erheblich (Wappen beschädigt, Zinnen abgebrochen). Die Feuerschale wurde mit einem Eternit-Flachdach versehen.

Der Turm wurde zwischen 1992 und 1994 durch den Architekten Günter Kalkofen und einheimische Firmen mit Fördergeldern (insgesamt 527.500 DM) saniert. Die beschädigten Mosaik-Wappen wurden vom Rostocker Kunstformer Erhard John vervollständigt. Die Schriftplatte mit dem Ausspruch Bismarcks auf der Vorderseite des Turmes wurde komplett ersetzt.

Am 23.09.1994 wurde das Bauwerk als Bismarckturm, allerdings ohne Feuerschale, wiedereröffnet. Im Jahr 2001 wurde eine Dauerausstellung (Geschichte des Bismarckturmes) eröffnet.

Am 02.04.2005 wurde der Pritzwalker Bismarckturm 100 Jahre alt. Am 27.05.2005 fand am Turm nachträglich eine Jubiläumsveranstaltung statt (Festumzug, Rede des Bürgermeisters, Besichtigung und Platzkonzert).


Öffnungszeiten

Der Schlüssel für den Turm kann über die Stadtinformation Pritzwalk entliehen werden.


Links

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Innenansichten Bismarckturm


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 317-318
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von PRITZWALK (Brandenburg)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 114 "Bismarck-Feuersäule bei Pritzwalk/Ost-Prignitz", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 5, S. 9), 2. Jahrgang 1904 (Nr. 2, S. 3; Nr. 6, S. 2/3; Nr. 9, S. 2), 3. Jahrgang 1905 (Nr. 2, S. 5; Nr. 5, S. 6), 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)


Fotos

- Albrecht Behrends, Bochum (Juni 2009)
- Marek Moson, Wroclaw (Mai 2015)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Mai 2015)